Über das Krimgotische ist kaum etwas bekannt. Trotzdem kann man über die Morphologie dieser Sprache einige Vermutungen äußern. Diese Arbeit versucht die Frage zu beantworten, was genau über die krimgotische Morphologie bekannt ist und inwieweit die mit der bibelgotischen Morphologie übereinstimmt.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. QUELLEN
2.1 QUELLEN FÜR DAS KRIMGOTISCHE
2.2 QUELLEN FÜR DAS BIBELGOTISCHE
3. MORPHOLOGIE UND VERGLEICH
3.1 SUBSTANTIVE
3.2 PRONOMINA
3.3 ADJEKTIVE
3.4 ADVERBIEN
3.5 ZAHLWÖRTER
3.6 VERBEN
4. SCHLUSSFOLGERUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Morphologie des Krimgotischen auf Basis der überlieferten Sprachzeugnisse und setzt diese in einen vergleichenden Kontext zur bekannteren bibelgotischen Sprache, um den Grad der Übereinstimmung und die germanische Einordnung zu bestimmen.
- Analyse der historischen Quellen des Krimgotischen (Busbecq-Liste)
- Vergleich morphologischer Strukturen (Substantive, Pronomina, Verben)
- Untersuchung des bibelgotischen Vergleichsmaterials
- Bewertung von Einflüssen durch Fremdsprachen auf das Krimgotische
- Diskussion der Problematik nicht-muttersprachlicher Informanten
Auszug aus dem Buch
3.1 Substantive
Die kg. Substantive VVintch (für *VVintsch) ‚Wind’ (Bg. winds), Fers ‚Mann’, Rintsch ‚Berg’, Borrotsch ‚Wunsch’ (Stearns 1978: 101) weisen eine Endung */s/ auf, die mit dem pgerm. Suffix*-z gleichzusetzen ist und als Mask. Nom. Sg. identifiziert werden kann. Es stimmt mit dem bg. mask. starken Substantiv überein, dass im Nom. Sg. ein /s/ aufweist (Rauch 2003: 59-60). Vgl. Bg. Nom. Sg. winds ‚Wind’, Akk. Sg. wind.
Wenn man mit Stearns annimmt, dass Busbecqs Informant kein Muttersprachler des Krimgotischen war, ist es gut möglich, dass dieser Substantive nicht unbedingt im Nom. Sg., sondern eher in der Form, die am häufigsten auftrat, oft also im Akkusativ, nannte (Stearns 1978: 101). Als Akk. Sg. Mask. sind wahrscheinlich die endungslosen Substantive Stul ‚Stuhl’, VVingart ‚Weinstock’ und Rinck ‚Ring’ aufzufassen. Auch tag ‚Tag’, einmal als Einzelwort und einmal in der Wortverbindung Knauen tag ‚Guten Tag’, gehört wohl in diese Gruppe, obwohl Busbecq es als Nom. Sg. ‚Dies’ bzw. ‚Bonus dies’ glossiert (Stearns 1978: 101-102).
Ein Vergleich mit dem Bibelgotischen zeigt, dass die Substantive dieser Klasse im Nom. Sg. ein /s/ aufweisen, im Akk. Sg. jedoch endungslos sind: Bg. Nom. Sg. dags, Akk. Sg. dag ‚Tag’. Nach dem gleichen Muster: Bg. Nom. Sg. stols ‚Stuhl, Thron’ (Kg. Stul), weinagards‚Weingarten, Weinberg’ (Kg. VVingart), *hriggs ‚Ring’ (Kg. Rinck) (Köbler 1989: 204; 256; 61). Für tag als Akk. spricht auch die Tatsache, dass in einem elliptischen Ausdruck wie „[ich wünsch dir einen] guten Tag“ ein Akkusativ zu erwarten ist (Stearns 1978: 101; 103).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung umreißt den aktuellen Wissensstand über das Krimgotische und definiert das Ziel der Arbeit, die krimgotische Morphologie im Vergleich zum Bibelgotischen zu untersuchen.
2. QUELLEN: In diesem Kapitel werden die primären Zeugnisse des Krimgotischen, insbesondere die Aufzeichnungen von Ogier Ghislain de Busbecq, sowie die umfangreicheren Quellen des Bibelgotischen vorgestellt.
3. MORPHOLOGIE UND VERGLEICH: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Wortarten wie Substantive, Pronomina, Adjektive, Adverbien, Zahlwörter und Verben hinsichtlich ihrer morphologischen Struktur und Übereinstimmung mit dem Gotischen.
4. SCHLUSSFOLGERUNG: Die Arbeit fasst zusammen, dass die krimgotische Morphologie weitgehend mit der bibelgotischen korrespondiert und als germanisch einzustufen ist, wobei Abweichungen durch externe Einflüsse oder Überlieferungsfehler erklärbar sind.
Schlüsselwörter
Krimgotisch, Bibelgotisch, Morphologie, Sprachvergleich, Busbecq, germanische Sprachen, Substantive, Pronomina, Verben, Sprachwandel, historische Linguistik, Sprachzeugnisse, Sprachverwandtschaft, Wortbildung, Korpusanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer morphologischen Untersuchung der krimgotischen Sprache und deren systematischer Gegenüberstellung mit dem besser belegten Bibelgotischen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die Quellenkritik der vorhandenen Krimgotisch-Fragmente sowie die detaillierte grammatikalische Analyse der Wortkategorien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu ermitteln, was über die krimgotische Morphologie bekannt ist und inwieweit diese Strukturen mit denjenigen der bibelgotischen Sprache übereinstimmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine komparative linguistische Methode angewandt, die auf der philologischen Auswertung historischer Textbelege (vornehmlich der Busbecq-Liste) basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse einzelner morphologischer Klassen, darunter Substantive, Pronomina, Adjektive, Adverbien, Zahlwörter und Verben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Krimgotisch, Bibelgotisch, Morphologie, germanische Sprachvergleichung und historische Quellenanalyse.
Wie problematisch ist die Liste von Busbecq für die Forschung?
Die Liste ist problematisch, da der Informant vermutlich kein Muttersprachler war, das Schreibsystem inkonsistent ist und während der Druckgeschichte Fehler entstanden sind.
Welche Erkenntnis ergibt sich hinsichtlich der krimgotischen Zahlwörter?
Während die Zahlen 2-19 weitgehend mit dem Bibelgotischen übereinstimmen, weichen andere überlieferte krimgotische Zahlwörter signifikant davon ab.
- Quote paper
- Maarten van der Meer (Author), 2007, Morphologie des Krimgotischen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85128