Der Totenkult im "Indiculus superstitionum et paganiarum"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
12 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Totenkult

3. Interpretation
3.1. De sacrilegio ad sepulchra mortuorum
3.2. De sacrilegio super defunctos, i.e. dadsisas

4. Fazit

Bibliographie

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit möchte ich mich mit den ersten beiden Punkten des ‚Indiculus superstitionum et paganiarum’[1] beschäftigen. Der Indiculus ist ein in seiner Art einzigartiges Schriftstück. Es ist ein in lateinischer Sprache abgefasstes, unbetiteltes Verzeichnis, welches in 30 überschriftartigen Nennungen heidnische und christlich-abergläubische Gebräuche aufzählt. Er findet sich in dem Codex Palatinus latinus 577 der Bibliotheca Vaticana in Rom[2].

Die Datierung des Kodex ist umstritten, die Vorschläge reichen von 762 bis ins neunte Jahrhundert[3]. Am überzeugendsten erscheint mir die Lösung von Machielsen, der die Handschrift kurz nach 762 datiert[4]. Die Datierung des Indiculus selber schwankt zwischen 772 und dem Zeitraum von 742 bis 754.

Den Titel erhielt der Indiculus von Luc Holsten, einem Bibliothekar im Vatikan, im 17. Jahrhundert, wobei Indiculus für die Art – nämlich kleines Verzeichnis – und superstitionum et paganiarum für den Inhalt, nämlich abergläubische Vorstellungen und heidnische Praktiken oder Gebräuche steht.

Auch über den Zweck bzw. die Literaturgattung[5] des Indiculus ist die Forschung sich nicht einig. Jedoch ist es wichtig, die Literaturgattung festzulegen oder zu bestimmen, da dies zwangsläufig die Interpretation beeinflusst.

Fünf Vorschläge kommen dabei hauptsächlich in Frage:

1. Der Indiculus ist das Inhaltsverzeichnis einer verlorenen ausführlichen Darstellung von superstitiones und paganiae[6].
2. Man dachte an eine Anweisung für die missi dominici oder Königsboten[7].
3. Der Indiculus sei eine ergänzende Liste zu Kanon IV des Konzils von Liftinae, die in Form eines Kapitulars veröffentlicht worden sei[8].
4. Es könnte eine Privatsammlung aus Sachsen gewesen sein[9].
5. Es könnte ein Stichwortverzeichnis für eine Heidenpredigt oder für eine Befragung in der Beichte sein[10].

Am ehesten erscheint mir die Funktion des Indiculus als ein Stichwortverzeichnis für die Heidenpredigt bzw. für eine Befragung in der Beichte als richtig, womit ich mich Holger Homann anschließe, da verschiedene Einwände die anderen vier Vorschläge unwahrscheinlich machen und kein Vorschlag mehr zu überzeugen vermag[11].

Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen also die ersten beiden Nennungen des Indiculus, die sich auf den Totenkult der Heiden bzw. bekehrten Sachsen beziehen. Ich möchte versuchen zu erklären, welche Bedeutung sich hinter den genannten Gebräuchen verbirgt, da auch diese nicht immer ganz eindeutig ist. Dabei sollen beide Nennungen aber nicht gemeinsam behandelt, sondern als zwei einzelne Punkte wie im Text selber getrennt voneinander abgehandelt werden. Es geht auch nicht um eine Darstellung der vorchristlichen heidnischen Bräuche der Germanen im Zusammenhang mit dem Totenkult, sondern um eine Interpretation der im Indiculus genannten Punkte, welche sich auf den Totenkult beziehen. Trotzdem ist es natürlich unvermeidbar, zum besseren Verständnis auch den religiösen Hintergrund aufzuzeigen, zumindest bei den Punkten, wo ohne diesen keine völlige Klarheit erreicht werden kann.

[...]


[1] Im Folgenden nur noch ‚Indiculus’.

[2] Leitzmann, A.: Saxonia I, PBB 25 (1900), S. 567ff.

[3] Eine gute Übersicht über die Datierungsmöglichkeiten findet man u.a. bei Homann, H.: Der Indiculus superstitionum et paganiarum und verwandte Denkmäler, Göttingen 1965, S. 9ff.

[4] Ebd. S. 11f.

[5] Ebd. S. 13

[6] Grimm, J.: Deutsche Mythologie, Band 3, Berlin 41875-1878, S. 404.

[7] Gallee, H.J.: Altsächsische Sprachdenkmäler, Norden und Leipzig 1899, S. 245.

[8] Von Hefele, C.F.: Conciliengeschichte, Band 3, Freiburg 21877, S. 505.

[9] Boretius, MGH Cap.reg.Franc. I 222: ab homine privato in Saxonia saeculo octavo conceptus esse videtur.

[10] Homann: Indiculus, S. 13.

[11] Homann: Indiculus, S. 14.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Der Totenkult im "Indiculus superstitionum et paganiarum"
Hochschule
Universität Konstanz
Veranstaltung
Fränkischer Mono- und sächsischer Polytheismus
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
12
Katalognummer
V84798
ISBN (eBook)
9783638011419
ISBN (Buch)
9783640395002
Dateigröße
526 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In dieser Hausarbeit möchte ich mich mit den ersten beiden Punkten des ‚Indiculus superstitionum et paganiarum’ beschäftigen, welche den Totenkult zum Inhalt haben.
Schlagworte
Totenkult, Indiculus, Fränkischer, Mono-, Polytheismus
Arbeit zitieren
Sebastian Runkel (Autor), 2007, Der Totenkult im "Indiculus superstitionum et paganiarum", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84798

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Totenkult im "Indiculus superstitionum et paganiarum"


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden