"Die fundamentale Fragestellung ist, ob und wie politische und ökonomische Bildung im Unterricht der allgemeinbildenden Schulen zusammenhängen.
Ein weiteres Augenmerk dieser Hausarbeit wird die, in der Literatur diskutierte Pro-Contra-Debatte um eine Einbindung ökonomischer Bildung in ein bestehendes Fach oder die Neuschaffung eines Ökonomiefaches darstellen."
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Politische und ökonomische Bildung an allgemeinbildenden Schulen?
1.1. Bezugswissenschaft Wirtschaftswissenschaft
1.2. Realitätsbereich Wirtschaft
1.3. Erkenntnisweise und Paradigmen
2. Wirtschaft in die Schule! Aber wie?
2.1. Aber was?
2.2. Integration der ökonomischen Bildung oder neues Fach?
3. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die grundlegende fachdidaktische Kontroverse, ob ökonomische Bildung in allgemeinbildenden Schulen durch eine Integration in bestehende Fächer oder durch die Einrichtung eines eigenständigen Schulfachs vermittelt werden sollte, wobei insbesondere das Ziel der Mündigkeit des Bürgers im Zentrum steht.
- Stellenwert und Ziele der ökonomischen Bildung in der Schule
- Wissenschaftstheoretische Bezugspunkte und ökonomische Paradigmen
- Kategoriale Ansätze der Stoffauswahl für den Unterricht
- Die Debatte um Integration vs. Eigenständigkeit des Fachs
- Herausforderungen in der universitären Lehrerausbildung
Auszug aus dem Buch
1.3. Erkenntnisweise und Paradigmen
Das, in der Bezugswissenschaft angesprochene Kosten-Nutzen-Kalkül eines „homo oeconomicus“ nennt Hedtke eine mathematisch-quantitative Modellbildung, in der sich letztlich Erkenntnisweise ökonomischen Lernens ausdrückt.
Schlösser verweist hierbei auf die Konvergenz- und Divergenz-These, indem er Bezug auf die Fachdidaktik und Fachwissenschaft nimmt: „Konvergenz mit umgekehrten Vorzeichen[…]liegt vor, wenn ein Schulfach zum verkleinerten Abbild gemacht wird: eine „Abbilddidaktik“ die heute von Wirtschaftsdidaktikern als unvertretbar angesehen wird. Begründet wird diese Ablehnung mit der These von der Divergenz von Schulfach und Fachwissenschaft“ (Schlösser: 2001, S. 2) Er führt weiter thesenartig aus, dass ein Schulfach eben keine direkte Verlängerung einer Fachwissenschaft darstellt, sondern vielmehr Fachdidaktik die Fachwissenschaft auf lehrbare Paradigmen zu untersuchen habe.
Diese Untersuchung hat Weinbrenner (Weinbrenner: 1997, S. 302f.) als politische Bedingungsfaktoren der Ökonomie bezüglich der ökonomischen Paradigmen und politischen Konsequenzen am Beispiel der ökologischen Frage herausgearbeitet:
a) Das neoliberale Paradigma: Hierunter subsumiert er auch die Soziale Marktwirtschaft, wobei „sozial“ eine sozial-ethische Norm im Sinne der Sozialverpflichtetheit der Wirtschaftsordnung und der in ihr handelnden Akteure darstellt und in ihr ein starker Staat Rahmen setzen kann (also ein Primat der Politik)
b) Das neoklassische Paradigma: Das spiegelbildliche Paradigma des neoliberalen. Hier herrscht ein Primat der Wirtschaft, d.h. der Staat zieht sich weitestgehend zurück und überlässt den Markt dessen Selbstheilungskräften.
c) Das keynesianische Paradigma: Parallel zur Neoklassik verwendet dieses Paradigma ausschließlich monetäre Größen (Geld, Zins, Steuern) und versucht durch eine nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik mit einem starken Staat (Fiskalpolitik) national zu agieren. In diesem Sinne ist dieses Paradigma heutzutage weitgehend unbrauchbar, da es weltwirtschaftliche Zusammenhänge (Globalisierung und Internationalisierung) keinen Bezug nimmt.
