E-Commerce-Trends in Banken


Seminararbeit, 2001

44 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffliche Definition von E-Commerce

3 E-Commerce-Produkte
3.1 Online-Banking
3.2 Online-Brokerage
3.3 Public-Key-Infrastruktur
3.4 Bezahlverfahren
3.4.1 Verfahren im Überblick
3.4.2 Bewertung der verschiedenen Verfahren
3.4.3 Die FairPay-Initiative
3.5 IT-Dienstleistungen für Firmenkunden

4 Neue Geschäftsmodelle im Bankenumfeld
4.1 Das Ende der klassischen Üniversalbank
4.1.1 Spezialisierung
4.1.2 Differenzierte Integration
4.1.3 Der Allfinanzkonzern
4.2 Elektronische Marktplütze
4.3 Finanzportale

5 Veränderungen im Marktumfeld
5.1 Neue Wettbewerber und Partner
5.1.1 Branchenfremde Anbieter
5.1.2 Globalisierung
5.2 Veründerungen im Kundenverhalten
5.2.1 Niedrigere Kundenbindung
5.2.2 Auswirkungen auf das Filialsystem

6 Instrumente im E-Commerce
6.1 Customer Relationship Management
6.1.1 One-To-One Marketing
6.1.2 Data Warehousing und Data Mining
6.1.3 Verbraucherschutzrechtliche Bedenken
6.2 Prozeßoptimierung
6.3 Neuentwurf der Bankinformatik

7 Fazit

A Entwicklung des Internets

B Digitale Signaturen
B.1 Voraussetzungen sicherer Transaktionen
B.2 Arbeitsprinzip digitaler Signaturen
B.3 Das deutsche Signaturgesetz
B.4 In Deutschland zugelassene Zertifizierungsstellen

C Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

2.1 Transaktions- und Marktbereiche des E-Commerce

A.1 Anzahl der Internetnutzer

A.2 Weltweite Umsatze im E-Commerce

Kapitel 1 Einleitung

Im Zeitalter des Internets ist es für Unternehmen wichtig zu wissen, welche Potentiale die­ses Medium für ihre Produkte bietet. Sogenannte digitale Produkte, die ohne jegliche phy­sische Distribution vertrieben werden können, bieten ein besonders hohes Kostensenkungs­und Umsatzsteigerungspotential [Mefe00, S. 928f].

In dieser Arbeit beschüftigen sich die Autoren mit E-Commerce-Trends in Banken. Im Finanzsektor werden fast ausschließlich digitale Produkte vertrieben. Es ist fur jede einzelne Bank eine Uberlebensfrage geworden, wie sie das Internet effizient nutzen kann. Daher ist es notwendig, sich abzeichnende Trends rechtzeitig zu erkennen, eingehend zu untersuchen und in ihrer Realisierbarkeit richtig einzuschatzen. Im Rahmen dieser Semi­nararbeit werden einige Trends aufgezeigt. Es wird dabei auch auf Chancen und Risiken eingegangen.

Die Arbeit ist so angelegt, daß zunachst eine begriffliche Definition von E-Commerce gegeben wird und danach die relevanten E-Commerce-Produkte vorgestellt werden. Im Anschluß daran folgt eine Gegenuberstellung der durch das Internet neu aufgekommenen Geschüftsmodelle und der klassischen Universalbank. Das nüchste Kapitel beschüftigt sich mit Veränderungen im Marktumfeld. Im vorletzten Kapitel greift die Diskussion von E- Commerce-Instrumenten noch einige eher technisch orientierte Fragestellungen auf, bevor abschließend ein zusammenfassendes Fazit folgt. Im Anhang finden sich ein kurzer Abriß der Entstehungsgeschichte des Internets, eine Einfuührung in digitale Signaturen und ein umfangreiches Abkuürzungsverzeichnis.

Identifikation von Trends

Dem Titel der Arbeit entsprechend identifizieren die Verfasser eine Reihe von Trends, auf die jeweils durch einen besonderen Drucksatz aufmerksam gemacht wird.

