Empirische Hörfunkforschung mit regionalem Bezug


Projektarbeit, 2007

26 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Überlegungen und Hypothesen
2.2 Aktueller Forschungsstand

3. Der Fragebogen
3.1 Erläuterung der Forschungsfrage
3.2 Operationalisierungsschritte
3.3 Aufbau des Fragebogens

4. Pretest-Phase
4.1 Auswertung des Pretests
4.2 Handlungsempfehlungen auf Grundlage des Pretests

5. Zusammenfassung / Fazit

6. Anhang
6.1 Fragebogen
6.2 Literaturnachweis / Bildnachweis

1. Einleitung

Für diese Projektarbeit ist die Aufgabe gestellt worden, einen Fragebogen zu entwickeln. Als übergeordnetes Thema war „Mediennutzung in Leipzig“ vorgegeben. Es stand dabei jedoch frei, eine eigene Forschungsfrage zu entwerfen und diese dann entsprechend zu operationalisieren. Das Ergebnis, so wurde verlangt, sollte dabei den allgemeinen Anforderungen einer CATI-Telefonbefragung gerecht werden.

Die Entwicklung dieses Fragebogens muss mit einem Pretest beendet werden, den wir selbst durchführen und bei dem fünf Probanten testweise den Fragebogen beantworten. Anhand dieses Pretests lässt sich dann die Tauglichkeit des von uns entworfenen Fragebogens für die Praxis erkennen. Die Aufgabenstellung sieht jedoch nicht vor, nach dem Pretest noch umfangreiche Änderungen am Fragebogen vorzunehmen, auch dann nicht, wenn dabei eventuelle Schwierigkeiten zutage treten. Vielmehr ist die Aufgabe mit der Durchführung dieses Tests und seiner Auswertung beendet.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass uns die Auswahl eines passenden Themas einiges Kopfzerbrechen bereitet hat. Mehrere unserer Vorschläge wurden seitens des Lehrkörpers abgelehnt. Als Begründung wurde u. a. mangelnder Lokalbezug angeführt. In einer zeitlich sehr umfangreichen Sitzung außerhalb des regulären Stundenplanes haben Teile unserer Lerngruppe gemeinsam mit dem Lehrkörper eine Forschungsfrage für den Fragebogen erarbeitet, bzw. einen unserer Themenvorschläge so weit modifiziert, dass er den Anforderungen genügte.

Anhand unseres Fragebogens soll nun heraus gefunden werden, ob und in welchem Umfang die Nachrichten in dem von Leipziger Studenten veranstalteten Radioprogramm Radio „mephisto 97.6“ die Leipziger Hörer ansprechen. Hintergrund dieser Befragung ist eine nur wenige Jahre zurück liegende Sinnkrise in dem Sender und der daraus resultierende Wunsch, sich vom Image des Studentenradios weg zu bewegen. Heute sendet Radio „mephisto 97.6“ nach eigenen Angaben „ein Programm zwar von, aber nicht nur für Studenten“1. Der Sender will sich am Markt als zusätzliches lokales Radio-Vollprogramm etablieren. Vater des Gedankens war dabei nicht wirtschaftliches Interesse (der Sender darf Lizenz bedingt keine Werbung senden und würde finanziell nicht von höheren Einschaltquoten profitieren), sondern es stand der Wunsch dahinter, die gesendeten Inhalte einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Das lässt sich, der gegenwärtigen Meinung der Programmverantwortlichen zufolge, hauptsächlich durch regional gefärbte Wortbeiträge realisieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Logo von Radio „mephisto 97.6“2

frage festgelegt, weil wir davon ausgehen, dass die Hörer bei Wortbeiträgen eine Gewichtung vornehmen und bekannt ist, dass die Nachrichten beim Hörer ein höheres Gewicht haben, als andere Wortbeiträge. Doch derartige Überlegungen greifen bereits vor in das nun folgende Kapitel.

