Die Zeit der Reformation veranlasste einige Zeitgenossen das Geschehen für die Nachwelt aufzuzeichnen. Vielen war bewusst, dass einschneidende Veränderungen stattfanden und sie wollten diese im Rahmen ihrer Möglichkeiten schriftlich festhalten. Johannes Salat, ein Luzerner Chronist, war einer jener Zeitgenossen welche zur Feder griffen und eine Reformationschronik erstellten. Nach den Worten Richard Fellers ist dies „nicht nur die erste, sondern auch die bedeutendste Reformationschronik katholischerseits.“ Salat widmet 20 Folien seiner Chronik den Täufern, auf welchen er neben zwei allgemeinen Abhandlungen über die Bewegung vor allem über einzelne Führer der Täufer, ihr Leben und Lehren, genaueres berichtet.
Die Täuferbewegung, das „Stiefkind der Reformation“ , erfreut sich vor allem in jüngeren Jahren wieder einer vermehrten wissenschaftlichen Betrachtung. Aufgrund der Urteile der grossen Reformatoren waren die Täufer lange von der reformationsgeschichtlichen Forschung ausgeschlossen. Erst ab der Französischen Revolution begann sich ein neues Interesse an den Täufern einzustellen. Sie wurden nunmehr als eigentliche Träger der Bauernrevolutionen und somit als radikale Kräfte der Reformationszeit betrachtet.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Schilderungen Johannes Salats in seiner Reformationschronik über die Täuferbewegungen seiner Zeit. Dabei werden die zwei allgemeinen Beiträge zu den Täufern, genauer betrachtet. Wie diffamiert Salat die Täuferbewegung? Was für Bilder benutzt er? Wie argumentiert er gegen ihren Glauben?
In der weiteren Einleitung wird eine Heranführung des Lesers ans Thema vorgenommen. Dabei werden die Täuferbewegung und der Chronist Johannes Salat genauer vorgestellt. Im zweiten Teil erfolgt die äussere Quellenkritik und im dritten Abschnitt wird die eigentliche Analyse der beiden Beiträge aus der Chronik vorgenommen. Der vierte und letzte Teil dient einer Zusammenfassung der Ergebnisse aus der Interpretation und der Beantwortung der einleitend formulierten Fragen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Täufer
1.2 Johannes Salat
2 Die Reformationschronik von Johannes Salat
3 Täuferbeiträge
3.1 Von ankunftt / articklenn / fürern / meystern / und schützlichen jrrung der töüffer / und (als man nampt) widertöuffer –
3.2 Von töuffern jn gmein
3.3 Interpretation
4 Schluss
5 Bibliographie
5.1 Gedruckte Quellen
5.2 Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie der Luzerner Chronist Johannes Salat in seiner Reformationschronik die Täuferbewegung darstellt, welche polemischen Bilder er verwendet und mit welchen Argumenten er gegen deren Glauben vorgeht.
- Historische Analyse der Täuferbewegung im 16. Jahrhundert
- Untersuchung der Reformationschronik von Johannes Salat
- Analyse polemischer Darstellungsformen und Diffamierungsstrategien
- Verhältnis zwischen historischen Fakten und religiöser Vorurteilsbildung
- Legitimation katholischer Standfestigkeit durch Abgrenzung gegenüber den Täufern
Auszug aus dem Buch
3.1 Von ankunftt / articklenn / fürern / meystern / und schützlichen jrrung der töüffer / und (als man nampt) widertöuffer –
Salat spricht gleich zu Beginn von einer „gar ellenden verstockten / blinden / verherteten / ja schier verzwyfleten sect“. Die Bewegung habe in dem Masse eine Entfaltung genommen, dass man sie „abtun mustt mit füür und wasser“. Entstanden seien die Täufer im Jahre 1526 aus den anderen reformatorischen Bewegungen, ihre Führer seien etliche mit vornehmen Namen. Er nennt sie eine „gantz arbeitselige“ Sekte, wobei der schnell wachsenden Gemeinde, vor allem auch Ungelehrte und „latinisch leyen“, beigetreten seien. Alle diese Sekten hätten jedoch „jren anfang / ursprung /grund und wesen von Lutero“.