Der Text entstand als Seminararbeit im Rahmen des Seminars „Ausgewühlte Kapitel der Bankinformatik“, das im Juli 2001 am Fachgebiet Wirtschaftsinformatik II (Betrieb­liche Kommunikationssysteme) der Technischen Universitat Darmstadt von Professor Dr. H. J. Petzold in Zusammenarbeit mit mehreren Bankinstituten gehalten wurde.

Die Autoren bedanken sich bei Professor Dr. Z. Sokolovsky für die tatkräftige Un­terstützung in Form von wertvollen Informationen aus der betrieblichen Praxis der Dresd­ner Bank, sowie bei Dr. Susanne Strahringer, die diesen Seminarbeitrag von seiten des Lehrstuhls betreut hat.

Kapitel 2 Begriffliche Definition von E-Commerce

Wie bei den meisten Schlagworten üblich, gibt es auch zum Begriff „E-Commerce“ (als Kurzform für Electronic Commerce) die unterschiedlichsten Definitionen, beispielsweise die folgenden:

- „Jede Art von geschüftlichen Transaktionen, bei denen die Beteiligten auf elektro­nischem Wege miteinander verkehren (Kommunikation und Austausch von Daten) und nicht durch physischen Austausch oder indirekten physischen Kontakt.“ (Inter­net Business, 1997)
- „Die umfassende, digitale Abwicklung der Geschaftsprozesse zwischen Unternehmen und deren Kunden über üffentliche und private Netze.“
- „Das Geschüftsprinzip der automatisierten, kompletten Geschüftsablaufe zwischen Organisationen, Anbietern und Küufern. Dies gilt fur Abfrage von Informationen bis hin zur Produktbestellung und von der Rechnungsstellung bis zur Bezahlung und Auslieferung.“ (Aberdeen Group)
Im Gegensatz zu diesen intensionalen Definitionen stehen extensionale Definitionen wie die folgende, die versucht, E-Commerce uüber die Summe seiner Technologien und Verfahren zu beschreiben:
- E-Commerce ist „der Einsatz von Kommunikationsprotokollen, Sicherheitsinfrastruk­turen, digitalem Geld, Electronic Shopping-Malls, elektronischem Datenaustausch, Smart Cards, mobilen und/oder intelligenten Agenten, Verhandlungsprotokollen und -strategien, elektronischen Notaren, Zertifizierungsautoritüten, interorganisatio- nalem Workflow-Management, elektronischen Vertrügen und vielen weiteren Tech­nologien zur Anbahnung und Durchführung von Handelstransaktionen im Internet.“ [Merz99, S. 19]

Eine solche Definition ist greifbarer, aber es stellt sich das Problem ihrer Vollständig­keit. Auffällig an der obigen Definition ist die explizite Erwähnung des Internets. Dieser weltumspannende Rechnerverbund hat in der Tat die Entwicklung des elektronischen Da- tenaustauschs in den letzten Jahren exponentiell beschleunigt. Der Hauptgrund hierfär besteht darin, daß das Internet auf offenen Standards aufbaut und es somit mäglich wur­de, durch Überwindung der proprietaren Datenformate der verschiedenen Hardware- und Softwarehersteller heterogene Rechnerplattformen miteinander zu verbinden. Ein kurzer Abriß zur bisherigen Geschichte des Internets findet sich im Anhang dieser Arbeit.

Man kann nicht bestreiten, daß bereits vor dem Aufkommen des Internets E-Commerce betrieben wurde. Hier ist vor allem der EDI-Standard zu nennen, mit dem Großunterneh­men - insbesondere solche mit hohem Automatisierungsgrad - bereits seit den 70er Jahren auf elektronischem Wege Geschäftsprozesse abwickeln. Als Beispiele hierfíir sind SEDAS im deutschen Handel (1977) und VDA in der deutschen Automobilindustrie (1978) zu nennen [HäPeStOO, S. 460]. Aufgrund der unbestreitbaren Vorteile des Internets, allen voran die Mäglichkeit, daß auch kleinere Unternehmen und sogar Privatpersonen daran teilnehmen können, entfaltet sich jedoch jetzt erst das volle Entwicklungspotential des E-Commerce. Durch Nutzung des Internets wird E-Commerce in den nächsten Jahren den klassischen Geschäftsverkehr revolutionieren.

