Die Al-Qaida - eine Reaktion auf die Globalisierung?


Hausarbeit, 2007
20 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung, Fragestellung, Literatur

2. Al-Qaida und die Globalisierung
2.1 Der globale Terror – Versuch einer Eingrenzung
2.1.2 Terror und Terrorismus
2.1.3 Terrorismus und Guerilla
2.1.4 Globaler Terrorismus
2.3 Al-Qaida in den Texten
2.3.1 Analyse
2.3.2 Lösung
2.3.3 Ziel
2.4 Schlussfolgerung
2.5 Aktuelle Entwicklung

3. Ergebnis und Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung, Fragestellung, Literatur

Am 11. September 2001 lenkten 19 Entführer zwei amerikanische Linienflugzeuge in die Doppeltürme des World Trade Centers in Manhattan, eines drittes ins Pentagon, ein viertes Flugzeug stürzte auf einem Feld ab. Mindestens 3000 Menschen starben. Schon nach kurzer Zeit wurde Osama bin Ladens Terrornetzwerk Al-Qaida[1] als Drahtzieher ausgemacht. Viele Menschen in Amerika und Europa hörten diese Namen indes zum ersten Mal und fragten sich angesichts der Zerstörung, was die Motive der Attentäter seien. Auf diese Frage werden höchst unterschiedliche Antworten gegeben.

So wurde und wird bin Laden als Führer des „internationalen Terrornetzwerkes Al-Qaida“ abwechselnd Nihilismus oder apokalyptische Vernichtungswut[2] vorgeworfen. George W. Bush erklärte, Islamisten wären „Instrumente des Bösen“[3] ohne Ideologie und Land und nur vom Hass motiviert.[4]

Eine andere populäre Sichtweise sieht den internationalen Terrorismus als Reaktion auf die Globalisierung. Die „Informationen zur politischen Bildung“ schreiben, die „Drahtzieher der Anschläge vom 11. September [wollten] diese auch als eine Reaktion auf ‚Globalisierung’ im Sinne von ‚Amerikanisierung’ oder ‚westlicher Dominanz’ verstanden wissen. Ihr Ziel ist es, bestimmte Weltregionen von ’westlichen’ Einflüssen zu ‚befreien’“.[5]

Die vorliegende Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt, diese Aussage anhand von Al-Qaida Verlautbarungen zu überprüfen.

Es empfiehlt sich folgende Gliederung: zunächst ist in kurzen definitorischen Vorüberlegungen zu klären, um was es sich bei internationalen Terrorismus überhaupt handelt. Danach soll die Entwicklung der Al-Qaida und Osama bin Ladens skizziert werden um im Hauptteil auf die veröffentlichten Texte einzugehen. Statt, wie nach den Anschlägen vom 11. September 2001 vielfach geschehen, sich dem Phänomen nur von der Tat her zu nähern[6], soll versucht werden, es über die Basis (eine der Bedeutungen des Wortes Al-Qaida) – die Ideologie und Programmatik – zu erschließen. Im Zentrum steht dabei die Frage, welche Rolle die Globalisierung in den Texten von Al-Qaida spielt.

Die Literatur zum Thema Terrorismus und Al Qaida ist zahlreich, allerdings tummeln sich „Kenner, Deuter und Spinner“[7] auf dem Gebiet der Terrorismuswissenschaft.[8]

Für diese Arbeit grundlegend ist eine Quellensammlung von Al-Qaida Texten durch Gilles Kepel und Jean-Pierre Milelli.[9] Hier wird der Ansatz verfolgt, „ausgehend von veröffentlichten schriftlichen Äußerungen, das Gedankensystem des Gebildes, das wir

Al-Qaida nennen, dar[zu]legen und [zu] analysieren.“[10] Eine weitere Quelle ist die Analyse von Al-Qaida Verlautbarungen durch Thomas Scheffler.[11]

2. Al-Qaida und die Globalisierung

2.1 Der globale Terror – Versuch einer Eingrenzung

Terrorismus zu definieren fällt schwer.[12] Der Begriff ist unscharf, denn seit „zwei Jahrhunderten werden unterschiedslos all jene als Terroristen bezeichnet, die berechtigter- oder unberechtigterweise gewaltsam die politische Ordnung umzustoßen suchen.“[13] Erst in neuerer Zeit aber steigt das wissenschaftliche Interesse am Terrorismus und wird der Begriff damit den politischen Interpretationen stückchenweise entzogen. Wichtig ist hierbei die Abgrenzung zwischen Terror und Terrorismus, sowie Terrorismus und Guerilla- bzw. Freiheitskampf.

