"eine gar ellende sect" - Die Täuferbewegung aus katholischer Sicht


Seminararbeit, 2005

14 Seiten, Note: 1.5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Täufer
1.2 Johannes Salat

2 Die Reformationschronik von Johannes Salat

3 Täuferbeiträge
3.1 Von ankunftt / articklenn / fürern / meystern / und schützlichen jrrung der töüffer / und (als man nampt) widertöuffer –
3.2 Von töuffern jn gmein
3.3 Interpretation

4 Schluss

5 Bibliographie
5.1 Gedruckte Quellen
5.2 Literatur

1 Einleitung

Die Zeit der Reformation veranlasste einige Zeitgenossen das Geschehen für die Nachwelt aufzuzeichnen. Vielen war bewusst, dass einschneidende Veränderungen stattfanden und sie wollten diese im Rahmen ihrer Möglichkeiten schriftlich festhalten. Johannes Salat, ein Luzerner Chronist, war einer jener Zeitgenossen welche zur Feder griffen und eine Reformationschronik erstellten.[1] Nach den Worten Richard Fellers ist dies „nicht nur die erste, sondern auch die bedeutendste Reformationschronik katholischerseits.“[2] Salat widmet 20 Folien seiner Chronik den Täufern, auf welchen er neben zwei allgemeinen Abhandlungen über die Bewegung vor allem über einzelne Führer der Täufer, ihr Leben und Lehren, genaueres berichtet.

Die Täuferbewegung, das „Stiefkind der Reformation“[3], erfreut sich vor allem in jüngeren Jahren wieder einer vermehrten wissenschaftlichen Betrachtung. Aufgrund der Urteile der grossen Reformatoren waren die Täufer lange von der reformationsgeschichtlichen Forschung ausgeschlossen. Erst ab der Französischen Revolution begann sich ein neues Interesse an den Täufern einzustellen. Sie wurden nunmehr als eigentliche Träger der Bauernrevolutionen und somit als radikale Kräfte der Reformationszeit betrachtet.[4] In der neueren Täuferforschung hat vor allem Ernst Troeltsch[5] durch seine Typologien und Thesen wichtige Impulse gesetzt.[6] Was folgte war eine intensive Rezeption Troeltschs in der freikirchlichen, vor allem mennonitischen Geschichtsforschung. Es war dies eine so intensive Forschung, dass „nach wenigen Jahrzehnten eine Intensität erreicht [wurde, US], die im Rahmen der Reformationsgeschichte nur noch von der Lutherforschung übertroffen wird“[7]. Diese „normativ-typologische“ Forschung, wie Strübind sie nennt[8], wurde in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts von einer stark soziologisch geprägten Täuferforschung abgelöst.[9] Die Theologie rückte in den Hintergrund, „die Merkmale der Sozialgestalt und Organisation der täuferischen Gruppen“[10] gewannen vermehrte Aufmerksamkeit. Des Weiteren erwähnt Strübind noch die marxistische Täuferforschung als eine dritte Richtung. Dabei sieht der historische Materialismus in der Reformation und in den Bauernkriegen eine frühbürgerliche Revolution. Die Täufer stellen das „Sammelbecken der vielgestaltigen, oppositionellen, radikalen und revolutionären Antworten auf die gescheiterte Revolution“[11] dar, wobei mit „gescheiterter Revolution“ die Bauernkriege gemeint sind. Die anhaltende Publikation an Forschungsarbeiten zeigt die nach wie vor grosse Beachtung der Täuferforschung.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Schilderungen Johannes Salats in seiner Reformationschronik über die Täuferbewegungen seiner Zeit. Dabei werden die zwei allgemeinen Beiträge zu den Täufern, Von ankunftt / articklenn / fürern / meystern / und schützlichen jrrung der töüffer / und (als man nampt) widertöuffer und Von töuffern jn gmein genauer betrachtet. Wie diffamiert Salat die Täuferbewegung? Was für Bilder benutzt er? Wie argumentiert er gegen ihren Glauben?

In der weiteren Einleitung wird eine Heranführung des Lesers ans Thema vorgenommen. Dabei werden die Täuferbewegung und der Chronist Johannes Salat genauer vorgestellt. Im zweiten Teil erfolgt die äussere Quellenkritik und im dritten Abschnitt wird die eigentliche Analyse der beiden Beiträge aus der Chronik vorgenommen. Der vierte und letzte Teil dient einer Zusammenfassung der Ergebnisse aus der Interpretation und der Beantwortung der einleitend formulierten Fragen.

