Die Ereignisse des Jahres 27 v.Chr. stehen für den Beginn einer neuen Epoche in der römischen Geschichte. Am 13. Januar des Jahres 27 v.Chr. legte Octavian seine Sondergewalten nieder und stellte Heere und Verwaltung unter die Kontrolle des Senats und der Volksversammlung. Die Republik war formal wieder hergestellt. Octavian erhielt nun den Ehrentitel Augustus ( der „Erhabene“ ). Der Senat und das Volk waren jedoch nicht in der Lage, nach den Wirren des Bürgerkrieges mit den Problemen des Reiches, ohne die Hilfe Octavians fertig zu werden. Octavian erklärte sich nun bereit, neue Aufgaben, für einen bestimmten zeitlichen Rahmen, zu übernehmen. Die nun sich weiterentwickelnde Herrschaftsstruktur wird als Prinzipat bezeichnet. In der folgenden Hausarbeit soll die Frage beleuchtet werden, wie sich die Stellung des Senats in der neuen Herrschaftsstruktur veränderte und wie hoch das Maß an politischer Macht des Senats war. Zudem soll das Verhältnis zwischen Prinzeps und Senat beleuchtet werden. Der erste Teil der Arbeit beschreibt die Entstehung des Prinzipats und liefert den historischen Hintergrund. Im zweiten Teil der Arbeit wird die typische Laufbahn eines Senators zur Zeit des Prinzipats dargestellt. Anschließend wird das Verhältnis zwischen dem Prinzeps und dem Senat erläutert.
Danach soll auf das Maß an politischer Macht des Senats eingegangen werden.
Über die politischen Ereignisse, die zur Errichtung Augustus Alleinherrschaft führten, aber auch über die Stellung des Senats und dem Verhältnis zum Prinzeps berichtet unter anderem Cassius Dio. Er schrieb insgesamt 80 Bücher über die Geschichte Roms, von denen einige jedoch nur noch als Fragmente erhalten sind. Cassius Dio schreibt aus der Perspektive eines römischen Senators. Als Quelle gerade für die Kaiserzeit ist sein Werk unschätzbar. In der folgenden Hausarbeit wird auf die Bücher 52-56 Bezug genommen. Des weiteren behandeln einige ausgewählte Texte Tacitus die Institutionalisierung der Monarchie unter Augustus. Die Annales behandeln die Zeit vom Regierungsantritt des Tiberius bis zum Tode Neros.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Historischer Hintergrund – Die Errichtung des Prinzipats
2.1.1 Die Ereignisse der Jahre 28 und 27 v.Chr.
2.1.2 Augustus weiterer Ausbau des Prinzipats
2.2 Der Römische Senat zur Zeit des Prinzipats
2.2.1 Die Senatorenlaufbahn zur Zeit des Prinzipats
2.2.2 Das Verhältnis zwischen Prinzeps und Senat
2.2.3 Das Maß an politischer Macht des Senats
3. Schlussteil
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegende Veränderung der Stellung des römischen Senats innerhalb der neuen Herrschaftsstruktur unter Augustus. Dabei steht insbesondere die Frage im Mittelpunkt, wie sich das politische Machtverhältnis zwischen dem Prinzeps und dem Senat entwickelte und inwiefern der Senat unter dem neuen System noch über tatsächliche politische Gestaltungsmacht verfügte.
- Historische Genese des Prinzipats ab dem Jahr 27 v.Chr.
- Struktur und Verlauf der senatorischen Laufbahn im Prinzipat.
- Die gezielte Einflussnahme des Augustus auf die Zusammensetzung des Senats.
- Analyse der Machtverteilung und Interdependenzen zwischen Prinzeps und Senatsaristokratie.
- Der Wandel vom republikanischen Senat zum Instrument der kaiserlichen Herrschaft.
Auszug aus dem Buch
2.2.2 Das Verhältnis zwischen Prinzeps und Senat
Die „Regierung“ Augustus musste im Rahmen der neuen Ordnung stehen und dies bedeutete, eine gemeinsame Ausübung der Macht durch den Senat und den Prinzeps. Augustus Aufgabe bestand darin, sich mit der alten republikanischen Elite zu versöhnen und sie dazuzubringen, die neuen Machtverhältnisse anzuerkennen.
Damit verbunden war die Wiederherstellung des Ansehens der alten Elite und der Versuch der Einflussnahme auf die Zusammensetzung des Senats, um deren Unterstützung zu besitzen. Die erste Maßnahme hierfür wurde bereits in den Jahren 29 und 28 v.Chr. vollzogen. Der Senat wurde durch eine lectio senatus verkleinert. Eine entscheidende Verminderung wurde jedoch erst im Jahre 18 v.Chr. durchgeführt. 300 Mitglieder verloren ihren Senatssitz. Augustus übernahm zu dieser Zeit den Vorsitz dieses „Auswahlverfahrens“.
