Die Bewertung der Chancen und Risiken einer Umstellung auf IAS/IFRS unterliegt seit dem 01.01.04 einer signifikanten Aktualität: Alle kapitalmarktorientierten Gesellschaften, die nicht nach international anerkannten Rechnungslegungsvorschriften, wie beispielsweise den US-GAAP, bilanzieren, haben ihren Konzernabschluß seit dem Geschäftsjahr 2005 nach den Rechnungslegungsvorschriften der IAS/IFRS zu erstellen.
Die vorliegende Arbeit stellt die Auswirkungen der Umstellung der Rechnungslegung auf IAS/IFRS auf die für die Außendarstellung des Unternehmens signifikanten Ergebnis- und Bilanzkennzahlen dar. Dazu werden nach einer kurzen chronologischen Übersicht zu der Entstehung der IAS/IFRS einige wichtige, ausgewählte Unterschiede zwischen HGB und IAS/IFRS erläutert, um vor dem Hintergrund möglicher Bilanzpolitiken die Auswirkungen auf die relevante Bilanzkennzahlen darzustellen. Eine gesonderte Betrachtung erfährt dabei die Umstellung im Hinblick auf ein Unternehmensrating bzw. eine Bonitätsbewertung.
Zur anschaulichen Hinterlegung der dargestellten Rechnungslegungsvorschriften wurden 4 Unternehmen als Fallbeispiele herangezogen: die Metro AG als intenationaler Handelskonzern, die Deutsche Börse AG als Dienstleistungsunternehmen und als Produktionsunternehmen die BMW AG und die Volkswagen AG.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 EINFÜHRUNG
2.1 Historische Entwicklung
2.2 Zielsetzung der IAS/IFRS
2.3 Adressatenorientierung
3 VERÄNDERUNG DER BILANZSTRUKTUR DURCH UMSTELLUNG
3.1 Auswirkungen auf ausgewählte Bilanzpositionen
3.1.1 Immaterielle Vermögensgegenstände
3.1.2 Sachanlagevermögen
3.1.2.1 Leasingverhältnisse
3.1.3 Finanzanlagen
3.1.4 Herstellungskosten
3.1.4.1 Langfristaufträge
3.1.5 Eigenkapital
3.1.6 Rückstellungen
3.1.6.1 Pensionsrückstellungen
3.1.6.2 Sonstige Rückstellungen
3.1.7 Verbindlichkeiten
3.2 Zusammenfassung
4 VERÄNDERUNGEN DER GEWINN- UND VERLUSTRECHNUNG DURCH DIE UMSTELLUNG
5 BILANZPOLITIK INNERHALB DER RECHNUNGSLEGUNG NACH IAS/IFRS
6 AUSWIRKUNGEN DER UMSTELLUNG AUF DIE BILANZKENNZAHLEN
7 DIE UMSTELLUNG AUF IAS/IFRS AUS RATING – GESICHTSPUNKTEN
8 FAZIT & AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der Umstellung der Rechnungslegung von HGB auf IAS/IFRS auf die für die Außendarstellung von Unternehmen maßgeblichen Ergebnis- und Bilanzkennzahlen. Dabei wird analysiert, wie bilanzpolitische Spielräume die Unternehmenszahlen beeinflussen und welche Rolle diese Veränderungen im Kontext von Ratings und Bonitätsbewertungen spielen.
- Veränderung der Bilanzstruktur und Bilanzkennzahlen durch die Umstellung
- Analyse bilanzpolitischer Spielräume unter IAS/IFRS
- Auswirkungen der Umstellung auf Rating und Bonitätsbewertung
- Vergleichende Untersuchung von Fallbeispielen börsennotierter Unternehmen
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Immaterielle Vermögensgegenstände
Immaterielle Vermögensgegenstände werden nach handelsrechtlichen Vorschriften aufgeteilt in entgeltlich erworbene oder selbst erstellte. Grundsätzlich gilt, daß selbst erstellte immaterielle Vermögensgegenstände nicht aktiviert werden dürfen, für entgeltlich erworbene besteht nach §248 Abs. 2 HGB ein Aktivierungsgebot.
Somit darf im deutschen Handelsrecht ein originärer Firmenwert nicht aktiviert werden, da er nicht entgeltlich erworben wurde. Ein im Rahmen von Unternehmenszusammen-schlüssen und dem entgeltlichen Erwerb nach §255 Abs. 4 HGB entstehender derivater Firmenwert darf (Wahlrecht) aktiviert werden und unterliegt damit auch der Abschreibung. Ein negativer Firmenwert ist nach §301 Abs. 3 HGB passivisch anzusetzen (kein Wahlrecht).
Auch Aufwendungen für Forschung oder für Entwicklung dürfen demgemäß nach §248 Abs. 2 HGB grundsätzlich nicht aktiviert werden.
