Die Weimarer Republik: erste Demokratie auf deutschem Boden. Die 14 Jahres ihres Bestehens waren gezeichnet von politischen Kämpfen. Eine unglaublich große Anzahl von Parteien stritt um die Gunst der Wähler. Das Spektrum reichte über alle politischen Ansichten. Dieser Pluralismus ließ sich auch in vielen anderen Bereichen des täglichen Lebens wieder finden. Die Arbeiter, Jahrhunderte lang ausgebeutet, hatten nun erstmals politische Macht. Diese neue Stellung hatten sie sich lang erkämpfen müssen. Nun, da man eine allmähliche Gleichstellung mit anderen Schichten erreicht hatte, war auch ein ganz anderes Selbstverständnis zu spüren. In der Politik stellt man mit der SPD die stärkste Partei während der längsten Zeit der Weimarer Republik. Und auch im Sport gab es eine eigene Bewegung, die als Gegenstück zum bürgerlichen Sport dienen sollte.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit eben diesem Arbeitersport. Sie versucht einen Überblick über den Arbeitersport in der Weimarer Republik zu geben. Da dieser aber keine Erfindung der 1920er war, wird auch kurz die Entstehung des Arbeitersports am Ende des 19. Jahrhunderts beschrieben. Auch wird die internationale Ebene des Arbeitersports vorgestellt, da dieser mit Nichten ein deutsches Phänomen war, sondern sich durchaus internationaler Tragweite erfreute.
Nach diesem allgemeinen Teil zur Arbeitersportbewegung, soll sich der Leichtathletik innerhalb dieser gewidmet werden, um schlussendlich noch auf die drei großen Arbeitersportfeste in der Zeit der Weimarer Republik einzugehen. Diese waren die internationalen Arbeiter Olympiaden der Jahre 1925 und 1931 sowie das Arbeiterturn- und Sportfest 1929.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Entstehung des Arbeitersports
3 Arbeitersport in der Weimarer Republik
4 Die internationale Ebene des Arbeitersports
5 Arbeiterleichtathletik
6 Die großen Sportfeste des Arbeitersports
6.1 Die erste Arbeiterolympiade 1925 in Frankfurt am Main
6.2 Die zweite Arbeiterolympiade 1931 in Wien
6.3 Das zweite Arbeiter Turn- und Sportfest 1929 in Nürnberg
7 Zusammenfassung
8 Quellen
8.1 Monographien
8.2 Aufsätze in Sammelbänden
8.3 Internetseiten
8.4 Artikel in Zeitschriften
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung und Bedeutung des Arbeitersports während der Weimarer Republik, wobei ein besonderer Fokus auf der Leichtathletik sowie den bedeutenden internationalen Sportfesten dieser Ära liegt.
- Historische Genese der Arbeitersportbewegung
- Politischer Stellenwert und Abgrenzung zum bürgerlichen Sport
- Internationale Vernetzung und Organisationen
- Analyse der Arbeiterleichtathletik als Disziplin
- Bedeutung der Arbeiterolympiaden und Sportfeste
Auszug aus dem Buch
6.2 Die zweite Arbeiterolympiade 1931 in Wien
Die zweite Arbeiterolympiade von vom 19.-26.Juli 1931 in Wien statt. Sie kann durchaus als Höhepunkt des internationalen Arbeitersports gesehen werden. So wurden 77.166 Festteilnehmer gezählt. Dieses waren zwar keine reinen Sportler, sondern auch solche Teilnehmer, die nur in den Freiübungen vertreten waren, dennoch ist eine deutliche Steigerung gegenüber Frankfurt zu erkennen. Auch der Zuschauerzuspruch wuchs. Insgesamt wird von 200.000 Zuschauern berichtet. Die Athleten kamen aus den Ländern wie auch vor sechs Jahren. Hinzu kamen noch Sportler aus den USA, Holland, Dänemark, Ungarn, Estland und Norwegen. Neu im Programm waren die Wehrsportwettbewerbe. Sie sollen vor allem die Stärke der Arbeiterbewegung demonstrieren und waren gegen den wachsenden Faschismus in Europa gerichtet.
Die Berichterstattung in der ATZ war wieder sehr politisch. Bei den Themen kam allerdings der Kampf gegen den Kapitalismus an erster Stelle. Das Elend der Arbeiter und die Verurteilung des Krieges waren weitere Schwerpunkte. Bei den Massenfestspielen wird abermals der Sieg des Sozialismus gegenüber dem Kapitalismus aufgeführt.
