Morphologie des Krimgotischen

Ein Vergleich mit dem Bibelgotischen


Seminararbeit, 2007

12 Seiten, Note: 1-


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Quellen
2.1 Quellen für das Krimgotische
2.2 Quellen für das Bibelgotische

3. Morphologie und Vergleich
3.1 Substantive
3.2 Pronomina
3.3 Adjektive
3.4 Adverbien
3.5 Zahlwörter
3.6 Verben

4. Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Über das Krimgotische ist kaum etwas bekannt. Trotzdem kann man über die Morphologie dieser Sprache einige Vermutungen äußern. Diese Arbeit versucht die Frage zu beantworten, was genau über die krimgotische Morphologie bekannt ist und inwieweit die mit der bibelgotischen Morphologie übereinstimmt.

2. Quellen

2.1 Quellen für das Krimgotische

Das einzige bedeutende Zeugnis des Krimgotischen ist der so genannte „vierte türkische Brief“ des flämischen Adeligen Ogier Ghislain de Busbecq, der in den Jahren 1555 bis 1562 als Gesandter Kaiser Ferdinands I. in Konstantinopel war. Im diesem Brief berichtet Busbecq (* 1522; † 1592), er habe von einem Volk gehört, dass „durch Sprache, Sitten, Gesichtsbildung und schließlich durch die ganze körperliche Erscheinung seine germanische Abstammung verrate“ (Scardigli 1973: 246). Seine Dolmetscher brachten ihn mit zwei Abgesandten dieses Volks zusammen. Der eine hatte das Aussehen eines Flamen oder Holländers, doch hatte seine Muttersprache verlernt. Der andere, der Abstammung und Sprache nach ein Grieche, besaß „eine nicht zu verachtende Gewandtheit des Ausdrucks in dieser Sprache, da er häufig dort weilte“ (Scardigili 1973: 247). Einer von ihnen teilte Busbecq eine große Menge „deutscher“ Wörter mit, von denen der letztere im „vierten türkischen Brief“ 101 verschiedene Formen auflistete (Stearns 1978: 38).

Neben diesem also sehr kleinen Korpus wurden zwei möglicherweise krimgotische Wörter überliefert. Das erste ist ein Eigenname Harfidel, der auf der Krim in einer hebräischen Inschrift auf einem Grabstein aus dem 5. Jahrhundert gefunden wurde. Das zweite, razn ‚Haus’, lebt möglicherweise in der Bedeutung ‚Dachlatte’ als Lehnwort im Krimtatarischen fort (Stearns 1978: 37).

Die Liste Busbecqs ist in dreierlei Hinsicht problematisch. Erstens ist anzunehmen, dass Busbecqs Informant – sei es der Krimgrieche oder der Krimgote – kein Muttersprachler des Krimgotischen war. Zweitens verfügte Busbecq nicht über ein konsequentes phonetisches Schreibsystem. Es ist oft unklar, welchen Laut ein Buchstabe oder eine Buchstabenkombination repräsentiert. Da Busbecq bewusst war, dass das Gehörte den ihm bekannten germanischen Sprachen teilweise ähnlich oder identisch sei, ist in der Schreibung auch Interferenz des Flämischen und des Deutschen nicht auszuschließen. Drittens sind während der Druckgeschichte zweifellos Fehler in den Text gekommen. Das Original von Busbecq ist nicht erhalten (Binnig 1999: 136).

2.2 Quellen für das Bibelgotische

Das (Bibel)gotische ist die älteste germ. Sprache, von der umfangreichere Quellen überliefert sind. Die wichtigste Quelle ist die gotische Bibelübersetzung (4. Jhdt.) des Bischofs Wulfila, von der sieben oder acht Handschriften mit etwa 57% der Evangelien und rund zwei drittel der Paulusbriefe überliefert sind (Köbler 1989: VIII).

Außer der wulfilanischen Bibelübersetzung kommen noch hinzu: Fragmente einer im 4. Jhdt. verfassten Erläuterung (Skeireins) des Evangeliums nach Johannes, die nicht Wulfila zuzuschreiben ist (Braune 1966: 6); zwei lateinische Verkaufsurkunden mit „einige[n] wenige[n] herkömmlicherweise dem Bibelgotischen zugerechnete[n] gotische[n] Sätze[n] und Wörter[n]“ (Köbler 1989: VIII); einige biblische Randbemerkungen in der Homiliensammlung Gotica Veronensia; einige bibelgotische Wortgruppen aus dem Lukasevangelium in einer Alkuinhandschrift; Reste eines Festkalenders; zwei bibelgotische Alphabete mit Buchstabennamen; Runeninschriften; eine große Zahl von Eigennamen in lateinischen und griechischen Texten.

