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Sogenannte ‚Ellipsen’ in gesprochener Sprache

Title: Sogenannte ‚Ellipsen’ in gesprochener Sprache

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 34 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Stefan Grzesikowski (Author), Stefanie Müller (Author)

German Studies - Linguistics
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Wie die Arbeit im weiteren Verlauf noch aufzeigen wird, beinhaltet der Ellipsenbegriff gewisse Probleme. Buss (2004) macht die Entstehungsgeschichte dafür mitverantwortlich. So ist der Begriff der Ellipse zur Beschreibung eines syntaktischen Phänomens aus der Rhetorik importiert worden. Hier bezeichnet die Ellipse die kunstvolle Tilgung bestimmter Elemente der Rede. Neben dieser positiven Wortbedeutung als rhetorische Figur bezeichnet der Begriff allerdings auch bereits bei Quintilian einen zu vermeidenden grammatischen Ausdrucksfehler. Während in der Rhetorik die positive Wortbedeutung, elliptische Konstruktionen als bewusst eingesetztes Verfahren, vorherrscht, wurde in die grammatische Tradition vorwiegend die Bedeutung als Regelverstoß durch mangelnde Vollständigkeit übernommen. Grammatisch wird die Ellipse also als syntaktisches Defizit verstanden, wobei hier immer die Norm der schriftbasierten Standardsprache zu Grunde liegt, auch um Phänomene der gesprochenen Sprache einzuschätzen. Auch bei Bußmann (1990) wird die Ellipse als „Aussparung von sprachlichen Elementen, die aufgrund von syntaktischen Regeln oder lexikalischen Eigenschaften (z.B. Valenz eines Verbs) notwendig sind“ definiert, damit auch lediglich über einen Mangel. Auch in der Linguistik, die den Fokus ja eigentlich auf die gesprochene Sprache legt, wurde lange mit schriftsprachorientierten Analyse- und Beschreibungskategorien gearbeitet und zudem wurden schriftliche Texte als empirische Grundlage der Forschung verwendet. Dies hat bezüglich der Ellipsen zur Folge, dass sich zwei Auffassungen gegenüberstehen, zum einen die Ableitungsthese und zum anderen die Autonomiethese.
Bevor jedoch mit Blick auf die unterschiedlichen Ellipsentheorien auch auf diesen Streit eingegangen werden wird, sollen unterschiedliche Ellipsenarten nach Klein (1985 und 1993) dargestellt werden. Nachdem mit Selting (1997) auf die Schwierigkeiten einer klaren Ellipsendefinition eingegangen werden wird und für die Unbrauchbarkeit des Ellipsenbegriffs plädiert wird, soll schließlich auf Günthner (2006) eingegangen werden, die mit ihren ‚dichten Konstruktionen’ eventuell Seltings Forderung nach neuen, passenden Begrifflichkeiten einlöst. Abschließend wird dann versucht werden, dichte Konstruktionen in einer kleiner Stichprobe ausfindig zu machen.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitende Bemerkungen

2. Überblick zu Arten von Ellipsen und Ellipsentheorien

2.1. Arten der Ellipse nach Klein

2.2. Ellipsentheorien

2.2.1. Grammatische Ellipsen-Theorien

2.2.2. Funktionale Ellipsentheorien

2.2.3. Kommunikative Ellipsentheorien

2.3. Fazit

3. Definitions- und Abgrenzungsprobleme nach Selting

3.1. Vorbemerkungen

3.2. Versuch einer syntaktischen Abgrenzung

3.3. Versuch einer prosodischen Abgrenzung

3.4. Die Kombination von Syntax, Prosodie und Kontext

3.5. Schlussfolgerungen

4. Verdichtung statt Defizit

4.1. Allgemein

4.2. Uneigentliche Verbspitzenstellung

4.3. Infinitkonstruktionen

4.4. Subjektlose Infinitkonstruktionen

4.5. Minimale Setzungen

5. Suche nach dichten Konstruktionen in einer Stichprobe

5.1. Vorbemerkungen

5.2. Uneigentliche Verbspitzenstellung

5.3. Infinitkonstruktionen

5.4. Subjektlose Infinitkonstruktionen

5.5. Minimale Setzungen

6. Abschließende Bemerkungen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den linguistischen Begriff der "Ellipse" in der gesprochenen Sprache und hinterfragt kritisch dessen Definition als syntaktisches Defizit. Ziel ist es, diese Phänomene stattdessen als produktive, kontextualisierte "dichte Konstruktionen" zu verstehen, die in der Interaktion spezifische kommunikative Funktionen erfüllen.

  • Kritische Auseinandersetzung mit traditionellen Ellipsentheorien.
  • Untersuchung von Abgrenzungsproblemen zwischen Ellipse und Anakoluth.
  • Analyse von "dichten Konstruktionen" als interaktionale Ressourcen.
  • Empirische Überprüfung theoretischer Ansätze anhand von Gesprächstranskripten.
  • Syntaktische und prosodische Untersuchung fragmentarischer Äußerungsformen.