Es folgt eine Beschreibung ihrer Bräuche und Haltungen. Jeder der in die Gemeinde aufgenommen werden wollte, egal ob jung oder alt, musste sich taufen lassen. Kinder und Minderjährige („undern jaren“) seien von der Taufe ausgeschlossen worden. Damit, so Salat, unterscheiden sie sich von allen anderen Sekten dieser Zeit. Die Begründung der Täufer sei, dass die Kindertaufe nicht aus den Schriften gedeutet werden könne.
In der Gemeinde brachen sie gemeinsam das Brot zum Zeichen ihrer Einigkeit und Liebe. Sie halfen einander in allen Lebenslagen und ihre Lehre war es, dass alle Dinge gemein sein sollten. Sie wohnten in Wäldern, da keine andere Sekte, und vor allem auch die Altgläubigen, sie duldeten. Sie waren ohne Hut, unbewaffnet und von schlechter Bekleidung.
Sie hätten auch den Brauch gehabt, ihre Frauen und Töchter als Allgemeingut zu betrachten. Jeder, dem eine Frau gefiel, konnte über sie verfügen. Dies war nach Salat „unmentschlich / unnatürlich / und wider bruch des unvernüftigen vichs“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die historische Situation der Reformation ein, stellt die Person des Chronisten Johannes Salat vor und erläutert die forschungsgeschichtliche Einordnung der Täufer.
2 Die Reformationschronik von Johannes Salat: Hier wird der Charakter der Chronik als parteiisches Werk des katholischen Innerschweizer Autors analysiert und die Entstehungsgeschichte sowie Überlieferung des Werkes beleuchtet.
3 Täuferbeiträge: Dieser Hauptteil widmet sich der inhaltlichen Analyse von Salats Berichten über Täufer, wobei insbesondere die polemische Verknüpfung mit den Adamiten und die Vorwürfe der Unzucht und Uneinigkeit untersucht werden.
4 Schluss: Die Ergebnisse werden zusammengefasst, wobei betont wird, dass Salat die Täuferbewegung durch eine Kombination aus emotionaler Polemik und theologisch-argumentativer Diskreditierung angriff.
5 Bibliographie: Dieses Kapitel listet die verwendeten Primär- und Sekundärquellen auf.
Schlüsselwörter
Johannes Salat, Täuferbewegung, Reformation, Innerschweiz, Reformationschronik, Polemik, Unkeuschheit, Waldenser, Adamiten, Täuferforschung, Konfessionsgeschichte, Erwachsenentaufe, Frühneuhochdeutsch, Geschichte der Schweiz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Darstellung der Täuferbewegung im 16. Jahrhundert durch den Luzerner Chronisten Johannes Salat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Reformationsgeschichte, die Wahrnehmung von religiösen Minderheiten durch katholische Zeitgenossen sowie die historische Quellenkritik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Attribute und Argumentationsmuster zu identifizieren, mit denen Salat die Täuferbewegung in seiner Chronik diffamiert hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Quellenanalyse, die den Text der Reformationschronik in seinen zeitgenössischen Kontext einbettet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert zwei spezifische Beiträge aus der Chronik, die sich mit der Entstehung der Täufer, ihren Bräuchen und ihrer inneren Struktur beschäftigen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Johannes Salat, Täuferbewegung, Reformation, Polemik, Unkeuschheit und historische Quellenkritik.
Welche Rolle spielen die Adamiten in Salats Argumentation?
Salat konstruiert eine Verbindung zwischen den Täufern und den Adamiten, um den Vorwurf der Unzucht historisch zu "beweisen" und die Bewegung als "teuflisch" zu diskreditieren.
Warum betont Salat die innere Uneinigkeit der Täufer?
Salat nutzt die Zerstrittenheit der Täufer als Argument, um ihnen die Legitimität abzusprechen; aus seiner Sicht kann Uneinigkeit kein Zeichen eines wahren, von Gott gewollten Glaubens sein.
- Quote paper
- Urban Sager (Author), 2005, "eine gar ellende sect" - Die Täuferbewegung aus katholischer Sicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84767