Neue Märkte, neue Kriege

Warum die moderne Privatisierung militärischer Aufgaben mehr ist als die Rückkehr zur historischen Normalität des Söldnertums


Seminararbeit, 2007
77 Seiten, Note: 1,0
B. Reichel (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Teil I: Privatisierte Kriegsführung – Anfänge und Entwicklung
1 Geschichte der privatisierten Kriegsführung
1.1 Privatisierte Kriegsführung
1.2 Militärunternehmer: Krieg als Geschäftsfeld
1.3 Die Figur des Söldners
2 Privater Krieg und staatliches Gewaltmonopol
2.1 Staatliches Gewaltmonopol
2.2 Trend zur Privatisierung
3 Warum privatisierte Kriegsführung?
3.1 Verändertes Aufgabenprofil von Armeen
3.2 Transformation der Kriegsführung

Teil II: Der Kriegsmarkt
1 Entstehung des neuen Marktes: Profiteure des Chaos
1.1 Hohes Gewaltpotential nach dem Ende der Sowjetunion
1.2 Soldaten ohne Beschäftigung
1.3 Marktglaube statt Multilateralismus
2 Markt- und Unternehmensstrukturen
2.1 Geringe Zutrittsbarrieren
2.2 Die Jagd auf Rekruten
2.3 Vielfältige Nachfrage
3 Typisierung von Militärfirmen
3.1 Das Speerspitzen-Modell
4 Der Militärdienstleister Executive Outcomes
5 Die militärische Beratungsfirma MPRI
6 Der militärnahe Dienstleister Brown & Root
7 Neue Kunden
7.1 Die UNO
7.2 Schusswaffen für den Tierschutz
7.3 Peace for Profit

Teil III: Auswirkungen
1 Outsourcing
1.1 Chancen und Risiken
1.2 Spezialfall: militärisches Outsourcing
1.3 Militärische Dienstleister sind kaum zu kontrollieren
1.4 Militärische Dienstleister streben nach Gewinn
2 Das neue Gewaltmonopol
2.1 Macht hat, wer Geld hat
2.2 Das Diktat der Auftragnehmer
2.3 Kämpfen für die gute Sache
3 Die rechtliche Grauzone
3.1 Kein Söldner und kein Soldat
3.2 Das Vertragsdilemma
3.3 Nicht privat und nicht Staat
4 Privatmilitär und Zivilgesellschaft
5 Ein neuer Preiskampf

Fazit

Literaturverzeichnis

Einführung

Sie wollten schon immer Scharfschütze werden? Dann hat Blackwater, eine Firma aus Moyock in North Carolina, das ideale Angebot für Sie. Nicht einmal tausend Dollar kostet der fünftägige Grundkurs für Scharfschützen – sowohl für den Militär- als auch für den Polizeibereich. Der Kurs beinhaltet neben Sicherheitsvorkehrungen und Waffenpflege selbstverständlich auch so komplexe Bereiche wie das Erfassen beweglicher Ziele. Zudem gibt es eine Einführung in die besten Heckenschützenposition in städtischen Gebieten. Ihre Ausbilder sind Scharfschützen aus dem Polizei- und Militärdienst mit jahrelanger Berufserfahrung.[1] Was Sie mit den erlernten Fähigkeiten anstellen, ist Ihre Sache. Ob Sie für die irakische Polizei arbeiten wollen oder für eine Miliz auf Kinder schießen – der Markt ist groß genug und bietet viele Möglichkeiten. Von ihm handelt die vorliegende Arbeit.

Sie erläutert die Struktur des heutigen privaten Militärmarktes, thematisiert rechtliche, moralische und wirtschaftliche Probleme und erklärt, warum Söldner in der Geschichte der Menschheit eher die Regel als die Ausnahme sind.

Im ersten Teil beleuchtet Benjamin Schulz die Geschichte der privaten Kriegsführung. Dabei wird speziell auf die Figur des Söldners und das Verhältnis zwischen privater Kriegsführung und staatlichem Gewaltmonopol eingegangen. Zudem werden Erklärungsansätze aufgezeigt, warum private Kriegsführung in jüngster Vergangenheit wieder mehr Raum im Kriegsgeschehen eingenommen hat.

Malte Wicking schildert die Struktur des privaten Kriegsmarktes, wie wir ihn heute vorfinden, und erläutert, warum der Zutritt vergleichsweise einfach ist. Die Anbieter militärischer Dienstleistungen werden kategorisiert und mit drei Beispielen exemplarisch vorgestellt. Eine Analyse der erbrachten Dienstleistungen und der sich erweiternden Zielgruppen schließt sich an.

Im dritten Teil befasst sich Benedikt Reichel mit den Folgen outgesourcter Militärdienstleistungen. Hierbei werden die Abhängigkeitsverhältnisse zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer näher beleuchtet und zudem erklärt, warum eine neue Definition des Begriffs Söldner dringend erforderlich ist.

Es ergibt sich aus Natur des Themas, dass sich Wiederholungen nicht komplett vermeiden lassen. Diese Überschneidungen sind beabsichtigt, soweit sie dazu dienen, dass jeder Teil in sich verständlich ist.

Teil I: Privatisierte Kriegsführung – Anfänge und Entwicklung

1. Geschichte der privatisierten Kriegsführung

Wer von privatisierter Kriegsführung spricht, setzt implizit etwas voraus – einen Gegenspieler, einen Antagonisten, durch den das Privatisierte erst klare Konturen erhält. In der Geschichte ist dieser Antagonist die gesellschaftlich strukturierte und organisierte, legitimierte und limitierte Macht, kurz: der Staat. Erst seit es den Staat so wie wir ihn heute kennen gibt, lässt sich von einem Unterschied zwischen staatlicher und privatisierter Kriegsführung überhaupt sprechen. Schon allein dadurch wird deutlich, dass die Geschichte der privaten oder privatisierten Kriegsführung immer auch die Geschichte des Staates, der sie unterdrückt, fördert, begrüßt, duldet oder einsetzt, ist.

