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Gemeinwesenmediation als Methode partizipativer Gemeinwesenarbeit

Gestaltungsmöglichkeiten an der Schnittstelle zwischen privater und öffentlicher Konfliktregelung

Title: Gemeinwesenmediation als Methode partizipativer Gemeinwesenarbeit

Diploma Thesis , 2004 , 185 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Dipl. Sozialarbeiter/Sozialpädagoge Olaf Schulz (Author)

Social Work
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Summary Excerpt Details

Das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit richtet sich auf die Frage, wie bei Mediationsfällen im Gemeinwesen die Wahrscheinlichkeit erhöht werden kann, dass die von BürgerInnen erarbeiteten Veränderungswünsche, wenn sie im Bereich öffentlichen Regelungsanspruchs liegen, auch von Politik und Verwaltung berücksichtigt und umgesetzt werden. Als praxisrelevante und handlungsorientierte Ergebnisse werden Ideen und Vorschläge zu dieser Frage auf Grundlage von Expertenbefragungen geprüft und ggf. erweitert werden.
Die Fragestellung geht von der Erfahrung aus, dass sich in der Konfliktbearbeitung durch Gemeinwesenmediation (GWM) immer wieder der private Konfliktkontext mit öffentlichen Belangen überschneidet. Im Sinne von Partizipation bei Veränderungsprozessen z.B. in Stadtteilen kann das durchaus erfreulich sein, in der Praxis von Gemeinwesenmediation werden jedoch die Grenzen von Mediationsverfahren im Gemeinwesen immer wieder deutlich. Genaueres Hinsehen führt den Betrachter direkt zum Spannungsverhältnis zwischen den unterschiedlichen Handlungslogiken, Verfahrensweisen und Rahmenbedingungen bei politisch-administrativen, rechtlichen und mediativen Verfahren in Deutschland.
Der einschränkende Fokus der Betrachtungen liegt somit auf der Kopplung von GWM zum öffentlichen Bereich, da es dort wiederholt um Konfliktthemen geht, die zu ihrer Bearbeitung und Lösungsfindung letztlich einer im behördlichen Verfahren erzielten positiven politisch-administrativen Entscheidung bedürfen. In der Praxis zeigt sich dabei, dass Mediationsverfahren von den dann formal zuständigen Entscheidungsinstanzen sogar als Konkurrenz wahrgenommen werden können . Das betrifft auch die Frage nach der Legitimität einer solchen Beteiligungsform in einer repräsentativen Demokratie, in der das Mehrheitsprinzip sowohl die Verantwortlichkeit als auch die „Vernünftigkeit“ (staatlicher) Machtausübung gewährleisten soll.
Diesem Anspruch an Regelungshoheit steht die Feststellung gegenüber, dass demokratisch legitimierte Institutionen nicht mehr die eigentlich erwünschte und praktizierte Legitimation vor den BürgerInnen bieten aufgrund eines hohen Maßes an Vereinnahmung der Vertretungsrechte und –funktionen durch das politisch-administrative System.
Die Arbeit fragt nach den Bedingungen, die GWM braucht, um trotz dieser Schwierigkeiten im dargelegten Spannungsfeld erfolgreich praktiziert zu werden und gibt Antworten aufgrund vorliegender Literatur und den Erfahrungen ausgewiesener ExpertInnen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Fragestellung

1.2 Aufbau der Arbeit

1.3 Untersuchungsrahmen und Interviewmethode

1.3.1 Auswahl der ExpertInnen

1.3.2 Auswertung der Interviews

2 Gemeinwesenmediation

2.1 Mediation

2.2 Methoden und Techniken

2.3 Begriffsklärung: Gemeinwesenmediation in Abgrenzung zu Stadtteilmediation, Nachbarschaftsmediation und Mediation im öffentlichen Bereich

2.3.1 Welche Konflikte sind Gegenstand von Gemeinwesenmediation?

2.3.2 Der räumliche Bezug

2.3.3 MediatorInnen

2.3.4 Die weiteren Ziele von Gemeinwesenmediation

3. Gesellschaftspolitischer Rahmen für Gemeinwesenmediation

3.1 Mediation und Demokratie

3.1.1 Legitimität von Mediation

3.1.1.1 Interne Legitimation

3.1.1.2 Externe Legitimation

3.2 Mediation und Verwaltungsverfahren

3.3 Mediation und Recht

3.4 Mediation als Partizipation

3.4.1 Partizipation als zivilgesellschaftlicher Prozess

3.4.2 Partizipation an repräsentativ legitimierter Entscheidungsgewalt

4 GWM im Kontext sozialer Arbeit

4.1 Gesellschaftliche Funktion Sozialer Arbeit

4.2 Gemeinwesenarbeit – Überlegungen zur Bedeutung der Methodendiskussion

4.3 Konzepte der Gemeinwesenarbeit

4.3.1 Konzeptionelle Grundpositionen in der Entwicklung der Gemeinwesenarbeit

4.3.2 Leitstandards der Gemeinwesenarbeits-Ansätze

4.4 Möglichkeiten von GWM innerhalb sozialer Arbeit

4.4.1 Mediation als Beteiligungsform – Konfliktbearbeitung als Aktivierungs- und Vitalisierungschance

4.4.2 Mediation als Deeskalation

4.4.3 Mediation als Netzwerkarbeit und konkrete Kooperation

4.4.4 Mediation als „Empowerment“

5 Vorschläge zu Gestaltungsmöglichkeiten an der Schnittstelle zwischen privater und öffentlicher Konfliktregelung

5.1 Freiwillige Selbstbindung der Beteiligten

5.2 Beteiligte und Stakeholder

5.2.1 Mitsprache- und Entscheidungskompetenzen in der Mediation

5.2.2 Mandatsklärung und Rückkopplung

5.2.3 Rollenkonflikte

5.2.4 Akteure vor Ort – Teilnehmer oder potentielle MediatorInnen?

5.3 Ziel- und Ergebnisvorstellungen

5.3.1 Ergebnisoffenheit

5.3.2 Art der Vereinbarung

5.4 Transparentes Verfahrensdesign – „Geschäftsordnung“

5.5 Unterstützende Rahmenbedingungen

5.6 Unabhängigkeit

5.7 Konfliktanalyse im Vorfeld

6 Ergebnisse der ausgewerteten Interviews

6.1 Beteiligung am Mediationsverfahren

6.2 Freiwillige Selbstbindung

6.3 Reichweite der Bemühungen, Verhandlungsrahmen und Ziele von GWM

6.4 Erhöhung der Wahrscheinlichkeit des Eingangs von Mediationsergebnissen in Verwaltungsentscheidungen

6.5 Wenn Entscheidungsträger die Ergebnisse mitnehmen ...

6.6 Auswirkungen der Letztentscheidungskompetenz in der Mediation auf die Beteiligten

6.7 Rollenkonflikte und Funktionsüberschneidungen

6.8 SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen als MediatorInnen

6.9 Konfliktanalyse

6.10 Verfahrensdesign

6.11 Öffentlichkeitsarbeit

6.12 Setting

6.13 Unabhängigkeit, Allparteilichkeit

6.14 Unterstützende Rahmenbedingungen und Ressourcen im Mediationsfall

6.15 Unterstützende Rahmenbedingungen und Ressourcen für ein GWM-Projekt

6.16 Rolle der SozialarbeiterInnen/SozialpädagogInnen

7 Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, wie bei Mediationsfällen im Gemeinwesen die Wahrscheinlichkeit erhöht werden kann, dass von Bürgerinnen und Bürgern erarbeitete Veränderungswünsche bei öffentlichen Regelungsansprüchen durch Politik und Verwaltung berücksichtigt und umgesetzt werden. Das Ziel ist es, handlungsorientierte Gestaltungsvorschläge für die Schnittstelle zwischen privater und öffentlicher Konfliktregelung zu entwickeln, basierend auf Experteninterviews mit Mediatoren.

  • Grundlagen und Definition der Gemeinwesenmediation (GWM)
  • Legitimität und gesellschaftspolitischer Rahmen von Mediation in der Demokratie
  • Verortung von GWM im Kontext der Sozialen Arbeit
  • Gestaltungsmöglichkeiten für die Schnittstelle zwischen privater und öffentlicher Konfliktregelung
  • Praktische Umsetzung, Rolle der Akteure und Erfolgsfaktoren für Mediationsverfahren

Auszug aus dem Buch

1. Einleitung

Ein Fall aus eigener Mediations-Praxis, wie er sich in vielen Städten ähnlich ereignen könnte:

