Dass Menschen ständig versuchen, neue Erfahrungen machen zu wollen, ist legitim. In jedem Menschen steckt das Gefühl von „Fernweh“. Man sehnt sich danach, andere Kulturen kennen zu lernen, Lebensweisen und Sitten anderer Bevölkerungen aufnehmen zu können. Doch zieht es viele der Menschen nicht einzig und allein aus Gründen des Fernwehs in eine fremde Umgebung. Es hat schon von Beginn der Menschheitsgeschichte an Wanderungsbewegungen von Menschen gegeben. Auch nach Deutschland kamen die Menschen schon seit je her. Nicht nur die Römer, die Hugenotten, die „Ruhrpolen“ oder die Gastarbeiter aus den Jahren nach 1950 waren entschlossen, in Deutschland ein neues Leben zu beginnen. Noch heute kommen Jahr für Jahr einige 100.000 Migranten aus Eu- Staaten, aber auch aus Drittstaaten, dazu Asylsuchende, Saisonarbeitnehmer, ausländische Studenten und sog. Spätaussiedler, um in Deutschland ein anderes besseres Leben zu führen als bisher. Es kann gefolgert werden: „Zuwanderung ist Alltagsrealität in Deutschland.“
Inhaltsverzeichnis
1. Geschichtlicher Hintergrund
1.1. Die Auswanderung der Deutschen nach Russland - ihr Leben in den russischen Städten
1.2 Deutsche Landsiedlung in Russland; Katharina die Große und ihre Nachfolger
1.3 Entwicklung der besiedelten Gebiete
1.4 Deutsche Frage in Russland
1.5 Zwischenkriegszeit: Oktoberrevolution und die Folgen
1.5.1 Autonomiebewegung im Revolutionsjahr 1917
1.5.2 Autonome Wolgarepublik
1.5.3 Der Beginn des Stalinismus
1.6 Russlanddeutschen, der 2. Weltkriege und seine Auswirkungen
1.6.1 Hitler-Stalin-Pakt
1.6.2 Deutscher Angriff auf die Sowjetunion
1.6.3 Deportationen der Russlanddeutschen
1.6.4 Russlanddeutsche unter der Herrschaft der Sowjets
1.6.5 Die „Volksdeutschen“ unter deutscher Herrschaft
1.6.6 Ende des 2. Weltkrieges
2 Russlanddeutsche in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg
2.1 Die Einwanderungen nach Deutschland in den 50er Jahren
2.2 Einwanderungen nach Deutschland ab den 80er Jahren
2.3 Zuwanderungsbedingungen in den 90er Jahren
3 Ursachen und Formen der Zuwanderung Russlanddeutscher nach Deutschland in der Gegenwart; ihre Problematik
4 Gesetzliche Hintergründe der Aussiedlermigration: Grundgesetz; Bundesvertriebenen gesetz, Kriegsfolgenbereinigungsgesetz
5 Integrationsgesetzgebung und Integrationsmaßnahmen, rechtliche Hintergründe der Aufnahme
6. Integration: Begriffsklärung
6.1 Integrationsmodelle
6.1.1 Stufenmodelle
6.1.2 Phasenmodelle
6.1.2.1 Shmuel N. Eisenstadt
6.1.2.2 Milton M. Gordon
6.1.2.3 Tafts Integrationsmodell
7 Hartmut Esser: Ein Handlungstheoretischer Ansatz
8 Das Ungleichgewicht kultureller Identitäten als Problem der Integration bei Russlanddeutschen
9 Elemente und Ausbreitungen von Integrationsprozessen
9.1 Soziale Integration
9.2 Arbeitsmarktintegration
9.3 Kulturelle Integration und Akkulturation
9.4 Politische Integration
10. Grundlagen methodischer Sozial Arbeit
10.1 Der Begriff „Methode“
10.2 „Methoden“ in der Sozialen Arbeit
11 Beratung und Therapie in der Sozialen Arbeit im Umgang mit Russlanddeutschen
11.1 Der Begriff „Beratung“
11.2 Eine Metatheorie
11.3. Systemtheorie in der Praxis
11.3.1 Die strukturelle Familientherapie
11.3.2 Die lösungsorientierte Kurzzeittherapie
11.3.3 Die „Narrative“ Therapie
11.3.4 Das „reflektierende“ Team
11.3.5 Die Therapie als gefühlsbetonte Begegnung
12 Der Zusammenhang zwischen interkultureller Sozialer Arbeit und Integration
12.1 Die Begriffe Kultur und interkulturelle Soziale Arbeit
12.2 Ressourcenorientierte Migrationssozialarbeit
13 Interkulturelle „Schulsozialarbeit“: Ein Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit im Umgang mit russlanddeutschen Kindern und Jugendlichen
13.1 Der Begriff: Interkulturelle Schulsozial arbeit
13.1.1 Differenzierung der Migrantengruppen
13.2 Arbeitsbereiche der interkulturellen Schulsozialarbeit
13.2.1 Schule ersetzende interkulturelle Schulsozialarbeit
13.2.2 Interkulturelle Schulsozialarbeit an allgemein bildenden Schulen
13.2.3 Berufsorientierte interkulturelle Schulsozialarbeit
14 Die Integration von Russlanddeutschen Aussiedlern am Beispiel der „Offenen Kinder- und Jugendarbeit“
14.1 Der Begriff „Offene Kinder- und Jugendarbeit“
14.2 Hintergrundwissen als Vorraussetzung in der praktischen Arbeit mit russlanddeutschen Kindern und Jugendlichen in der „OKJA“
14.2.1 Russische und deutsche Identität
14.2.2 Heimat und Fremde
14.2.3 „Multiethnische Gesellschaft und Multikulturalität“
14.2.4 Ausländerfeindlichkeit
14.2.5 Deviantes Verhalten
14.2.6 Integrationsphasentypologie
14.3 Die Bedeutung der „Offenen Kinder- und Jugendarbeit“ mit russlanddeutschen Kinder und Jugendlichen
15 Klientenzentrierte Gesprächsführung, als Methode der Sozialen Arbeit
15.1 Definition Klientenzentrierte Gesprächsführung
15.2 Wieso spielt der klientenzentrierte Ansatz eine Rolle in der Arbeit mit Russlanddeutschen und deren Integration
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen und Integrationsprozesse von Russlanddeutschen in der deutschen Aufnahmegesellschaft und beleuchtet, wie die Soziale Arbeit durch spezifische Methoden und interkulturelle Ansätze bei der Bewältigung dieser Probleme behilflich sein kann.
- Historische Hintergründe und Ursachen der Zuwanderung von Russlanddeutschen
- Rechtlicher Rahmen und Integrationsgesetzgebung in Deutschland
- Theoretische Modelle von Integration und Assimilation
- Methoden der Sozialen Arbeit, Beratung und Therapie im interkulturellen Kontext
- Praxisfelder: Interkulturelle Schulsozialarbeit sowie Offene Kinder- und Jugendarbeit
Auszug aus dem Buch
1.1 Die Auswanderung der Deutschen nach Russland – ihr Leben in den russischen Städten
Seit Beginn des 17.Jahrhunderts lebten in den Fremdenvorstädten Moskaus nicht nur verschleppte Livländer (aus dem Baltikum), sondern auch deutsche Offiziere, Techniker, Ärzte, Apotheker, Handwerker und Kaufleute, daneben Holländer, Engländer und Schotten. Eine lutherische Kirche war ebenfalls bereits vorhanden. Die, die sich nicht dazu bereit erklärten, zum orthodoxen Glauben überzutreten, wurden im Jahre 1652 vom Zaren Aleksej auf Druck der Geistlichkeit in die „Deutsche Vorstadt“ an der Jausa umgesiedelt. Zugleich stellte der Zar die Siedlung – und damit die deutschen Ausländer – sichtbar unter seinen Schutz, der Beginn einer dauerhaften Allianz zwischen dem Zaren und den Russlanddeutschen.
