Die Zahl der Unternehmen, die mit negativen Schlagzeilen durch Bilanzfälschungen auf sich aufmerksam gemacht haben, ist in der letzten Zeit sehr stark angestiegen. Sowohl Firmen am Neuen Markt, wie zum Beispiel Comroad, die ca. 97 % des Umsatzes frei erfunden haben1, aber auch große Dax Unternehmen wie die Telekom oder MLP, haben Anleger und Stakeholder getäuscht und falsche bzw. „geschönte“ Bilanzen ausgewiesen. Die größten Bilanzskandale in jüngster Zeit gab es in den U.S.A. bei Enron und WorldCom, die ca. 3,8 Mrd. Dollar durch Bilanzmanipulationen verschleiert haben.2
Durch diese und viele weitere Bilanzskandale, die in der letzten Zeit aufgetreten sind, hat die Bilanzanalyse weltweit noch mehr an Bedeutung gewonnen. Das wesentliche Ziel der Bilanzanalyse, nämlich ein tatsächliches Bild von der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens wiederzugeben, konnte bei den oben genannten Unternehmen nicht erreicht werden. Bei der Beurteilung von Bilanzen greifen immer mehr Analysten auf Kennzahlensysteme zurück, die einen Aufschluss über die aktuelle Situation einer Firma geben könnten. In der folgenden Arbeit soll nun die Bedeutung von Kennzahlensystemen als Instrument zur Bilanzanalyse herausgearbeitet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Bilanzfälschungen in der heutigen Zeit
2. Grundlagen der Bilanzanalyse
2.1 Definition Bilanzanalyse
2.2 Aufgaben der Bilanzanalyse
2.3 Adressaten der Bilanzanalyse
2.4 Interne vs. Externe Bilanzanalyse
2.5 Traditionelle vs. Moderne Ansätze der Bilanzanalyse
3. Betriebswirtschaftliche Kennzahlen
3.1 Definition von Kennzahlen
3.2 Funktion von Kennzahlen
3.3 Typen von Kennzahlen
3.4 Weiterentwicklung von Kennzahlen zu Kennzahlensystemen
4. Kennzahlensysteme
4.1 Definition von Kennzahlensystemen
4.2 Aufgaben und Bedeutung von Kennzahlensystemen
4.3 Aufbau von Kennzahlensystemen
4.4 Induktive vs. Deduktive Kennzahlensysteme
5. Wichtige traditionelle Kennzahlensysteme
5.1 Das Du Pont- Kennzahlensystem
5.1.1 Struktur und Aufbau
5.1.2 Anwendungsbereich
5.1.3 Mängel des Du Pont- Kennzahlensystems
5.1.4 Bilanzanalytische Bedeutung
5.2 Das ZVEI- Kennzahlensystem
5.2.1 Struktur
5.2.2 Aufbau
5.2.3 Bilanzanalytische Bedeutung
5.3 Das RL- Kennzahlensystem
5.3.1 Struktur
5.3.2 Aufbau
5.3.3 Bilanzanalytische Bedeutung
6. Grenzen von Kennzahlensystemen
7. Kritische Würdigung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Bedeutung von Kennzahlensystemen als Instrument der Bilanzanalyse kritisch zu untersuchen. Sie analysiert die theoretischen Grundlagen, verschiedene Systemarten sowie deren Anwendbarkeit und Grenzen in der Unternehmenspraxis.
- Grundlagen und Aufgaben der Bilanzanalyse
- Definition, Funktionen und Typen betriebswirtschaftlicher Kennzahlen
- Aufbau und Systematik von Kennzahlensystemen
- Detaillierte Darstellung klassischer Systeme (Du Pont, ZVEI, RL)
- Grenzen und kritische Würdigung des Einsatzes von Kennzahlensystemen
Auszug aus dem Buch
4.1 Definition von Kennzahlensystemen
“Von einem Kennzahlensystem spricht man, wenn Kennzahlen so zusammengestellt werden, dass sie in einer sinnvollen Beziehung zueinander stehen, sich gegenseitig ergänzen und erklären und als Gesamtheit den Analysegegenstand möglichst ausgewogen und übersichtlich erfassen.“ Die bereits erwähnte Gefahr des Informationsverlustes kann dadurch begrenzt werden, dass die vorher unstrukturiert, beziehungslos nebeneinander stehenden Kennzahlen geordnet und systematisiert in einem Kennzahlensystem zusammengefasst werden. Durch die sachlogische Verknüpfung einzelner Kennzahlen zu einem Gesamturteil wird die Qualität der Analyseaussagen erhöht und es kann ein ganzheitliches Bild von der aktuellen Unternehmenssituation gewonnen werden. Anspruch aller Kennzahlensysteme ist es, Zusammenhänge aufzudecken, insbesondere Wechselwirkungen im betrieblichen Ablauf. Ursachenforschung soll betrieben werden, um daraus auf Handlungsmöglichkeiten für die Zukunft schließen zu können.