d) Das institutionalistische Paradigma: Die sogenannte Neue Institutionen- Ökonomie, als Ergebnis der Theorie Defizite der bisherigen Paradigmen, stellt vor allem das neoklassische Paradigma auf den Kopf und fordert einen Primat der Politik im Wirtschaftsprozess.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Hinführung zur Fragestellung der Umsetzung ökonomischer Bildung im schulischen Kontext.
1. Politische und ökonomische Bildung an allgemeinbildenden Schulen?: Beleuchtung des gesetzlichen Bildungsauftrags sowie der theoretischen Grundlagen und Bezugswissenschaften ökonomischen Lernens.
2. Wirtschaft in die Schule! Aber wie?: Analyse der fachdidaktischen Debatte über die Stoffauswahl und die organisatorische Einbettung der ökonomischen Bildung in den Fächerkanon.
3. Schlussbemerkung: Resümee der Diskussion mit einem Vorschlag für einen kompromissorientierten Weg in der schulspezifischen Umsetzung.
Schlüsselwörter
Ökonomische Bildung, Politische Bildung, Schulfach, Wirtschaftsdidaktik, Allgemeinbildung, Mündigkeit, Soziale Marktwirtschaft, Fachintegration, Curriculum, Stoffkategorien, Lehrerausbildung, homo oeconomicus, Wirtschaftspolitik, Bildungsauftrag, Institutionalismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die kontroverse Frage, wie ökonomische Bildung an allgemeinbildenden Schulen strukturell und inhaltlich verankert werden sollte, um dem Bildungsauftrag gerecht zu werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die theoretischen Grundlagen der Ökonomie als Unterrichtsgegenstand, die Auswahl relevanter Stoffkategorien sowie die organisatorische Debatte zwischen Fachintegration und einem eigenständigen Fach.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die verschiedenen Positionen der Fachdidaktik zur Implementierung ökonomischer Bildung zu analysieren und eine begründete Einschätzung zu den Realisierungsmöglichkeiten zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer kritischen Auseinandersetzung mit fachdidaktischen Theorien und bildungspolitischen Positionen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die wissenschaftlichen Bezugspunkte, verschiedene ökonomische Paradigmen, die kategoriale Stoffauswahl für den Unterricht sowie die kontroversen Ansätze zur Fächergestaltung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Ökonomische Bildung, Mündigkeit, Wirtschaftsdidaktik, Fachintegration und Curriculumsentwicklung charakterisiert.
Was besagt die Konvergenz- und Divergenz-These bei Schlösser?
Die These thematisiert das Spannungsverhältnis zwischen Schulfach und Fachwissenschaft: Während die "Abbilddidaktik" ein Schulfach als verkleinertes Abbild der Fachwissenschaft sieht, argumentiert die Divergenz-These, dass die Didaktik eigene lehrbare Paradigmen entwickeln muss.
Welchen Kompromiss schlägt der Autor in der Schlussbemerkung vor?
Der Autor schlägt vor, Ökonomie in der Sekundarstufe II als eigenständiges Fach anzubieten, während das Thema in der Sekundarstufe I stärker in den Politikunterricht unter Einbeziehung der Berufsorientierung integriert werden sollte.
Was versteht man unter den "barriers to economic learning"?
Dabei handelt es sich um fünf Hindernisse, die eine Integration von Ökonomie in andere Fächer erschweren, wie z.B. mangelndes Interesse der Lehrkräfte, unzureichende Schulbuchqualität oder zu geringe Zeitanteile im Unterricht.
- Citation du texte
- Gunnar Müller (Auteur), 2005, Ökonomische Bildung - Integration oder Neuschaffung eines Faches, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84796