1. Einleitung
Was ist eigentlich ein Medium? Die Begriffe Medium und Medien werden heute in unterschiedlichsten Zusammenhängen gebraucht, in denen sie mitunter sehr verschiedene Bedeutungen annehmen. Ein Medium kann zum Beispiel eine Lösung sein, in der eine chemische Reaktion abläuft, oder dass Menschen sich unterhalten können, ist nur möglich, weil das Medium Luft Schallwellen überträgt. Als Medium bezeichnet man aber auch Menschen, die angeblich Kontakte in übersinnliche Bereiche aufnehmen können. Und man bezeichnet als Medium die verschiedensten Phänomene und Objekte, die der Weitergabe von Informationen dienen: das Medium Sprache, das Medium Schrift, das Medium Buch, das Medium Fernsehen und so weiter. Die verschiedenen Gebrauchsweisen haben also ihre Berechtigung und werden in den dazugehörigen Zusammenhängen sinnvoll eingesetzt: Das Medium, in dem eine Reaktion abläuft, die paranormal begabte Person als Mittler zwischen physischer und übersinnlicher Welt, das Buch, das Gedanken einer Schriftstellerin an ihre Leser übermittelt, die Sprache, die Bewusstseinszustände interpersonal vermittelbar macht.
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Die Bedeutungsvielfalt des Begriffs Medium ist also riesig und zahlreiche Wissenschaften konkurrieren sich mit verschiedenen Verwendungen. Natürlich gibt es auch zahlreiche Theorien, welche versuchen zu bestimmen, was nun genau ein Medium ist oder welche Wirkung es haben kann. Die daraus resultierende Masse an Mediendefinitionen macht es nicht einfacher einen Überblick oder sogar ein Destillat, also eine vollumfängliche Definition zu gewinnen. Dies soll aber auch nicht das Ziel dieser Arbeit sein. Ziel ist es, darzustellen, wie sich der Begriff Medien verändert hat. Um dies beantworten zu können, muss man einerseits einen kurzen Blick auf die Geschichte des Nachdenkens über Medien werfen, andererseits soll auch die Etymologie des Medienbegriffs fokussiert werden. In einem zweiten Teil soll geklärt werden, was unter Medientheorien verstanden wird und es soll versucht werden aus aktueller Literatur eine mögliche Systematisierung der Theorien zu gewinnen und die Tendenzen der medientheoretischen Diskussion darzustellen und kurz zu kommentieren
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Eine kurze Geschichte des Nachdenkens über das Medium:
3. Etymologie des Medienbegriffs
4. Medientheorien
5. Tendenzen der medientheoretischen Diskussion und eine mögliche Systematisierung der Medientheorien
6. Die Typisierung in ein evolutionäres Phasenmodell
7. Zeichentheorie der Medien
8. Semantik
8.1 Semasiologie
8.2 Onomasiologie
9. Noch einige Definitionen des Medienbegriffs
10. Schlusswort
11. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, die historische Wandlung des Medienbegriffs aufzuzeigen und einen Überblick über medientheoretische Diskussionen sowie unterschiedliche Definitionen zu geben, um die Komplexität und Bedeutungsvielfalt des Begriffs zu beleuchten.
- Historische Entwicklung des Medienbegriffs
- Systematisierung medientheoretischer Ansätze
- Evolutionäre Phasenmodelle der Medientheorie
- Semiotische Grundlagen der Medientheorie
- Vergleichende Analyse verschiedener Mediendefinitionen
Auszug aus dem Buch
7. Zeichentheorie der Medien
Ohne weiter auf mögliche Systematisierungen einzugehen, soll hier noch die Zeichentheorien der Medien fokussiert werden. Semiotik bezeichnet die allgemeine Wissenschaft von den Zeichen. Sie ist die Lehre oder Theorie von den Zeichen und ihr Untersuchungsgegenstand bildet alle Arten von Zeichenprozessen (Semiosen). Zeichen sind die Bedingung dafür, dass der Mensch sein Denken kommunizieren kann, dass er sich mitteilen kann und somit sind Zeichen und Sprache auch Vermittler oder eben ein Medium. Ferdinand de Saussure sagt über die Semiotik:
„Die Sprache ist ein System von Zeichen, die Ideen ausdrücken und insofern mit der Schrift, dem Taubstummenalphabet, symbolischen Riten, Höflichkeitsformen, militärischen Signalen usw. usw. vergleichbar. Man kann sich also eine Wissenschaft vorstellen, welche das Leben der Zeichen im sozialen Leben untersucht [...]; wir werden sie Semeologie (von griechisch semeîon, ‚Zeichen’ nennen. Sie würde uns lehren, worin die Zeichen bestehen und welche Gesetze sie bestimmen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutungsvielfalt des Medienbegriffs ein und definiert das Ziel der Arbeit, die historische Veränderung des Begriffs darzustellen.