2.1.2 Terror und Terrorismus

Beide Begriffe kennzeichnen die systematische Verbreitung von Furcht und Schrecken. Sie unterscheiden sich aber in der Quelle dieser Verbreitung. Terror meint eine staatliche Schreckensherrschaft gegen Bürger oder Gruppen, Terrorismus meint gezielte Angriffe gegen Machtausübende.[14]

Eine allgemein verbindliche, genauere Definition des Begriffes Terrorismus gibt es aber noch nicht. Peter Waldmann sieht Terrorismus als „planmäßig vorbereitete, schockierende Gewaltanschläge gegen eine politische Ordnung aus dem Untergrund. Sie sollen allgemeine Unsicherheit und Schrecken, daneben aber auch Sympathie und Unterstützungsbereitschaft erzeugen.“[15] Bruce Hoffman definiert Terrorismus als „bewusste Erzeugung und Ausbeutung von Angst durch Gewalt oder die Drohung mit Gewalt zum Zweck der Erreichung politischer Veränderungen“.[16] Eine Auflistung der Häufigkeit definitorischer Elemente in 101 Definitionen von Terrorismus aus dem Jahr 1988 kam zu dem Schluss, dass Gewalt und Zwang, Politische Forderungen und Verbreitung von Furcht und Schrecken die Häufigsten Begriffe in den Definitionen sind, es aber noch 19 weitere gibt.[17]

2.1.3 Terrorismus und Guerilla

Schwierig ist auch die Abgrenzung zwischen Terrorismus und Guerilla. Denn für viele gilt: „des einen Terroristen [ist] des anderen Freiheitskämpfer“.[18] Dennoch lässt sich der Unterschied auf Franz Wördemanns Formel aus den 70er Jahren bringen: „Der Guerillo will den Raum, der Terrorist will dagegen das Denken besetzen.“[19]

Nach diesen kurzen definitorischen Vorüberlegungen soll nun das Augenmerk stärker auf den internationalen oder globalen Terrorismus gelegt werden: Wie entwickelte er sich, was kennzeichnet ihn und welche Rolle spielt Al-Qaida in ihm?

2.1.4 Globaler Terrorismus

Der globale Terrorismus entstand im Zuge des israelisch-palästinensischen Konfliktes. Bisher hatten sich terroristische Gruppierungen auf Aktionen in einem Land und gegen ein Land und dessen Regierung beschränkt (so etwa die IRA in Irland oder die ETA in Spanien). Die Entführung eines El-Al-Verkehrsflugzeuges am 22. Juli 1968 durch die Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) auf dem Weg von Rom nach Tel Aviv markierte aber einen Wendepunkt: die gekidnappten Passagiere sollten gegen in Israel inhaftierte palästinensische Terroristen ausgetauscht werden, das Flugzeug gehörte der israelischen staatlichen Luftfahrtlinie – seine Entführung war damit gleichfalls eine symbolische Tat – und die Terroristen zwangen Israel damit zu direkten Verhandlungen mit ihnen, was das Land bisher abgelehnt hatte. Sie produzierten damit ein Medien-Ereignis und lenkten das Interesse der Öffentlichkeit auch auf die Lage der Palästinenser. „Wenn wir ein Flugzeug entführen“, so der Gründer der PFLP, Dr. Georges Habasch, „dann hat dies mehr Wirkung, als wenn wir hundert Israelis im Kampf töten.“[20] Das nächste Schlüsselereignis war zweifellos die Entführung und Ermordung israelischer Sportler bei den Olympischen Spielen am 5. September 1972 in München durch die palästinensische Organisation „Schwarzer September“. Die umfangreiche internationale Berichterstattung weist auf einen weiteren Aspekt von Terrorismus hin, der bisher noch nicht erörtert wurde: Terrorismus als Kommunikationsstrategie. Das Drama bei den Olympischen Spielen war „der […] Beginn von Terrorismus als globaler Kommunikationsstrategie mit der Öffentlichkeit und der Beginn einer symbiotischen Beziehung zwischen Terroristen und Medien.“[21] Anschläge auf ausländischem Gebiet, gegen Symbole (wie etwa die Olympischen Spiele 1972 oder 2001 das World Trade Center) und unter Einbeziehung unbeteiligter Zivilisten sicherten den Terroristen Aufmerksamkeit zur Vermittlung ihrer politischen Forderungen oder Botschaften.

Der Begriff internationalisierter Terrorismus bezieht sich jedoch nicht nur auf Anschlagsziele und Wirkungsweise einer internationalen Öffentlichkeit. Er bezeichnet auch die internationale Vernetzung von Terrorgruppen. Die PLO und PFLP bildeten in ihren Lagern in Jordanien Terroristen aus aller Welt aus und schufen somit ein internationales terroristisches Netzwerk. Die PLO hatte damit eine Vorreiterrolle und Tutorenfunktion beim Aufbau internationaler Netzwerke inne.[22]

Die Internationalisierung des Terrors ist also ein Prozess der Vernetzung, Professionalisierung und Medialisierung terroristischer Aktivitäten. Terrorgruppen blieben in der Folge nicht mehr isoliert, sondern arbeiteten auf unterschiedlichste Art und Weise zusammen. Zudem beziehen sich die Ziele, Begründungen und Aktionsräume der Terroristen sich nicht nur auf eine Region bzw. ein Land.