Die IAS/IFRS haben im Vergleich zu den handelsrechtlichen Vorschriften andere Ansatzkriterien als die ’Entgeltlichkeit’. Wenn die nach IAS 38.12 genannten Kriterien erfüllt werden, dürfen auch selbst erstellte immaterielle Vermögenswerte angesetzt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in das Thema der Umstellung auf IAS/IFRS und die Zielsetzung der Arbeit, Auswirkungen auf relevante Bilanzkennzahlen zu untersuchen.
2 EINFÜHRUNG: Historische Entwicklung der IAS/IFRS und Erläuterung der Zielsetzungen sowie der Adressatenorientierung im Vergleich zum HGB.
3 VERÄNDERUNG DER BILANZSTRUKTUR DURCH UMSTELLUNG: Detaillierte Analyse der Auswirkungen der Umstellung auf spezifische Bilanzpositionen wie Sachanlagen, Vorräte und Rückstellungen.
4 VERÄNDERUNGEN DER GEWINN- UND VERLUSTRECHNUNG DURCH DIE UMSTELLUNG: Darstellung, wie sich die Bilanzanpassungen auf die GuV-Rechnung auswirken, unter Berücksichtigung von Rückstellungsauflösungen und Entwicklungskosten.
5 BILANZPOLITIK INNERHALB DER RECHNUNGSLEGUNG NACH IAS/IFRS: Untersuchung der Möglichkeiten zur Nutzung von Gestaltungsspielräumen und Wahlrechten innerhalb der IAS/IFRS-Vorschriften.
6 AUSWIRKUNGEN DER UMSTELLUNG AUF DIE BILANZKENNZAHLEN: Quantitative Analyse, wie sich die Bilanzverschiebungen auf Kennzahlen der Vermögens-, Kapital-, Liquiditäts- und Rentabilitätsstruktur auswirken.
7 DIE UMSTELLUNG AUF IAS/IFRS AUS RATING – GESICHTSPUNKTEN: Diskussion über den Einfluss der Rechnungslegungsumstellung auf Unternehmensratings und die Bonitätsbeurteilung durch Banken und Ratingagenturen.
8 FAZIT & AUSBLICK: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf die Notwendigkeit, internationale Standards auch für nicht-kapitalmarktorientierte Unternehmen zu etablieren.
Schlüsselwörter
IAS/IFRS, HGB, Rechnungslegung, Bilanzierung, Bilanzkennzahlen, Bilanzpolitik, Unternehmensrating, Bonitätsbewertung, Eigenkapital, Firmenwert, Leasingverhältnisse, Rückstellungen, Entwicklungskosten, Kapitalmarkt, Transparenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen, die eine Umstellung der Konzernrechnungslegung von HGB auf IAS/IFRS auf die Bilanzstruktur und die damit verbundenen Kennzahlen von Unternehmen hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die Unterschiede in den Bilanzierungsvorschriften zwischen HGB und IAS/IFRS, die Auswirkungen dieser Unterschiede auf Bilanzkennzahlen und die Bedeutung dieser Effekte für Ratingprozesse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie signifikant die Auswirkungen der Umstellung auf die Außendarstellung eines Unternehmens in Form von Bilanzkennzahlen sind und ob diese Veränderungen das Rating von Unternehmen beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturgestützte Analyse der Regelwerke im Vergleich sowie eine Fallbeispielanalyse von vier bekannten Unternehmen, um die theoretischen Konzepte in der Praxis zu illustrieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die detaillierten Auswirkungen auf einzelne Bilanzpositionen (z.B. Sachanlagen, Rückstellungen, Firmenwerte), die Möglichkeiten der Bilanzpolitik sowie die Analyse spezifischer Finanzkennzahlen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind IAS/IFRS, HGB, Bilanzierung, Bilanzkennzahlen, Bilanzpolitik und Rating.
Wie bewerten Banken und Ratingagenturen den Wechsel auf IAS/IFRS?
Wie die Arbeit zeigt, bestätigen Institutionen wie Moody's oder die Dresdner Bank, dass der Wechsel selbst kein direktes Ratingkriterium ist, da diese Agenturen die Abschlüsse ohnehin nach ihrer eigenen Systematik bewerten.
Warum ist die Umstellung besonders für den deutschen Mittelstand von Bedeutung?
Der Mittelstand ist stark bankenfinanziert. Da sich die Kapitalkosten nach Basel II an der Bonität ausrichten, kann die durch IAS/IFRS oft sichtbare Erhöhung des Eigenkapitals theoretisch zu besseren Ratingergebnissen führen.
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- Dipl.-Kffr. Claudia Weichel (Author), 2005, Umstellung der Rechnungslegung von HGB auf IAS/IFRS - Auswirkungen auf die Bilanzkennzahlen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84892