Diese Hausarbeit setzt sich kritisch mit Käte Hamburgers Hauptwerk "Die Logik der Dichtung" auseinander. Nach einer kurzen Positionierung des Werkes in der heutigen Literaturtheorie erfolgt eine Erläuterung der Sprachtheorie, auf der sie ihre Arbeit fundiert, und der zentralen Thesen der Dichtungstheorie, die auf dieser aufbaut.
In der folgenden Auseinandersetzung mit ihren Theorien soll zunächst gezeigt werden, dass sich das Aussagesystem, als das sie die Sprache beschreibt, als problematisch erweist, da ihm veraltete Vorstellungen, ungenaue Kategorien und doppeldeutige Definitionen zu Grunde liegen.
Im Anschluss daran wird die Unstimmigkeit ihrer Definition des Begriffes der Fiktion zu zeigen sein, und die Schwierigkeiten, die sich daraus für ihre weiteren Darlegungen ergeben.
Zuletzt sollen schließlich die Merkmale, anhand derer sie fiktionale Literatur bestimmt, einer genauen Analyse unterzogen werden, die am Ende zeigen soll, dass sich keines dieser angegeben Merkmale dazu eignet, die Fiktionalität von Dichtung zu beschreiben, und dass sich die erzähllogische Trennung von Er-Erzählung und Ich-Erzählung als unbegründet erweist.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2.Das Werk
2.1 Literaturtheoretische Relevanz der Logik der Dichtung
2.2 Käte Hamburgers Theorie der Aussage
2.3 Hamburgers Begriff der Fiktion
3. Analyse der zentralen Thesen
3.1 Analyse der Aussage als Wirklichkeitsaussage
3.2 Analyse der Fiktion als ‚Als-Wirklichkeit’
3.3 Analyse der Merkmale des fiktionalen Texts
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese wissenschaftliche Arbeit verfolgt das Ziel, die sprachtheoretischen Grundlagen und Thesen von Käte Hamburgers „Die Logik der Dichtung“ kritisch zu hinterfragen und deren Widersprüchlichkeit aufzuzeigen, insbesondere in Bezug auf die Definition von Fiktionalität und die Sonderstellung des epischen Präteritums.
- Kritische Analyse des „Aussagesystems“ nach Käte Hamburger.
- Untersuchung der problematischen Differenzierung zwischen fiktionaler und faktualer Sprache.
- Dekonstruktion des Begriffs der „Ich-Origo“ und der daraus abgeleiteten Fiktionstheorie.
- Hinterfragung der Vergangenheitsfunktion des Präteritums in epischen Texten.
- Vergleich der erzähllogischen Beschaffenheit von Ich-Erzählungen und Er-Erzählungen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Analyse der Aussage als Wirklichkeitsaussage
Unterzieht man nun Hamburgers Aussagentheorie einer genaueren Betrachtung lassen sich einige Unstimmigkeiten feststellen. Zunächst einmal stellen wir fest, dass Hamburgers Zuweisung des Terminus „Aussage“ zur „Sprachtheorie“ in Abgrenzung zur Logik und Grammatik sich als problematisch erweist: Denn auf die Frage, was denn eigentlich Gegenstand dieser Sprachtheorie sei, erhalten wir keine Antwort (Cf. Gabriel 56).
Unklar bleibt auch, wie denn das Aussagesubjekt, welches nach Hamburger unmöglich mit dem Sprecher identisch sein kann (denn dann würde jeder gesprochene fiktionale Satz zur Wirklichkeitsaussage werden), anhand von bestimmten Kriterien von diesem unterschieden werden kann (Cf. Luehrs 153). Klaus Weimar geht so weit, „gemäß der Funktion dieser Untersuchung […] annehmen [zu] müssen, daß Sprechen gleich Aussagen sein soll, obwohl dass nie ausdrücklich gesagt wird“, eben aber auch nie genau unterschieden (Weimar 11).
Auch die drei Kategorien – historisches, theoretisches und pragmatisches Aussagesubjekt – die Hamburger unterscheidet, können die Verhältnisse nicht klären, sondern stiften vielmehr zusätzliche Verwirrung, stehen sie doch in „keinem hinreichenden Gegensatz zueinander“ (Luehrs 153): Ein historisches Aussagesubjekt kann beispielsweise gleichzeitig pragmatisch sein, indem es einen Wunsch äußert (Luehrs 153).
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Die Einleitung stellt die kritische Auseinandersetzung mit Käte Hamburgers „Die Logik der Dichtung“ vor und umreißt die methodische Herangehensweise zur Überprüfung der sprachtheoretischen Thesen.
2.Das Werk: Dieses Kapitel positioniert das Werk in der Literaturtheorie und erläutert die von Hamburger aufgestellte Theorie der Aussage sowie ihren spezifischen Begriff der Fiktion.
3. Analyse der zentralen Thesen: Hier erfolgt eine detaillierte, kritische Dekonstruktion von Hamburgers Thesen zur Wirklichkeitsaussage, der „Als-Wirklichkeit“ und den konstitutiven Merkmalen fiktionaler Texte.
4. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass Hamburgers Theorie auf logischen Widersprüchen und einer problematischen Gleichsetzung von Fiktion und Fingiertheit beruht.
Schlüsselwörter
Käte Hamburger, Logik der Dichtung, Fiktionalität, Aussagesystem, Aussagesubjekt, Ich-Origo, Episches Präteritum, Wirklichkeitsaussage, Fiktion, Erzähltheorie, Sprachtheorie, Fingiertheit, Literaturtheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit setzt sich kritisch mit Käte Hamburgers wegweisendem Werk „Die Logik der Dichtung“ auseinander und hinterfragt die Haltbarkeit ihrer sprachtheoretischen Thesen zur Natur fiktionaler Texte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Fiktion, das Aussagesystem der Sprache, die Funktion des Präteritums in Romanen sowie die Unterscheidung zwischen Ich- und Er-Erzählungen.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, dass Hamburgers Unterscheidung zwischen fiktionaler und faktualer Sprache auf veralteten Kategorien und Zirkelschlüssen basiert, die keine eindeutige Trennung erlauben.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit verwendet eine literaturtheoretische und philologische Analyse, bei der sie Hamburgers Argumentation mit zeitgenössischer Fachkritik (u.a. Weimar, Gabriel, Luehrs) konfrontiert und deren logische Konsistenz prüft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Fundamente der Aussagentheorie, die Definition der Fiktion als „Als-Wirklichkeit“ sowie die Merkmale des fiktionalen Textes, insbesondere den vermeintlichen Verlust der Vergangenheitsfunktion des Präteritums.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Fiktionalität, Ich-Origo, Aussagesubjekt, Wirklichkeitsaussage und episches Präteritum geprägt.
Warum hält der Autor den Begriff „Ich-Origo“ für problematisch?
Der Autor argumentiert, dass der Begriff der „Ich-Origo“ bei Hamburger eine fatale Doppeldeutigkeit aufweist, da er fälschlicherweise das „Aussage-Ich“ und das „Erlebnis-Ich“ gleichsetzt, woraus unzulässige Schlussfolgerungen über den Fiktionscharakter gezogen werden.
Inwiefern beeinflusst das Beispiel der „Taft-Gemälde“ die Argumentation?
Das Beispiel dient dazu, Hamburgers falsches Verständnis der Vaihingerschen „Als-Ob“-Struktur aufzudecken; der Autor zeigt, dass Hamburger das Täuschungsmoment falsch interpretiert und damit die Grundlage ihrer Fiktionsdefinition schwächt.
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- Reinhard Goebels (Author), 2006, Die problematische "Logik der Dichtung" - Eine Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84588