„Glasklar und nüchtern übersetzt [...]“ (Dieckmann, DIE ZEIT. 11.05.2005.)
„Und hier hilft die Übersetzung kaum weiter – man muß den Originalton kennen [...]“
(Seidl, FASZ. 02.10.2005. )
„Die Übertragung [...] ist ein Wunderwerk an Exaktheit.“ (Hanimann, FAZ. 19.10.2005.)
„Mit dieser Übersetzung wäre Kawabata kaum für den Nobelpreis nominiert worden.“ (Hijiya-Kirschnereit, FAZ. 18.10.2004.)
„So manches liest sich in diesem Buch übrigens wie für die deutsche Sprache geschrieben, und ein besseres Kompliment [...] kann es nicht geben. Sind Übersetzer(innen) nicht überhaupt oft genug so etwas wie engelhafte Vermittler?“ (Jung, DIE ZEIT. 11.08.2005.)
In solchen und ähnlich subjektiven, unpräzisen Bewertungen erschöpft sich die heute gängigste Form der ‚Übersetzungskritik’, die man in Buchrezensionen übersetzer Werke findet. Meist handelt es sich um eine reine Zieltextkritik, die ohne Bezug auf den Ausgangstext und ohne ausreichende Kenntnis des Übersetzungsvorgangs entstanden ist.
In den 1970-er Jahren bildeten sich in der Übersetzungswissenschaft erste übersetzungskritische Modelle heraus, die im Hinblick auf Bewertungskriterien und Methodik jedoch durchaus variieren (Snell-Hornby 373).
Weitreichend anwendbar, umfassend und detailliert ist der Ansatz von Katharina Reiß. Auf Grundlage ihres Modells, doch unter Berücksichtigung weiterer Modelle, soll in der vorliegenden Hausarbeit die deutsche Übersetzung von John Steinbecks <The Grapes of Wrath> analysiert werden. Der praktischen Übersetzungskritik gehen einige theoretische Überlegungen voraus. Hintergrundinformationen zu Autor und Werk sowie allgemeine Angaben zu Übersetzer und Übersetzung sollen das Umfeld der Analyse näher beleuchten und das Verständnis erleichtern. Anhand konkreter Textbeispiele werden dann Kriterien der Übersetzungskritik veranschaulicht und Ausgangs- und Zieltext miteinander verglichen. Abschließend erfolgt eine Bewertung der Übersetzung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Ziel und Zweck der Übersetzungskritik
2.2 Texttypologie
2.3 Äquivalenz vs. Adäquatheit
2.4 Kriterien für eine Übersetzungskritik
3 Ausgangstext
3.1 Autor: John Steinbeck
3.2 Werk: The Grapes of Wrath (1939)
4 Zieltext
4.1 Übersetzer: Klaus Lambrecht
4.2 Übersetzung: Früchte des Zorns (1940)
5 Praktische Übersetzungskritik nach Katharina Reiß
5.1 Innersprachliche Instruktionen
5.1.1 Semantik
5.1.1.1 Auslassungen
5.1.1.2 Zusätze
5.1.1.3 Abweichungen
5.1.1.4 Übersetzungsfehler
5.1.1.5 Sinnfehler
5.1.2 Lexik
5.1.2.1 Fachtermini
5.1.2.2 Eigennamen
5.1.2.3 Wortspiele
5.1.2.4 Redewendungen
5.1.2.5 Reim
5.1.3 Grammatik
5.1.4 Stil
5.2 Außersprachliche Determinanten
5.2.1 Engerer Situationsbezug
5.2.2 Ortsbezug
5.2.3 Empfängerbezug
5.2.4 Sprecherabhängigkeit
5.2.5 Affektive Implikationen
5.3 Gebrauch der Zielsprache
6 Abschließende Bewertung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die deutsche Übersetzung von John Steinbecks Roman "The Grapes of Wrath" durch Klaus Lambrecht einer fundierten Analyse zu unterziehen. Dabei wird untersucht, inwiefern die Übersetzung die Qualitäten des Originals bewahrt und den Anforderungen an eine objektive Übersetzungskritik unter Berücksichtigung von Semantik, Lexik, Grammatik, Stil und soziokulturellen Kontexten gerecht wird.
- Theoretische Modelle der Übersetzungskritik, insbesondere nach Katharina Reiß.
- Analyse von Innersprachlichen Instruktionen wie Semantik, Lexik und Grammatik im Zieltext.
- Untersuchung von Außersprachlichen Determinanten wie Situations- und Ortsbezug.
- Beurteilung der Übertragung von Dialekt, Soziolekt und affektiven Implikationen.
- Bewertung der Gesamtqualität der Übersetzung im Hinblick auf ihre historische Entstehung und moderne Wirkung.