Auszug aus dem Buch

4.2. Uneigentliche Verbspitzenstellung

Äußerungen mit (1) uneigentlicher Verbspitzenstellung, auch Vorfeldanalepsen genannt, setzen mit finitem Verb ein, das Vorfeld bleibt also unbesetzt, wie in folgendem Beispiel in den Zeilen 11 bis 13:

10 Lisa: =ich versuch einzuPARken bei de klara,

11 KOMM an des AUto daNEben ran,[hh]

12 Petra: [hm]

13 Lisa: hh' STEIG aus,

14 SEH nix,

15 gegenüber von mir PARKT en ↑TYP.54

Die Unbesetztheit vermeintlich obligatorischer Positionen wird im Felderschema noch deutlicher:55

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitende Bemerkungen: Einführung in die Problematik des Ellipsenbegriffs, der historisch aus der Rhetorik stammt und oft als syntaktisches Defizit gegenüber der schriftsprachlichen Norm missverstanden wird.

2. Überblick zu Arten von Ellipsen und Ellipsentheorien: Darstellung verschiedener Klassifikationsversuche (u.a. nach Klein, Hoffmann, Rath) sowie Diskussion grammatischer, funktionaler und kommunikativer Theorien.

3. Definitions- und Abgrenzungsprobleme nach Selting: Untersuchung der Schwierigkeiten, Ellipsen rein syntaktisch von Anakoluthen abzugrenzen, und Plädoyer für die Einbeziehung prosodischer und kontextueller Parameter.

4. Verdichtung statt Defizit: Einführung des Konzepts der "dichten Konstruktionen" nach Günthner als produktive, interaktionale Ressourcen statt als bloße Mangelerscheinungen.

5. Suche nach dichten Konstruktionen in einer Stichprobe: Anwendung des theoretischen Rahmens auf eine Radiotranskription, um Struktur und Funktion fragmentarischer Äußerungen in der Praxis zu prüfen.

6. Abschließende Bemerkungen: Resümee, dass eine Definition über das Defizit überflüssig ist und eine Beschreibung mit direktem Bezug auf Aktivität und Sequenz zielführender erscheint.

Schlüsselwörter

Ellipse, gesprochene Sprache, dichte Konstruktionen, Syntax, Prosodie, Interaktionale Linguistik, Verbspitzenstellung, Infinitkonstruktionen, Reduktion, Kontextualisierung, Sprachproduktion, Gesprächsanalyse, Defizithypothese, Anakoluth, Sequenzanalyse

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert kritisch den linguistischen Ellipsenbegriff in der gesprochenen Sprache und stellt traditionelle Definitionen, die Ellipsen als "Defizit" betrachten, infrage.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die theoretische Einordnung von Ellipsentheorien, die Abgrenzung von ähnlichen Phänomenen wie Anakoluthen sowie die praktische Analyse von sogenannten "dichten Konstruktionen" in Gesprächen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, dass Ellipsen produktive, konventionalisierte Konstruktionen der Interaktion sind und nicht lediglich unvollständige Versionen einer schriftsprachlichen Norm.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die Literaturanalyse zur theoretischen Fundierung und führt eine qualitative Gesprächsanalyse (einschließlich Transkription eines Radioausschnitts) zur empirischen Überprüfung der untersuchten Phänomene durch.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt theoretische Ansätze zur Ellipse, die kritische Diskussion durch Selting (unter Einbezug von Syntax und Prosodie) und die Vorstellung des Konzepts der "dichten Konstruktionen" nach Günthner.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Ellipse, dichte Konstruktionen, Interaktionale Linguistik, Verbspitzenstellung und Gesprächsanalyse.

Wie unterscheidet die Arbeit die "uneigentliche Verbspitzenstellung" von anderen Ellipsen?

Sie zeichnet sich dadurch aus, dass das Vorfeld unbesetzt bleibt, die Äußerung mit einem finiten Verb beginnt und sie primär in Erzählungen zur Erzeugung von Dynamik und Tempo eingesetzt wird.

Welche Rolle spielt das Transkript im Anhang?

Das Transkript dient als empirische Datenbasis, um die theoretisch diskutierten "dichten Konstruktionen" in einer realen, gesprochenen Interaktionssituation (Radiosendung) zu identifizieren und auf ihre Anwendbarkeit hin zu prüfen.

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Details

Title
Sogenannte ‚Ellipsen’ in gesprochener Sprache
College
University of Potsdam  (Institut für Germanistik)
Course
Grammatik des gesprochenen Deutsch
Grade
1,7
Authors
Stefan Grzesikowski (Author), Stefanie Müller (Author)
Publication Year
2007
Pages
34
Catalog Number
V84470
ISBN (eBook)
9783638008174
ISBN (Book)
9783638914093
Language
German
Tags
Sogenannte Sprache Grammatik Deutsch Ellipsen Kurzformen Selting Günthner gesprochene Sprache Gesprochenes Deutsch Interaktionale Linguistik Konstruktionsgrammatik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefan Grzesikowski (Author), Stefanie Müller (Author), 2007, Sogenannte ‚Ellipsen’ in gesprochener Sprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84470
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