Die Verwebung dieser beiden Antagonisten, die manchmal auch Partner sind, soll im Folgenden in einem historischen, schlaglichtartigen Abriss kurz dargestellt werden. Dabei soll auch herausgearbeitet werden, wie das Pendel der Kriegsführung im Lauf der Jahrhunderte zeitweise eher in Richtung staatlich, dann wieder eher in Richtung privatisiert ausgeschlagen ist. Wohin das Pendel derzeit tendiert, wird in den folgenden Kapiteln eine Rolle spielen. Denn es scheint, als sei die Kriegsführung in einem dramatischen Umbruch begriffen. Das zumindest in den Ländern der westlichen Welt seit Jahrhunderten selbstverständlich gewordene Gewaltmonopol des Staates scheint zu bröckeln.

1.1 Privatisierte Kriegsführung

Was genau die Aufgaben eines Staates sind, ist nicht endgültig festgelegt. Es gibt viele Aufgaben, die sich sowohl von öffentlicher als auch von privater Seite erledigen lassen. Die Trennlinie zwischen öffentlichen und privaten Dienstleistungen hat sich im Lauf der Zeit beständig verschoben. Heute werden Aufgaben von privaten Dienstleistern erledigt, die früher als geradezu natürliche Aufgaben des Staates angesehen wurden. Das sind zum Beispiel Strafvollzug, Polizeiwesen bzw. Sicherheitsdienste, Müllabfuhr, Steuererhebung, Schulwesen, Energieversorgung oder Post.

„Ein Bereich, de in die Debatte über die Möglichkeit der Privatisierung öffentlicher Aufgaben nie einbezogen wurde, war die Landesverteidigung.“[2] Diese Monopolisierung militärischer Macht auf nationaler Ebene und Kartellisierung militärischer Macht auf internationaler Ebene war lange Zeit „geradezu der Inbegriff dessen, was den Daseinszweck des Staates ausmachte“.[3] Diese strikte Trennung des Militärischen vom Rest ist, so scheint es, ins Wanken geraten. Wenn sich die konkreten Abläufe auch im Lauf der Zeit geändert haben mögen, ist doch das Muster, andere für sich in den Krieg zu schicken, so alt wie der Krieg selbst.[4] Ein Blick in die Geschichte kann erhellen, wann und unter welchen Umständen private Krieger und Kriegsfirmen prosperieren.

Zunächst einmal lässt sich sagen, dass der Krieg eine wesentlich ältere Erfindung als der Staat – zumal der jenes Typs, den wir heute erleben – ist. Aus dieser Feststellung ergibt sich, dass es privatisierte Kriegsführung schon immer zumindest in einem gewissen Ausmaß gegeben haben muss. Wer etwas hat oder kann, was andere nicht haben oder können, ist im Vorteil. „Spezialisten für das Kriegshandwerk waren vermutlich schon das Ergebnis der frühesten Phasen der Arbeitsteilung in der Menschheitsgeschichte.“[5] Um Effizienzvorteile zu nutzen, schlossen sich schon damals Söldner zusammen – seither ein wiederkehrendes Merkmal von Söldneraktivitäten. So kämpften in der Schlacht von Kadesch (1294 v. Chr.) auf ägyptischer Seite numidische Söldner in der Armee von Ramses II. gegen die Hethiter.[6]

In Griechenland verfuhren die Stadtstaaten unterschiedlich mit den käuflichen Kämpfern. Manche setzten wie Sparta ganz auf Bürgertruppen, andere auf Verstärkung eigener Streitkräfte durch ausländische Söldner-Spezialisten, etwa Schleuderer aus Kreta, Hopliten aus Syrakus oder Reiter aus Thessalien. Das Heer Alexanders des Großen bestand nicht nur überwiegend aus ausländischen Söldnern, es nutzte auch eine von den Phöniziern angemietete Flotte.[7]

Dass die Nutzung von Söldnertruppen auch nach hinten losgehen kann, musste Karthago bitter erfahren. Im ersten Punischen Krieg (264 – 241 v. Chr.) wurde es die Geister, die es rief, nicht mehr los. Söldner, die keinen Lohn bekommen hatten, wandten sich gegen Karthago und konnten erst mit einem weiteren Söldnerheer besiegt werden. Auch im Zweiten Punischen Krieg (218 – 202 v. Chr.) erging es den Karthagern nicht besser. Zwar war ihr Söldnerheer unter Hannibal den Römern deutlich überlegen, hatte aber dennoch keine Chance. „Der Krieg war im Grunde in dem Moment entschieden, als Rom die karthagischen Silberbergwerke in Spanien eroberte und damit dem Stadtstaat die Mittel für die weitere Finanzierung seiner großen Söldnerstreitmacht raubte.“[8]

Das Abgeben gewisser Kriegsaufgaben an Spezialisten von außen entwickelte sich im Mittelalter weiter.[9] „Die ersten privaten Militärorganisationen, die in dieser Zeit auftauchten, waren organisierte Gruppen spezialisierter Handwerker, die ihre Dienste demjenigen zur Verfügung stellten, der am besten bezahlte.“[10] Dieses System brachte Entwicklungen mit sich, die „in vielen Fällen zivile[n] Entwicklungen in Handel und Gewerbe (...) zum Durchbruch verhalfen: der Firma als Vehikel wirtschaftlicher Betätigung, dem schriftlich aufgesetzten Vertrag, dem nach Gewinn strebenden Einzelunternehmer (...).“[11]