2. Eine kurze Geschichte des Nachdenkens über das Medium: Das Kapitel beleuchtet die philosophischen und historischen Wurzeln des Begriffs Medium und skizziert dessen Bedeutungswandel vom Mittelpunkt hin zum Vermittler.
3. Etymologie des Medienbegriffs: Hier wird die sprachliche Herkunft des Wortes Medium untersucht, das im Lateinischen primär eine räumliche Mitte bezeichnete, sich aber zu einer funktionalen Vermittlerrolle wandelte.
4. Medientheorien: Dieses Kapitel erläutert, wie verschiedene Disziplinen Medien thematisieren und wie durch den Aufstieg moderner Massenmedien spezifische Medientheorien an Bedeutung gewannen.
5. Tendenzen der medientheoretischen Diskussion und eine mögliche Systematisierung der Medientheorien: Das Kapitel vergleicht verschiedene Systematisierungsansätze der Medientheorien, insbesondere die Kategorisierung nach Werner Faulstich.
6. Die Typisierung in ein evolutionäres Phasenmodell: Hier wird das Modell von Rainer Leschke vorgestellt, das die Theorieentwicklung von primärer Intermedialität über Einzelmedienontologien bis hin zu generellen Medientheorien nachzeichnet.
7. Zeichentheorie der Medien: Das Kapitel fokussiert auf die Semiotik als Grundlage des Medienverständnisses und analysiert dyadische und triadische Zeichenmodelle im Kontext der Mediatisierung.
8. Semantik: Hier werden die Teilgebiete der Semantik – Semasiologie und Onomasiologie – kurz definiert, um ihr Potenzial für die Analyse von Wortbedeutungen aufzuzeigen.
9. Noch einige Definitionen des Medienbegriffs: Dieses Kapitel präsentiert verschiedene wissenschaftliche Definitionen von Medien aus unterschiedlichen Fachrichtungen wie der Medienpädagogik und der Publizistikwissenschaft.
10. Schlusswort: Das Schlusswort resümiert, dass aufgrund der Vielzahl an Definitionen keine einzelne, vollumfängliche Theorie existieren kann und der Kontext die jeweilige Bedeutung des Medienbegriffs bestimmt.
11. Bibliographie: Dieses Verzeichnis listet die im Text verwendeten Quellen und weiterführende Literatur auf.
Schlüsselwörter
Medium, Medienbegriff, Medientheorie, Kommunikation, Zeichentheorie, Semiotik, Vermittlung, Massenmedien, Systematisierung, Zeichenprozess, Intermedialität, Medienwissenschaft, Bedeutungskonstitution, Semantik, Mediatisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die vielschichtige Bedeutung und historische Entwicklung des Begriffs "Medium" sowie die Entstehung und Systematisierung verschiedener Medientheorien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Schwerpunkten zählen die Etymologie des Medienbegriffs, die theoretische Einordnung von Medien in verschiedenen Disziplinen, zeichentheoretische Ansätze und eine vergleichende Analyse verschiedener Mediendefinitionen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel der Arbeit ist es, die Veränderung des Medienbegriffs im Laufe der Zeit darzustellen und aufzuzeigen, wie unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen auf Basis ihrer Erkenntnisinteressen eigene Definitionen und Theorien entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse, um den aktuellen Stand der medientheoretischen Diskussion zusammenzutragen, verschiedene Systematisierungsmodelle (z. B. nach Faulstich oder Leschke) gegenüberzustellen und Begriffsdefinitionen zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Betrachtung, die Auseinandersetzung mit theoretischen Ansätzen (Systematisierung, Phasenmodelle), die Anwendung der Semiotik auf Medien und die detaillierte Gegenüberstellung verschiedener Mediendefinitionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Medienbegriff, Medientheorie, Semiotik, Zeichentheorie, Vermittlung, Kommunikation und Mediatisierung.
Was unterscheidet das evolutionäre Phasenmodell von Rainer Leschke von anderen Ansätzen?
Das Modell von Leschke systematisiert Medientheorien in einem umfassenden Rahmen von der primären Intermedialität über Einzelmedienontologien bis hin zu generellen Medienontologien und bietet so eine Struktur zur Einordnung der theoretischen Disparatheit.
Wie definiert die Arbeit die Rolle von Zeichen für Medien?
Zeichen werden als die Grundbedingung verstanden, die menschliches Denken und Kommunikation überhaupt erst ermöglichen, wobei das Medium als Vermittler innerhalb dieses Zeichenprozesses fungiert.
Warum kommt die Arbeit zu dem Schluss, dass es keine abschließende Definition für "Medium" gibt?
Aufgrund der unterschiedlichen Erkenntnisinteressen verschiedener Wissenschaften generieren diese jeweils eigene, kontextabhängige Definitionen, die nebeneinander existieren und für unterschiedliche Fragestellungen genutzt werden können.
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- Reto Liniger (Author), 2006, Formen und Funktionen öffentlicher Kommunikation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84752