Theatralität und Authentizität des Zeichens in Johann Wolfgang Goethes Roman "Die Wahlverwandtschaften"

Analyse der Konzeption von Zeichen, Sprache und Schrift


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
35 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Bedeutung von Interaktion und Schrift im 18. Jahrhundert

3. Die Arbitrarität des Zeichens
3.1 Die Gleichnisrede der Wahlverwandtschaften
3.2 Fehllektüren des Lebens – Eduards Schicksalsdeutung
3.3 Theatralität der Zeichen

4. Authentizität des Schreibens und Lesens
4.1 Ottilies Schreibgeste
4.2 Eduards Geste des Lesens

5. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Kreis der ‚Wahlverwandtschaften‘ gehört das Lesen und Schreiben zu den elementaren Kulturpraxen des geselligen Lebens. Neben der Rezeption von naturwissenschaftlichen Büchern, Romanen, Novellen und Gedichten zählt auch das Schreiben von Vertragstexten, Tagebüchern, Briefen und Reiseberichten zu den Beschäftigungen der kommunikationsfreudigen Kultur.[1] Das Thema der Wahlverwandtschaften selbst entspringt der Lektüre eines chemischen Werkes. Dabei sehen Charlotte, Eduard und der Hauptmann in einem Naturphänomen ein Gleichnis des Menschen. Für sie stellt sich hier die Frage nach der Freiheit des Menschen über seine Natur. Das Ergebnis ist unvorhersehbar, die Probe muss gemacht werden und was herauskommt, entspricht nicht der Erwartung dieser kleinen aufgeklärten Gesellschaft. Ihr Scheitern an den Kräften einer unkontrollierbaren Natur bedeutet zugleich das Versagen ihrer auf Sprache und Schrift basierten Kommunikationssysteme. Sie müssten die Formel der chemischen Reaktion als Schema für menschliche Leidenschaften richtig lesen, um eine gültige Vorhersage ihres Experiments zu treffen. Die Fehllektüre der Gleichnisrede ist nur ein Beispiel dafür, dass sich die ‚Wahlverwandten‘ am Ende als ohnmächtig gegenüber ihrer Zeichenpraxis erweisen. In Goethes Roman ist dem Zeichen nicht zu trauen. Sprache und Schrift führen zu Fehldeutungen und Irritationen.[2] Doch gerade das ‚Misslingen‘ der Zeichensysteme reflektiert die Bedingungen ihres ‚Funktionierens‘ – so die Ausgangsthese meiner Untersuchung. Einhergehend mit dem Verlust der Rationalität, mit deren Hilfe der Mensch aus Sicht der Aufklärung seine Herrschaft über die Natur wahrt, beschreibt die Unzuverlässigkeit des Zeichens die Krise einer zivilisatorischen Errungenschaft. Im 18. Jahrhundert, einer Zeit großer sozialer Umwälzungen und einem damit verbundenen medialen Wandel, entsteht aus einer oralen Kultur eine weitestgehend auf literale Kommunikation gestützte Gesellschaft. Diese Entwicklung verdankt sich laut Albrecht Koschorke[3] einer Revolutionierung des medizinischen Körperkonzeptes und eines damit einhergehenden Wandels der sozialen Beziehungen. In den bürgerlichen Schichten lässt sich eine Tendenz zu Individuation und physischer Distanzierung feststellen. Zur Bewältigung körperlicher Abwesenheit wird das Medium Schrift eingesetzt. Daher schwindet die Bedeutung der körpernahen Interaktionen zugunsten einer körperferneren schriftlichen Kommunikation. Allerdings konstituiert das Medium Schrift eine andere Art der Verständigung als die personale Interaktion, erfordert abweichende Voraussetzungen und zieht neue Konsequenzen nach sich. Mit Rekurs auf Albrecht Koschorkes umfassendes Werk zu diesem Thema werde ich die Eigenschaften sprachlicher und schriftlicher Kommunikation sowie ihre Bewertung durch Zeitgenossen, positive und negative Aspekte, im zweiten Kapitel ausführlich darstellen. Auf dieser theoretischen Grundlage möchte ich im dritten Kapitel darauf eingehen, wie die Arbitrarität des Zeichens in den Wahlverwandtschaften reflektiert wird. Zunächst ist es Charlotte, die durch die tropische Verwendung dieses zentralen Begriffes auf eine falsche Fährte gebracht wird, dann verursacht die Zeichensprache der chemischen Formel eine mit dem Ergebnis des Selbstversuchs inkongruente Auslegung der Gleichnisrede. Vor allem Eduards Umgang mit Zeichen, zu denen er auch Gegenstände und Begebenheiten macht, gibt Aufschluss über die Struktur von Sprache und Schrift und über die Täuschungen, die daraus entstehen können. Deshalb werde ich seine Deutungen der vermeintlichen Schicksalszeichen, speziell das Glas mit den Buchstaben E und O, genauer in den Blick nehmen. Um die bis dahin erläuterten Eigenschaften des Zeichens zu resümieren, werde ich die Ähnlichkeiten der Sprache und Schrift zum Gleichnis herausstellen und auf den Begriff der Theatralität bringen. Dieser wird anhand der schauspielerisch veranlagten Luciane auch definiert und von seinem Gegenmodell der Authentizität abgesetzt. Ottilie ist diejenige, die nicht nur ein zu Luciane kontrastierendes Körperkonzept vertritt, sondern auch einen im Vergleich zur aufgeklärten Gesellschaft abweichenden Bezug zur Schrift und zum Schreiben hat. Sie repräsentiert einen Entwurf des natürlichen Schreibens, der jenen, welcher im Rahmen der Empfindsamkeit proklamiert wird, in Frage stellt. An dieser Stelle werde ich mich mit dem empfindsamen Schreiben insbesondere von Briefen auseinandersetzen, die zeitgenössische Brieftheorie in Ansätzen vorstellen und gegen Ottilies Natürlichkeit abgrenzen. Zum Abschluss möchte ich mich mit den irritierenden Vorleseakten Eduards beschäftigen und auch unter den Gesichtspunkten der Theatralität und Authentizität betrachten sowie herausfinden, welche Bedeutung Ottilie dabei hat.

Sicherlich bietet die Analyse des Umgangs mit Zeichen, Sprache und Schrift in den Wahlverwandtschaften keine ‚umfassende‘ Interpretation des Romans, die ihm auch nur in Ansätzen gerecht wird, insofern dies überhaupt möglich ist. Ich wende mich hier nur fragmentarisch einigen Textstellen zu, die dieses Sujet betreffen, aber das Hauptthema der Entwicklung zwischenmenschlicher Affinitäten lediglich am Rand berühren. Deshalb darf es auch nicht wundernehmen, wenn ich mich wenigen Passagen des Romans widme. Einige Beispiele des Textes beleuchten zudem mehrere Aspekte meiner Fragestellung, so dass sie in einem Zusammenhang erwähnt und in einem anderen ausführlicher behandelt werden. Ich denke, auf diese Weise einige Erkenntnisse zur Theatralität und Authentizität des Zeichens, der Sprache und der Schrift in den Wahlverwandtschaften im Folgenden vermitteln zu können.

2. Die Bedeutung von Interaktion und Schrift im 18. Jahrhundert

Bereits von Zeitgenossen wird die Verbreitung schriftlicher Kommunikation als Folge der Zivilisation betrachtet.[4] Dieselben Kriterien, die für den Vergleich der Künste grundlegend sind, nämlich die Unterscheidung natürlicher und konventioneller Zeichen[5], bestimmen auch die Debatte über die Schrift. Im Gegensatz zur Körpersprache, die sich natürlicher Zeichen bedient, ist die Schrift ein System konventioneller Zeichen. Natürliche Zeichen werden im 18. Jahrhundert diejenigen genannt, die eine Beziehung der Analogie zwischen Zeichen und Bezeichnetem aufweisen.[6] So gelten Gebärden und Töne als unwillkürlich hervorgerufene Körperzeichen der vorgängigen Leidenschaften. Die konventionellen Zeichen der Schrift hingegen haben keine Ähnlichkeit zu der bezeichneten Sache und können somit willkürlich produziert werden. Der Entwicklung von der Körpersprache zur Schrift liegt der zivilisatorische Prozess der Artikulation zugrunde, bei dem die mündliche Sprache einen Zwischenschritt bildet. Naturwüchsige, körpersprachliche Zeichen werden zunehmend von konventionellen Festlegungen verdrängt. Die Laute der mündlichen Rede haben zwar einerseits keine natürliche Verbindung zu dem bezeichneten Gegenstand, bleiben aber andererseits an die Stimme gebunden, über die Leidenschaften unwillkürlich zum Ausdruck kommen. Liegt der Vorteil der Artikulation in dem kontrollierten und gemäßigten Ausdruck von Affekten, ermöglicht sie auf der anderen Seite Täuschung und Verfälschung:

Von einer bestimmten Zivilisationsstufe an untersteht die lautliche Artikulation nicht mehr den Leidenschaften, die sie artikuliert, ist nicht mehr in ihrer naiven Ehrlichkeit und Durchsichtigkeit expressiv, sondern kann zum Instrument für jede beliebige Art von Abweichung werden. Während die expressiven Naturzeichen nicht anders als mimetisch sein können, läßt die konventionelle Sprache, die dieser Expression gleichsam zu Hilfe kommt, die Vorspiegelung von Nichtseiendem zu.[7]

Neben der negativen Bewertung von Sprache und Schrift als Folgen der Verdrängung natürlicher Verknüpfungen werden der verbalen Ausdrucksfähigkeit positive Aspekte zugeschrieben. Gerade der Verlust von Sinnlichkeit garantiert den Zugewinn an Idealität, indem Bezeichnungsvorgänge effizienter werden. David Hartley beispielsweise zieht in seinem Lesepropädeutikum das stille Erfassen von Worten dem lauten Lesen vor. Bei letzterem würde der Sinn über das Einschalten der analogen Zeichen der Stimme erfasst, während das stille Lesen den Weg abkürze und die Ideen dadurch näher zusammenbringe.[8] Hartley betont somit den zeitsparenden, aber auch intensivierenden Effekt des stillen Lesens, indem unnötige Vermittlungsschritte ausgelassen werden. Da das Verstehen arbiträrer Zeichen eine Fähigkeit des Intellekts und seiner Imaginationsfähigkeit ist, ermöglicht die sprachliche Kommunikation eine direkte, unsinnliche Übertragung von Gedanken. Der Verstehensprozess wird nicht durch äußere Reize abgelenkt. Diesen Zusammenhang hat Wilhelm von Humboldt herausgestellt. Er spricht von der „reine[n] Gedankennatur der Sprache“[9] und stellt fest, dass ihre „Idealität“ keinen Verlust durch die „reale Macht der Erscheinung“[10] erleidet. Für ihn ist die alphabetische Schrift ein optimales Aufzeichnungssystem der Lautsprache, da sie den Ton ohne weitere Hinzufügung sinnlicher Komponenten verkörpert, wobei die Laute der mündlichen Sprache wiederum für die Gedanken stehen. Darüber hinaus verleiht das Alphabet dem Tonsystem „Festigkeit und Vollständigkeit“[11]. Es veranschaulicht die im Wort verbundenen Laute und unterstützt die unterscheidende Funktion der Sprache. Ihre Idealität wird daher durch die Buchstabenschrift erhöht. Gerade die Zerstörung der natürlichen Ähnlichkeiten zwischen Zeichen und Bezeichnetem macht die Sprache und mehr noch das Medium Schrift transparent und bringt die reinen Ideen in der Imagination zur Erscheinung:

Die innere Anschaulichkeit der Sprache wächst in dem Maße, in dem sich die sinnliche Präsenz ihrer Zeichen vermindert. Die Schrift fügt der Sprache also doch etwas hinzu, aber in Minus, wenn man so will; ihr spezifisches Gewicht ist negativ.[12]

Die sinnliche Präsenz der Schrift ist reduziert auf die optische Wahrnehmung der Buchstaben. Erst in der Einbildungskraft wird eine Form der „sekundären Versinnlichung“[13] gleichsam „in einem anderen Aggregat“[14] auf dem Wege der Repräsentation gewährleistet. Im Gegensatz dazu bleibt die Wahrnehmung analoger Zeichen immer an Sinne und Körper gebunden. Sie erhält die primäre sinnliche Präsenz der Objekte und bezieht sich auf Gegenwärtiges, während die künstlichen Schriftzeichen Körper und Sinne ins Abwesende verschieben.

Koschorke verdeutlicht den Einfluss der Autonomieästhetik auf die Schrifttheorie Humboldts. Für diesen besteht die Aufgabe von Sprache und Schrift in der Dichtung nicht in der einfachen (mimetischen) Abbildung der Realität, sondern in der Kreation einer neuen, künstlichen Wirklichkeit. Kunst liefert daher kein Abbild der Natur, sondern tritt an ihre Stelle. Die Einbildungskraft des Dichters gewinnt erheblich an Bedeutung. Dem poetischen Schriftzeichen kommt die Aufgabe zu, das Objekt der Wirklichkeit zuerst ganz aufzulösen, bevor es in der Imagination von Grund auf wiederhergestellt wird. Zur Veranschaulichung wählt Koschorke die geometrische Figur der Parabel, „deren linker Arm die empirischen Objekte, deren rechter die künstlerischen Nachahmungen repräsentiert“:

Um vom empirischen in den imaginären Raum zu gelangen, muß man nach der Form der Kurve den Nullpunkt der Mittelachse durchlaufen. Dieser Nullpunkt ist die einzige Verbindungsstelle zwischen Gegenstandswelt und Zeichenwelt. Nur von der Nullstellung der Empirie aus kann deren Gegenstück in die Sphäre der Imaginationen zu autonomer Existenz kommen. Nur im Durchgang durch die Auslöschung der sinnlich-physischen Qualität können Objekte als Symbole in das Reich der kulturellen Intelligibilität eingeführt werden. Es gibt, allem Anschein zum Trotz, keine direkte Verbindung zwischen den einander entsprechenden Werten auf den beiden Armen der parabolischen Kurve.[15]

Zwischen der Wirklichkeit und ihrer sekundären Versinnlichung in der Imagination scheint es zwar eine Verbindung der Abbildlichkeit zu geben, doch macht die imaginäre Welt bei dem Durchgang durch die Arbitrarität des Schriftzeichens die Bedingungen ihrer Existenz, ihre „semiotische Annihilierung[16], nicht mehr erfahrbar. Das Imaginäre „verleugnet die Verschiebung, aus der es entsteht, und setzt sich als Ursprung, Fülle, Differenzlosigkeit ein[17] Der Vorgang der Medialisierung ist wie das Medium selbst transparent. Gleichzeitig steht die sekundäre Präsenz der Einbildungskraft für eine neue, höhere Form der Sinnlichkeit, die das Medium Schrift prädestiniert für eine körperlose, seelenhafte Kommunikation. Die schriftliche Mitteilung ist noch mehr als die mündliche Rede dazu geeignet, Zugang zur Innerlichkeit des Rezipienten zu finden. Gerade die Abwesenheit von Sprecher und Adressat wird so zur Bedingung für eine größtmögliche Nähe der Seelen.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erlebt die schriftliche Kommunikation in Form der aufblühenden Buchkultur und des immer beliebter werdenden Briefeschreibens einen beträchtlichen Aufschwung, so dass die genannten Eigenschaften des schriftlichen Mitteilens an Bedeutung gewinnen. Die
Aspekte der Täuschung, der Transparenz des Mediums und der Suggestion eines unmittelbaren Zugangs zur Seele durch den unsichtbaren Vorgang der Medialisierung werden in den Wahlverwandtschaften in unterschiedlicher Weise reflektiert. Zuerst wende ich mich den trügerischen Möglichkeiten der Schrift und der Sprache im Allgemeinen zu, der freilich schon der Prozess der Artikulation zugrunde liegt.

3. Die Arbitrarität des Zeichens

3.1 Die Gleichnisrede der Wahlverwandtschaften

Als ein Spiel von Zeichen, Namen und Begriffen erweist sich der Roman zunächst in der titelgebenden und für die Auslegung bedeutenden Gleichnisrede des vierten Kapitels. Bei der abendlichen Lektüre von „Werke[n] physischen, chemischen und technischen Inhalts“(31)[18] sprechen Eduard, Charlotte und der Hauptmann – Ottilie befindet sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf dem Anwesen – über den Begriff der ‚Wahlverwandtschaften‘, dessen Auslegung die Beliebigkeit von Bezeichnungsvorgängen vorführt. Nicht zuletzt im Ergebnis des weiteren Handlungsverlaufes werden die sprachlich evozierten Täuschungen offensichtlich. In die Irre geführt wird Charlotte zunächst, als Eduard das Wort ‚Verwandtschaften‘ vorliest, denn sie muss sofort an „ein paar Vettern“ (32) denken, obwohl „von ganz leblosen Dingen die Rede ist“ (32). Was Charlotte zu dieser falschen Annahme führt, ist die tropische Verwendung des sprachlichen Ausdrucks. Derselbe Begriff, nämlich ‚Verwandtschaft‘ beziehungsweise ‚Wahlverwandtschaft‘ kommt in verschiedenen Wirklichkeitssphären vor, sowohl in der Chemie als auch im Bereich des Menschlichen, aus dem der Ausdruck auch stammt. Seine Bedeutung ist insofern kontextabhängig. Charlottes Fehldeutung resultiert aus einer sprachlichen Übertragung eines Begriffes in einen anderen Vorstellungsbereich. Der Wunsch Charlottes zu wissen, „in welchem Sinne dieser Ausdruck eben bei diesen Gegenständen gebraucht wird“ (33), veranlasst die drei zu einer Gleichnisrede, die in Wirklichkeit eine Rückübertragung aus dem Bereich der Chemie in die Sphäre des Menschlichen ist. Dass aus einem naturwissenschaftlichen Modell über die Anziehungskraft chemischer Substanzen eine Theorie menschlicher Leidenschaften wird, verdankt sich also der Doppeldeutigkeit sprachlicher Ausdrücke. Auf diese Weise werden humane Prozesse mit chemischen Abläufen gleichgesetzt, aber auch umgekehrt erhalten chemische Elemente menschliche Eigenschaften: Zum Beispiel argumentiert Charlotte mit moralischen Bewertungskriterien, als von dem „Scheidekünstler“ (36) die Rede ist. Ich kann daher Eva Horn nur zustimmen, wenn sie feststellt: „Der Mensch wird zur Trope der Natur, die Natur zur Trope des Menschen.“[19]

[...]


[1] Gabriele Brandstetter teilt die Praktiken des Lesens und Schreibens insgesamt in vier Bereiche, von denen nur einer vom Text im engeren Sinn gebildet wird. Vgl. Gabriele Brandstetter: Gesten des Verfehlens. Epistolographische Aporien in Goethes Wahlverwandtschaften. In: Erzählen und Wissen. Paradigmen und Aporien ihrer Inszenierung in Goethes »Wahlverwandtschaften«. Hg. v. Gabriele Brandstetter. Freiburg im Breisgau 2003 (=Rombach Wissenschaften. Reihe Litterae. Hg. v. Gerhard Neumann und Günter Schnitzler). S. 41-63, hier S. 45-46.

[2] In diesem Zusammenhang interessiert mich die semiotische Struktur von Sprache und Schrift. Aber nicht nur Sprach- und Schriftzeichen werden in dieser Arbeit eine Rolle spielen, sondern auch andere Arten von Zeichen. Es geht mir im Wesentlichen um die Verknüpfung von einem Bezeichnendem (Signifikant) und seinem Bezeichneten (Signifikat).

[3] Vgl. Albrecht Koschorke: Körperströme und Schriftverkehr. Mediologie des 18. Jahrhunderts. 2. durchgesehene Aufl. München 2003. S. 263-273.

[4] Das ganze Kapitel bezieht sich auf ebd., S. 311-321.

[5] Kunsttheoretiker des 18. Jahrhunderts bemühen sich um eine Abgrenzung der Kunstgattungen, indem sie nach der Verwendung von natürlichen und konventionellen Zeichen unterscheiden. Die Malerei bedient sich der erstgenannten, die Poesie der letztgenannten Art von Zeichen. Eine bekannte Theorie hierzu ist Lessings Laokoon. Vgl. ebd., S. 280.

[6] In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entwickelt sich auf der Grundlage natürlicher Zeichen zum ersten Mal eine Schauspielkunst, die eine kausale beziehungsweise analoge Beziehung zwischen Seele und Körper voraussetzt. Aus körperlichen Veränderungen des Schauspielers soll der Zuschauer auf seelische Vorgänge schließen können. Besonders G. E. Lessing und J.J. Engel sind auf diesem Gebiet bedeutende Theoretiker. Vgl. Erika Fischer-Lichte: Vom „künstlichen“ zum „natürlichen“ Zeichen: Theater des Barock und der Aufklärung. Tübingen 1983 (= Semiotik des Theaters Bd. 2).

[7] Koschorke, S. 312.

[8] Vgl. David Hartley: Betrachtungen über den Menschen, seine Natur, seine Pflicht und Erwartungen. Bd. 2, sinngemäß zit. n. Koschorke, S. 314.

[9] Wilhelm von Humboldt: Über die Buchstabenschrift und ihren Zusammenhang mit dem Sprachbau. Zit. n. Koschorke, S. 315.

[10] Ebd.

[11] Ebd.

[12] Koschorke, S. 316.

[13] Ebd., S. 318.

[14] Ebd., S. 319

[15] Ebd., S. 318.

[16] Ebd., S. 321.

[17] Ebd.

[18] Ich beziehe mich in der ganzen Arbeit auf folgende Ausgabe: Johann Wolfgang Goethe: Die Wahlverwandtschaften (1809). Stuttgart 2002 (= UB 7835). Seitenzahlen gebe ich in hinter den Zitaten stehenden Klammern an.

[19] Eva Horn: Chemie der Leidenschaft. Johann Wolfgang Goethes Die Wahlverwandtschaften. In: Leidenschaften literarisch. Hg. v. Reingard M. Nischik. Konstanz 1998. (= Texte zur Weltliteratur, Bd. 1). S. 163-182, hier S. 169.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Theatralität und Authentizität des Zeichens in Johann Wolfgang Goethes Roman "Die Wahlverwandtschaften"
Untertitel
Analyse der Konzeption von Zeichen, Sprache und Schrift
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Theaterwissenschaft)
Veranstaltung
Zur Theatralität der Schrift: Schreibszenen
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
35
Katalognummer
V84973
ISBN (eBook)
9783638013901
ISBN (Buch)
9783638917186
Dateigröße
616 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theatralität, Authentizität, Zeichens, Johann, Wolfgang, Goethes, Roman, Wahlverwandtschaften, Schrift, Schreibszenen
Arbeit zitieren
Janine Dahlweid (Autor), 2006, Theatralität und Authentizität des Zeichens in Johann Wolfgang Goethes Roman "Die Wahlverwandtschaften", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84973

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