Die Zaren, Zar Peter der Große ist dafür das bekannte und herausragende Beispiel, benötigten die Ausländer, um ihr rückständiges, kaum der Knute des Tatarenkhans entkommene Land am östlichen Ende Europas aufzubauen und zu einer europäischen Macht zu entwickeln. Gegen den Willen konservativer klerikaler Kreise setzten sie daher ihr Werben um ausländische Fachkräfte fort, boten ihnen Aufstiegschancen in Armee, Marine, Verwaltung, Verdienstmöglichkeiten als Ärzte, Apotheker, Baumeister und Bergbauingenieure. Die Nachfolger von Peter I., besonders Katharina die Große und Alexander I. verfolgten ähnliche Expansions- und Modernisierungsstrategien und setzten sich für ausländische, vor allem aus Deutschland stammende Techniker, Künstler und Kunsthandwerker ein. Diese leisteten dem russischen Staat gute Dienste, auch wenn der Zar diese im fortschreitenden 19. Jahrhundert nicht mehr so dringend benötigte wie zuvor. Des Weiteren fand man am Ende des 18. Jahrhunderts viele Deutsche meist als Forscher und Lehrer in den wissenschaftlichen Akademien, den Universitäten, Gymnasien und Fachschulen. Die Zuwanderung dieser Deutschen war zu diesem Zeitpunkt auf zwei Städte konzentriert. Denn wenngleich Moskau beliebtes Ziel der deutschen Zuwanderung blieb, siedelten sich auch viele in der neuen Hauptstadt St. Petersburg an.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Geschichtlicher Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert die Ursachen der deutschen Auswanderung nach Russland, die Bewahrung kultureller Identität sowie die historischen Krisen und Auswirkungen des Stalinismus auf die Russlanddeutschen.
2. Russlanddeutsche in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg: Hier wird der Verlauf der Einwanderungsbewegungen nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die 90er Jahre unter Berücksichtigung unterschiedlicher politischer Rahmenbedingungen beschrieben.
3. Ursachen und Formen der Zuwanderung Russlanddeutscher nach Deutschland in der Gegenwart; ihre Problematik: Das Kapitel analysiert die komplexen Beweggründe für die Zuwanderung sowie die mit dem Neuanfang verbundenen sozialen und persönlichen Identitätsprobleme.
4. Gesetzliche Hintergründe der Aussiedlermigration: Grundgesetz; Bundesvertriebenen gesetz, Kriegsfolgenbereinigungsgesetz: Hier werden die rechtlichen Grundlagen des Status als Spätaussiedler und die damit verbundenen Leistungsansprüche dargelegt.
5. Integrationsgesetzgebung und Integrationsmaßnahmen, rechtliche Hintergründe der Aufnahme: Dieses Kapitel betrachtet die verschiedenen Unterstützungsmaßnahmen, die den Russlanddeutschen zur Erleichterung der Integration angeboten werden.
6. Integration: Begriffsklärung: Eine begriffliche und theoretische Einordnung des Integrationsbegriffs in der soziologischen und pädagogischen Diskussion.
7. Hartmut Esser: Ein Handlungstheoretischer Ansatz: Darstellung der handlungstheoretischen Sichtweise auf Assimilation und Integration nach Hartmut Esser.
8. Das Ungleichgewicht kultureller Identitäten als Problem der Integration bei Russlanddeutschen: Analyse der Identitätsentwicklung und der Herausforderungen, die aus der Konfrontation mit der Aufnahmegesellschaft entstehen.
9. Elemente und Ausbreitungen von Integrationsprozessen: Dieses Kapitel erschließt die Ebenen der sozialen, beruflichen, kulturellen und politischen Integration.
10. Grundlagen methodischer Sozial Arbeit: Einführung in das methodische Handeln in der Sozialen Arbeit und Definition des Methodenbegriffs.
11. Beratung und Therapie in der Sozialen Arbeit im Umgang mit Russlanddeutschen: Fokus auf Beratungsansätze, systemische Familientherapie und Kurzzeittherapie zur Unterstützung bei Integrationsprozessen.
12. Der Zusammenhang zwischen interkultureller Sozialer Arbeit und Integration: Beleuchtung der Notwendigkeit interkultureller Kompetenzen für eine passgenaue Hilfeleistung.
13. Interkulturelle „Schulsozialarbeit“: Ein Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit im Umgang mit russlanddeutschen Kindern und Jugendlichen: Untersuchung der spezifischen Herausforderungen im schulischen Kontext und Lösungsstrategien.
14. Die Integration von Russlanddeutschen Aussiedlern am Beispiel der „Offenen Kinder- und Jugendarbeit“: Analyse des Konzepts der OKJA sowie deren Bedeutung für die Identitätsbildung und soziale Einbindung.
15. Klientenzentrierte Gesprächsführung, als Methode der Sozialen Arbeit: Erläuterung des Ansatzes nach Carl R. Rogers und dessen Nutzbarkeit in der Beratung von Russlanddeutschen.
Schlüsselwörter
Russlanddeutsche, Integration, Aussiedler, Spätaussiedler, Zuwanderung, Soziale Arbeit, Identität, Assimilation, Interkulturelle Sozialarbeit, Schulsozialarbeit, Offene Kinder- und Jugendarbeit, Migration, Beratungsansätze, Identitätsfindung, Kultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation der Russlanddeutschen als Zuwanderergruppe in Deutschland und analysiert, welche Integrationsprobleme dabei auftreten und wie die Soziale Arbeit unterstützend eingreifen kann.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Autorin?
Zentrale Themen sind die historische Genese der Russlanddeutschen, die rechtlichen Grundlagen ihrer Aufnahme, theoretische Integrationsmodelle sowie spezifische methodische Ansätze der Sozialen Arbeit in Beratung und Jugendarbeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist es, die Integrationsprobleme von Russlanddeutschen aufzuzeigen und darzustellen, wie Soziale Arbeit bei deren Bewältigung behilflich sein kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Die Autorin nutzt eine fundierte Literatur- und Theorieanalyse, um verschiedene Integrations- und Phasenmodelle (u.a. von Park/Burgess, Gordon, Esser) auf die spezifische Gruppe der Russlanddeutschen anzuwenden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung, eine theoretische Diskussion von Integrationsmodellen und eine detaillierte Darstellung methodischer Ansätze in der Beratungs- und Bildungsarbeit.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Schlagworte sind neben den Russlanddeutschen selbst: Integration, Assimilation, Interkulturelle Soziale Arbeit, Identität, Migration und rechtlicher Status.
Wie unterscheidet sich die Situation junger Russlanddeutscher von der ihrer Eltern?
Junge Menschen sind oft stärker entwurzelt, haben in Russland eine andere Sozialisation erfahren und stehen in Deutschland unter einem anderen Integrations- und Identitätsdruck, was die Arbeit in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit besonders komplex macht.
Warum spielt die klientenzentrierte Gesprächsführung eine besondere Rolle in dieser Arbeit?
Dieser Ansatz nach Carl Rogers wird als besonders geeignet hervorgehoben, da er dem Klienten hilft, sich als Person zu erkennen und zu öffnen, was bei der oft schwierigen Identitätsarbeit und mangelnden Sprachfertigkeit ein entscheidendes Instrument für Sozialarbeiter ist.
Welche Bedeutung kommt der "Offenen Kinder- und Jugendarbeit" zu?
Sie dient als wichtige Instanz, um durch breit gefächerte Angebote und Methoden der Gruppenarbeit russlanddeutsche und deutsche Jugendliche "spielerisch" aneinander zu gewöhnen und so den Integrationsprozess aktiv zu fördern.
- Quote paper
- Katharina Fischer (Author), 2007, Integration in Deutschland am Beispiel der Zuwanderung von Russlanddeutschen und deren Bedeutung für die Soziale Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84921