Zunehmend kam in den städtischen Wirtschaftszentren, besonders in Norditalien, Geld in Umlauf, was zur Entwicklung des Bankwesen beitrug. „Unter diesen Umständen gewann die Praxis, Fremde in Dienst zu nehmen, die für die Bürgerschaft kämpften, zunehmend an Bedeutung.“[12] Das vertragliches Outsourcen militärischer Dienstleistungen an Vertragspartner – in Italien die so genannten Condottieri – hatte für die gesellschaftlichen Eliten große Vorzüge: Das Bürgertum bevorzugte Söldner, weil es dann nicht selbst kämpfen mussten; der Adel bevorzugte Söldner, weil bewaffnete Untertanen in seinen Augen ein höheres Sicherheitsrisiko darstellten.[13] Aber auch für die Söldner war dieses Geschäftsmodell verlockend: „Nachdem es über mehrere Jahrhunderte durch starke Exklusionsmechanismen beherrscht worden war, wurde das Militärwesen jetzt zu einem Sprungbrett des sozialen Aufstiegs.“[14] Söldner einzukaufen versprach zudem einen militärischen Vorteil: „Für die Kriegsführung in dieser Zeit waren Ausbildung und Ausrüstung der Soldaten viel ausschlaggebender als deren bloße Anzahl.“[15] Auch deswegen hatten am Ende des 14. Jahrhunderts private Söldnerarmeen ihre feudalen Vorgänger weitgehend von den Schlachtfeldern verdrängt. Weil die Söldnerheere zu einem Großteil von der bei Feldzügen abfallenden Beute bezahlt werden konnten, war der Krieg vergleichsweise billig – der Markt für Kriege expandierte.

Ein weiterer wesentlicher Schritt in der Entwicklung privater Kriegsführung war die Entstehung der ersten Söldnerkompanien, etwa im Italien der vielen verfeindeten Kleinstaaten im 14. Jahrhundert. „Das Fehlen zentraler Machtinstanzen schuf optimale Bedingungen für den auf eigene Rechnung kämpfenden Söldner.“[16] Weil aber kein Krieg ewig dauert, standen die Einzelkämpfer irgendwann ohne Arbeit und Auskommen da. In solchen Situationen schlossen sie sich zu freien Kompanien zusammen, die – wenn sie nicht auf einem Feldzug war – sich über Wasser hielten, indem sie Schutzgeld von Dörfern, Städten oder Fürsten erpressten.[17] „Zu Schlachten kam es nur dann, wenn der bedrohte Landesherr den räuberischen Scharen entgegentrat und diese nicht das Weite suchten, sondern sich zum Kampf stellten. Das freilich geschah selten (...).“[18]

Die freien Kompanien stellten eine Provokation für die damalige Gesellschaftsordnung dar, weil sie als „freie“ Organisationen aus der strikt hierarchischen Ständeordnung ausbrachen. Das blieb nicht ohne gesellschaftliche Folgen. „Die Tatsache, dass die dominanten militärischen Akteure in dieser Zeit private Kompanien freischaffender Söldner waren, brachte die Säulen des Feudalismus ins Wanken: das Ideal des Geburtsadels und es Grundbesitzes als Basis weltlicher Autorität, der Kirche als eines unverrückbaren Felsens und der Gefolgstreue und persönlichen Ehre als den einzig legitimen Beweggründen für den Kampf.“[19] Der Krieg als Geschäft führte dazu, dass die Kompanien mit detaillierten Geschichten über ihre Härte und Grausamkeit Marketing betrieben und lieber Gefangene machten als zu töten, weil sie sich Lösegelder erhofften. So bereiteten die freien Kompanien mit ihrer militärischen Dominanz den gesellschaftlichen Eliten große Probleme. Der erste, der sich ihnen von staatlicher Seite entgegenstellte, war der französische König Karl VII. Er erhob 1445 eine Sondersteuer, um den marodierenden freien Kompanien mit eigenen Streitkräften zu begegnen. Tatsächlich schaffte er es, sie zu besiegen. „Seinen eigenen Kompanien gewährte er anschließend dauerhaften Sold (...) und schuf somit das erste stehende Heer in Europa seit Beginn des Mittelalters.“[20]

Ironischerweise entstand die nächste Generation von Söldnern aus originär politischen Gründen. Im Jahr 1291 schlossen sich die Schweizer Waldkantone Uri, Schwyz und Unterwalden zu einer Verteidigungsgemeinschaft zusammen, um Invasoren abzuwehren. Als militärisch besonders effektiv entpuppte sich schon bald der Gevierthaufen.[21] „Mit über fünf Meter langen Piken bewaffnet und in kompakter Vierecksformation angreifend, konnten die Haufen einen Kavallerieangriff aufhalten und jeden feindlichen Reiter- oder Infanterieverband niederrennen.“[22] Die Schweizer Kämpfer entwickelten sich bald zum Exportschlager; sie wurden oft in Frankreich und in Italien eingesetzt. So geht etwa die Schweizer Garde des Papstes auf sie zurück. Untereinander kannten sie nur ein einziges Gebot: „Dass Schweizer Regimenter nicht gegeneinander kämpfen dürfen. Sollten sie auf dem Schlachtfeld aufeinander treffen, durfte die Gruppe, die den älteren Kontrakt hatte, bleiben“.[23] Dieses Modell wurde wegen seines Erfolges bald kopiert, besonders in Österreich und Süddeutschland. Für diese Söldner hat sich der Name Landsknecht etabliert.