Kennzahlensysteme, die auch Kennzahlenkombinationen genannt werden, sind hierarchisch aufgebaut und gehen meist von einer Spitzenkennzahl aus. Diese Spitzenkennzahl lässt sich nun in eine Vielzahl von weiteren Folgekennzahlen unterteilen, bis ein multidimensionales Kennzahlensystem entsteht. Sehr oft sind auf der höchsten Kennzahlenebene Gewinn- und Rentabilitätsmaximierung als oberste Unternehmensziele aufzufinden. Die Spitzenkennzahl sollte mit dem von der Unternehmensführung verfolgten Gesamtziel des Unternehmens konform sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Bilanzfälschungen in der heutigen Zeit: Dieses Kapitel thematisiert die zunehmende Relevanz der Bilanzanalyse vor dem Hintergrund weltweit aufgetretener Bilanzskandale.
2. Grundlagen der Bilanzanalyse: Es werden der Begriff, die Aufgaben sowie die verschiedenen internen und externen Adressaten der Bilanzanalyse erläutert.
3. Betriebswirtschaftliche Kennzahlen: Das Kapitel definiert Kennzahlen, beschreibt deren Funktionen sowie Typen und stellt die Notwendigkeit der Weiterentwicklung zu Kennzahlensystemen dar.
4. Kennzahlensysteme: Hier werden Definition, Bedeutung, hierarchischer Aufbau sowie die Unterscheidung zwischen induktiven und deduktiven Systemen erklärt.
5. Wichtige traditionelle Kennzahlensysteme: Dieses Kapitel analysiert detailliert die Struktur, den Aufbau und die bilanzanalytische Bedeutung der drei klassischen Systeme Du Pont, ZVEI und RL.
6. Grenzen von Kennzahlensystemen: Das Kapitel befasst sich mit den kritischen Aspekten und den Grenzen, an die Kennzahlensysteme bei der Anwendung in der Praxis stoßen können.
7. Kritische Würdigung: Abschließend wird der Stellenwert von Kennzahlensystemen zusammenfassend bewertet und die Bedeutung einer ganzheitlichen Betrachtung hervorgehoben.
Schlüsselwörter
Bilanzanalyse, Jahresabschluss, Kennzahlen, Kennzahlensysteme, Du Pont-System, ZVEI-System, RL-System, Rentabilität, Liquidität, Unternehmenskontrolle, Kapitalumschlag, Ergebnis, Entscheidungsfindung, Unternehmensführung, Bilanzpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Kennzahlensystemen als wertvolles Instrument für die Bilanzanalyse und die Unternehmenssteuerung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die theoretischen Grundlagen der Bilanzanalyse, die Systematik betriebswirtschaftlicher Kennzahlen sowie die Analyse spezifischer, klassischer Kennzahlensysteme.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, herauszuarbeiten, wie Kennzahlensysteme bei der Bilanzanalyse helfen und welche Rolle sie als Instrument zur Planung, Steuerung und Kontrolle spielen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die theoretische Definitionen und Ansätze der klassischen Bilanzanalyse sowie verschiedene Kennzahlensysteme strukturiert und vergleichend darstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden nach einer Einführung in die Grundlagen die drei traditionellen Systeme Du Pont, ZVEI und RL hinsichtlich ihrer Struktur, ihres Aufbaus und ihrer analytischen Bedeutung detailliert erläutert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind unter anderem Bilanzanalyse, Kennzahlen, Kennzahlensysteme (Du Pont, ZVEI, RL), Rentabilität, Liquidität und Unternehmenssteuerung.
Warum ist das Du Pont-Kennzahlensystem trotz seines Alters noch relevant?
Es gilt als Basismodell der Kennzahlensysteme und zeichnet sich durch die hierarchische Aufgliederung zur Optimierung der Kapitalrentabilität aus, was es auch heute zu einem umfassenden Planungsinstrument macht.
Welche Einschränkungen haben Kennzahlensysteme laut Autor?
Kennzahlensysteme können niemals die gesamte Realität eines Unternehmens widerspiegeln, basieren oft auf veralteten Daten des Jahresabschlusses und bergen Gefahren bei der Dateninterpretation.
- Arbeit zitieren
- Robert Christ (Autor:in), 2002, Kennzahlensysteme als Instrumente der Bilanzanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8460