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Die Sehnsucht nach der Fremde

Intentionen, Chancen und Grenzen von Fremdheitserfahrungen in Gruppenreisen am Beispiel Türkeitourismus

Titre: Die Sehnsucht nach der Fremde

Exposé Écrit pour un Séminaire / Cours , 2006 , 25 Pages , Note: 1,3

Autor:in: Dipl. Soz. Tobias Lohmann (Auteur)

Ethnologie / Anthropologie Culturelle
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Résumé Extrait Résumé des informations

„Es lässt sich wohl Kaum abstreiten, dass die Vorstellung von einem freien ungebundenen Leben uns seit jeher berauscht und beflügelt hat.
In unserer Gedankenwelt verbinden wir damit die Flucht vor der Last der Geschichte, vor Unterdrückung, dem Gesetz und lästigen Verpflichtungen. Wir sehnen uns nach der absoluten Freiheit, und der Weg dorthin führte schon immer in die Fremde“(Wallace Sregner).

Mit solchen oder ähnlichen Gedanken im Gepäck haben sich schon unzählige Reisende und Abenteurer, weit vor der Entstehung eines Tourismussektors, auf den Weg gemacht um fremde Welten zu erkunden und ihren Horizont zu erweitern. Viele Reiseberichte und Romane bauen auf diesen Motiven auf. Sie beschreiben die Faszination des Fremden und sind nicht selten von der Freiheits-Projektion der Romantik geprägt, die Fremde als unberührte und bessere Welt zu betrachten. Enzensberger nimmt an, dass sich auch aus diesen Leitmotiven heraus der Tourismus am Anfang des 19. Jahrhunderts entfalten konnte. Als Parallelentwicklung zur bürgerlichen- und Industriegesellschaft. Ziel war die Flucht. Doch die Befreiung von der industriellen genormten Welt hat sich, so Enzensberger, selbst als Industrie etabliert. Der Tourismus ist gekennzeichnet durch die Elemente jeder industriellen Produktion: Normung, Montage und Serienanfertigung (vgl. Enzensberger 1958). So fließen Fremdheitsstereotype, Wünsche, Erwartungen und Sehnsüchte in den ökonomischen Prozess mit ein und formen eine genormte Fremdheit, die leicht konsumierbar ist, der Nachfrage entspricht und vor allem auch erwartbar bleibt.
Gerade in der Türkei findet man allerorts abgeschlossene Refugien, in denen die Annehmlichkeiten des Abendlandes und die gewohnten Zutaten westlicher Kultur zu künstlichen Urlaubs-Welten zusammengeschmolzen sind. In Architektur und dem allabendlichen Schauprogramm reproduzieren die Hotelketten Fremdheitsklischees auf spielerische Art und Weise. Natürlich ist den meisten Touristen diese „Inszenierung“ bewusst, stellen sie doch eine bequeme Art dar, im Schutze des Hotels orientalisches Flair zu erleben, ohne auf das „deutsche Bier“ verzichten zu müssen. Neben der Abschottung in touristische Scheinwelten, ist aber wieder ein neuer Trend zu beobachten: Eine Studie des Ammerlander- Studienkreises für Tourismus und Entwicklung kam zu dem Ergebnis, dass die Touristen vermehrt Interesse am Kennenlernen von Land und Leuten zeigen. 38 Prozent der Befragten gaben den Wunsch an, abseits der Touristen-Zentren auf Einheimische treffen zu wollen.1 Schrutka-Rechtenstamm geht davon aus, dass die Angebote, welche ein Einsteigen in die fremde Kultur versprechen, allgemein häufiger werden (vgl. Schrutka-Rechtenstamm 1999, S.107). Darüber hinaus konnte die Tourismusindustrie der Türkei in den letzten Jahren eine steigende Nachfrage an Kultur- und Gruppenreisen verzeichnen (vgl. Vielhaber 2000, online).
Was für Intentionen verbergen sich hinter dem Wunsch der Fremde zu begegnen und inwieweit lässt er sich in Gruppenreisen realisieren? Dieser Frage will ich im Hinblick auf die Türkei als Urlaubsdestination nachgehen, gleichzeitig aber auch die damit verbundene Problematik aufzeigen.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Motivation, Ausgangslage und Zielsetzung der Arbeit

1.1 Über die Besonderheit der Türkei als Urlaubsland

1.2 Gruppenreisen als Chance interkulturellen Fremdverstehens?

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Varianten des Fremdverstehens

