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Homosexualität als mittelalterliches Tabu: Dargestellt an Chaucers Pardoner

Title: Homosexualität als mittelalterliches Tabu: Dargestellt an Chaucers Pardoner

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 20 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Jeanne Fischer (Author)

English Language and Literature Studies - Literature
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Stellen vielleicht die vom Pardoner vorgebrachten, detailgetreu und in akribischer Kausalität geschilderten eigenen Sünden in ihrer perfekten Grellheit ein Ablenkungsmanöver dar? Die Entrüstung heischenden Schilderungen seiner Habsucht, die keine Grenzen und Skrupel kennt – sie scheinen so bunt, so unzweifelhaft lasterhaft, dass sich die Vermutung aufdrängt, der Pardoner wolle eine ihm selbst und auch im mittelalterlichen Kirchenkontext schwerer wiegende Sünde verbergen. Vieles deutet dabei auf eine uneingestandene oder unterdrückte Homosexualität hin. Dies könnte auch Aufschluss darüber geben, warum der Erzähler im General Prologue ihn nicht einschätzen kann, auch, wenn er die Ambiguität des Pardoners geschlechtlich konnotiert. Die Verworfenheit des Pardoners manifestiert sich aber nicht durch der Sünde der Sodomie; die geradezu überzeichnete Darstellung seiner Habgier könnte derart gelesen werden, dass der Pardoner sich der Schwere seiner verschwiegenen Sünde derart bewusst ist, dass er ein literarisches Ablenkungsmanöver inszeniert.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II Homosexualität im Mittelalter

II.1 Begrifflichkeit und Entwicklung

II.2 Homosexualität im Hoch- und Spätmittelalter

II.3 (Homo)Sexualität als Identitätssdispositiv im 20. und 21. Jahrhundert

III Der Pardoner auf der Suche nach Erlösung

IV Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, ob der moderne Begriff der Homosexualität auf die Figur des Pardoners aus Chaucers „Canterbury Tales“ angewendet werden kann, und inwiefern eine mögliche homosexuelle Neigung als Motiv für sein Verhalten und seine Reaktion auf die Anfeindungen des Wirtes dient.

  • Historische Analyse des Homosexualitätsbegriffs im Mittelalter
  • Diskursives Verständnis von Sexualität nach Foucault und Butler
  • Literarische Selbstdarstellung des Pardoners
  • Das Spannungsfeld zwischen klerikaler Identität, Sünde und Erlösung
  • Rezeption der „Canterbury Tales“ unter Aspekten der Geschlechtsidentität

Auszug aus dem Buch

Der Pardoner auf der Suche nach Erlösung

Der Pardoner, der Ablasskrämer, ist die Figur in Chaucers schillernder Pilgerschaft, deren Forschungsgeschichte sie – neben der Wife of Bath – als meistdiskutierte ausweist; vor allem seine geradezu exzessive Zurschaustellung der eigenen Sündhaftigkeit – ausgerechnet eines Vertreters des Klerus – brachten ihm Jahrzehntelang äußerst negative Beurteilungen in der Forschungsliteratur ein.

Der Pardoner wird von Chaucer im General Prologue in Begleitung des Summoners, des Kirchenbüttels, eingeführt. Hier wird eine homosexuelle Ausrichtung angenommen: This Somonour bar to hym a stif burdoun. Dass die beiden gemeinsam auftreten und dazu noch gemeinsam zweistimmig singen, kann bereits auch für den Pardoner in dieser Richtung gedeutet werden. Das effimierte Äußere des Pardoners wirkt bei diesem ersten Eindruck unterstützend: This Pardoner hadde heer as yelow as wex, But smothe it heeng as dooth a strike of flex; By ounces henge his lokkes that he hadde, And therwith he his shuldres overspradde; But thynne it lay, by colpons oon and oon.

Dabei darf einerseits nicht übersehen werden, dass die physiognomische Weichheit der Züge, fehlender Bartwuchs sowie lange Haare noch nichts über die tatsächliche Beschaffenheit einer sexuellen Neigung oder Präferenz aussagen. Diese Auffassung wird auch von dem Erzähler des General Prologues unterstützt, der sich selbst nicht sicher zu sein scheint, wenn er „glaubt“, der Pardoner sei ein Wallach oder eine Stute.

