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Eine Untersuchung der Funktionen des ethnographischen Museums für unsere Gegenwart

Zwischen Raritätenkabinett und Forum der Kulturen

Titre: Eine Untersuchung der Funktionen des ethnographischen Museums für unsere Gegenwart

Mémoire de Maîtrise , 2007 , 96 Pages , Note: 2,0

Autor:in: Claudia Scheffler (Auteur)

Ethnologie / Anthropologie Culturelle
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In einer globalisierten Welt, in der alles immer schnelleren Veränderungen unterworfen ist und Kulturen sich mehr und mehr vermischen, muss auch eine Institution wie das Museum seine gesellschaftlichen Funktionen stetig reflektieren und neu definieren. Das ethnologische Museum hat den Anspruch, Vermittler zu einer anderen Welt zu sein. Aber brauchen wir diese Vermittlung überhaupt noch? Aufgrund der sich stets weiter entwickelnden Verkehrstechnologie und der damit verbundenen unbegrenzten Mobilität, können wir heute fast jeden Winkel der Welt bequem bereisen. Oder wir nutzen Medien wie das Internet, das uns mit nur wenigen Mausklicken ferne Länder auf dem Bildschirm erscheinen und virtuell entdecken lässt. Auch Museen folgen übrigens diesem Trend und digitalisieren ihre Bestände und geben uns so die Möglichkeit, Sammlungen via Internet einzusehen. Ethnologische Museen konkurrieren also nicht nur mit anderen Museen um die Gunst der Besucher. Das Problem reicht tiefer. Es stellt sich die Frage, ob das ethnologische Museum im Zeitalter grenzenloser Mobilität und globaler Vernetzung überhaupt noch einen Sinn macht. Brauchen wir sie in der Zukunft noch? Ich möchte in diesem letzten Kapitel überlegen, welchen Herausforderungen die ethnologischen Museen in der Zukunft begegnen werden und welche aktuellen Themen museal verarbeitet werden könnten. Wie können ethnographische Museen einen Beitrag für die Gesellschaft leisten, die aufgrund der Globalisierung und kulturellen Hybridisierung stets neuen Veränderungen gegenübersteht? Welche zeitliche Orientierung sollte ein modernes, ethnologisches Museum haben? Soll es seine Thematik weiterhin nur auf die Vergangenheit setzen oder sich auch den Problematiken und Themenkomplexen der Gegenwart öffnen?

Extrait


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Sozialgeschichte der ethnographischen Museen

2. Der Prozess der Musealisierung

2.1. Die Logik des Sammelns

2.2. Die Inszenierung des musealen Objekts

3. Das Museum als kulturelles Gedächtnis

4. Ästhetisches Erleben im Museum

5. Das Museum als Bildungsort

6. Das Museum und die Konfrontation mit dem Eigenen und Fremden

7. Ausblick – das ethnographische Museum in einer globalisierten Welt

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die Magisterarbeit untersucht die Funktionen ethnographischer Museen in der heutigen Zeit und analysiert, welchen Beitrag diese Institutionen für den Einzelnen und die Gesellschaft leisten. Dabei wird erforscht, wie sich diese Museen von rein wissenschaftlichen Sammlungen zu öffentlichen Foren gewandelt haben und wie sie heute zwischen der Bewahrung von Traditionen und den Herausforderungen einer globalisierten, hybriden Welt vermitteln können.

  • Die historische Entwicklung vom Raritätenkabinett zum modernen ethnographischen Museum.
  • Die Untersuchung der Musealisierung als Prozess der Statusveränderung von Objekten.
  • Die Rolle des Museums als kulturelles Gedächtnis und Ort der Identitätsstiftung.
  • Die Bedeutung von Ästhetik und authentischer Inszenierung für den Wissenserwerb.
  • Die Herausforderungen durch Globalisierung, kulturelle Vermischung und den digitalen Wandel.

