Die Landschaften und Räume die uns umgeben, entstehen im Verlauf eines gesellschaftlichen Konstruktionsprozesses. Sie können wie Texte im Raum von Individuen und Gruppen gelesen werden und geben uns Auskunft über die herrschende soziale Ordnung innerhalb einer Gesellschaft.
Die Arbeit soll zeigen, in wie weit sich ressortorientierte Stadtplanung und Architektur mit politischen Zielsetzungen ihrer Planer verknüpften. Es soll dabei aufgezeigt werden, dass sich der Konstruktionprozess von Macht und Herrschaft im Raum und funktionale Stadtplanung einander nicht ausschließen, sondern maßgeblich von der politischen Intention der jeweiligen Stadtplaner und des sie umgebenen politischen Systems geprägt werden. Dabei gilt es die Frage zu beantworten, in wie weit der Anspruch einer totalen rationalen Stadtplanung innerhalb eines totalitären Regimes auch totalitäre Räume generiert. Und wenn nicht sogar, die totale Stadtplanung zum Herrschaftsinstrument wird und zur Legitimation einer totalitären Gesellschaftsordnung beiträgt.
Am Beispiel der Architektur und Stadtplanung im Dritten Reich, soll geklärt werden, wie die Zielsetzungen einer rationalen funktionsorientierten Stadtplanung für die Propaganda der Nationalsozialisten instrumentalisiert wurde und welchen städtebaulichen und architektonischen Leitbilder die Stadtplaner im Dritten Reich folgten.
Anhand des fertigen Generalbebauungsplanes für die Reichshauptstadt Berlin aus dem Jahr 1942 soll gezeigt werden, wie die propagandistische Konstruktion von Macht und Herrschaft Repräsentation im Raum innerhalb einer vermeintlich theoriegeleiteten rationalen Stadtplanung planerisch umgesetzt wurde.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die Konstruktion von Räumen
- Die Funktion von staatlicher Repräsentation im Raum am Beispiel der absolutistischen Prachtentfaltung
- Die Leitbilder und Traditionen der nationalsozialistischen Stadtplanung
- Das Modell der Gartenstadt
- Gartenstadt in Deutschland
- Die Gartenstadt im Nationalsozialismus
- Die Ansätze einer ressortbezogenen Stadtplanung im Nationalsozialismus
- Nationalsozialistische Architekturtheorie
- Die Vertreter der NS- Architekturtheorie
- Der Klassizismus als dominierender Architekturstil
- Von Berlin zu Germania
- Hitlers Anspruch an eine Welthauptstadt
- Der Generalbauinspektor
- Der Stadtplan von Germania
- Die Ausgestaltung der repräsentativen Nord- Süd Achse
- Das Wasserbecken, die „Große Halle“ und der „Adolf Hitler“-Platz
- Der südliche Abschnitt der Nord-Süd Achse
- Wohnungsbau und Siedlungsplanung
- Der Grünflächenplan der „neuen“ Reichshauptstadt
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Verbindung zwischen ressortorientierter Stadtplanung und Architektur sowie den politischen Zielen der Planer im Nationalsozialismus. Sie zeigt, dass die Konstruktion von Macht und Herrschaft im Raum und die funktionale Stadtplanung nicht getrennt voneinander betrachtet werden können, sondern maßgeblich von der politischen Intention der jeweiligen Stadtplaner und des sie umgebenden politischen Systems geprägt werden.
- Die Konstruktion von Macht und Herrschaft im Raum durch Stadtplanung
- Die Instrumentalisierung von Stadtplanung für die Propaganda der Nationalsozialisten
- Die Rolle von Architektur als Ausdruck des politischen Systems
- Die Architekturtheorie des Nationalsozialismus
- Der Generalbebauungsplan für Berlin als Beispiel einer totalitären Raumgestaltung
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt den Zusammenhang zwischen räumlicher Konstruktion und gesellschaftlicher Ordnung her. Die Arbeit analysiert die Verknüpfung von politischer Zielsetzung und Stadtplanung im Nationalsozialismus, indem sie die Leitbilder und Traditionen der nationalsozialistischen Stadtplanung und die Architekturtheorie des Dritten Reiches beleuchtet. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Generalbebauungsplan für Berlin, der als Beispiel für die propagandistische Konstruktion von Macht und Herrschaft im Raum betrachtet wird.
Schlüsselwörter
Stadtplanung, Architektur, Nationalsozialismus, Totalitarismus, Raumgestaltung, Macht, Herrschaft, Propaganda, Generalbebauungsplan, Berlin, Germania, Gartenstadt, Klassizismus
Häufig gestellte Fragen
Wie wurde Stadtplanung im Dritten Reich instrumentalisiert?
Stadtplanung und Architektur dienten im Nationalsozialismus als Instrumente der Propaganda, um Macht und Herrschaft räumlich zu repräsentieren und die totalitäre Gesellschaftsordnung zu legitimieren.
Was war das Projekt "Germania"?
Es war der Generalbebauungsplan für Berlin, der die Stadt zur monumentalen Welthauptstadt mit gewaltigen Achsen und Bauwerken wie der "Großen Halle" umgestalten sollte.
Welche Rolle spielte Albert Speer in diesem Kontext?
Albert Speer fungierte als Generalbauinspektor und war maßgeblich für die planerische Umsetzung von Hitlers architektonischen Visionen verantwortlich.
Welcher Architekturstil war im Nationalsozialismus dominierend?
Ein monumentaler Klassizismus wurde als dominierender Stil gewählt, um Stabilität, Macht und die Verbindung zu antiken Traditionen auszudrücken.
Wurde das Modell der "Gartenstadt" von den Nationalsozialisten genutzt?
Ja, die Arbeit zeigt, wie die Tradition der Gartenstadt aufgegriffen und für die ideologischen Ziele der nationalsozialistischen Siedlungsplanung angepasst wurde.
- Quote paper
- Sven Rolf (Author), 2006, Die Konstruktion totalitärer Räume, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84760