Der erste Teil der Arbeit bietet eine grundlegende Übersicht über die Ansätze und Dimensionen der Interkulturellen Kommunikation (Hofstede, Schroll-Machl, Trompenaars und Hampden-Turner u. a.).
Im zweiten Teil werden diese Ansätze miteinander verglichen. Darauf aufbauend wird ein Modell konstruiert, das alle relevanten Dimensionen integriert und sich zum Vergleich verschiedener Kulturen eignet.
Im dritten Teil der Arbeit werden unterschiedliche Tendenzen der deutschen und der französischen Kultur mit Hilfe dieses Modells in verschiedenen Dimensionen veranschaulicht. Die Methode der Arbeit ist eine Sekundärliteraturanalyse.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsklärung
3. Ansätze zu Erklärung kultureller Unterschiede
3.1 Die zwei Dimensionen Halls
3.2 Die vier Dimensionen Hofstedes
3.3 Der Beitrag von Trompenaars und Hampden-Turner
3.4 Die drei Typologien von Lewis
3.5 Der Ansatz von Schroll-Machl
3.6 Das GLOBE-Projekt
4. Kritik und Synthese
5. Kulturelle Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich
5.1 Vorurteile und Stereotypen zwischen Deutschen und Franzosen
5.2 Zeitorientierung und Abstraktionsniveau
5.3 Kontextanteil der Kommunikation
5.4 Machtbegründung und Machtdistanz
5.5 Horizontale Sozialorientierung: Individualismus vs. Kollektivismus
5.6 Emotionalität
5.7 Historische Hintergründe
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich, um zu klären, inwieweit bestehende Stereotypen und Vorurteile wissenschaftlich fundiert sind. Mithilfe einer Sekundärliteraturanalyse werden verschiedene Konzepte interkultureller Forschung bewertet, zu einem Raster gruppiert und auf den deutsch-französischen Kontext angewendet, wobei insbesondere Arbeitskulturen und historische Prägungen im Fokus stehen.
- Analyse und Vergleich etablierter kulturwissenschaftlicher Modelle (u.a. Hall, Hofstede, Trompenaars, Lewis).
- Konstruktion eines theoretischen Rasters zur Erfassung kultureller Differenzen.
- Untersuchung deutsch-französischer Stereotypen hinsichtlich ihrer Realitätsnähe.
- Vergleichende Analyse von Arbeitskulturen (Zeit, Regelverständnis, Machtdistanz, Kommunikation).
- Einordnung historischer Einflüsse auf die heutige kulturelle Identität beider Nationen.
Auszug aus dem Buch
5.1 Vorurteile und Stereotypen zwischen Deutschen und Franzosen
Auch wenn das Erbfeind-Denken mittlerweile weitestgehend aus den Köpfen von Deutschen und Franzosen verschwunden zu sein scheint, sind selbst gegen Ende des 20. Jahrhunderts alte Klischees noch nicht völlig verschwunden. So reagierte die französische Presse nach dem Foul des deutschen Torhüters Toni Schumacher im Halbfinale bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1982 hochempfindlich und ließ das in den zahlreichen Kriegen entstandene Bild vom brutalen Deutschen wieder aufleben, obwohl sich Schumacher nach dem Spiel im französischen Fernsehen öffentlich entschuldigt hatte (Breuer/Bartha 1996: 106f). In einer Meinungsumfrage von L’Express im März 1979 sehen zwar nur 12 Prozent der Franzosen die Deutschen noch als gefährlich; noch weniger sehen sie jedoch als kultiviert (10%) und immerhin 49 Prozent als kraftvoll bzw. stark (puissant) (Uthmann 1984: 341f).