Die Autoren halten die Hinwendung zum Internet und zu sonstigen offenen Technolo­gien fur so bedeutend, daß sie bereits an dieser Stelle den ersten Trend konstatieren:

Trend zu offenen Standards und dem Internet

In der gesamten elektronischen Datenverarbeitung ist die Hinwendung zu offenen Standards zu erkennen. Hierdurch wird Interoperabilitäat heterogener Plattformen ermäglicht und die Abhangigkeit von einzelnen Technologieanbietern vermindert.

B2B und B2C Je nach Beschaffenheit der Marktteilnehmer (Anbieter und Nachfrager) kann man neun verschiedene Ausprägungsformen des E-Commerce unterscheiden [HeSa99, ZerdiOl], die in Tabelle 2.1 dargestellt sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2.1: Transaktions- und Marktbereiche des E-Commerce Je nach Beschaffenheit der Marktteilnehmer (Anbieter und Nachfrager) kann man neun verschiedene Ausprägungsformen des E-Commerce unterscheiden [ZerdiOl, S. 219].

Die beiden bisher und vermutlich auch in Zukunft dominanten Felder hierbei sind Business-To-Consumer (B2C) und Business-To-Business (B2B). Auch fur Kreditinstitute sind fast ausschließlich diese beiden Einsatzgebiete relevant, so daß sich diese Arbeit im folgenden nicht mehr mit den anderen Bereichen beschaftigen wird.

Kapitel 3 E-Commerce-Produkte

Die Nutzung des Internets nicht nur als Informationsmedium, sondern auch als Vertriebs­weg für Waren und Dienstleistungen schreitet rasch voran. Nach ubereinstimmenden Stu­dien gab es Mitte 1999 in Deutschland knapp 10 Millionen Online-Nutzer im Alter zwi­schen 14 und 59 Jahren, von denen 3 Millionen in den vorangegangenen 12 Monaten zumindest einmal auch ein Produkt online bestellt haben [BdtB00b].

Als Dienstleistung fast ohne stoffliche Komponente eignen sich Bankprodukte her­vorragend zum Vertrieb uber Datennetze. Alle wesentlichen Produktmerkmale können durch einfache Kennziffern (wie etwa Laufzeit oder Zinssatz) vollstandig beschrieben und mit Konkurrenzangeboten verglichen werden. Es handelt sich somit um digitale Göter. Vor allem unter Zuhilfenahme von Intermediaren wird es dem Bankkunden ermöglicht, bei vollstaöndiger Markttransparenz aus allen angebotenen Produkten auszuwöahlen. Emo­tionale Bindungen an einzelne Anbieter oder Marken sind bei Finanzdienstleistungen unuöblich, die persoönliche Begutachtung der Leistung in einer Vertriebsniederlassung ist nicht notwendig.

3.1 Online-Banking

Unter Online-Banking versteht man den direkten Zugang des Bankkundens zu seiner Bank durch den Einsatz von Kommunikationsnetzen und unter Umgehung der Beteiligung von Bankangestellten. Eine wichtige Sonderform des Online-Bankings ist das Internet­Banking, bei dem die zugrundeliegende Kommunikationsplattform das Internet ist. Im Gegensatz hierzu steht beispielsweise das in Deutschland sehr populare T-Online-Banking uber das proprietöre Netz der Deutschen Telekom AG. Diese Unterscheidung ist allerdings eher technischer Natur und wird hier nicht vertieft. Interessant in diesem Zusammenhang ist jedoch, daß Online-Banking die wichtigste Anwendung fur den T-Online-Dienst war und der Erfolg des gesamten Angebots zu großen Teilen darauf zuröckzufuhren ist.