Anfang des 17. Jahrhunderts war der Krieg zum bedeutendsten Gewerbe in Europa geworden. Patriotismus war für viele Söldner ohne jegliche Bedeutung. „Das auffälligste Phänomen im Geschäft mit dem Krieg war ein neuer Typus des Militärunternehmers.“[24] Das waren Bürger oder Adlige, die auf eigene Faust Truppen rekrutierten, ausbildeten, ausrüsteten und dann vermieteten. In diesem Geschäft „standen [hohen Einsätzen], zumindest auf kurze Sicht, enorme Gewinne gegenüber“.[25] Staaten konnten so Krieg führen, ohne sich finanziell allzu sehr zu strapazieren, weil sie nur die Kriegsdienstleistung in Anspruch nehmen konnten ohne die Infrastruktur und Ausrüstung bereitstellen zu müssen. Ein Beispiel für einen solchen Unternehmer ist Albrecht von Wallenstein, „der als Militärunternehmer zum wohlhabendsten Mann Europas wurde“.[26] Er organisierte seine Ländereien als Komplex aus Rüstungsmanufakturen und Arsenalen, seine Armee, die auf ihrem Höhepunkt 50.000 Mann zählte[27], eroberte Großteile des heutigen Deutschlands und Tschechiens. Er baute auf Vertraute als führende Mitarbeiter und ließ sie am Gewinn durch Beteiligungen am Unternehmen teilhaben.

Der Staat mit Streitkräften, deren Loyalität der Nation und nicht einem Auftraggeber gilt, taucht als Akteur des Krieges erst wieder allmählich im 17. Jahrhundert auf. „Der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648) war in vielerlei Hinsicht der Katalysator, der diese historische Wende herbeiführte.“[28] Die wichtigsten Akteure dieses Krieges waren neben den eigentlichen Trägern der Herrschaft (...) Gewaltunternehmer, die das Söldnerwesen organisierten und weniger die Direktiven ihrer Auftraggeber als ihre eigenen Interessen im Blick hatten.“[29] So wurden fast alle Kämpfe von Söldnerheeren bestritten, schätzungsweise 1.500 kleinere und größere Kriegsunternehmer waren beteiligt, was zu einer Verselbständigung der Kriegsführung gegenüber allen politischen Vorgaben führte.[30] Die daraus resultierenden Verheerungen waren so groß, „dass die einzig denkbare Konsequenz darin bestand, jedes Volk selbst über seine innere Ordnung entscheiden zu lassen. Der 1648 geschlossene Westfälische Friede förderte die Tendenz zur Bildung von Staaten, indem er die nationale Souveränität in Bezug auf die inneren Angelegenheiten der Völker stärkte.“[31]

Die Wandlung der Kriege der Könige in Kriege der Nationen, deren Vollendung in den Napoleonischen Kriegen vollzogen wurde, ging einher mit waffentechnischen Entwicklungen. So wurden etwa die Ausbildungszeiten für Feuerwaffen wie die billigen Musketen drastisch verkürzt. Dadurch wurde die Rekrutierung von Soldaten billiger als die Bezahlung von Söldnern. Zudem fiel es „den Fürsten (...) zunehmend schwerer, das Geld zur Besoldung ihrer (...) internationalen Söldnerheere aufzutreiben“.[32] So gewann die Masse an Soldaten an Bedeutung.[33] „Zahlenmäßige Überlegenheit fiel jetzt stärker ins Gewicht mit der Folge, dass Staaten, die über ein großes stehendes Heer verfügten, territorial expandieren und dadurch ihre Macht vergrößern konnten.“[34] Derartige Massenheere konnten nur noch Staaten aufstellen, weil nur sie „auf der Basis eines seit dem 15. Jahrhundert kontinuierlich gesteigerten Steueraufkommens die erforderlichen Finanzmittel über längere Zeiträume bereitzustellen [vermochten].“[35] Bei Bürgerarmeen bestanden im Gegensatz zu Söldnerheeren keine Loyalitätszweifel. „Als dann [bei der Französischen Revolution, B.S.] die Mobilmachung die gesamte Bevölkerung des Staates einbezog, wurde die Verbindung offenkundig. Denn die freien Bürger schwenkten nicht nur Fahnen, sie kämpften in den vordersten Linien, und Männer wie Frauen akzeptierten zusätzliche Arbeitsbelastungen an der sogenannten Heimatfront.“[36] Das Bürgerheer zur Sicherung der Staatsexistenz leitete den Abschied von Söldnerheeren ein, die Französische Revolution machte ihnen für zwei Jahrhunderte ein Ende.[37]

So war zwar die private Kriegsführung zunächst gezähmt, die Soldaten „mussten sich nicht mehr damit ernähren, dass sie das bewegliche Eigentum eines Landes mit Zwangsanwendung wieder in Umlauf brachten“.[38] Aber auch diese Entwicklung hatte Konsequenzen: Die Geopolitik und Kriegsführung lag nunmehr komplett in den Händen staatlicher Eliten und diese betrachteten den Krieg als üblichen und rationalen Bestandteil der Politik, der Landgewinn, Machzuwachs und neue Märkte zu geringen Kosten versprach.[39] Das führte dazu, dass sich einzelne Söldnerkompanien bis ins 19. Jahrhundert hinein halten konnten. Zudem kämpften in nationalen Armeen viele Ausländer. So waren mehr als die Hälfte der 200.000 Mann des preußischen Heeres gegen 1780 keine Preußen. Zunehmend drängten kleine Fürstentümer, die selbst wenig politische Macht ausüben konnten, in den lukrativen Militärmarkt und vermieteten ihre eigenen Truppen.[40]