Auszug aus dem Buch
5.1.1.2 Zusätze
“his whole body listening to the car “ (141)
„sein ganzer Körper lauschte auf die Geräusche des Wagens“ (148)
An dieser Stelle ist der Zusatz berechtigt, denn ‚lauschen’ kann man im Deutschen nur dem Klang an sich, nicht aber dem, was den Klang produziert. Das neutrale Wort „Geräusche“ ist gut geeignet, da auch im Englischen nicht näher bestimmt wird, ob der Wagen nun knattert, rattert oder quietscht.
“When Tom here got in trouble we could hold up our heads.“ (161)
„Wie die Sache mit Tom war, haben wir auch den Kopf oben behalten können und haben uns nicht zu schämen gebraucht.” (168)
Der relativ lange Zusatz wird dadurch begründet, dass die reine Übersetzung der wörtlichen Bedeutung „seinen Kopf hoch halten“ nicht die übertragene Bedeutung „sich nicht zu schämen brauchen“ einschließt, die der Redewendung gleichzeitig im Englischen zukommt. Eine entsprechende Redewendung im Deutschen, die beide Bedeutungen trägt, gibt es nicht.
“that seemed to look out of a well of horror.“ (155)
„die aus einem Abgrund des Schreckens und der Schmerzen herauszublicken schienen.“ (162)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung kritisiert gängige, oberflächliche Buchrezensionen und führt das theoretische Modell von Katharina Reiß ein, das als Grundlage für die Analyse der Steinbeck-Übersetzung dient.
2 Theoretische Grundlagen: Hier werden die zentralen Begriffe der Übersetzungswissenschaft, wie Äquivalenz und Adäquatheit, sowie verschiedene Texttypologien und Kriterien für eine objektive Übersetzungskritik erörtert.
3 Ausgangstext: Dieser Abschnitt bietet einen biographischen Überblick zu John Steinbeck und eine inhaltliche sowie strukturelle Analyse seines Romans "The Grapes of Wrath".
4 Zieltext: Hier werden Informationen über den Übersetzer Klaus Lambrecht gesammelt und die Editionsgeschichte der deutschen Übersetzung "Früchte des Zorns" kurz beleuchtet.
5 Praktische Übersetzungskritik nach Katharina Reiß: Der Hauptteil der Arbeit analysiert anhand konkreter Textbeispiele aus den Kapiteln 12 bis 14 verschiedene Kategorien wie Semantik, Lexik, Grammatik und Stil sowie außersprachliche Faktoren.
6 Abschließende Bewertung: Das Fazit würdigt Lambrechts Übersetzung trotz historischer sprachlicher Distanz und vereinzelter Fehler als insgesamt gelungen, da sie den naturalistischen Stil Steinbecks adäquat vermittelt.
Schlüsselwörter
Übersetzungskritik, John Steinbeck, The Grapes of Wrath, Katharina Reiß, Äquivalenz, Adäquatheit, Klaus Lambrecht, Früchte des Zorns, literarische Übersetzung, Sprachanalyse, Soziolekt, Semantik, Stilistik, funktionsorientierte Übersetzung, literarische Kategorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der deutschen Übersetzung von John Steinbecks Klassiker "The Grapes of Wrath" durch Klaus Lambrecht aus dem Jahr 1940.
Welche zentralen Themenfelder werden untersucht?
Im Zentrum stehen die innersprachlichen Aspekte wie Semantik, Lexik und Grammatik sowie außersprachliche Determinanten, die die Qualität der Übersetzung beeinflussen.
Was ist das primäre Ziel der Analyse?
Ziel ist eine fundierte Übersetzungskritik, die aufzeigt, wie erfolgreich Lambrecht den naturalistischen Stil und die soziokulturellen Gegebenheiten des Originals in das Deutsche übertragen hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Autorin nutzt das Modell der praktischen Übersetzungskritik nach Katharina Reiß, um die Übersetzung systematisch anhand von Kriterien wie Funktionskonstanz und Adäquatheit zu beurteilen.
Was ist der Inhalt des Hauptteils?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung ausgewählter Textbeispiele aus den Kapiteln 12 bis 14 des Romans im Vergleich zum Original.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Untersuchung wird durch Begriffe wie Übersetzungskritik, Äquivalenz, literarische Übersetzung und funktionale Textanalyse geprägt.
Wie bewertet die Autorin den Umgang mit dem Südstaaten-Dialekt?
Sie stellt fest, dass die Übertragung des Dialekts schwierig ist; der Übersetzer greift zu Verkürzungen, wirkt jedoch stellenweise zu "glatt" und hochsprachlich für die Sprechergruppe.
Warum hält die Autorin den Zusatz bei "Relief program" für sinnvoll?
Da der Begriff "Relief" in den 1930er Jahren im US-Kontext selbsterklärend war, für den deutschen Leser jedoch eine Erklärung benötigte, dient der Zusatz dem besseren Verständnis der historischen Hintergründe.
- Quote paper
- Rebekka Hahn (Author), 2006, John Steinbeck: The Grapes of Wrath - Analyse der deutschen Übersetzung , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84611