Formen und Funktionen öffentlicher Kommunikation

Der Medienbegriff und die medientheoretische Diskussion


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

23 Seiten, Note: Gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Eine kurze Geschichte des Nachdenkens über das Medium:

3. Etymologie des Medienbegriffs

4. Medientheorien

5. Tendenzen der medientheoretischen Diskussion und eine mögliche Systematisierung der Medientheorien

6. Die Typisierung in ein evolutionäres Phasenmodell

7. Zeichentheorie der Medien

8. Semantik
8.1 Semasiologie
8.2 Onomasiologie

9. Noch einige Definitionen des Medienbegriffs

10. Schlusswort

11. Bibliographie

1. Einleitung

Was ist eigentlich ein Medium? Die Begriffe Medium und Medien werden heute in unterschiedlichsten Zusammenhängen gebraucht, in denen sie mitunter sehr verschiedene Bedeutungen annehmen. Ein Medium kann zum Beispiel eine Lösung sein, in der eine chemische Reaktion abläuft, oder dass Menschen sich unterhalten können, ist nur möglich, weil das Medium Luft Schallwellen überträgt. Als Medium bezeichnet man aber auch Menschen, die angeblich Kontakte in übersinnliche Bereiche aufnehmen können. Und man bezeichnet als Medium die verschiedensten Phänomene und Objekte, die der Weitergabe von Informationen dienen: das Medium Sprache, das Medium Schrift, das Medium Buch, das Medium Fernsehen und so weiter. Die verschiedenen Gebrauchsweisen haben also ihre Berechtigung und werden in den dazugehörigen Zusammenhängen sinnvoll eingesetzt: Das Medium, in dem eine Reaktion abläuft, die paranormal begabte Person als Mittler zwischen physischer und übersinnlicher Welt, das Buch, das Gedanken einer Schriftstellerin an ihre Leser übermittelt, die Sprache, die Bewusstseinszustände interpersonal vermittelbar macht.

„Überhaupt gibt es nur 'mediatisierte Beziehungen', zu den Dingen ebenso wie zu den Menschen. 'Lebendige Erfahrung' ist ohne Vermittlung von Medien, auch so vergessener altmodischer Medien wie Licht, Wasser, Sand, Wärme, Steine, Luft usw., oder so bedeutender wie Sprache, Raum und Zeit gar nicht denkbar. Nur was von Medien zugetragen wird, ist überhaupt. Ohne die Zustelldienste dieser für uns meist unsichtbaren Medien würden Formen gar nicht die Bühne des Sichtbaren betreten.“[1]

Die Bedeutungsvielfalt des Begriffs Medium ist also riesig und zahlreiche Wissenschaften konkurrieren sich mit verschiedenen Verwendungen. Natürlich gibt es auch zahlreiche Theorien, welche versuchen zu bestimmen, was nun genau ein Medium ist oder welche Wirkung es haben kann. Die daraus resultierende Masse an Mediendefinitionen macht es nicht einfacher einen Überblick oder sogar ein Destillat, also eine vollumfängliche Definition zu gewinnen. Dies soll aber auch nicht das Ziel dieser Arbeit sein. Ziel ist es, darzustellen, wie sich der Begriff Medien verändert hat. Um dies beantworten zu können, muss man einerseits einen kurzen Blick auf die Geschichte des Nachdenkens über Medien werfen, andererseits soll auch die Etymologie des Medienbegriffs fokussiert werden. In einem zweiten Teil soll geklärt werden, was unter Medientheorien verstanden wird und es soll versucht werden aus aktueller Literatur eine mögliche Systematisierung der Theorien zu gewinnen und die Tendenzen der medientheoretischen Diskussion darzustellen und kurz zu kommentieren.

2. Eine kurze Geschichte des Nachdenkens über das Medium :

Was unter dem Begriff Medium verstanden wird, ist ein überaus komplexes Gebilde. Dies zeigt ein Blick auf die Wortbedeutung. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird das Wort Medium meist in seiner Singularform verwendet und im Sinne von Mittleres oder Vermittelndes gebraucht (siehe dazu è3. Etymologie des Medienbegriffs).[2]

Im Prinzip spielt nämlich die Beschäftigung mit dem Medialen bereits in der klassischen Philosophie eine Rolle. Mediale Phänomene finden sich etwa bei Aristoteles, der bestimmten Wahrnehmungen spezifische Medien zuordnet, ohne die sie gar nicht möglich wären. So ist für Aristoteles zum Beispiel Farbe nur durch das Medium des Lichts wahrnehmbar. Auch Platons berühmtes Höhlengleichnis lässt sich als eine Form der Bewusstmachung medialer Zustände lesen. Insofern hat sich die Philosophie schon immer mit Medien im weiteren Sinne befasst. Umgangssprachlich bleibt das Wort aber sehr vage und vielfältig verwendbar.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts bekommt der Begriff Medium eine weiter gefasste Ausprägung.[3] So er wurde in den Bereichen des Spiritismus, des Magnetismus, der Optik und der Akustik verwendet. Doch erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Pluraletantum Medien gebildet.