Dass die Söldner in der Folgezeit nicht verschwanden, sondern ihre Aktivitäten verlagerten, war von den Staaten gewollt. „Ein Vehikel, das es privaten Unternehmern erlaubt, sich in einem gleichsam rechtsfreien Raum militärische Rollen anzueignen, war das System der konzessionierten Unternehmen.“[41] So gewährten etwa England und Holland ihren Ostindien-Kompanien Monopole für den Handel, die mit weiteren, quasi-staatlichen Monopolen einhergingen. Sie hatten die Macht zur Rechtsprechung, Kriegsführung und zur Schließung von Frieden. Die englische Ostindien-Kompanie etwa unterhielt gegen Ende des 18. Jahrhunderts eine Söldner-Armee von 100.000 Mann. „Es war eine Epoche, in der Krieg, Entdeckung und Handel nahezu austauschbare Ausdrücke waren.“[42] Militärische Macht wurde als Druckmittel gegenüber wirtschaftlichen Konkurrenten eingesetzt.[43] Allerdings trug die Übertragung hoheitlicher Handelsprivilegien dazu bei, dass sich die Handelsgesellschaften „sich oft auf Aktivitäten einließen, die den Interessen ihres eigenen Landes zuwiderliefen“.[44] Zudem war ihre militärische Überlegenheit gegenüber de Einwohnern der Kolonien so erdrückend, dass es bald „immer weniger regionale Machthaber gab, die einer ständigen militärischen Abschreckung bedurften“[45] – die hohen Unterhaltskosten für die Privatarmeen, mehr als die Hälfte der Handelserträge, lohnten sich nicht mehr.

Spätestens zu Beginn des 20. Jahrhunderts „waren die konzessionierten Kompanien weitgehend verschwunden; die auf Nationalstaaten und dem Konzept der Souveränität beruhende Ordnung hatte sich über den Erdball verbreitet. Damit einher ging eine zunehmend entschiedenere Distanzierung vom Privatsoldatentum.“[46] Söldner mussten sich als Glücksritter verdingen; Möglichkeiten hierzu boten die Französische Fremdenlegion oder wirtschaftliche Interessengruppen, die in den ehemaligen Kolonien weiterhin Macht ausüben wollten.[47] Auch in den Kriegen im ehemaligen Jugoslawien kamen Söldner zum Einsatz.

Bei der Betrachtung von Söldneraktivitäten im Laufe der Geschichte gibt es einige charakteristische Erscheinungen, die hier kurz zusammengefasst werden sollen.

- Die Nachfrage nach Söldnern scheint mit der Art der Kriegsführung zu korrespondieren: „In Zeiten, in denen es mehr auf Qualität als auf Quantität ankam, spielten Söldner in der Regel eine aktivere und bedeutendere Rolle; das lag in erster Linie daran, dass erfahrene Berufskämpfer schlecht ausgebildeten Wehrpflichtigen überlegen waren.“[48]
- Wenn Söldner ihre Aufgabe erledigt haben und eine Region militärisch demobilisiert wird, scheinen in anderen Gegenden mit schwach ausgeprägter Staatlichkeit neue Kriege auszubrechen: Das Söldner-Angebot schafft (sich selbst) neue Nachfrage.[49]
- Private militärische Dienstleister scheinen vor allem in Gebieten mit schwach ausgeprägter Staatlichkeit zu florieren.
- In jüngster Zeit scheint die Verknüpfung zwischen PMF und anderen Geschäftszweigen immer enger geworden zu sein.

1.2 Militärunternehmer: Krieg als Geschäftsfeld

Wie im vorigen Kapitel zu erkennen war, ist Krieg im Lauf der Geschichte stets ein lohnendes Geschäft gewesen. Das gilt heute ebenso, vor allem, wenn in Kriegen die Gegenwart zu Lasten der Zukunft ausgebeutet wird, Kriegführende also den Wiederaufbau nicht bezahlen müssen.[50] Doch es gibt trotzdem auch genug andere profitable Geschäftsfelder. Warum sucht man sich ausgerechnet den Krieg aus? Zunächst einmal lässt sich sagen, dass die staatliche Kriegsführung mit dem Kalten Krieg in einer Sackgasse angelangt war. „Wenn die beiden Supermächte also Krieg gegeneinander geführt hätten, hätte das nur mit dem Weltuntergang enden können.“[51] Dieses Kriegführen als Gedankenspiel in der Form der latenten Drohung ließ die physische Gewalt auf Nebenschauplätze abgleiten.

Dort hatten und haben auch nach Ende des Kalten Krieges private Kriegsdienstleister ihren Platz. In dem Film „Lord of War” mit Nicolas Cage wird dieser Umstand in der Eingangssequenz illustriert: Die Hauptfigur Yuri Orlov [Cage, B.S.] sagt: „Weltweit sind über 550 Millionen Schusswaffen im Umlauf. Das heißt auf diesem Planeten hat jeder zwölfte Mensch eine Waffe. Damit stellt sich nur eine Frage: Wie bewaffnet man die anderen elf?“[52]

Wo sich die Großen wegen der irreparablen Folgen ihrer Waffen nicht bekriegen können, kommen Konflikte bei den Kleinen umso heftiger und umso häufiger zu Tragen. Davon profitieren Kriegsunternehmer: „Nur einen gesicherten Befund gibt es, und zwar einen negativen: die Rüstungsindustrie: Ihr Gewinn lebt von der Gewalt.“[53] Hier lässt sich ergänzen, dass dies ebenso für Kriegsdienstleister gilt; sie haben kein Interesse daran, möglichst schnell das Kampfgebiet zu verlassen – frühestens, wenn ihr Vertrag ausläuft.

Indem Kriegsunternehmen ihre Produktpalette auf bestimmte Konflikttypen abstimmen, profitieren sie umso mehr von ihnen. Czempiel veranschaulicht dies am Beispiel der Rüstungsindustrie: „Die Waffenlieferungen der Industriestaaten in Ost und West an die Entwicklungsländer sind nicht nur eine Folgewirkung der Produktionszwänge in den Herstellerländern; sie enthalten auch genuine Gewinninteressen der am Waffenhandel Beteiligten. In dem Maße, in dem Waffen von vornherein und ausschließlich für die Lieferung an Entwicklungsländer produziert werden, liegt ein Gewinninteresse vor, das mit dem Krieg verbunden ist.“[54] Diese Aussage gilt in mindestens ebenso hohem Maß für Kriegsdienstleister, weil sie eben nicht nur auf die Bereitstellung von Kriegsgerät beschränkt sind, sondern weitere Aspekte bewaffneter Konflikte zur Erzeilung von Profit ausnutzen können.

1.3 Die Figur des Söldners

Wo immer von privatisierter Kriegsführung die Rede ist, taucht bald der Begriff des Söldners auf. Der Söldner ist im privatisierten Kampfgeschehen die zentrale Figur. Er hat mit einem fast schon chronisch schlechten Ruf zu kämpfen – und das seit Jahrhunderten. Die Worte eines berühmten Chronisten belegen dies: „Die Söldner und Hilfstruppen sind unnütz und gefährlich, und wer seine Macht auf angeworbene Truppen stützt, der wird nie fest und sicher dastehen; denn diese sind uneinig, ehrgeizig, unbändig, treulos, frech gegen ihre Freunde, feig gegen die Feinde, ohne Gottesfurcht und ohne Glauben gegen die Menschen.“[55]

Der so spricht ist kein Geringerer als Niccolò Machiavelli. Er begründet in „Der Fürst“ ausgiebig, warum Söldner nichts taugen: Im Frieden wird man von ihnen beraubt, weil sie nur des geringen Soldes wegen kämpfen und dafür nicht sterben wollen. Sie wollen nur im Frieden Soldaten sein, während sie im Krieg desertieren.[56] Ein weiteres Problem sind die Söldnerführer. Sie „sind entweder hervorragende Männe oder nicht. Sind sie es, so ist kein Verlass auf sie, weil sie stets nach eigener Größe trachten, indem sie entweder dich, ihren Kriegsherrn, oder andre gegen deinen Willen unterdrücken. Ist aber der Feldhauptmann untüchtig, so bereitet er seinem Kriegsherrn meist den Untergang.“[57] Die Erfahrung zeigt laut Machiavelli, „dass nur Fürsten und Republiken mit eignen Truppen große Erfolge erringen, die Söldnerheere aber nur Schaden anrichten.“[58] Hinzu komme die Unberechenbarkeit von Söldnerheeren. Das Söldnerwesen bringe langsame, späte und geringfügige Forschritte mit sich, aber plötzliche und erstaunliche Verluste.[59]

Man darf annehmen, dass Machiavelli seine Gründe hatte, so über Söldner zu denken. Zu seiner Zeit wie heute gilt jedoch: Wer über jemanden schimpft, sollte zumindest wissen, wer derjenige ist. Daher stellt sich die Frage: Was macht einen Söldner heute aus? Und wie organisieren sich Söldner? Es gibt trotz vieler Versuche keine endgültige Söldner-Definition: „Noch ist es nicht gelungen, eine allseits akzeptierte Definition des Söldners zu formulieren.“[60] Singer nennt immerhin einige Charakteristika, mit deren Hilfe man sich dem Begriff nähern kann.[61]

- Staatsangehörigkeit: Söldner sind in der Regel keine Bürger oder Bewohner des Lande, für das sie kämpfen
- Unabhängigkeit: Söldner haben keine dauerhafte Zugehörigkeit zu nationalen Truppen, sondern sind Angestellte auf Zeit
- Motivation: Söldner kämpfen nicht für politische oder religiöse Ziele, sondern sind auf individuelle Vorteile aus bzw. verfolgen kurzfristige wirtschaftliche Ziele
- Rekrutierung: anonyme Rekrutierung, um strafrechtlicher Verfolgung zu entgehen
- Organisation: Söldnertruppen sind temporäre, ad hoc zusammengestellte Gruppen von Einzelkämpfern
- Leistungsumfang: Die Dienstleistung des Söldners beschränkt sich auf Kampfeinsätze für den jeweiligen Auftraggeber

„Bis heute wirken Söldner an kriegerischen Operationen mit, obwohl sich ihre Erfolge in engen Grenzen gehalten haben“[62] Egal ob es sich bei einem Konflikt um einen Bürgerkrieg, einen low intensity war, einen schwelenden Konflikt, einen neuen Krieg oder einen kleinen Krieg handelt – oftmals nur verschiedene Bezeichnungen für ähnliche oder identische Phänomene[63] – private Soldaten sind bis heute in jeglichen Konflikten zu finden. Dabei spielt es keine Rolle, wie sie sich präsentieren. Ob distinguiert auftretende Sicherheitsunternehmen oder Trupps lärmender Abenteurer – „ihnen allen ist gemeinsam, dass sie sich nicht aus Landeskindern zusammensetzen, die in einer Mischung von politischer Verpflichtung und patriotischer Bindung für ihre Sache kämpfen, sondern dass hier vorwiegend finanzielle Interessen, gepaart mit Abenteuerlust (...) mobilisierend wirken.“[64]