Online-Banking bietet eine ganze Reihe von Vorteilen sowohl fur Kunden als auch für Kreditinstitute. Der offensichtliche Vorteil für den Bankkunden besteht darin, daß es im Online-Banking keinen Schalterschluß und keine geographischen Beschränkungen gibt. Durch den Einsatz spezieller PC-Software kann er seine Konten darüber hinaus automatisiert verwalten, was vor allem fur Geschüftskunden von großer Bedeutung ist.

Der Vorteil für die Banken liegt in den niedrigen Kosten von Online-Transaktionen, was sich vor allem auf grundlegende Vereinfachungen im administrativen Bereich zuruückfuühren laßt. So kostet eine klassische Überweisung am Bankschalter einer Filiale etwa 2 DM, wobei die gleiche Transaktion über das Internet getütigt nur Kosten in Hohe von 2 Pfen­nig verursacht, also lediglich ein Hundertstel der Transaktionskosten am Bankschalter [SokolOl, F. 30].

Der Erfolg von Online-Banking läßt sich auch in Zahlen belegen: Nach einer demosko- pischen Erhebung [BdtBOOa], die der Bundesverband Deutscher Banken Ende 2000 durch- gefuhrt hat, nutzen bereits 11% der Deutschen für ihre Bankgeschüfte Online-Banking. Insgesamt wurden im Jahr 2000 knapp uber 15 Millionen Konten online geführt.

Die technischen Grundlagen fuür die weitere Verbreitung des Online-Bankings sind durch die Einfuührung des HBCI-Standards bereitgestellt worden. HBCI ermoüglicht den Zugang zum Online-Banking von jedem internet-fahigen Endgerüt, unabhüngig vom Zu­gangsprovider des Kunden. Gegenwartig ist HBCI noch ein auf Deutschland beschranktes System, aber die deutschen Banken sind bemüht, diese Technologie auch zu internationa­ler Akzeptanz zu führen.

Neben dem PC als Kundenterminal werden in Zukunft zunehmend auch mobile End- gerüte bedient werden müssen, allen voran Mobiltelefone. Es existieren bereits heute An­gebote zum WAP-Banking oder beispielsweise Kursticker auf SMS-Basis [Kuhli01]. Wei­tere Impulse werden sich nach der Einfuührung des neuen Üübertragungsstandards ÜMTS ergeben.

Online-Banking ist lüngst nicht mehr als optionales Leistungsmerkmal einer Bank zu verstehen, mit dem sie Wettbewerbsvorteile erzielen kann, sondern ist mittlerweile zu einer Notwendigkeit geworden, um am Markt bestehen zu küonnen.

Online-Banking als zentraler Vertriebsweg

Die Müglichkeit, Bankgeschüfte komfortabel über das Internet abwickeln zu künnen, und die damit verbundene hohe Akzeptanz bei den Kunden fuühren dazu, daß Online­Banking ein zentraler Bestandteil im Angebot jeder Bank sein muß.

3.2 Online-Brokerage

Gerade der Börsenhandel ist ein Bereich, der sich in den letzten Jahren durch neue techni­sche Müglichkeiten erheblich verändert hat. So wurde der klassische Parketthandel durch die nach und nach eingefuührten Computerhandelssysteme immer mehr in den Hintergrund gedrängt und wird vermutlich in naher Zukunft vollständig verschwinden. Während früher der Bärsenhandel nur über Makler erfolgen konnte, ermöglichen die sekundenschnelle Ver­breitung von Kursinformationen und der durch Online-Broker direkte Zugriff des Anlegers auf die Computerhandelssysteme jedem Privatmann, am Bärsengeschehen zeitnah teilzu­nehmen.