Auszug aus dem Buch

2.2. Die Inszenierung des musealen Objektes

Das wichtigste Medium zur Präsentation von Sammlungsstücken ist die Ausstellung. Das Museum ist ein Ort, an dem ausgewählte Themen anhand von gesammelten Objekten vermittelt werden sollen. Die Ausstellung ermöglicht den themenorientierten Zugriff auf die Sammlungsstücke und stellt die musealen Gegenstände in einen Beziehungs- und Bedeutungszusammenhang. Ein isoliert betrachteter Gegenstand kann dem Betrachter bedeutungslos erscheinen. Erst innerhalb eines thematischen Kontextes wird das Objekt befähigt, etwas über sich und seine Vergangenheit auszusagen.

Museale Ausstellungen innerhalb des ethnographischen Museums zielen darauf ab, die Funktions- und Bedeutungszusammenhänge der ausgestellten Objekte in ihrem historischen Zusammenhang sichtbar machen. „So wie die Sammlung nicht nur eine Anhäufung von Dingen darstellt, sondern als eine Gesamtheit, ein Ganzes aus Dingen, Problemen und Erkenntnissen aufzufassen ist, ist eben auch die museale Ausstellung nicht nur das Ergebnis des öffentlichen Herzeigens, des Zurschaustellens dieser Dinge, sondern sie ist die Möglichkeit, mit deren Hilfe jene Botschaften vermittelt werden sollen, die in den Dingen aufgehoben und von uns erkannt worden sind.“ (FLÜGEL 2005:) Den Kuratoren, die die Ausstellungen konzipieren, kommt die Aufgabe zu, die Auseinandersetzung mit den Objekten in bestimmte Richtungen zu lenken. „Sie machen durch die Art der Inszenierung mehr oder weniger vielfältige Interpretationsangebote und schaffen Assoziationsmöglichkeiten.“ (MUTTENTHALER 2002:4)

Eine Ausstellung wird mit Hilfe verschiedener Präsentationsmedien gestaltet: Architektonische Konstruktionen, Vitrinen, grafische Materialien, Licht, Ton, Videoinstallationen…etc. Diese Medien nehmen eine wichtige Vermittlungs- und Verweisfunktion im Präsentationskontext ein. Für Jana Scholze können Ausstellungen als Orte verstanden werden, an denen Signifikations- und Kommunikationsprozesse stattfinden. „Für diese Prozesse formulieren Ausstellungskuratoren Inhalte, Absichten und Erwartungen, welche von den Gestaltern mit Hilfe von Ausstellungsobjekten und Gestaltungsmaterialien in räumliche Arrangements übertragen werden.“ (SCHOLZE 2004:12)

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung skizziert die historische Entwicklung des Museums als Institution und stellt die Forschungsfrage nach den aktuellen Funktionen ethnographischer Museen in der Gesellschaft.

1. Die Sozialgeschichte der ethnographischen Museen: Dieses Kapitel beschreibt die Genese ethnographischer Museen von fürstlichen Wunderkammern bis hin zur wissenschaftlichen Disziplin der Ethnologie im Kontext kolonialer Bestrebungen.

2. Der Prozess der Musealisierung: Es wird analysiert, wie Gegenstände durch ihre Aufnahme in ein Museum ihren ursprünglichen Status verlieren und als Bedeutungsträger in einen neuen, musealen Kontext überführt werden.

3. Das Museum als kulturelles Gedächtnis: Das Museum wird als externe Gedächtnisspeicherfunktion definiert, die Identität reproduziert und gesellschaftlichen Traditionsverlust kompensiert.

4. Ästhetisches Erleben im Museum: Hier steht die ästhetische Wirkung der Objekte im Fokus sowie die Frage, ob und wie ethnographische Artefakte als „Kunst“ wahrgenommen werden können.

5. Das Museum als Bildungsort: Das Kapitel untersucht den bildungspolitischen Auftrag des Museums und die didaktischen Herausforderungen bei der Wissensvermittlung an ein diverses Publikum.