1.1 Täufer

Der Name Täufer ist der Sammelbegriff aller reformatorischen Gruppen welche sich für die Erwachsenentaufe aussprachen. Die Taufe als „Erkenntnistaufe“ sollte die Bereitschaft zu einer neuen christlichen Lebensführung zum Ausdruck bringen.[12] In sich unterschied sich die Gruppierung jedoch stark in ihren jeweiligen Ausprägungen und zerfällt in viele einzelne Kleingruppen mit unterschiedlichen theologischen Auffassungen. Dabei können nach Blickle drei Hauptgruppen unterschieden werden: Schweizer Täufer, Huttsche Täufer und die Melchioriten.[13]

Das Täufertum kennt drei Entstehungsregionen: Zürich (1525), Thüringen/Franken (1526) und die Niederlanden (1530). Die erste Erwachsenentaufe wurde in Zürich von Konrad Grebel durchgeführt und die erste Täufergemeinde entstand in Zollikon vor Zürich. Unterstützt durch den Bauernkrieg und die anhaltende Verfolgung durch Obrigkeiten verbreitete sich das Täufertum rasch über die Schweiz nach Süddeutschland und Österreich.[14]

Die Entstehung von täuferischem Gedankengut geht aus der intensiven Auseinandersetzung Geistlicher, sowie Angehöriger oberer und mittlerer sozialer Schichten mit der Lehre Zwinglis hervor. Die einen zogen sich in ihre Gemeinden zurück und predigten ein abgeschlossenes, pazifistisches Weltbild, während vor allem die Huttschen Täufer unter dem Einfluss von Thomas Müntzer das irdische Reich Gottes erwarteten.[15]

Mit der Verweigerung der Säuglingstaufe kündigte man zu dieser Zeit nicht nur seine Zugehörigkeit zur Kirche, die Taufe war auch gesellschaftliches Initiationsritual. Die Täufer gaben mit der Ablehnung der Säuglingstaufe den Austritt aus der kirchlichen, rechtlichen und politischen Gemeinschaft und stellten dadurch eine Bedrohung für jede Obrigkeit dar. Dies ist eine Erklärung für die rigorose Verfolgung und Unterdrückung der Täuferbewegung durch praktisch sämtliche Regierungen, unabhängig ihrer konfessionellen Ausrichtung.[16]

1.2 Johannes Salat

Johannes Salat wurde 1498 in Sursee geboren und besuchte dort höchstwahrscheinlich die Lateinschule. 1517 ging er nach Zürich, wo er seine Frau Anna Späni kennen lernte. Daraufhin zog er zurück nach Sursee, um das Seilerhandwerk auszuüben. Als 1519 die Pest ausbrach, starb ein Grossteil seiner Familie, unter anderem auch seine Frau. Salat ging nach Luzern, wo er im Frühling 1520 seine zweite Ehe mit Apollonia Haas schloss. Von 1522 bis 1527 zog Salat sechs Mal in den Krieg, wobei er von Anfang an das Amt eines Schreibers übernahm. Danach beteiligte er sich an innereidgenössischen Kriegen, unter anderem am Ersten Kappeler Krieg, wofür er das Luzerner Bürgerrecht erhielt. Noch bevor er zur Teilnahme am Zweiten Kappeler Krieg aus Luzern auszog, wurde er zum Gerichtsschreiber ernannt und bekleidete damit eines der wichtigsten Ämter im luzernischen Staatswesen.[17]

Es folgte für Salat eine literarisch sehr aktive Zeit. Er schrieb unter anderem über den Zweiten Kappelerkrieg, den Zug der Unterwaldner über den Brünig und die grosse Reformationschronik. Daneben war er auch als Dramatiker, Dramaturg und Spielleiter tätig.[18] Im weiteren Verlauf seines Lebens vermochte Salat, trotz seinen hohen Einnahmen, seine Ausgaben nicht mehr zu decken, er verschuldete sich. Dies ging soweit, dass er 1541 Luzern verlassen musste. Die nächsten drei Jahre verbrachte er in Sempach und Sursee mit Unterrichten. Danach zog er über Saanen nach Freiburg i.Ü., wo er wiederum unterrichtete und an Feldzügen teilnahm. Er eignete sich alchemistische und medizinische Kenntnisse an, welche er wohl auch einsetzte um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Salat stirbt 1561 in Freiburg.[19]

Johannes Salat liess in seiner Darstellung der Reformation seine Haltung klar erkennen. Er war „Parteijournalist und Polemiker gegen die Reformation aus innerer Überzeugung“[20]. Daraus erwächst das Interesse an seiner Chronik, vermittelt er uns doch „die Seele der Innerschweiz“[21] als einziger seiner Zeit.