Dass ihre Wirkung begrenzt ist liegt vor allem daran, dass sie auf eigene Rechnung operieren. So sind die Einzelkämpfer in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend marginalisiert worden. Stattdessen haben sich internationale Söldnerfirmen herausgebildet. Hier soll nicht im Detail auf diese Firmen eingegangen werden – das ist Thema von Teil II der vorliegenden Arbeit. Es sollen zum Abschluss lediglich die wichtigsten Charakteristika der PMF in Anlehnung an die obige Charakterisierung des Einzelsöldners kurz herausgestellt werden:[65]

- Organisationsform: Unternehmens- oder Konzernbildung
- Motivation: Gewinnstreben (nicht individuell, sondern auf Firmenebene)
- Offener Markt: Gesetzeskonformität, Rechenschaftspflicht
- Leistungsspektrum: breit, heterogene Kundenstruktur
- Rekrutierung: öffentlich
- Einbettung: Verflechtungen mit Holdinggesellschaften und Finanzmärkten

2. Privater Krieg und staatliches Gewaltmonopol

Der Staat als Monopolist des Krieges ist, wie in den vorangegangenen Kapiteln zu sehen war, keinesfalls selbstverständlich. Kriegsführung durch Private gab es schon immer. Seit dem Entstehen von Staatlichkeit, die oft mit stehenden Armeen einhergeht, war sie mal stärker, mal schwächer ausgeprägt. Ob die staatliche Monopolisierung der Gewalt für die Ewigkeit sein wird oder nur Episode ist, die uns aus einer historischen Momentaufnahme als Selbstverständlichkeit vorkommt, scheint vor allem davon abzuhängen, wie Krieg geführt wird. Wenn heutzutage militärischer Erfolg keine Frage der Anzahl von Soldaten ist, hat wohl auch die private Kriegsführung eine Zukunft – und könnte in der heutigen weltpolitischen Situation ein echtes Comeback feiern. „Aus übergeordneter geschichtlicher Warte betrachtet, erscheint ein Monopol des Staates auf (...) Gewaltanwendung als geschichtliche Anomalie. Von daher haben wir keinen Grund anzunehmen, dass in Zukunft organisierte Gewalt ausschließlich Sache des staatlichen Sektors sein wird.“[66] Auf die Frage, warum dies so ist, soll im Folgenden eingegangen werden.

2.1 Staatliches Gewaltmonopol

Ein Monopol erfordert einen Monopolisten. Im Fall des Krieges war dies im 20. Jahrhundert zumindest bis zum Ende des Kalten Krieges der Staat. So geht etwa das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, mitten im 20. Jahrhundert entstanden, „von der Monopolisierung der Gewalt beim Staate aus, was deren Anwendung nach außen, im Verhältnis zu anderen Staaten, und nach innen, im Verhältnis zu und zwischen den Bürgern anlangt.“[67] Die Gewaltanwendung nach außen ist dabei Verteidigung beschränkt und völkerrechtlich eingegrenzt – es darf nicht mit der Anwendung von Gewalt gedroht werden. Hier zeigt sich ein wesentliches Merkmal moderner westlicher Staaten. Sie sind „nicht einheitlich, sondern dual. Innenpolitik und Geopolitik stellen zwei voneinander getrennte Bereiche dar.“[68] Das Primat des Rechts bei Gewaltanwendung bringt zwei Probleme mit sich. Zum einen ist es schwierig, den legitimen Verteidigungskrieg vom rechtswidrigen Angriffskrieg abzugrenzen. Zum anderen hat es sich gezeigt, „dass mit dem Versuch, den Krieg zu ächten und das ius ad bellum zu beschränken, das ius in bello immer häufiger und immer intensiver missachtet wird.“[69]

Der Staat als alleiniger Akteur physischer Gewalt – dieses Konstrukt hat eine politische Dimension. Darauf weist schon Clausewitz, der große Theoretiker des Staatenkrieges, hin: „Der Krieg ist also ein Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfüllung unsere Willens zu zwingen.“[70] Für ihn ist klar, dass es sich bei den Gegnern nicht mehr um bloße Begriffe, sondern um „individuelle Staaten und Regierungen“[71] handelt. Wenn das staatliche Gewaltmonopol auch kein natürlicher Zustand ist, so hilft es doch, Gewalt zu limitieren und legitimieren, indem es ihre Anwendung rationalen Kriterien unterwirft. „So wird also der politische Zweck (...) das Maß sein, sowohl für das Ziel, welches durch den kriegerischen Akt erreicht werden muss, als für die Anstrengungen, die erforderlich sind.“[72]

Zu einer Limitierung des Krieges trug auch bei, dass die Staaten sich mit der Zeit ein Regelwerk gaben, das eine „zivilisierte“ Kriegsführung ermöglichte – ein „Recht von Staaten für Staaten“.[73] Ein Beispiel dafür ist die Trennung zwischen Kombattanten und Nonkombattanten, ein anderes, dass Kriegbeute nicht dem Soldaten, sondern dem Staat gehörte. „Das hatte die nicht unbeachtliche Folge, dass die vordem mit Kriegszügen und Eroberungen notorisch verbundenen Plünderungen und Vergewaltigungen deutlich zurückgingen.“[74] Insofern kann man das staatliche Gewaltmonopol als Errungenschaft bezeichnen: Der Staat garantiert Frieden im Innern und bietet Schutz nach Außen, unabhängig vom Geldpotential oder der Kriegslüsternheit einzelner Privatpersonen.[75]

[...]