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Überlegungen und Hypothesen

Ausgehend von der Frage nach den Hörgewohnheiten und der speziellen Betrachtung der Nachrichten kann man nicht wenige Hypothesen aufstellen. Die einfachste lautet: Der Hörer nimmt beim Radiohören – bewusst und unbewusst – eine unterschiedliche Gewichtung zwischen Musik und Wortbeiträgen vor. Das lässt sich daran erkennen, dass Musik seltener als störend empfunden wird und Wortbeiträge bei Programm-Researches in der Regel als Umschaltfaktor gemessen werden.

Daraus ließe sich ableiten, dass bei einer Programmgestaltung verstärkt das Hauptaugenmerk auf die Länge und inhaltliche Gestaltung des gesprochenen Wortes gelenkt werden muss. Außerdem kann davon ausgegangen werden, dass der Hörer eine deutliche Unterscheidung zwischen moderativ oder redaktionell vermittelten Inhalten und Nachrichten macht. Informationen, die im laufenden Programm übertragen werden, gelten gemeinhin als nicht derartig wichtig, wie es zum Beispiel die Hauptnachrichten sind.

Das Medium Hörfunk befindet sich insgesamt in einer Krise. In den vergangenen Jahren haben die Veranstalter viel Energie dafür aufgewendet, die Musikfarbe ihrer Programme zu optimieren. Und weil die meisten Programme auf eine Zielgruppe zwischen 14 und 49 Jahren abzielen, klingt diese Musikfarbe auf vielen Sendern inzwischen sehr ähnlich. Ein Wettberwerb lässt sich in der derzeitigen Situation vor allem durch ein reichhaltiges und ansprechendes Wortangebot im Radio erzielen. Dieser Fakt wird unter anderem durch eine Studie der Technischen Universität Chemnitz belegt (siehe Tabelle), die das Hörverhalten im Chemnitzer Raum untersucht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Gegenüberstellung der Soll- und Ist-Werte für die Musik- und Wortbeiträge3

Aus der Tabelle ist ersichtlich, dass die Hörer allgemein von einem Radiosender in mehr als einem Drittel der Sendezeit Informationen erwarten. Und das obwohl sich das Gros der Radiosender seit mehr als zwanzig Jahren permanent über die Musik zu positionieren versucht.

Insofern ist es nachvollziehbar, dass die Programmleitung von Radio „mephisto 97.6“ den für die Hörer wichtigen Wortanteil, die Hauptnachrichten, zuerst untersuchen lassen und später anhand der Untersuchungsergebnisse neu ausrichten lassen will. Außerdem legt man hier gesteigerten Wert auf einen prozentual sehr hohen Wortanteil im gesamten Programm. Nach eigenen Angaben bietet der Sender „aktuelle Informationen für alle, die Interesse am Geschehen in und um Leipzig haben. Der durchschnittliche Wortanteil aller Sendungen liegt dabei bei mindestens 40%.4

Es wird keine besondere Schwierigkeit darstellen, zu untersuchen, ob und wie die angebotenen Wort-Themen in der Leipziger Bevölkerung Beachtung finden. Hierzu können Erhebungen auf zahlreichen klassischen Wegen angestellt werden. Was unsere Studie aber nicht leisten können wird, ist das Aufzeigen von neuen Themenfeldern für das Wortprogramm. Wir wollen uns in der Studie diesmal auf die Rezeption von Inhalten beschränken. Selbstverständlich wäre es auch möglich, zu untersuchen, welche Themen sich der Zuhörer im Radio wünscht und wie er darauf im Einzelnen reagiert. Doch zu diesem Zweck müsste eine andere, gänzlich umgestaltete Umfrage durchgeführt werden. Das ist nicht unser Ziel.

Zurück zu unserem Fragebogen und der damit verbundenen Aufgabe. Wir betrachten also eine altersspezifisch nicht näher bestimmte, aber dennoch repräsentative Gruppe von Leipzigern und ihre Hörgewohnheiten bezüglich der Wortanteile im Rundfunk.