Sueton beschreibt dieses Verfahren und die damit verbundene lebensbedrohliche Gefahr recht eindeutig: „Die Zahl der Senatoren, die zu einer unförmigen und ungeordneten Masse angeschwollen war – es gab mehr als 1000…, brachte er durch zwei Überprüfungen wieder auf den alten Umfang…, Bei dieser Gelegenheit soll er geschützt mit einem Panzer unter der Kleidung und mit einem Schwert gegürtet den Vorsitz geführt haben“ Zudem setzte Augustus zwischen den Jahren 18 und 13 v.Chr. das Mindestvermögen eines Senators auf 1. Mio. Sesterzen fest und normierte hiermit eine exakte Qualifikation für die Senatszugehörigkeit. Im Jahre 29 v.Chr. erhöhte Augustus, aufgrund einer lex Saenia, die Zahl der Patrizier und so ist es nicht verwunderlich, dass etwa ein Drittel der unter Augustus nachweisbaren Patrizier von ihm in das Patriziat aufgenommen wurde. „Und die Klasse der Patrizier füllte er wieder auf, da der Senat ihn drängte dies zu tun, weil der größte Teil der Patrizier zugrunde gegangen war.“ „Nachdem er dies getan hatte, nahm er eine Überprüfung der Senatsliste vor. Denn auch so erschien ihm die Mitgliederzahl zu groß…“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Zäsur des Jahres 27 v.Chr. ein und definiert die Forschungsfrage bezüglich der veränderten Stellung des Senats im neuen Herrschaftssystem.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die Errichtung des Prinzipats, die Karrierewege der Senatoren sowie das komplexe Machtgefüge und die administrative Interaktion zwischen Augustus und dem Senat.
3. Schlussteil: Der Schlussteil resümiert, dass das Prinzipat faktisch eine Monarchie war, in der der Senat seine einstige politische Eigenständigkeit weitgehend zugunsten der Herrschaft des Augustus einbüßte.
Schlüsselwörter
Augustus, Prinzipat, Römischer Senat, Machtstruktur, Magistratur, Senatorenlaufbahn, Nobilität, auctoritas, imperium proconsulare, Konsulat, lectio senatus, politische Macht, Republik, Kaiserzeit, Herrschaftssystem.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Transformation des römischen Senats während der Ära des Augustus und beleuchtet dessen Rolle innerhalb des neugeschaffenen Prinzipats.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entstehung des Prinzipats, der formalen und faktischen Machtverteilung sowie den Karrierewegen und der Zusammensetzung der Senatsaristokratie unter Augustus.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel der Arbeit ist es zu ergründen, wie sich die Stellung des Senats in der neuen augusteischen Herrschaftsstruktur veränderte und wie hoch das Ausmaß seiner tatsächlichen politischen Macht verblieb.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die primär auf antiken Quellen wie Cassius Dio, Tacitus und Sueton sowie auf der Auswertung relevanter moderner Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird zunächst der historische Hintergrund erläutert, gefolgt von der Darstellung der senatorischen Laufbahn und einer detaillierten Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen dem Prinzeps und dem Senat.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Augustus, Prinzipat, Senat, Machtstruktur, auctoritas und die senatorische Nobilität.
Warum wurde die Senatsliste unter Augustus mehrfach überprüft?
Die Überprüfungen (lectio senatus) dienten dazu, die Anzahl der Senatoren zu reduzieren, die durch die Bürgerkriege stark angewachsen war, und durch gezielte Auswahl die Zusammensetzung des Senats nach den Vorstellungen des Augustus zu steuern.
Welche Rolle spielten die Senatorensöhne in der Politik des Augustus?
Augustus förderte die Einbindung der Senatorensöhne durch Privilegien, wie das Tragen des Purpurstreifens (latus clavus), um sie frühzeitig mit den Aufgaben der Verwaltung und des Staates vertraut zu machen und an sein System zu binden.
Warum war der Senat trotz formaler Fortexistenz politisch geschwächt?
Der Senat verlor seine Autonomie, da Augustus die wichtigsten Machtmittel, wie die Kontrolle über das Heer und die strategisch wichtigen Provinzen sowie das Entscheidungsmonopol bei zentralen politischen Fragen, an seine Person band.
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- Tobias Hahn (Author), 2007, Die Rolle des römischen Senats unter der Herrschaft des Augustus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84668