[1] Vgl. Blackwater Training Courses 2007: Basic Law Enforcement / Military Sniper Course; unter: http://www.blackwaterusa.com/images/pdf/Basic%20Sniper%20description.pdf, (Stand: 19. September 2007)

[2] Singer, Peter W.: Die Kriegs AGs. Frankfurt am Main 2006: 28

[3] Singer 2006: 28

[4] Vgl. Singer 2006: 45

[5] Singer 2006: 46

[6] Singer 2006: 47

[7] Vgl. Singer 2006: 47; vgl. McNeill, William H: Krieg und Macht. München 1984: 29

[8] Singer 2006: 48

[9] Vgl. Howard, Michael: Der Krieg in der europäischen Geschichte. München 1981: 12

[10] Singer 2006: 49

[11] Singer 2006: 45

[12] McNeill 1984: 69

[13] Singer 2006: 50

[14] Münkler, Herfried: Die neuen Kriege. Reinbek 2005: 93

[15] Singer 2006: 51

[16] Singer 2006: 52

[17] Vgl. Singer 2006: 52

[18] Münkler 2005: 64; vgl. McNeill 1984: 77

[19] Singer 2006: 52f.

[20] Singer 2006: 56

[21] Er war keine neue Erfindung der Schweizer, sondern eine Wiederentdeckung der mazedonischen Phalanx, der ältesten überlieferten Infanterieformation. Vgl. Howard 1981: 26

[22] Singer 2006: 56

[23] Singer 2006: 57

[24] Singer 2006: 59

[25] McNeill 1984: 114

[26] Singer 2006: 59

[27] Vgl. McNeill 1984: 115

[28] Singer 2006: 60; vgl. Howard 1981: 54

[29] Münkler 2005: 88

[30] Vgl. Münkler 2005: 81

[31] Singer 2006: 61

[32] Howard 1981: 56

[33] Vgl. Singer 2006: 61

[34] Singer 2006: 61f.

[35] Münkler 2005: 97

[36] Mann, Michael: Krieg und Gesellschaftstheorie: Klassen, Nationen und Staaten auf dem Prüfstand. In: Knöbl, Wolfgang / Schmidt, Gunnar (Hrsg.): Die Gegenwart des Kriegs. Staatliche Gewalt in der Moderne. Frankfurt am Main 2000: 31

[37] Vgl. Singer 2006: 64

[38] McNeill 1984: 128

[39] Vgl. Mann 2000: 35

[40] Vgl. Singer 2006: 66f.

[41] Singer 2006: 68

[42] Howard 1981: 60

[43] Vgl. Singer 2006: 69f.

[44] Singer 2006: 71

[45] Singer 2006: 71

[46] Singer 2006: 73; vgl. Howard 1981: 75

[47] Vgl. Singer 2006: 74

[48] Singer 2006: 74

[49] Vgl. Singer 2006: 74f.

[50] Vgl. Münkler 2005: 162

[51] Mann 2000: 42

[52] http://lordofwar-derfilm.de/lordofwar/, Stand: 25.9.07, 19:00 Uhr

[53] Czempiel, Ernst-Otto: Friedensstrategien. Eine systematische Darstellung außenpolitischer Theorien von Machiavelli bis Madariaga. Opladen 1998: 227

[54] Czempiel 1998: 229

[55] Machiavelli, Niccolò: Der Fürst. Frankfurt am Main 2000: 64f.

[56] Vgl. Machiavelli 2000: 65

[57] Machiavelli 2000: 65

[58] Machiavelli 2000: 66

[59] Machiavelli 2000: 68

[60] Singer 2006: 77

[61] Singer 2006: 81

[62] Singer 2006: 82

[63] Vgl. Daase, Christopher: Kleine Kriege – große Wirkung. Wie unkonventionelle Kriegsführung die internationale Politik verändert. Baden-Baden 1999: 216; vgl. Münkler 2005: 12; vgl. Kaldor 2000: 7ff.

[64] Münkler 2005: 42

[65] Vgl. Singer 2006: 87

[66] Singer 2006: 76

[67] Merten, Dieter: Rechtsstaat und Gewaltmonopol. Tübingen 1975: 38

[68] Mann 2000: 32

[69] Merten 1975: 40

[70] Clausewitz, Carl von: Vom Kriege. Stuttgart 1980: 17

[71] Clauswitz 1980: 26

[72] Clausewitz 1980: 26

[73] Daase 1999: 237

[74] Münkler, Herfried: Über den Krieg. Stationen der Kriegsgeschichte im Spiegel ihrer theoretischen Reflexion. Weilerswist 2002: 226

[75] Münkler 2005: 224

Ende der Leseprobe aus 77 Seiten

Details

Titel
Neue Märkte, neue Kriege
Untertitel
Warum die moderne Privatisierung militärischer Aufgaben mehr ist als die Rückkehr zur historischen Normalität des Söldnertums
Hochschule
Technische Universität Dortmund  (Politikwissenschaften)
Veranstaltung
Internationale Konflikte
Note
1,0
Autoren
Jahr
2007
Seiten
77
Katalognummer
V84905
ISBN (eBook)
9783638014359
ISBN (Buch)
9783638917520
Dateigröße
708 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neue, Märkte, Kriege, Internationale, Konflikte
Arbeit zitieren
B. Reichel (Autor)B. Schulz (Autor)M. Wicking (Autor), 2007, Neue Märkte, neue Kriege, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84905

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