2.2 Psychoanalytische Konstitution vom „Fremden“

2.2.1 Xenophobie

2.2.2 Exotismus

3 Fremdheitsbewältigung: zwischen Faszination und Bedrohung

3.1 Projektionsfläche Türkei

3.2 Gruppenreisen als Möglichkeit wohldosierter Fremdheitserfahrung

4 Produktion, Rezeption und Reproduktion exotischer Fremdheit

4.1 Mediale Inszenierung touristischer Illusionsproduktion

4.1.1 Das Bild des „edlen Türken“

4.2 Eingeschränkte Wahrnehmung

4.3 Inszenierte Begegnungen

4.3.1 Der vermeintliche Blick auf die Hinterbühne

4.4 Über die Exklusivität „authentischer“ Fremdheitserfahrung

5 Konflikte und Folgen der Grenzüberschreitungen

5.1 Über die Schwierigkeit angemessenen Verhaltens

5.2 Gefahren der „Schnappschussjagd“

5.2.1 Hierarchischer Blick

6. Möglichkeiten einer sozialverträglichen Annäherung

6.1 Verbesserte Aufklärung

6.2 Auflockerung der zeitlichen Rahmenbedingungen

6.3 Verstärkte Nutzung regionaler Ressourcen

Zusammenfassung und Fazit:

Literaturverzeichnis:

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Intentionen, Chancen und Grenzen von Fremdheitserfahrungen im Rahmen von Gruppenreisen am Beispiel des Türkeitourismus, mit dem Ziel, die Problematik interkultureller Begegnungen zwischen Touristen und der lokalen Bevölkerung aufzuzeigen und Ansätze für einen sozialverträglicheren Tourismus zu entwickeln.

  • Analyse der theoretischen Konzepte von Fremdheit und interkulturellem Verstehen.
  • Untersuchung der medialen Inszenierung und Projektion von Exotismus im Reisekontext.
  • Identifikation von Konfliktpotenzialen bei Grenzüberschreitungen durch touristisches Verhalten.
  • Bewertung von Möglichkeiten zur Verbesserung der Begegnungsqualität, insbesondere durch Reiseleitung und lokale Wertschöpfung.

Auszug aus dem Buch

3.2 Gruppenreisen als Möglichkeit wohldosierter Fremdheitserfahrung

Dem Paradox, Abstoßung und Anziehung zugleich, entspricht das mildere Paradox der Gruppenreise: Während sie einerseits die Möglichkeit verspricht sich dem Fremden zu nähern, bietet sie auf der anderen Seite auch die Möglichkeit sich in der Fremde aus der Fremde zurückzuziehen. Der Reisebus, die Gruppe oder das Hotel können jederzeit als schützende Inseln fungieren. Urry , Craik und Aziz etablierten in der englischsprachigen Literatur den Begriff der „touristic-bubble“. In ihr können Touristen selbst in der Fremde eine vertraute Umgebung in Anspruch nehmen, von der aus kontrollierte Erkundungen der Umwelt vorgenommen werden (vgl. Urry 1990, Craik 1997, Aziz 2000)3. Auch wenn sich der Gruppenreisende im Vergleich zu dem Hoteltourist als mobil versteht, ist die Gruppe an sich doch ein starres Gebilde, die sich zwischen den im Programm festgeschriebenen Orten bewegt.

Bei Busreisen wird der klimatisierte Bus als neutraler Raum erfahren in dem man Erlebnisse austauschen kann und die Annehmlichkeiten von Zuhause nicht missen muss. Aufgrund der gemeinsamen Erfahrungen des gemeinsamen sozialen Status schirmt die Gruppe sich von den als fremd erlebten Einheimischen und ihrem ebenfalls als fremd erlebten Alltag ab. Die Möglichkeit, dem Fremden kontrolliert und distanziert begegnen zu können, wird zu einer werbetauglichen Formel vieler Reiseveranstalter.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Sehnsucht nach der Fremde und stellt die heutige Diskrepanz zwischen touristischer Inszenierung und dem wachsenden Bedürfnis nach authentischen Begegnungen dar.

1. Motivation, Ausgangslage und Zielsetzung der Arbeit: Dieses Kapitel erläutert die Beweggründe für die Themenwahl und analysiert die Türkei als komplexes Urlaubsland, das trotz hoher Besucherzahlen von Klischees und Wissensdefiziten geprägt ist.

2. Theoretische Grundlagen: Hier werden zentrale Begriffe wie Fremdverstehen sowie psychoanalytische Ansätze zur Konstitution des Fremden durch Xenophobie und Exotismus theoretisch hergeleitet.

3 Fremdheitsbewältigung: zwischen Faszination und Bedrohung: Dieses Kapitel thematisiert die Türkei als Projektionsfläche zwischen den Extremen der Faszination und der Bedrohung und untersucht die Rolle der Gruppenreise als Mechanismen zur Dosierung dieser Fremdheitserfahrung.

4 Produktion, Rezeption und Reproduktion exotischer Fremdheit: Hierbei wird analysiert, wie mediale Inszenierungen und der „touristische Blick“ stereotype Bilder vom „edlen Türken“ erzeugen und wie dadurch die Wahrnehmung im Urlaub eingeschränkt wird.

5 Konflikte und Folgen der Grenzüberschreitungen: Dieses Kapitel widmet sich den negativen Begleiterscheinungen touristischen Verhaltens, insbesondere im Hinblick auf den respektlosen „Schnappschussjagd“-Tourismus und hierarchische Sichtweisen.