In einem Zitat des französischen Schriftsteller Alexandre Arnaud von 1950 wird „der Deutsche“ einerseits als „erobernd, von einer wunderbaren Härte, unempfindlich und wild besessen vom Tatendrang, von strikter Disziplin, von einer kalten Wildheit“ beschrieben; demgegenüber stünde jedoch der „idyllische Deutsche, gönnerhaft, metaphysisch, musikalisch, tief, dumm/dumpf (balourd) und sentimental (Uthmann 1984: 315f). Auch André Maurois stellt 1959 steht „das kriegerische Deutschland dem romantischen Deutschland gegenüber“ (Uthmann 1984: 316). Wenn auch nicht als kriegerisch, so werden die Deutschen doch auch noch in späteren Umfragen unter Franzosen zumindest als diszipliniert und arbeitsam eingestuft: Nach der o. g. Umfrage von L’Express beurteilen 58 Prozent der Franzosen die Deutschen als diszipliniert (58%). In zwei weiteren Umfragen französischer Magazine aus dem Jahr 1983 erscheinen die Deutschen sogar 67 Prozent der Franzosen als diszipliniert, 55 Prozent sehen die Deutschen als Arbeiter. Als dynamisch stufen sie hingegen nur 18 Prozent der Franzosen ein (Uthmann 1984: 341f).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Relevanz interkultureller Forschung zur Lösung gesellschaftlicher und betrieblicher Missverständnisse.
2. Begriffsklärung: Definition zentraler Begriffe wie Kultur, kulturelle Dimensionen und Kulturstandards unter Nutzung des "Zwiebelmodells".
3. Ansätze zu Erklärung kultureller Unterschiede: Vorstellung und Bewertung verschiedener wissenschaftlicher Modelle zur Erfassung kultureller Differenzen.
4. Kritik und Synthese: Zusammenführung der Ansätze zu einem groben Raster für die weitere Untersuchung.
5. Kulturelle Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich: Detaillierter Vergleich der beiden Länder anhand der erarbeiteten Dimensionen und historischer Aspekte.
6. Fazit: Resümee zur Validität von Stereotypen und zur Anwendbarkeit des erstellten Kulturmodells.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Forschung, Kulturstandards, Deutschland, Frankreich, Arbeitskultur, Hofstede, Machtdistanz, Zeitorientierung, Sachorientierung, Stereotypen, Vorurteile, Globalisierung, Individualismus, Kommunikation, Unternehmenskultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht kulturelle Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich im Hinblick auf deren Arbeitswelten und den Wahrnehmungen gegenseitiger Stereotypen.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Analyse behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der wissenschaftlichen Definition von Kultur, dem Vergleich verschiedener kulturwissenschaftlicher Erklärungsmodelle sowie der Anwendung dieser Modelle auf die deutsch-französische Zusammenarbeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein übersichtliches Raster zu konstruieren, um kulturelle Unterschiede theoretisch einzuordnen und zu prüfen, ob kursierende Vorurteile und Stereotypen einen empirisch belastbaren Kern haben.
Welche wissenschaftliche Methodik kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine Sekundärliteraturanalyse, bei der empirische Studien und interkulturelle Forschungsergebnisse (z. B. Hofstede, GLOBE-Projekt, Schroll-Machl) kritisch vergleichend betrachtet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Kategorisierung (Kapitel 3 und 4) und eine darauf aufbauende empirische Analyse der Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich (Kapitel 5), unter Berücksichtigung von Zeitmanagement, Machtdistanz, Kommunikation und historischen Einflüssen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zentrale Begriffe sind interkulturelle Forschung, Kulturstandards, Arbeitskultur, Machtdistanz, Sachorientierung und der deutsch-französische Vergleich.
Wie unterscheiden sich deutsche und französische Arbeitsstile laut der Arbeit?
Deutschland wird durch eine höhere Sach- und Regelorientierung sowie flachere Hierarchien geprägt, während in Frankreich stärkere autoritäre Strukturen, eine höhere Kontextorientierung in der Kommunikation und eine stärkere Personenorientierung beobachtet werden.
Welche Rolle spielt die Geschichte für das heutige Verständnis dieser Kulturen?
Historische Entwicklungen, wie der Protestantismus in Deutschland versus der Katholizismus in Frankreich sowie unterschiedliche staatliche Organisationsformen (z. B. Preußen vs. zentralistischer Einheitsstaat), haben grundlegende Wertesysteme und Verhaltenstendenzen maßgeblich geformt.
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- Jonathan Widder (Author), 2007, Von Chaos und Ordnung - Eine Untersuchung der kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84508