2 Die Reformationschronik von Johannes Salat

Bei der Reformationschronik 1517 - 1534 von Johannes Salat handelt es sich, wie der Name schon sagt, um eine Chronik. Salat selbst nennt sie „cronika und beschybung von anfang des nüwen ungloubens so genemptt der luterisch oder zwinglisch“[22], was der Quelle klar den Charakter einer Tradition zuweist. Ebenso deutlich wird dabei die Haltung des Autors zur Reformation ausgedrückt. Gewidmet ist das Werk den 5 Orten, namentlich Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, sowie „allen bemüdigeten stanthhaften alten cristen“[23]. Womit die Adressaten auch gleich benannt werden; es sind dies die katholischen Orte der Innerschweiz, sowie alle beim alten Glauben gebliebenen Christen.

Die Entstehungszeit der Chronik kann in befriedigender Weise eingegrenzt werden. Am 7. Mai 1530 wurde auf einer Zusammenkunft der 5 Orte in Brunnen beraten, ob man nicht auch wie in Zürich, eine Schilderung der jüngsten Ereignisse in Auftrag geben sollte. Die jüngste Forschung geht davon aus, dass sich Salat dadurch motiviert sah eine Chronik zu verfassen, allerdings nicht offiziell dazu ermächtigt wurde. Am 28. Juli 1536 verzeichnet Salat in seinem Tagebuch einen Eintrag, welcher die Chronik als beendet meldet.[24]

Salat erwähnt sechs Exemplare der Chronik, wobei die vier ersten den Urkantonen und Luzern gegeben wurden, ein weiteres ging an Freiburg.

[...]


[1] Ruth Jörg, Johannes Salat. Reformationschronik 1517-1534, 3. Bd., Freiburg i.Ü. 1986, S. 7.

[2] Richard Feller, Edgar Bonjour, Geschichtsschreibung der Schweiz. Vom Spätmittelalter zur Neuzeit, 1. Bd., 2. erw. Auflage, Basel/Stuttgart 1979, S. 283.

[3] Heinold Fast (Hg.), Der linke Flügel der Reformation. Glaubenszeugnisse der Täufer, Spiritualisten, Schwärmer und Antitrinitarier, Bremen 1962, S. IX.

[4] Andrea Strübind, Eifriger als Zwingli. Die frühe Täuferbewegung in der Schweiz, Berlin 2003, S. 19.

[5] Vgl. dazu ausführlich: Ernst Troeltsch, Die Soziallehren der christlichen Kirchen und Gruppen, Tübingen 1912.

[6] Strübind (Anm. 4), S. 20.

[7] Hans-Jürgen Goertz, Religiöse Bewegungen in der frühen Neuzeit, München 1993, S. 79.

[8] Strübind (Anm. 4), S. 22-24.

[9] Goertz (Anm. 7), S. 79.

[10] Ebd.

[11] Zit. nach: Gerhard Zschäbitz, Die Stellung der Täuferbewegung im Spannungsbogen der deutschen frühbürgerlichen Revolution in: Strübind (Anm. 4), S. 35.

[12] Klaus Ganzer, Bruno Steimer, Lexikon der Reformation, Freiburg 2002, S. 738.

[13] Peter Blickle, Die Reformation im Reich, 3. überarb. Auflage, Stuttgart 2000, S. 158.

[14] Ganzer (Anm. 12), S. 738.

[15] Ebd.

[16] Goertz (Anm. 7), S. 16.

[17] Jörg (Anm. 1), 3. Bd., S. 12-14.

[18] Feller (Anm. 2), S. 282.

[19] Jörg (Anm. 1), 3. Bd., S. 15-19.

[20] Feller (Anm. 2), S. 282.

[21] Ebd., S. 284.

[22] Jörg (Anm. 1), 1. Bd., S. 7.

[23] Ebd.

[24] Jörg (Anm. 1), 3. Bd., S. 42-48.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
"eine gar ellende sect" - Die Täuferbewegung aus katholischer Sicht
Hochschule
Universität Bern  (Historisches Institut )
Veranstaltung
Proseminar/Basismodul Schweizer Geschichte zur Reformationszeit
Note
1.5
Autor
Jahr
2005
Seiten
14
Katalognummer
V84767
ISBN (eBook)
9783638015387
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Täuferbewegung, Sicht, Proseminar/Basismodul, Schweizer, Geschichte, Reformationszeit
Arbeit zitieren
Urban Sager (Autor:in), 2005, "eine gar ellende sect" - Die Täuferbewegung aus katholischer Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84767

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