6. Möglichkeiten einer sozialverträglichen Annäherung: Abschließend werden Strategien zur Verbesserung der Situation diskutiert, darunter eine professionalisierte Rolle des Reiseleiters als Moderator sowie eine stärkere Einbindung regionaler Ressourcen.

Zusammenfassung und Fazit: Das Kapitel reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und formuliert die Utopie eines sozialverträglicheren Tourismus, der auf gegenseitigem Respekt und Offenheit basiert.

Literaturverzeichnis: Umfasst alle für die Arbeit herangezogenen wissenschaftlichen Quellen und Literaturhinweise.

Schlüsselwörter

Tourismus, Türkei, Fremdheit, Fremdheitserfahrung, Gruppenreisen, Exotismus, Xenophobie, authentische Erlebnisse, interkulturelle Begegnung, Reiseleitung, touristischer Blick, sozialverträglicher Tourismus, mediale Inszenierung, kulturelle Stereotype, Interaktion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert kritisch das Phänomen des Tourismus in der Türkei und untersucht, inwieweit organisierte Gruppenreisen tatsächlich ein interkulturelles Verständnis fördern können oder ob sie lediglich einseitige Klischees und Stereotype reproduzieren.

Welche zentralen Themenfelder werden in der Untersuchung behandelt?

Zu den zentralen Themen gehören die theoretische Fundierung von Fremdheit (Exotismus und Xenophobie), die mediale Inszenierung des Urlaubslandes, die psychologischen Aspekte des touristischen Verhaltens sowie die Möglichkeiten einer sozialverträglichen Gestaltung touristischer Begegnungen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, die Intentionen, Chancen und Grenzen der Fremdheitserfahrung in Gruppenreisen aufzudecken und zu hinterfragen, wie eine Annäherung an das Fremde jenseits von oberflächlichen Konsummustern in einem komplexen Kontext wie dem Türkeitourismus gelingen kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?

Die Arbeit basiert primär auf einer ethnologischen Perspektive und der Analyse vorhandener wissenschaftlicher Literatur, kombiniert mit den eigenen Beobachtungen des Autors aus seiner Tätigkeit als Reiseleiter und ergänzt durch Fallbeispiele und Reiseberichte.

Welche zentralen Aspekte bilden den Schwerpunkt des Hauptteils?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Betrachtung von Fremdheit, die kritische Analyse der touristischen „Inszenierungsmaschinerie“ (Prospekte, Medien, Reiseführer), die Untersuchung touristischer Interaktionsmuster sowie den Entwurf von Lösungsansätzen für eine sozialverträglichere Praxis.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Fremdheit, Exotismus, touristischer Blick, Gruppenreisen, interkulturelle Begegnung und sozialverträglicher Tourismus.

Welche Rolle spielt die Reiseleitung bei der Vermittlung von Fremdheit?

Der Autor argumentiert, dass der Reiseleiter eine Schlüsselrolle als „Moderator“ einnimmt. Er hat die Verantwortung, zwischen den Interessen der Touristen und den Traditionen der Einheimischen zu vermitteln und ein realistisches, nicht-stereotypes Bild der Kultur zu fördern.

Warum wird das Fotografieren in der Arbeit so kritisch hinterfragt?

Das unreflektierte Fotografieren wird als „Schnappschussjagd“ bezeichnet, die oft als Verletzung des Intimbereichs wahrgenommen wird. Es dient laut Autor häufig eher der Bestätigung eigener Vorurteile und als Machtinstrument, anstatt einen echten, respektvollen Kontakt zur lokalen Bevölkerung zu ermöglichen.

Wie unterscheidet sich das Bild der „authentischen“ Türkei von der Realität?

Die Reisebranche bewirbt oft ein idealisiertes, vorindustrielles Bild (z.B. der einfache, glückliche Bauer), das die soziale und ökonomische Realität ausblendet. Die Touristen suchen nach dieser „Gegenwelt“, was zu einer Inszenierung führt, bei der die Einheimischen die Erwartungen der Touristen bedienen, um ökonomische Vorteile zu erlangen.

Fin de l'extrait de 25 pages  - haut de page

Résumé des informations

Titre
Die Sehnsucht nach der Fremde
Sous-titre
Intentionen, Chancen und Grenzen von Fremdheitserfahrungen in Gruppenreisen am Beispiel Türkeitourismus
Université
LMU Munich  (Institut für Ethnologie und Afrikanistik)
Cours
Ethnologie und Tourismus
Note
1,3
Auteur
Dipl. Soz. Tobias Lohmann (Auteur)
Année de publication
2006
Pages
25
N° de catalogue
V84712
ISBN (ebook)
9783638015240
ISBN (Livre)
9783656082033
Langue
allemand
mots-clé
Sehnsucht Fremde Ethnologie Tourismus
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Dipl. Soz. Tobias Lohmann (Auteur), 2006, Die Sehnsucht nach der Fremde, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84712
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Extrait de  25  pages
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