Auch fur den professionellen Anleger eröffnen sich durch Online-Brokerage neue Betäti­gungsfelder. Gestützt auf verlaßliche Realzeit-Kursdaten und in der Lage, ohne nennens­werte Verzägerungen Orders zu plazieren, ist das sogenannte Intraday Trading populär geworden, bei dem zwischen Kauf und Verkauf der Wertpapiere nur wenige Stunden oder gar Minuten liegen. Auf diese Weise lassen sich Kursschwankungen während eines Han­delstages ausnutzen.

Das Ende des Parketthandels

Durch die Einfährung von elektronischen Bärsenhandelssystemen wird der klassische Parketthandel bedeutungslos werden. Durch Online-Brokerage wird es zudem auch dem Kleinanleger moäglich, direkt und zeitnah am Bäorsengeschehen teilzuhaben.

Aufgrund der angespannten Boärsensituation sehen sich die Anbieter von Online-Broker­age mittlerweile gezwungen, ihre Produktpalette um eine Dienstleistungskomponente zu erweitern. Durch die Abkehr von einer reinen transaktionsorientierten Brokerage-Anwend- ung kann der Erfolgsfaktor der Kundenberatung genutzt werden [DoOsOl].

3.3 Public-Key-Infrastruktur

Die Einfuährung digitaler Signaturen erfordert die Einrichtung zentraler Zertifizierungs­stellen, die die Identität der Teilnehmer uberpriift und Zertifikate äber deren offentliche Schlussel ausstellt. Nur so wird es mäglich, sich uber eine persänlich eindeutige digitale Signatur auszuweisen. Das ist auch im deutschen Signaturgesetz so vorgesehen.

Das Betreiben einer Zertifizierungsstelle ist mit erheblichem Aufwand verbunden, da hier sehr hohe Sicherheitsanforderungen gestellt werden. Da Kreditinstitute bereits äber Kompetenz auf dem Gebiet sicherer Datenverarbeitung verfugen, bietet sich ihnen hier ein neues Betätigungsfeld. Zudem haben die Banken ein großes Eigeninteresse an der zägigen Einfährung dieser Infrastrukturen, um das Geschäft im Internet auf eine sichere Basis zu stellen.

Vor diesem Hintergrund haben die vier deutschen Großbanken (Commerzbank, Deut­sche Bank, Dresdner Bank und HypoVereinsbank) gemeinsam im Juni 1999 den Sicher­heitsdienstleister TC TrustCenter gegriindet, der ihnen selbst, sowie interessierten Dritt- unternehmen, als gemeinsame Zertifizierungsstelle dient. Durch dieses Gemeinschaftsun­ternehmen, das selbstverständlich auch den Anforderungen des Signaturgesetzes genägt, soll es den Bankkunden ermöglicht werden, von Beginn an am durch digitale Signaturen geschützten Geschöftsverkehr teilzunehmen [BdtBQQb, S. 26ff].

Digitale Signaturen ermöglichen elektronische Verträge

Digitale Signaturen haben sich in den letzten Jahren zu marktföhigen Lösungen entwickelt. Durch die fortgeschrittene internationale Standardisierung und gemein­samen Anstrengungen von Industrie und Gesetzgeber werden die damit verbunde­nen Verfahren in naher Zukunft umfassende praktische Bedeutung erlangen. Jeder Internetteilnehmer wird sich bald mit persönlichen Zertifikaten ausweisen.

Fur eine kurze Einföhrung in die technischen und juristischen Eigenschaften digitaler Signaturen sei hier auf den Anhang dieser Arbeit verwiesen.

3.4 Bezahlverfahren

Fur die weitere Entwicklung des E-Commerce, vor allem im Geschöft mit Privatpersonen, ist die Bereitstellung schneller, einfacher und sicherer Bezahlverfahren im Internet von großer Bedeutung. Da dieser Bereich der Tötigkeit der Kreditinstitute sehr nahe steht, haben sich die Geschöftsbanken dem Problem angenommen und sich an der Umsetzung zahlreicher Forschungs- und Pilotprojekte beteiligt.

3.4.1 Verfahren im Überblick

Zahlungssysteme im Internet lassen sich in verschiedene Gruppen einteilen [SACP99, MenkQl]. Man beschrönkt sich hier auf Verfahren, die im B2C-Bereich eingesetzt werden können, im Gegensatz zu den verschiedenen Möglichkeiten, die bei etablierten Geschafts- beziehungen zwischen Unternehmen bestehen.

Offline-Zahlung

Die Offline-Zahlung findet außerhalb des Internets statt. Der Kunde zahlt nach Erhalt der Ware per Überweisung, bei Erhalt per Nachnahme oder im Rahmen eines Abonnements. Diese Art der Bezahlung ist aus dem Versandhandel bereits bekannt. Insbesondere bei der Zahlung per Nachnahme fallen jedoch Kosten fur Verpackung, Transport und Nachnah­megeböhr an, die bei niederwertigen Handelsgötern in keinem Verhöltnis zum Warenwert stehen.

Kreditkartenzahlung

In den USA dominiert die Zahlung per Kreditkarte, die dort seit langem einen hohen Verbreitungsgrad haben, weil wegen rechtlicher Beschraönkungen keine dem Lastschrift­verfahren oder Euro-Cheques vergleichbaren Systeme existieren. Aufgrund der interna­tionalen Aktivitäten amerikanischer Internet-Warenhäuser hat dieses Verfahren auch in Deutschland eine gewisse Bedeutung erhalten. Vor allem bei Kaufen im Ausland erscheint Kreditkartenzahlung oft als einzige Mäglichkeit.

Bisher erfolgte die Zahlung lediglich durch (zumeist noch ungesicherte) Übertragung der Kreditkartennummer, was in keinster Weise ein rechtsverbindliches Zahlungsverspre­chen darstellt, so daß sich Kreditkartenunternehmen und Händler mit Forderungsausfällen infolge von Kartenbetrug beschäftigen mussen (der Karteninhaber trägt hierbei kein Ri­siko, da ihm Zahlungen, die ohne seine Ünterschrift geleistet wurden, nicht angelastet werden kännen). Durch die Einführung des SET-Standards soll dieser Sicherheitsman­gel behoben werden. Hierbei werden die Kreditkartendaten verschluässelt und signiert an eine Clearingstelle der Kartenorganisation ubermittelt, die die Daten uberpriift und die Zahlungsberechtigung bestätigt. Niemand sonst erhält die Kreditkartendaten. Aufgrund des hohen Sicherheitsstandards kann angenommen werden, daß im Streitfall diese Art der Abwicklung einem unterschriebenen Kreditkartenbeleg gleichgesetzt wird [Menk01].

Lastschriftverfahren

In Deutschlands „realen“ Verkaufsstellen haben sich Debitzahlungen durchgesetzt. Hier­bei erteilt der Kunde dem Haändler eine Einzugsermaächtigung. Da im Internet geschlosse­ne Verträge nicht der juristischen Schriftform genugen, muß ein Online-Shop, der dieses Verfahren verwendet, damit rechnen, das bereits empfangene Geld zuriickerstatten zu mässen. Abhilfe kann hier die Einfuhrung digitaler Signaturen schaffen (siehe Anhang B). Eine solcherart signierte Einzugsermäachtigung wird rechtlich als schriftliche Erklaärung anerkannt.

Geldkarten

Eine weitere Möglichkeit besteht in der Verwendung von Geldkarten. In Deutschland sind derzeit 55 Millionen [BdtBOOb] Euro-Cheque-Karten mit integriertem Geldkartenchip im Einsatz. Diese Karten kännen in Bankfilialen oder an 22.000 Ladeterminals aufgeladen werden. In Zukunft sollen sie auch fur Zahlungen im Internet genutzt werden konnen. Hierzu sind allerdings spezielle Lesegeräte zum Anschluß an den Kunden-PC notwendig, die noch kaum verbreitet sind.

