Gegenstand dieser Seminararbeit ist Hannah Arendts Buch 'Macht und Gewalt'
(1970). In diesem Werk geht Arendt eben jenen beiden Grundbegriffen der politischen
Philosophie und deren Verhältnis zueinander nach. Nahezu die gesamte
Tradition der politischen Philosophie hätte, so Arendt, nur unzureichend zwischen
diesen Begriffen unterschieden und damit den eigentlichen, sich dahinter
verbergenden Sachverhalt verkannt. Macht und Gewalt sind nach Arendt keineswegs
nur verschiedene Facetten derselben Sache, nämlich politischer Herrschaft,
sondern sie bezeichnen durchaus Eigenständiges. Ihre These lautet, dass Gewalt
letzten Endes sogar Macht vernichtet; niemals ist Gewalt die Manifestation von
Macht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einfuhrung
2 Macht, Gewalt u. Marx’ Fortschrittsbegriff
2.1 Gewalt im Kontext des Fortschrittsbegriffs
2.2 Die klassische Verknupfung von Macht u. Gewalt
2.3 Arendts Begriff von Macht (und Gewalt)
3 Macht als vielfach geteilte Meinung
3.1 Abgrenzung: Macht ist nicht Autorität
3.2 Begrundung: Macht als Grundlage der Herrschaft
3.3 Arendts Denken: Handeln, Erscheinung, Wahrheit
3.4 Fortschrittsbegriff: Handeln und Gewalt
4 Gewalt als menschliches Phänomen
4.1 Ursachen und Rechtfertigung der Gewalt
4.2 Das Faszinosum kollektiver Gewalt
4.3 Moderne Gewalttendenzen: Gesellschaftskritik
5 Resumee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Macht und Gewalt im Werk von Hannah Arendt (1970). Ziel ist es, Arendts These zu stützen, dass Macht und Gewalt als Gegensätze zu verstehen sind und Gewalt nicht als Manifestation von Macht, sondern als deren Zerstörung fungiert, während die Arbeit gleichzeitig die Kritik an traditionellen Fortschrittsbegriffen beleuchtet.
- Unterscheidung zwischen Macht und Gewalt bei Hannah Arendt
- Kritik am marxistischen Fortschrittsbegriff und der Verherrlichung von Gewalt
- Analyse von Macht als konsensuale "Meinung der Vielen"
- Untersuchung der psychologischen und soziologischen Ursachen von Gewalt
- Reflektion über politische Handlungsfähigkeit in modernen Gesellschaften
Auszug aus dem Buch
3 Macht als vielfach geteilte Meinung
Dieses Kapitel untersucht das Verhältnis von Macht und Gewalt ausgehend vom Begriff der Macht; im folgenden Kapitel gehen wir das Problem von der Gewalt her an. Arendts These lautet, dass dort, wo Macht und Gewalt gemeinsam auftreten, die Macht ausschlaggebend ist, und wo Macht und Gewalt in ihrer Reinform aufeinanderprallen, die Gewalt. Weil es in der Sekundärliteratur an einschlägigen Abhandlungen zu Macht und Gewalt fehlt, geht die Untersuchung mehr in die Breite als in die Tiefe. Um sich Arendts Theorie zu erschließen, scheint es ein gangbarer Weg zu sein, den Machtbegriff ins Licht verschiedener 'Kontexte' zu stellen: in den begrifflichen Kontext (Abgrenzung), den analytischen Kontext (Begründung), den theoretischen Kontext (Arendts Denken) und in den historischen Kontext (Fortschrittsbegriff). Die Kontexte mögen sich überlappen, aber wenigstens hat man so Gesichtspunkte für die Annäherung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einfuhrung: Die Arbeit führt in Arendts zentrale Thesen ein, nach denen Macht und Gewalt als grundverschiedene Phänomene der politischen Philosophie zu betrachten sind.
2 Macht, Gewalt u. Marx’ Fortschrittsbegriff: Arendt analysiert die Verknüpfung von Gewalt und Fortschrittsglauben bei marxistischen Theoretikern und grenzt ihren eigenen Machtbegriff von dieser Tradition ab.
3 Macht als vielfach geteilte Meinung: Dieses Kapitel erörtert die Definition von Macht als Konsens einer Gruppe und grenzt diese von Begriffen wie Autorität, Herrschaft und Gewalt ab.
4 Gewalt als menschliches Phänomen: Hier werden die Ursachen von Gewalt, wie Empörung und Heuchelei, beleuchtet und die Faszination kollektiver Gewalt in der Moderne kritisch hinterfragt.
5 Resumee: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit, Macht und Gewalt als Gegensätze zu verstehen, um politische Fehlentwicklungen zu diagnostizieren.
Schlüsselwörter
Hannah Arendt, Macht, Gewalt, Politische Philosophie, Fortschrittsbegriff, Handeln, Herrschaft, Autorität, Politische Kommunikation, Kollektive Gewalt, Moderne, Gesellschaftskritik, Marxismus, Phänomenologie, Staatsgewalt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Hannah Arendts Werk "Macht und Gewalt" und untersucht das theoretische Verhältnis dieser beiden zentralen Begriffe in der politischen Philosophie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die Abgrenzung von Macht zu Gewalt, die Kritik an klassischen Fortschrittsbegriffen (insbesondere Marx) und die Analyse von Gewalt als menschliches Phänomen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, Arendts These zu stützen, dass Gewalt im Gegensatz zur Macht keine gestaltende, sondern eine zerstörerische Kraft ist, die zur Vernichtung von Macht führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit folgt einer philologisch-analytischen Herangehensweise, bei der Arendts Thesen im Kontext zeitgenössischer politischer Ereignisse und durch eine Auseinandersetzung mit der philosophischen Tradition geprüft werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Macht als soziale Übereinkunft, die Kritik an der Instrumentalisierung von Gewalt im Marxismus sowie die Analyse menschlicher Gewaltphänomene.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Hannah Arendt, Macht, Gewalt, Handeln, politische Philosophie und Gesellschaftskritik charakterisiert.
Wie unterscheidet Arendt nach dieser Arbeit Macht von Autorität?
Autorität basiert laut Arendt auf der fraglosen Anerkennung durch die Gehorchenden, während Macht auf der gemeinsamen Willensbildung einer Gruppe beruht; fehlt die Anerkennung, bricht Autorität zusammen.
Warum sieht Arendt laut der Arbeit die moderne Bürokratie als Gefahr?
Die Bürokratie führt laut der Arbeit zu einem Verlust an individueller Handlungsfähigkeit, was die Bürger ohnmächtig macht und die Tendenz zur sinnlosen Gewalt verstärkt.
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- Torben Büngelmann (Autor), 2007, Über Hannah Arendts "Macht und Gewalt", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84385