Zusammenfassung der Kapitel

I Einleitung: Die Einleitung steckt den Rahmen der Untersuchung ab, indem sie die Relevanz der Homosexualitätsfrage für die Charakterisierung des Pardoners und seine Interaktion mit dem Wirt Harry Bailly begründet.

II Homosexualität im Mittelalter: Dieses Kapitel analysiert den mittelalterlichen Begriff der Sodomie und grenzt diesen historisch von modernen Vorstellungen ab.

II.1 Begrifflichkeit und Entwicklung: Es wird die Entwicklung der Bewertungen homosexueller Akte anhand von Bußbüchern zwischen dem 6. und 12. Jahrhundert dargelegt.

II.2 Homosexualität im Hoch- und Spätmittelalter: Das Kapitel beleuchtet den literarischen Kontext und die Ansichten von Gelehrten wie John Boswell zur homosexuellen Subkultur im Mittelalter.

II.3 (Homo)Sexualität als Identitätssdispositiv im 20. und 21. Jahrhundert: Hier werden Foucaults Konzepte und Butlers Gender-Theory genutzt, um die moderne Konstruktion von Identität zu erklären.

III Der Pardoner auf der Suche nach Erlösung: Das Hauptkapitel untersucht die literarische Selbstinszenierung des Pardoners und die Bedeutung seiner Sünden für sein Seelenheil.

IV Schlussbetrachtung: Das Fazit führt die Argumentation zusammen und bestätigt die These, dass der Pardoner seine vermeintliche Habgier als Ablenkungsmanöver für eine unterdrückte homosexuelle Identität nutzt.

Schlüsselwörter

Canterbury Tales, Geoffrey Chaucer, Pardoner, Homosexualität, Mittelalter, Sodomie, Gender Theory, Judith Butler, Michel Foucault, Literaturgeschichte, Ablasskrämer, Sündhaftigkeit, Identitätsdiskurs, Mittelalterliche Kirche, literarische Performance

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit untersucht, ob die Figur des Pardoners aus Chaucers „Canterbury Tales“ als homosexuell interpretiert werden kann und wie dieser Aspekt sein Handeln im Werk beeinflusst.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Themen umfassen die mittelalterliche Sexualmoral, die literarische Selbstdarstellung klerikaler Figuren sowie moderne theoretische Ansätze zur Konstruktion von Geschlecht und Identität.

Was ist die zentrale Forschungsfrage der Untersuchung?

Die Forschungsfrage lautet, inwiefern die überzeichnete Sündhaftigkeit des Pardoners als Ablenkungsmanöver für eine unterdrückte homosexuelle Identität und als Versuch dient, mit dem eigenen religiösen Dilemma umzugehen.

Welche methodische Herangehensweise wird gewählt?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die historische Kontexte mit theoretischen Diskursanalysen nach Foucault und Butler verbindet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Analyse des Textes der „Canterbury Tales“, der Rolle des Pardoners als „Geschichtenerzähler“ und seinem spannungsgeladenen Dialog mit dem Wirt.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Begriffe wie Sodomie, performative Identität, klerikale Sündhaftigkeit, literarische Katharsis und die Diskurse um das „Gender“-Konstrukt prägen die Arbeit maßgeblich.

Warum spielt der „Host“ eine so entscheidende Rolle für den Pardoner?

Der Host fungiert durch seine direkte Provokation als Katalysator, der den Pardoner zwingt, seine literarische Performance zu verlassen und sein emotionales Dilemma offen zu legen.

Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Sexualität des Pardoners?

Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass der Pardoner seine Homosexualität, die im Mittelalter als unaussprechliche Sünde galt, hinter der exzessiv zur Schau gestellten „Habgier“ zu verstecken sucht.

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Details

Title
Homosexualität als mittelalterliches Tabu: Dargestellt an Chaucers Pardoner
College
Free University of Berlin  (Englische Philologie)
Course
The Canterbury Tales
Grade
1,7
Author
Jeanne Fischer (Author)
Publication Year
2007
Pages
20
Catalog Number
V84451
ISBN (eBook)
9783638906999
ISBN (Book)
9783638907026
Language
German
Tags
Homosexualität Tabu Dargestellt Chaucers Pardoner Canterbury Tales
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jeanne Fischer (Author), 2007, Homosexualität als mittelalterliches Tabu: Dargestellt an Chaucers Pardoner, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84451
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