Projektarbeit in der Schule

Methodischer Ablauf und praktische Aspekte des Projekts im Schulalltag


Seminararbeit, 2004

18 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Geschichte: Woher kommt das Projekt
1.1 Dewey und Kilpatrick
1.2 Begriffliche Abgrenzung
1.3 Definitionen
1.4 Merkmale

2 Methodik: Die Phasen des Projekts
2.1 Einstiegsphase (Themenwahl)
2.2 Vorbereitungsphase (Planung, Analyse)
2.3 Planungsphase (Verarbeitung)
2.4 Ausführungsphase (Realisation)
2.5 Auswertungsphase (Kritik und Besinnung)

3 Praxis: Das Projekt im Schulalltag
3.1 Vor – und Nachteile
3.2 Die Rolle des Lehrers
3.3 Leistungsbeurteilung
3.4 Tendenzen des Projektlernens

Literatur

1 Geschichte: Woher kommt das Projekt

In der pädagogischen Wissenschaft hat der Begriff „Projekt“ eine etwa 300-jährige Geschichte.[1] Im engeren Sinne wird das Wort in der amerikanischen Reformpädagogik seit Anfang des 20. Jahrhunderts verwendet. Die deutschsprachige Schulpädagogik kennt die Ausdrücke „Projektunterricht“, „projektartiger Unterricht“ und auch schlicht „Projekt“. Die Bezeichnung „Projektmethode“ erinnert an den Aufsatz von William H. Kilpatrick mit der Überschrift „The Project-Method“ aus dem Jahr 1918.

1.1 Dewey und Kilpatrick

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Als eigentliche Begründer des „Projekts in der Schule“ werden die beiden Amerikaner John Dewey (1859 – 1952) und besonders William Heard Kilpatrick (1871 – 1965) angesehen.

Abbildung 1 (links): John Dewey[2]

Abbildung 2 (rechts): William Heard Kilpatrick[3]

Was damit als Erfindung der Schulpädagogik oder der Lehrerausbildung erscheint, hat in Wahrheit jedoch eine lange Vorgeschichte, die bis ins 17. Jahrhundert zurück reicht. In Verbindung mit Unterricht ist der Begriff „Projekt“ an den Kunstakademien Italiens und Frankreichs gebraucht worden, wenn Architekturstudenten die Aufgabe bekamen, ein Portal, eine Fassade oder eine Kirche selbstständig zu entwerfen.[4]

Von Europa kam die Methode nach Amerika, und dort wird von der technischen Berufsausbildung im 19. Jahrundert berichtet, dass Schüler beispielsweise Projekte nicht nur am Zeichenbrett entwerfen sondern im technischen Werken auch tatsächlich durchführen mussten. Sie tischlerten Regale, schmiedeten Leuchter und bauten Motoren. Dabei waren drei Prinzipien maßgebend:[5]

- die Schülerorientierung
- die Wirklichkeitsorientierung
- die Produktorientierung

Die Schüler waren für die Planung und Durchführung der Projekte selbst verantwortlich, sie orientierten sich an tatsächlichen Problemen im Alltagsleben oder im Beruf und sie fertigten Objekte an, die es erlaubten, ihre Theorien und Pläne einer praktischen Prüfung zu unterziehen.

Die amerikanische Schulpädagogik machte dann zu Beginn des 20. Jahrhunderts dieses spezifische Lehrverfahren aus der technischen Berufsausbildung zu einer allgemeinen Lehrmethode, die dem neuen psychologischen Bild des Kindes entsprechen sollte. Von diesem Kind wurde angenommen, dass es außerhalb der Schule natürlich lerne; nämlich von Neugier, Schöpfertum und Wissbegierde geleitet wurde, während die Lehrplan- und Buchschule diese Fähigkeiten unterdrücke. Die wahre Schulform bestehe also darin, die Organisation des Lernens nach den Fähigkeiten und Bedürfnissen des Kindes einzurichten.

In den USA entwickelte sich Anfang des 20. Jahrhunderts eine Pragmatismus-Bewegung, die die Praxis der Wissenschaft/Theorie überordnete. Für den pädagogischen Bereich verbindet sich der Pragmatismus vor allem mit dem Namen John Dewey.