Ausgehend von der Idee, dass Radio „mephisto 97.6“ sein Programm früher verstärkt auf eine studentische Zielgruppe ausgerichtet hat, wäre es sicher interessant gewesen, aufzuzeigen, ob und welche Wanderungsbewegungen in den letzten zwei Jahren (seit den letzten beiden durchgeführten Programmreformen) zwischen den einzelnen Kohorten stattgefunden haben. Doch das würde einerseits unser zeitliches Budget sprengen, da eine solche Erhebung sehr zeitaufwändig ist. Andererseits liegt seitens Radio „mephisto 97.6“ kein Vergleichsmaterial aus einer ählichen Studie vor. Dieser Fakt bringt uns zum nächsten Kapitel dieser Projektarbeit.

2.2 Aktueller Forschungsstand

Wie bereits kurz erwähnt, hat Radio „mephisto 97.6“ bislang keine detaillierten Erhebungen über seine Hörer durchgeführt. Das mag der Tatsache geschuldet sein, dass bei dem Sender keine wirtschaftlichen Interessen im Vordergrund stehen, für die hohe Einschaltquoten von Interesse wären. Und obwohl der Sender technisch rund eine Million Menschen im Großraum Leipzig-Halle5 erreichen könnte, ist seine tatsächliche Einschaltquote so gering (<3000/h), dass sie bei den halbjährlichen Quotenmessungen der AG.MA oder der RMS (auf CATI-Befragungen beruhend) nicht gesondert ausgewiesen werden.

Es existieren jedoch Studien, in denen die Akzeptanz einzelner Programmelemente, die Verweildauer oder die Um- und Abschaltfaktoren untersucht werden. Eine davon ist in dieser Arbeit bereits genannt worden: Die Evaluationsstudie der Technischen Universität Chemnitz.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch eine Studie, die der niederländische Radiopionier Ad Roland im Jahr 2006 über den deutschen Markt erstellt hat. Seine Untersuchungen haben ergeben, dass die Mehrheit der Deutschen das Medium Radio als bestes Medium zur Verbreitung von Kurznachrichten betrachtet (siehe Grafik).

Abb.2: Laut Studie bestes deutsches Medium für Kurznachrichten: Das Radio.6

Der Vollständigkeit halber muss auch erwähnt werden, dass die gleiche Studie zu dem Schluss kommt, der deutsche Hörfunk sei für die Übermittlung von regionalen, überregionalen und Weltnachrichten nur wenig geeignet. Zur Rezeption dieser Nachrichten ziehen die Deutschen andere Medien vor.

Vielleicht geht Radio „mephisto 97.6“ aber gerade deswegen den richtigen Weg. Wenn dem Radio nach jahrelangen Musik-Kampagnen von den Hörern eine hohe Musikkompetenz bescheinigt wird, so ließe sich auch der Umkehrschluss daraus folgern: Wenn man verstärkt die Wortbeiträge im Hörfunk optimiert, besser finanziert und ausbaut, so ließen sich über diesen Weg bessere Einschaltquoten erzielen. Und nicht zuletzt liegen auch die Wurzeln des Rundfunks in der Übertragung von Wortbeiträgen, denkt man nur an die Übertragungen der Reden, Sportereignisse und Hörspiele in früherer Zeit, als die Gewichtung noch so war, dass ein Musiktitel das Wort unterbrach. Heute ist die Aufteilung der meisten Programme bekanntermaßen umgekehrt.

[...]


1 Radio „mephisto97.6“, 2007, online

2 Eigene Darstellung

3 Fritzsch, 2004, S. 13

4 Radio „mephisto97.6“, 2007, online

5 Radio „mephisto97.6“, 2007, online

6 Roland, 2006, S. 30

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Empirische Hörfunkforschung mit regionalem Bezug
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für KMW)
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
26
Katalognummer
V84641
ISBN (eBook)
9783638002813
ISBN (Buch)
9783638912808
Dateigröße
600 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Empirische, Hörfunkforschung, Bezug
Arbeit zitieren
Mark Hegewald (Autor:in), 2007, Empirische Hörfunkforschung mit regionalem Bezug, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84641

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Empirische Hörfunkforschung mit regionalem Bezug



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden