Das Nibelungenlied als unser kulturelles Erbe und unser literarisch-historisches Gut regt Wissenschaftler schon seit Jahrhunderten zu Forschungen an und gehört mit Sicherheit zu den meist untersuchten Werken der Literatur. Es gibt viele verschiedene Aspekte, Richtungen und Probleme, die in der Forschung reflektiert worden sind – von der Geschichte der Entstehung und Überlieferung bis ins Detail gehenden Personenanalysen.
Die Fragestellung, auf die unter anderem in dieser Arbeit eingegangen wird, befasst sich mit dem Verhältnis zwischen dem Sagenhaften und Märchenhaften (und Mythischen) im Nibelungenlied. Um klarer das Ziel der vorliegenden Arbeit vorzustellen, benötigen wir eine Abgrenzung von den Begriffen, die in einem engen Zusammenhang zueinander stehen: Mythos, Sage, Märchen und Märchenmotiv. Es ist kompliziert, eine einheitliche Definition zu finden, weil die Grenzen zwischen Mythos, Sage und Märchen fließend sind und die Meinungen von den Forschern teilweise auseinander gehen. In meiner Arbeit habe ich mich bei den Begriffsdefinitionen grundsätzlich an H. Naumann und F. Panzer orientiert, weil die Sichtweise von beiden Wissenschaftler mir nahe liegt.
Mythos und Heldensage sind zeitlich bedingte und wieder vorübergegangene höhere Stilformen von Märchen und Sage; ihre Bausteine sind die gleichen: die primitiven Motive, die aus dem Erzählungsgut der primitiven Gemeinschaft geschöpft sind. Für Zeiten, aus denen uns Märchen und Sage nicht überliefert sind, erschließen wir sie [Motive] also aus Mythos und Heldensage, z. B. aus Edda, aus Bibel und aus Homer und Ovid (vgl.: Naumann, 1922:63).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Märchengestalten im Nibelungenlied
2.1 Drache
2.1.1 Drache als Motiv im Volksglauben und in der Literatur
2.1.2 Drache im Nibelungenlied
2.2 Zwerge
2.2.1 Zwerge als Motiv im Volksglauben und in der Literatur
2.2.2 Zwerg Alberich im Nibelungenlied
2.3 Riesen
2.3.1 Riesen als Motiv im Volksglauben und in der Literatur
2.3.2 Riesen im Nibelungenlied
2.4 Meerfrauen
2.4.1 Meerfrauen als Motiv im Volksglauben und in der Literatur
2.4.2 Meerfrauen im Nibelungenlied
3. Schlusswort
4. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen dem Sagenhaften und Märchenhaften im Nibelungenlied. Ziel ist es, ausgewählte märchenhafte Gestalten als Motive im Volksglauben sowie in der Literatur zu definieren und ihre spezifische Rolle und Funktion innerhalb der Handlung des Nibelungenliedes kritisch zu analysieren.
- Charakterisierung märchenhafter Wesen (Drachen, Zwerge, Riesen, Meerfrauen).
- Vergleich der Motive mit literarischen und volkskundlichen Quellen.
- Untersuchung der Funktion dieser Gestalten für den Helden Siegfried.
- Analyse der Rolle des Zwerges Alberich und des Schatzes.
- Diskussion zur Identität der Meerfrauen (Nixen vs. Walküren).
Auszug aus dem Buch
2.4.2 Meerfrauen im Nibelungenlied
Als Hagen nach einem Fährmann sucht, findet er zwei Meerfrauen (Sigelint und Hadeburc) in einer schönen Quellen baden (Vers 1533):
[...]er hôrte wazzer giezen (losen er began)
in einem schœnen brunnen; daz tâten wîsiu wîp
die wolden sich dâ küelen unde badeten ir lîp.
In diesem Vers stellt es sich noch nicht fest, dass es Meerfrauen sind. Es wird nur darauf hingewiesen, dass es weise (weissagende) Frauen sind, „wîsiu wîp“. Hagen sieht diese Frauen und schleicht ihnen hinterher (Vers 1534):
Hagen wart ir innen, er sleich in tougen nâch [...]
Die Meerfrauen bemerken es und bekommen Angst. Sie eilen davon. Hagen nimmt die Kleider beider Nixen weg: Er nam in ir gewæte [...]
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, definiert zentrale Begriffe wie Mythos, Sage und Märchen und erläutert die methodische Grundlage der Untersuchung.
2. Märchengestalten im Nibelungenlied: Das Hauptkapitel analysiert detailliert die vier zentralen märchenhaften Gestalten (Drache, Zwerge, Riesen, Meerfrauen), deren allgemeine Bedeutung sowie ihre spezifische Rolle im Nibelungenlied.
3. Schlusswort: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass die untersuchten Gestalten keine isolierten Erfindungen sind, sondern weltweit bekannte Motive, die im Nibelungenlied primär zur Stärkung der Heldenfigur beitragen.
4. Literaturverzeichnis: Hier werden die verwendeten Primärquellen, die herangezogene Sekundärliteratur sowie Wörterbücher und Internetquellen für die Arbeit aufgelistet.
Schlüsselwörter
Nibelungenlied, Märchenmotive, Drache, Zwerge, Riesen, Meerfrauen, Siegfried, Alberich, Volksglaube, Sagenkunde, Mythologie, Literaturwissenschaft, Unverwundbarkeit, Walküren, Heldenepos.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Auftreten und die Funktion von märchenhaften bzw. mythischen Gestalten im Nibelungenlied, wie sie im Kontext von Volksglauben und Sagen traditionell verankert sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Kategorien Drache, Zwerge, Riesen und Meerfrauen, die jeweils hinsichtlich ihrer Herkunft und ihrer Bedeutung für die Handlung analysiert werden.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, dass diese Gestalten keine bloßen Erfindungen des Autors sind, sondern Teil eines universellen Märchenmotiv-Repertoires, das im Nibelungenlied gezielt zur Charakterisierung des Helden Siegfried eingesetzt wird.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse, die Begriffe anhand etablierter Forscher wie H. Naumann und F. Panzer abgrenzt und das Nibelungenlied mit volkskundlichen Quellen vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in vier Kapitel, die jeweils ein Wesen definieren, den kulturhistorischen Hintergrund beleuchten und die konkrete Auswirkung auf den Handlungsverlauf des Epos darstellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Nibelungenlied, Märchenmotive, Heldensage, Siegfried, Mythologie sowie die spezifischen Fabelwesen selbst.
Welche Funktion hat der Kampf Siegfrieds gegen den Drachen?
Laut der Arbeit dient die Drachentötung im Nibelungenlied primär dazu, Siegfrieds Unverwundbarkeit zu begründen und seine außergewöhnliche Stärke als Krieger zu demonstrieren.
Wie werden die Meerfrauen im Nibelungenlied interpretiert?
Die Autorin diskutiert die Doppelrolle der Meerfrauen: Sie könnten einerseits als Wassergeister (Nixen) verstanden werden, andererseits deutet einiges auf eine Identifikation mit Walküren hin, die den Tod der Burgunder symbolisch vorausahnen.
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- Magistra Artium Diana Kreuzer (Author), 2006, Märchengestalten im Nibelungenlied, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84996