3. Morphologie und Vergleich

3.1 Substantive

Die kg. Substantive VVintch (für * VVintsch) ‚Wind’ (Bg. winds), Fers ‚Mann’, Rintsch ‚Berg’, Borrotsch ‚Wunsch’ (Stearns 1978: 101) weisen eine Endung */s/ auf, die mit dem pgerm. Suffix*- z gleichzusetzen ist und als Mask. Nom. Sg. identifiziert werden kann. Es stimmt mit dem bg. mask. starken Substantiv überein, dass im Nom. Sg. ein /s/ aufweist (Rauch 2003: 59-60). Vgl. Bg. Nom. Sg. winds ‚Wind’, Akk. Sg. wind.

Wenn man mit Stearns annimmt, dass Busbecqs Informant kein Muttersprachler des Krimgotischen war, ist es gut möglich, dass dieser Substantive nicht unbedingt im Nom. Sg., sondern eher in der Form, die am häufigsten auftrat, oft also im Akkusativ, nannte (Stearns 1978: 101). Als Akk. Sg. Mask. sind wahrscheinlich die endungslosen Substantive Stul ‚Stuhl’, VVingart ‚Weinstock’ und Rinck ‚Ring’ aufzufassen. Auch tag ‚Tag’, einmal als Einzelwort und einmal in der Wortverbindung Knauen tag ‚Guten Tag’, gehört wohl in diese Gruppe, obwohl Busbecq es als Nom. Sg. ‚Dies’ bzw. ‚Bonus dies’ glossiert (Stearns 1978: 101-102). Ein Vergleich mit dem Bibelgotischen zeigt, dass die Substantive dieser Klasse im Nom. Sg. ein /s/ aufweisen, im Akk. Sg. jedoch endungslos sind: Bg. Nom. Sg. dags, Akk. Sg. dag ‚Tag’. Nach dem gleichen Muster: Bg. Nom. Sg. stols ‚Stuhl, Thron’ (Kg. Stul), weinagards ‚Weingarten, Weinberg’ (Kg. VVingart), * hriggs ‚Ring’ (Kg. Rinck) (Köbler 1989: 204; 256; 61). Für tag als Akk. spricht auch die Tatsache, dass in einem elliptischen Ausdruck wie „[ich wünsch dir einen] guten Tag“ ein Akkusativ zu erwarten ist (Stearns 1978: 101; 103).

Als Plural ist nur Oeghene ‚Augen’ glossiert. Hier nimmt Stearns (1978: 102) Nom. oder Akk. Pl. an. Das bg. augō ‚Auge’ ist ein neutrales schwaches Substantiv mit Nom./Akk. Pl. augōna (Köbler 1989: 60; Rauch 2003: 66). Ringo als Variante von Rinck ‚Ring’ stellt möglicherweise eine flektierte Form dar und könnte ebenfalls ein Plural sein (Stearns 1978: 102).

3.2 Pronomina

In Busbecqs Liste finden sich drei Personalpronomina: die 1., 2. und 3. Pers. Sg. sind überliefert. Ich (1. Pers. Nom. Sg.) ‚ich’ in Ich malthata ‚ich sage’ stimmt mit dem bg. ik überein. Tzo (2. Pers. Nom. Sg.) ‚du’ in Tzo Vvarthata ‚du hast gemacht’ hängt mit bg. þū zusammen. Ies (3. Pers. Nom. Sg. Mask.) ‚er’ in Ies Varthata ‚er hat gemacht’ ist bg. is und weist wie die oben genannten Substantive die maskuline Nominativendung /s/ auf (Stearns 1978: 102; 101).

In Vvarthata, Varthata (beide für *VVarthata) und malthata könnte ein enklitisches Personalpronomen oder Demonstrativpronomen zu unterscheiden sein. Als Personalpronomen wäre das Enklitikum –(a)ta und hinge es mit bg. ita ‚es’ zusammen: Ich malthata ‚ich sage es’. Es könnte sich dagegen auch um –thata handeln, das mit bg. þata (Nom./Akk. Sg. Ntr.) ‚das’ korrespondiert. Ich malthata wäre dann ‚ich sage das’ (Stearns 1978: 102-103).

[...]

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Details

Titel
Morphologie des Krimgotischen
Untertitel
Ein Vergleich mit dem Bibelgotischen
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für deutsche Philologie)
Veranstaltung
Gotisch und Langobardisch
Note
1-
Autor
Jahr
2007
Seiten
12
Katalognummer
V85128
ISBN (eBook)
9783638011310
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
"Recht schöne Arbeit" (Kommentar des Dozenten)
Schlagworte
Morphologie, Krimgotischen, Gotisch, Langobardisch
Arbeit zitieren
Maarten van der Meer (Autor), 2007, Morphologie des Krimgotischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85128

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