Nur ‚die Medien’, also der Plural, sind Gegenstand der neuen Disziplin. Der Medienbegriff, der die Grundlage der Medienwissenschaft bildet, ist insofern selbst eine relativ neue Erscheinung und an das Entstehen jenes Pluraletantums ‚die Medien` gebunden.“[4]

Doch was wir heute als Medien kennen, fällt vor der Mitte des 20. Jahrhunderts nicht unter diesen Begriff. Im 19. und 20. Jahrhundert generiert eine sprunghafte Verbreitung der Print- und audiovisuellen Medien einige Ansätze einer Theoretisierung, welche aber bis in die dreissiger Jahre des 20 Jahrhunderts ohne den Medienbegriff auskommt und daher nichts zu einer Institutionalisierung einer übergeordneten Medienwissenschaft beiträgt. Vielmehr werden in dieser Zeit eben spezifisch die Zeitungs-, die Rundfunk- oder die Theaterwissenschaft betrieben. Erst gegen Ende der fünfziger Jahre ist von den Medien als Oberbegriff die Rede.

„Aus der Kommunikationspsychologie und –soziologie, aus den Einzelmedienwissenschaften (zum Beispiel Publizistik, Filmwissenschaft, Rundfunk- und Fernsehforschung) und aus Teilen der Literaturwissenschaft, die ab Mitte der sechziger Jahre zunehmend auch populäre Textsorten und audiovisuelle Texte (Hörspiele, Filme) als Teilbereiche ihres Gegenstandes begreift, entsteht seit den siebziger Jahren eine integrierte Medienwissenschaft als transdisziplinäres Unternehmen, das heute als akademisch etabliert gelten darf. Sie bearbeitet den Gesamtbereich aller Fragen, die sich auf Theorie, Systematik und Geschichte der Medien beziehen.“[5]

3. Etymologie des Medienbegriffs

Das Wort Medium ist laut Auskunft der einschlägigen Herkunftswörterbücher, seit dem 17. Jahrhundert im Deutschen belegt und zunächst als naturwissenschaftlicher und grammatischer Terminus aufgekommen. Verwandt ist es mit den Wörtern Mitte, Mittel, dem französischen milieu, dem italienischen mezzo, und den griechischen Wörtern meta und meson, sowie mit vielen weiteren. Zurückführen lässt es sich auf das Indoeuropäische *medhios. Im Lateinischen dominieren die Bedeutungen mittlerer, Mitte, Mittelmass, Mittelweg, Mittler und Hälfte. Das Substantiv wird also im klassischen Latein hauptsächlich mit Formen der Bedeutung räumliche Mitte beschrieben. Es bezeichnet einen Mittelpunkt oder auch den Raum oder die Substanz zwischen zwei oder mehr Objekten. Somit kann die letzte Auffassung auch bereits eine funktionale sein. Denn der Raum zwischen zwei oder mehr Objekten kann auch als Bote, Vermittler von Kräften zwischen zwei isolierten Einheiten, verstanden werden. Dort wird es für uns dann interessant, wenn wir beobachten können, dass dieses Medium eben kein Mittelpunkt mehr ist, sondern sich in ein Hilfsmittel, einen Boten verwandelt und so eine funktionale Bedeutung erhält. Dies ist auf dieser Grafik ersichtlich, es werden verschiedene Bedeutungen für das Wort Medium gezeigt, ab der Mitte des 19. Jahrhunderts ist das Medium klar als Vermittler zu sehen. Zumal das Wort Mitte, eben im Wort Vermittler steht:[6]

A: Mitte, Mittleres
B: Hilfsmittel, Vergleichsmittel
C: Hälfte
D: Vermittelndes, Zwischenmittel, vermittelndes Element
E: Genus verbi
F: Vermittelnde Person

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die drei Bedeutungsvariationen A, B und C bestimmen im ersten zeitlichen Drittel die semantische Struktur von Medium. Doch ist klar ersichtlich, dass sich ab dem 19. Jahrhundert die funktionale Interpretation durchsetzt.