Beim Blick auf die Ergebnisse wird deutlich, dass der Arbeitersport, zumindest in der Leichtathletik, dem bürgerlichen Sport weit unterlegen war. So benötigte der Sieger der 100m bei den Herren 10,8 Sekunden, die Hochsprungsiegerin überquerte 1,48 Meter. Bei den Olympischen Spielen in Los Angeles lief der 100 Meter Sieger bei 10,3 Sekunden über die Ziellinie. Die Siegerin im Hochsprung schaffte 1,657 Meter.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das politische Klima der Weimarer Republik ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die Entwicklung des Arbeitersports zu skizzieren.
2 Entstehung des Arbeitersports: Das Kapitel beleuchtet die prekären Lebens- und Arbeitsbedingungen im 19. Jahrhundert und die Gründung erster Arbeiterorganisationen als Gegenbewegung zum bürgerlichen Sport.
3 Arbeitersport in der Weimarer Republik: Hier wird der Wandel des Arbeitertum- und Sportbundes (ATSB) nach 1919 sowie die Rolle des Sports als Instrument zur Emanzipation der Arbeiterklasse beschrieben.
4 Die internationale Ebene des Arbeitersports: Dieses Kapitel analysiert die frühen internationalen Zusammenschlüsse und die daraus resultierende Spaltung in die konkurrierenden Lager der Luzerner Sportinternationalen und der Roten Sportinternationalen.
5 Arbeiterleichtathletik: Das Kapitel behandelt die spezifischen Herausforderungen der Leichtathletik innerhalb des Arbeitersports, insbesondere den Konflikt zwischen dem sportlichen Wettkampfgedanken und der ursprünglichen Ideologie der Organisation.
6 Die großen Sportfeste des Arbeitersports: Dieses Kapitel widmet sich den Großereignissen wie den Arbeiterolympiaden in Frankfurt und Wien sowie dem Sportfest in Nürnberg, welche die Symbolkraft und politische Reichweite der Bewegung verdeutlichten.
7 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die Bedeutung des Arbeitersports als politische Identifikationsfläche und beleuchtet dessen Ende nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten.
8 Quellen: Eine detaillierte Aufstellung der verwendeten Monographien, Sammelbände, Internetquellen und Zeitschriftenartikel.
Schlüsselwörter
Weimarer Republik, Arbeitersport, Arbeiter-Turn- und Sportbund, Arbeiterolympiade, Leichtathletik, Sozialismus, Massensport, politische Emanzipation, Sportgeschichte, Klassenkampf, internationale Sportbeziehungen, Sportfeste, proletarische Körperkultur, ATSB, Turnbewegung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Geschichte, Organisation und politische Funktion des Arbeitersports in Deutschland während der Weimarer Republik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten gehören die historischen Wurzeln der Bewegung, die internationale Vernetzung, die Etablierung der Leichtathletik als Sportart sowie die großen, symbolträchtigen Sportfeste dieser Zeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, einen Überblick über den Arbeitersport als Gegenentwurf zum bürgerlichen Sport zu geben und dessen Rolle als Instrument für die soziale Emanzipation der Arbeiterklasse darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historisch-analytischen Auswertung von zeitgenössischen Quellen, Festschriften, Fachzeitschriften wie der Arbeiter-Turn-Zeitung sowie relevanter Sekundärliteratur zur Sportgeschichte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Verbandsentwicklung, die internationale Ausrichtung, eine detaillierte Betrachtung der Arbeiterleichtathletik und die Analyse spezifischer Großveranstaltungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Arbeitersport, Weimarer Republik, Arbeiterolympiaden, ATSB, Klassenkampf, Körperkultur und soziale Emanzipation.
Welche Rolle spielte die politische Spaltung der Linken für den Arbeitersport?
Die politische Spaltung führte dazu, dass der Arbeitersport keine homogene Bewegung blieb, sondern von internen Debatten zwischen verschiedenen linken Lagern geprägt war, was schließlich sogar zu Ausschlüssen von Mitgliedern führte.
Warum blieb die Arbeiterleichtathletik leistungstechnisch hinter dem bürgerlichen Sport zurück?
Dies lag zum einen an der anfänglichen Skepsis gegenüber dem Wettkampfgedanken und zum anderen an der starken Fixierung auf das Turnen sowie der fehlenden Förderung von elitärem Leistungssport, der als „bürgerlich“ abgelehnt wurde.
Wie endete die organisierte Arbeitersportbewegung in Deutschland?
Die Bewegung wurde nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 durch den Erlass neuer Gesetze und durch willkürliche Gewalt gegen Arbeiterorganisationen gewaltsam zerschlagen.
- Citar trabajo
- Nico Meissner (Autor), 2005, Der Arbeitersport in der Weimarer Republik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84457