"Long before the West had learnt to eat roast meat
instead of raw, we were one nation, with one motherland."
An nicht wenigen Stellen des Buches "Bunch Of Thoughts des einstigen Führers des RSS, M.S. Golwalkar, werden vor allem die westlichen, sogenannten modernen Gesellschaften für eine Art von Referenz herbeigezogen. Fast immer geschieht dies mit negativen Konnotationen, wie das obenstehende Zitat zeigt; Ausnahmen bestätigen die Regel.
Sinn und Zweck der vorliegenden Arbeit ist es, einige solche Stellen entsprechend ihres Kontextes im Fließtext des Werkes exemplarisch aufzuzeigen, sie auf ihren Wahrheitsgehalt hin abzuklopfen und dann entsprechend zu bewerten oder zumindest zu kommentieren. Ob des einzuhaltenden Umfangs der Arbeit wurde eine Auswahl getroffen; es finden sich also weit mehr Passagen in dem Werk als hier besprochen werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Madhav Sadashiv Golwalkar und die Hindutva-Ideologie
1. Weltfrieden?
2. Des Übels Wurzeln
3. Betriebsblindheit
4. Die Liebe
5. Vulgäre Schatten ausländischer Moden
6. Die Stärke Indiens
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die westliche Darstellung in M.S. Golwalkars Werk "Bunch of Thoughts" und analysiert, wie diese zur Konstruktion der Hindutva-Ideologie als vermeintlicher Gegenentwurf zum "modernen Westen" genutzt wird. Die Forschungsfrage fokussiert sich dabei auf die rhetorischen Strategien und ideologischen Verzerrungen, mit denen Golwalkar westliche Einflüsse abwertet, um eine Überlegenheit der Hindu-Kultur zu postulieren.
- Analyse der Hindutva-Ideologie im historischen Kontext
- Untersuchung von Golwalkars westkritischem Weltbild
- Kritische Bewertung von Argumentationsmustern in "Bunch of Thoughts"
- Gegenüberstellung von Golwalkars Thesen mit wissenschaftlichen Fakten
- Dekonstruktion von Mythen bezüglich indischer kultureller Identität
Auszug aus dem Buch
3. Betriebsblindheit
Auf den schon eingangs erwähnten Minderwertigkeitskomplex Golwalkars gegenüber den fortschrittlich-westlichen Nationen beziehen sich mehrere Stellen im Buch; eine weitere sei hier stellvertretend erwähnt:
When we speak of our sublime cultural values, persons steeped in the modern Western civilisation think that it is something mysterious, something otherworldly.
Dieser Satz, für sich allein genommen, kann in zwei Richtungen gedeutet werden. Einerseits stellt er den Westler als einen mit großen Kaninchenaugen staunenden, begriffsstutzigen und vor allem: kulturlosen Menschen dar, dem jedwedes Erwähnen von Begriffen aus dem Bereich der kulturellen Werte wie ein Zauberspruch vorkomme und der dementsprechend scheelsüchtig auf die unerreichbar hohe Kultur der Hindus blicke. Andererseits kann Golwalkars Äußerung als ein Lamentieren aufgefasst werden, darüber, wie weit die hinduistische Kultur auch durch eigenes Verschulden ins Hintertreffen geraten und nun gar nicht mehr in der Lage sei, sich der Welt verständlich zu machen bzw. sich in ihr Gehör zu verschaffen.
Es ist zweites zu vermuten, denn auch der anschließende Satz lautet entsprechend:
That only shows the present depths of our mental slavery wich has deprived us of even the capacity to grasp those principles wich were once the glory of our national life.
Auf ein Wort gebracht herrsche also Betriebsblindheit im kulturellen Bewußtsein der Hindus. Man wisse von irgendwo her, daß die eigene Kultur recht alt sei, aber welche Merkmale sie trägt und welche davon tatsächlich indigen hinduistisch sind, könne heutzutage kaum noch jemand feststellen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Der Autor erläutert die Entstehung der Arbeit, die sich aus einer Auseinandersetzung mit M.S. Golwalkars Werk ergab, und stellt den Fokus auf die westliche Darstellung in der Hindutva-Ideologie dar.
Madhav Sadashiv Golwalkar und die Hindutva-Ideologie: Dieses Kapitel gibt einen biografischen Überblick über Golwalkar und beschreibt seine prägende Rolle sowie die ideologische Ausrichtung des Rashtriya Svayamsevak Sangh (RSS).
1. Weltfrieden?: Golwalkar wird hier als Denker vorgestellt, der den Weltfrieden als ultimatives Ziel propagiert, diesen jedoch aus einem rein hinduistisch-indischen Kontext heraus als exklusive Lösung präsentiert.
2. Des Übels Wurzeln: Hier liegt der Fokus auf Golwalkars Kritik an der modernen westlichen Gesellschaft, die er als materiell getrieben, wettbewerbsorientiert und ohne ethisches Fundament charakterisiert.
3. Betriebsblindheit: Das Kapitel befasst sich mit Golwalkars Wahrnehmung eines "Minderwertigkeitskomplexes" gegenüber dem Westen und der daraus resultierenden kulturellen Orientierungslosigkeit der Hindus.
4. Die Liebe: Der Autor untersucht, wie Golwalkar das Konzept der Liebe instrumentalisiert, um die indische Ehetradition als sittlich überlegen gegenüber westlichen Beziehungsmodellen darzustellen.
5. Vulgäre Schatten ausländischer Moden: Golwalkar kritisiert hier die vermeintliche kulturelle Verwestlichung der indischen Jugend, die er als Bedrohung für den Fortbestand der traditionellen Hindu-Kultur ansieht.
6. Die Stärke Indiens: Dieses Kapitel analysiert Golwalkars Behauptung einer glorreichen und homogenen indischen Vergangenheit, die allen äußeren Einflüssen zum Trotz fortbestünde.
Fazit: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Reflexion, dass "Bunch of Thoughts" aufgrund fehlender wissenschaftlicher Standards kein seriöses Werk ist, aber wertvolle Einblicke in die Denkweise des Hindunationalismus bietet.
Schlüsselwörter
Hindunationalismus, M.S. Golwalkar, Hindutva, Bunch of Thoughts, Rashtriya Svayamsevak Sangh, Westkritik, Hindu-Kultur, Identitätspolitik, Ideologieanalyse, Indologie, Ideologiekritik, Kulturkampf, Nationalismus, Religion und Politik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie in dem Buch "Bunch of Thoughts" von M.S. Golwalkar der Westen dargestellt wird und welche ideologische Funktion diese Darstellung innerhalb der Hindutva-Ideologie erfüllt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das indische Selbstverständnis gegenüber dem Westen, die Kritik an westlicher Moderne und Materialismus sowie die Konstruktion einer vermeintlich überlegenen hinduistischen Identität durch die RSS-Ideologie.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, die in Golwalkars Werk verwendeten Argumentationsmuster exemplarisch aufzuzeigen, auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und die rhetorischen Strategien der Hindutva-Bewegung offenzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine inhaltliche und ideologiekritische Analyse von Primärtexten, wobei Golwalkars Aussagen durch historische und soziologische Erkenntnisse über Indien kontextualisiert und bewertet werden.
Was wird im inhaltlichen Hauptteil der Publikation behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Kapitel, die Golwalkars Sicht auf Weltfrieden, materielle Werte, kulturelle Identität, das Ideal der Ehe und die Stärke Indiens im Kontrast zum vermeintlich "barbarischen" Westen untersuchen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Hindutva, Nationalismus, kulturelle Identität, Ideologiekritik und die spezifische Rhetorik von Golwalkar, die auf Abgrenzung und Überlegenheit basiert.
Inwieweit spielt der "Minderwertigkeitskomplex" eine Rolle in Golwalkars Argumentation?
Die Arbeit legt dar, dass Golwalkar westliche Quellen paradoxerweise genau dann zitiert, wenn er die Überlegenheit der Hindu-Kultur beweisen möchte, was auf eine tief sitzende Ambivalenz und einen Minderwertigkeitskomplex gegenüber den einstigen Kolonialmächten hinweist.
Wie bewertet der Autor Golwalkars "Bunch of Thoughts" aus wissenschaftlicher Sicht?
Der Autor stuft das Werk aufgrund der rhetorischen Übersteigerungen, der Schwarz-Weiß-Malerei und des weitgehenden Fehlens von Quellenangaben als nicht seriös-wissenschaftliches Werk ein, erkennt jedoch dessen Wert als zeitgeschichtliches Dokument für die Hindutva-Ideologie an.
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- Mario Laatsch (Author), 2007, Vulgäre Schatten ausländischer Moden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85197