[...]


[1] Wie in der Literatur üblich wird die eingebürgerte (wenn auch nicht absolut korrekte) Schreibweise (z.B. Osama bin Laden statt Usama bin Ladin) gewählt.

[2] Eine ausführliche Auseinandersetzung damit in: Scheffler, Thomas: Apocalypticism, Innerwordly Eschatology and Islamic Extremism. In: Orientwissenschaftliches Zentrum der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Hrsg.): Religion und Gewalt. Japan, der Nahe Osten und Südasien. Halle/Saale 2003, S. 43-73.

[3] Zit. nach Scheffler, Thomas: Zeitenwende und Befreiungskampf: Zur Gegenwartsdiagnose Bin Ladens. In: Kippenberg Hans G.; Seidensticker, Tilam (Hrsg.): Terror im Dienste Gottes. Die „geistliche Anleitung“ der Attentäter des 11. September. Frankfurt/Main 2004, S. 87.

[4] Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass sich diese Einstellung – zumindest in offiziellen Verlautbarungen – gewandelt hat. So spricht Bush in einer Rede Anfang September 2006 von den Terroristen als „men without conscience, […] not madmen“ und „evil, but not insane“ Unter: http://www.whitehouse.gov/news/releases/2006/09/20060905-4.html (Stand: 31.07.2007 20:30 Uhr).

[5] Schneckener, Ulrich: Globaler Terrorismus. In: Informationen zur politischen Bildung (Heft 280). Unter: http://www.bpb.de/publikationen/7N2DFT,0,0,Globaler_Terrorismus.html#art0 (Stand: 1.08.2007 23:30Uhr ).

[6] Vgl. Scheffler: Gegenwartsdiagnose, S. 88.

[7] Hauschild, Thomas: Globale Gotteskrieger? Kenner, Deuter und Spinner: Literatur über islamischen Terrorismus. In: Internationale Politik, November 2005, S. 130.

[8] Siehe hierzu Rezensionen von Thomas Hauschild in: Ebda., S. 130ff .

[9] Kepel, Gilles; Milelli, Jean-Pierre (Hrsg.): Al Qaida. Texte des Terrors. München 2006.

[10] Ebda., S. 15

[11] In: Kippenberg, Hans G,; Seidensticker, Tilmann (Hrsg.): Terror im Dienste Gottes. Die „geistliche Anleitung“ der Attentäter des 11.September 2001. Frankfurt/Main 2004.

[12] Eine umfassende Darstellung des Diskurses und der unterschiedlichen Definitionen zum Terrorismus kann hier nicht erfolgen. Siehe dazu: Waldmann, Peter: Terrorismus. Provokation der Macht. München 1998, S. 9-24; ebenso: Hirschmann, Kai: Terrorismus. Hamburg 2003, S. 6-13; sehr detailliert dazu: Hoffman, Bruce: Terrorismus – der unerklärte Krieg. Neue Gefahren politischer Gewalt. Bonn 2006, S. 50-80.

[13] Ramonet, Ignacio: Kriege des 21. Jahrhunderts. Die Welt vor neuen Bedrohungen. Zürich 2002, S. 61.

[14] Vgl. Hirschmann: Terrorismus, S. 7.

[15] Waldmann: Terrorismus, S. 10.

[16] Hoffman: Terrorismus, S. 80.

[17] Vgl. Schmid, Alex P.; Jongman, Albert J. et al: Political Terrorism: A New Guide to Actors, Authors, Concepts, Data Bases, Theories, and Literature. New Brunswick 1988, S. 5-6; zit. Nach: Hoffman: Terrorismus, S. 71.

[18] Walter Laqueur, zit. nach: Hirschmann: Terrorismus, S. 10.

[19] Zit. nach: Waldmann: Terrorismus, S. 17; weitere Merkmale S. 18.

[20] Zit. nach: Hoffman: Terrorismus, S. 115.

[21] Hirschmann: Terrorismus, S. 20.

[22] Vgl. Hirschmann: Terrorismus, S. 20; detaillierter: Hoffman: Terrorismus, S. 130-135.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Al-Qaida - eine Reaktion auf die Globalisierung?
Hochschule
Universität Rostock
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
20
Katalognummer
V84438
ISBN (eBook)
9783638007757
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Al-Qaida, Reaktion, Globalisierung, Proseminar
Arbeit zitieren
Michael Draeger (Autor), 2007, Die Al-Qaida - eine Reaktion auf die Globalisierung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84438

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