6. Das Museum und die Konfrontation mit dem Eigenen und Fremden: Es wird diskutiert, inwiefern ethnographische Museen zur Identitätsbildung beitragen und ob sie das Fremde eher als Bedrohung oder als Bereicherung für das Verständnis der eigenen Kultur inszenieren.

7. Ausblick – das ethnographische Museum in einer globalisierten Welt: Das abschließende Kapitel reflektiert über die Zukunft des Museums in einer Zeit globaler Vernetzung und hybrider Identitäten.

Schlüsselwörter

Ethnographisches Museum, Musealisierung, kulturelles Gedächtnis, Identitätsbildung, Globalisierung, Wissensvermittlung, Authentizität, koloniale Vergangenheit, Ausstellungsdidaktik, materielle Kultur, Eurozentrismus, interkultureller Dialog, Kunst und Artefakt, soziale Identität, Museumspädagogik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Magisterarbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die gesellschaftlichen Funktionen ethnographischer Museen in der heutigen Zeit, wobei der Fokus auf der Transformation dieser Institutionen von reinen Sammlungsorten hin zu Orten des interkulturellen Dialogs liegt.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die Sozialgeschichte der Museen, der Prozess der Musealisierung, die Rolle der Museen als kulturelles Gedächtnis, die Ästhetisierung von Objekten sowie die bildungspolitische und identitätsstiftende Bedeutung ethnographischer Sammlungen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu ergründen, welchen Nutzen ethnographische Museen in einer globalisierten Welt haben, in der Wissen ohnehin leicht verfügbar ist und kulturelle Identitäten zunehmend verschwimmen.

Welche wissenschaftlichen Ansätze kommen zur Anwendung?

Die Autorin nutzt kulturwissenschaftliche, museologische und soziologische Theorien, unter anderem von Jan Assmann, Peter Sloterdijk und Pierre Bourdieu, um die musealen Funktionen zu analysieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der vier Kernfunktionen: Erinnerung (Gedächtnis), Bildung (Wissensvermittlung), Identitätsbildung (Konfrontation mit dem Eigenen/Fremden) und Ästhetik (Erleben im Museum).

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit zusammenfassen?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Musealisierung, kulturelles Gedächtnis, ethnographisches Museum, Identitätsstiftung und Globalisierung charakterisieren.

Welche spezifische Kritik äußert die Autorin an Museen?

Sie kritisiert einen unreflektierten Umgang mit der kolonialen Sammlungsgeschichte und eine oft eurozentristische Perspektive, bei der fremde Kulturen statisch dargestellt werden, anstatt ihre Dynamik und Hybridität zu würdigen.

Wie bewertet die Autorin den Einsatz von Eventmarketing im Museum?

Die Autorin warnt davor, dass die wissenschaftlichen Kernaufgaben eines Museums vernachlässigt werden könnten, wenn Museen sich lediglich als reine Eventlocations zur bloßen Besucherunterhaltung definieren.

Warum ist das "Museum der Weltkulturen" in Frankfurt ein relevantes Beispiel?

Es dient als Beispiel für einen modernen, themenzentrierten Ansatz, der sich von einer starren geographischen Ordnung abwendet und interaktive sowie museumspädagogische Wege geht, um fremde Kulturen greifbarer zu machen.

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Résumé des informations

Titre
Eine Untersuchung der Funktionen des ethnographischen Museums für unsere Gegenwart
Sous-titre
Zwischen Raritätenkabinett und Forum der Kulturen
Université
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Europäische Ethnologie)
Note
2,0
Auteur
Claudia Scheffler (Auteur)
Année de publication
2007
Pages
96
N° de catalogue
V84785
ISBN (ebook)
9783638886130
ISBN (Livre)
9783656754787
Langue
allemand
mots-clé
Zwischen Raritätenkabinett Forum Kulturen Eine Untersuchung Funktionen Museums Gegenwart
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Claudia Scheffler (Auteur), 2007, Eine Untersuchung der Funktionen des ethnographischen Museums für unsere Gegenwart, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84785
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Extrait de  96  pages
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