Prepaid-Karten

Im Gegensatz zu den bisher genannten Systemen sind Prepaid-Karten, wie sie etwa fur Kartentelefone verwendet werden, anonym und ohne bestehende Bankverbindung einsetz­bar. Der Kunde erwirbt eine solche Wertkarte zu einem festen Betrag, den er im voraus entrichtet und kann sie dann bei Einkaäufen im Internet verwenden. Da er sich zumeist über eine auf die Karte gedruckte PIN identifiziert, kann sie ohne zusätzliche Software­oder Hardwareinstallationen benutzt werden. Ein Beispiel hierfür ist die jüngst eingeführte Pay-Safecard, die in Deutschland in Zusammenarbeit mit der Commerzbank ausgegeben wird. Im Herbst 2001 will die Deutsche Telekom AG mit MicroMoney ebenfalls ein solches System auf den Markt bringen [Damb01].

Verbindungsentgelte

Eine andere Möglichkeit, die sich vor allem für kostenpflichtige Internetseiten und die Abrechnung von Kleinstbetrügen eignet, besteht darin, uber den Zugangsprovider des Kunden Gebuhren einzuholen. Üblicherweise muß der Kunde dabei anstelle seiner nor­malen Verbindung einen speziellen Internetzugang verwenden, der mit variablen, inhalts- abhüngigen Kosten verbunden ist. Der Ausgleich der Forderungen erfolgt dann mit der Telefonrechnung. Der in Deutschland fuhrende Vertreter dieses Systems ist net900 der Deutschen Telekom AG.

Zahlungsbestätigung per Mobiltelefon

Seit Mai 2000 ist in Deutschland ein neuer Dienst names Paybox verfíigbar. Hierbei erhült der Kunde zur Zahlungsbestaütigung einen Anruf an sein Mobiltelefon und kann die Zah­lung durch Eingabe seiner PIN autorisieren. Der Rechnungsausgleich erfolgt per Last­schriftverfahren. Die Zahlung selbst wird über die Deutsche Bank abgewickelt. Der Ab­lauf der Zahlungsbestütigung im Mobilfunknetz wird damit von der eigentlichen Abwick­lung der Zahlung, die im Banknetz erfolgt, getrennt, wobei weder Handler noch Paybox- Anwender Kunden der Deutschen Bank sein muüssen. Voraussetzungen zur Teilnahme am Paybox-Verfahren sind lediglich ein Mobiltelefon und ein Girokonto. Die Deutsche Bank ist mit 50% an Paybox beteiligt. Paybox ist nicht an das Internet gebunden und kann zum Beispiel auch zum Bezahlen von Taxifahrten eingesetzt werden. Desweiteren sind auch private Transaktionen zwischen Paybox-Teilnehmern moglich [Donat01].

Digitales Geld

Eine voüllige Neuentwicklung ohne Anbindung an bereits existierende Zahlungssysteme ist digitales Geld. Hierunter werden vorausbezahlte Geldprodukte verstanden, die auf ei­nem Speichermedium im Rechner des Benutzers (ublicherweise einer Festplatte) in Form einer digitalen Brieftasche (Wallet) gespeichert werden. Aufgrund sicherheitstechnischer Voraussetzungen (zum Beispiel darf es nicht moglich sein, durch Kopiermaßnahmen der elektronischen Muünzen Geld zu schoüpfen) sind diese Verfahren sehr aufwendig, so daß die Akzeptanz bei Kunden und Hündlern bisher gering ist. Bei einer bereits 1997 durch- gefuhrten Delphi-Befragung [Wings99] verneinten die Experten eine grüßere Bedeutung

[...]

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
E-Commerce-Trends in Banken
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (Rechts- und Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Bankinformatikseminar
Note
1,3
Autoren
Jahr
2001
Seiten
44
Katalognummer
V8512
ISBN (eBook)
9783638154659
ISBN (Buch)
9783638720984
Dateigröße
599 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
E-Commerce Banken Trend
Arbeit zitieren
Dr. Jörg Lonthoff (Autor)Thilo Planz (Autor), 2001, E-Commerce-Trends in Banken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8512

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