In seiner Laborschule in Chicago machte der Philosoph John Dewey Versuche mit Projektunterricht. Dieser kannte technische, praktische, soziale und künstlerische Varianten. Irgendwie schien jedoch alles „Projekt“ sein zu können, so dass die Diskussion nach einer terminologischen Klärung oder nach einer Theorie der Projektmethode verlangte.

Die Formulierung dieser Theorie der Projektmethode nahm Deweys Schüler William Kilpatrick in seinem Aufsatz „The Project-Method“ im Jahr 1918 vor:

Nach Kilpatrick ist ein pädagogisches Projekt „eine aus ganzem Herzen gewollte, absichtsvolle Tätigkeit“ (whole-hearted purposeful activity), die in einer sozialen Umgebung stattfindet. Er benutzt auch die Formel „eine von Herzen kommende absichtsvolle Handlung“ (hearty purposeful act)[6]. Dieses planvolle Handeln, also das Projekt, muss nach Kilpatrick zur typischen Einheit des Schulverfahrens gemacht werden. So wird das Leben zum Bestandteil des Erziehungsprozesses in der Schule. Oder umgekehrt: Die Erziehung wird als das Leben selbst und nicht als bloße Vorbereitung auf das spätere Leben angesehen.

Erziehung bedeutet also nicht mehr die „Vorbereitung auf die Erwachsenenwelt“, sondern ist zugleich Ziel und Mittel der menschlichen Entwicklung. Die von Dewey bezeichnete „denkende Erfahrung“ ist der Weg des Menschen, sich selbst und die Welt zu verändern. Erziehung kann also nicht heißen, dass z.B. schulische Inhalte „von einem zum anderen weitergegeben werden wie Ziegelsteine“. Erkennen und Tun sind untrennbar. „Die Beteiligung an einer gemeinsamen Tätigkeit ist das wichtigste Mittel, um ein Dispositionen zu entwickeln.[7]

Verständlicher formuliert: Der Sinn im praktischen Tun entscheidet über gut oder schlecht, nicht die theoretische Gültigkeit. Diese Erziehungsphilosophie Deweys ist die zentrale Grundlage der Projektmethode. Der John Dewey zugeschriebene Slogan „Learning by doing“ stammt zwar nicht von ihm, bringt aber seine Vorstellungen auf den Punkt.

Damit ist bereits seit den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts das Projekt in den Schulen der Vereinigten Staaten bekannt. Wesentliche Elemente der Projektarbeit waren schon damals:[8]

- Selbstständigkeit der Schüler bei der Planung, Durchführung und Beurteilung
- Abbau von Lehrerdominanz
- problemorientiertes Lernen und Handeln
- fächerübergreifender Unterricht
- Wissen erwerben und Überprüfen in der Anwendung
- Aufhebung der Isolierung von schulischem und außerschulischem Lernen
- Produktorientierung (sinnlich wahrnehmbares Ergebnis des Unterrichts, an dem sich die vorgenommenen Lernziele überprüfen lassen, was eine herkömmliche Notengebung überflüssig macht)

Nach dem zweiten Weltkrieg gewann der Projektunterricht mit der Entstehung der modernen Gesamtschulen (hauptsächlich in Schweden, England und Deutschland) an Bedeutung. Man sah darin eine Möglichkeit, Kinder der verschiedensten Begabungsstufen zusammenarbeiten zu lassen.

[...]


[1] vgl. Frey, Karl: Die Projektmethode. S. 14

[2] Abbildung aus „Columbia University Report“, Vol.23, No. 2, 12. September 1997

[3] Abbildung aus www.kilpatrick.edu.ec

[4] vgl. Frey, Karl: Die Projektmethode. S. 29 f

[5] vgl. Oelkers, Jürgen: Geschichte und Nutzen der Projektmethode. S. 15 f

[6] vgl. Frey, Karl: Die Projektmethode. S. 37

[7] John Dewey, zitiert in: Bastian, Johannes/ Gudjons, Herbert: Das Projektbuch. S. 28

[8] vgl. Schweingruber, Robert: Das Projekt in der Schule. S. 24

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Projektarbeit in der Schule
Untertitel
Methodischer Ablauf und praktische Aspekte des Projekts im Schulalltag
Hochschule
Universität Hamburg
Autor
Jahr
2004
Seiten
18
Katalognummer
V84894
ISBN (eBook)
9783638014236
ISBN (Buch)
9783638917704
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Projektarbeit, Schule
Arbeit zitieren
Lorenz Teschner (Autor), 2004, Projektarbeit in der Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84894

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