Diese Untersuchung stützte sich vor allem auf Literatur aus den Bereichen Wahrnehmungslehre, Naturphilosophie und Parapsychologie.

4. Medientheorien

In verschiedenen Disziplinen wird Medium als Fachbegriff verwendet, er ist aber nicht Kernbereich der jeweiligen Fachgegenstände und solcher Wissenschaftsbereichen, die sich explizit und zentral mit Medien befassen. In diesem Sinne spricht die Pädagogik von den Unterrichtsmedien, die Literaturwissenschaft vom Medium Literatur, die Sprachwissenschaft vom Medium Sprache usw. Hier dominiert der Charakter des Instrumentellen.

Einige Disziplinen widmen sich zentral dem Medium und hier kann man nicht mehr nur von Wörtern sprechen, sondern es sind komplexere theoretische Bedeutungen entwickelt worden. Seit der Ausbreitung der modernen Massenmedien, wie Film und Hörfunk, nehmen spezifische Theorien über Medien im Allgemeinen und Massenmedien im Speziellen immer größeren Raum ein. Immer wenn neue Medientechnologien entwickelt und für ein breites Publikum zugänglich wurden, traten WissenschaftlerInnen auf den Plan, um sich dieser Technologie und ihren möglichen Konsequenzen, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln, theoretisch zu nähern. Dazu wird normalerweise ein neues Medium zunächst genau mit bereits etablierten Technologien verglichen, so dass die herausragenden Unterschiede deutlich werden. Doch hat die rasante Medienentwicklung im 20. Jahrhundert und der damit verbundene Anstieg der Mediennutzung immer wieder neue Fragestellungen in Bezug auf diese Gegenstände generiert. So hat zum Beispiel die Frage nach der Wirkung der Medien einen immer grösseren Stellenwert bekommen. Die unterschiedlichen Erkenntnisinteressen bestimmen, mit welchen Fragen die Medien betrachtet werden.

„So begannen eingeführte Disziplinen, die sich immer auch mit anderen Problemkomplexen beschäftigen, Medien zu thematisieren. Die Psychologie setzte sich beispielsweise seit Beginn des 20. Jahrhunderts auch mit Fragen der Wirkung von Medien auseinander. Die Soziologie verfolgte unter anderem Fragen nach der sozialen Funktion von Medien. Die Politikwissenschaft untersuchte die politischen Effekte der Medienkommunikation.“[7]

[...]


[1] Maresch, Rudolf (Hg.) (1996): Medien und Öffentlichkeit. Positionierungen, Symptome, Simulationsbrüche. München, Boer, S. 13.

[2] vgl. dazu: Faulstich, Werner (Hg.) (1998), Grundwissen Medien, 4. Auflage, München, Wilhelm Fink, S. 21 und Bohnenkamp, Björn, Schneider, Irmela (2005), Medienkulturwissenschaft, in: Liebrand, Claudia, Einführung in die Medienkulturwissenschaft, Münster, Lit Verlag Münster, S. 35-51.

[3] vgl. dazu: Lagaay, Alice / Lauer, David (2004), Einleitung. Medientheorien aus philosophischer Sicht, in: Lagaay, Alice / Lauer, David (Hg.) (2004), Medientheorien. Eine philosophische Einführung. Frankfurt a. M., Campus Verlag, S. 9.

[4] Leschke, Rainer (2003), Einführung in die Medientheorie, UTB für Wissenschaft, Stuttgart, S. 10.

[5] Alice Lagaay / David Lauer (2004), S. 11.

[6] Hoffmann, Stefan (2002), Geschichte des Medienbegriffs, Hamburg, Meiner, S. 27.

[7] Bohnenkamp, Schneider (2005), S. 37.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Formen und Funktionen öffentlicher Kommunikation
Untertitel
Der Medienbegriff und die medientheoretische Diskussion
Hochschule
Universität Bern
Veranstaltung
Formen und Funktionen öffentlicher Kommunikation
Note
Gut
Autor
Jahr
2006
Seiten
23
Katalognummer
V84752
ISBN (eBook)
9783638015332
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Formen, Funktionen, Kommunikation
Arbeit zitieren
Reto Liniger (Autor), 2006, Formen und Funktionen öffentlicher Kommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84752

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