Vor einer Kita in einem Plattenbaugebiet endet eine Straße mit Wendeschleife, in der sich schon seit Jahren eine Jugendclique traf. Seit fast einem Jahr wandelte sich die Gruppenzusammensetzung. Viele kamen nicht mehr aus dem Stadtteil, kamen mit Autos, tranken Bier, hörten Musik und wurden immer mehr von den BewohnerInnen und der Kita als Ärgernis wahrgenommen. Die AnwohnerInnen fühlten sich gestört und hatten Ängste, da die Jugendlichen auf Bitten und Ermahnungen provozierend reagierten, ein Anwohner mit einer Pistole bedroht wurde und die Polizei und Stadtverwaltung anscheinend nichts ausrichtete. Die Kita-Mitarbeiterinnen waren sauer wegen der Verunreinigungen und Scherben, die einigen Autoreifen den Garaus machten. Also baten sie MediatorInnen um Unterstützung, die nach zwei orientierenden Vorgesprächen eine Idee vom Ausmaß des Konfliktes und den schon involvierten Personen und Institutionen bekommen hatten. Nachdem Streetworker mit den Jugendlichen Kontakt aufgenommen hatten, waren diese auch bereit, sich zusammen mit der Kita, den Anwohnern, Vertretern der Wohnungsunternehmen und einigen Ämtern zu einer Mediation zu treffen. Themen hier: Lärm, Scherben, Müll, Umgang bzw. Nicht-Umgang miteinander, Ängste, Beleidigungen, Mauerschäden an der Kita durch regelmäßiges Urinieren, Angst vor Vertreibung der Jugendlichen, Rufschädigung der Kita.

Die Mediationssitzungen verliefen nach anfänglich starken Schuldzuweisungen und verbalen Angriffen sehr konstruktiv. Fast alle Beteiligten arbeiteten aktiv mit, entwickelten Verständnis für- und Lösungsvorschläge miteinander. Es wurden Ideen erarbeitet, die räumliche Situation vor der Kita zu entzerren, um die Nutzungen durch die unterschiedlichen Interessengruppen besser gewährleisten zu können. Die Jugendlichen, BewohnerInnen, Hausmeister und die Kita-Mitarbeiterinnen einigten sich über den Umgang miteinander und die Jugendlichen entwarfen, von den Streetworkern begleitet, hochmotiviert für den Rand des Platzes eine einfache Unterstellmöglichkeit, die sie selbst bauen wollten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Stellt das Erkenntnisinteresse der Arbeit dar, die Frage der Einbindung von Mediation in Verwaltungsprozesse sowie den Aufbau der Untersuchung mittels Experteninterviews.

2 Gemeinwesenmediation: Definiert Gemeinwesenmediation, grenzt sie von anderen Mediationsformen ab und erläutert Ziele, Methoden sowie die Rolle der MediatorInnen.

3. Gesellschaftspolitischer Rahmen für Gemeinwesenmediation: Analysiert das Verhältnis von Mediation zu Demokratie, Recht und Verwaltungsverfahren unter Berücksichtigung von Legitimitätsaspekten.

4 GWM im Kontext sozialer Arbeit: Verortet GWM in der Sozialen Arbeit, diskutiert Konzepte der Gemeinwesenarbeit und deren Leitstandards.

5 Vorschläge zu Gestaltungsmöglichkeiten an der Schnittstelle zwischen privater und öffentlicher Konfliktregelung: Formuliert handlungsorientierte Ansätze wie freiwillige Selbstbindung, Mandatsklärung und Verfahrensdesign.

6 Ergebnisse der ausgewerteten Interviews: Präsentiert die praktischen Erfahrungen der ExpertInnen in verschiedenen thematischen Kategorien zur Anwendung von Mediation im Gemeinwesen.

Schlüsselwörter

Gemeinwesenmediation, GWA, Mediation, Soziale Arbeit, Demokratie, Partizipation, Konfliktbearbeitung, Politisch-administratives System, Verwaltung, Stadtteilentwicklung, Empowerment, Legitimität, Selbstbindung, Stakeholder, Gemeinwesenarbeit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit primär?

Die Arbeit befasst sich mit den Gestaltungsmöglichkeiten der Gemeinwesenmediation an der Schnittstelle zwischen privaten Konflikten im Gemeinwesen und dem politisch-administrativen System (Verwaltung und Politik).

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentral sind die Abgrenzung von Gemeinwesenmediation zu anderen Verfahren, ihre demokratische Legitimität, die Einbettung in die Soziale Arbeit sowie Möglichkeiten einer effektiven Verzahnung mit behördlichen Entscheidungsprozessen.

Welche Forschungsfrage verfolgt die Arbeit?

Die zentrale Frage ist, wie bei Mediationsfällen im Gemeinwesen die Wahrscheinlichkeit erhöht werden kann, dass von Bürgerinnen und Bürgern erarbeitete Veränderungswünsche auch von Politik und Verwaltung berücksichtigt und umgesetzt werden.

Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewandt?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung und die Auswertung von sieben problemzentrierten Experteninterviews mit Fachleuten aus dem Bereich der Mediation und Gemeinwesenarbeit.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Verortung (Demokratie, Recht, Soziale Arbeit), die Analyse von GWM-Konzepten sowie die Erarbeitung konkreter Gestaltungsvorschläge, die anschließend durch die Experteninterviews validiert werden.

Welche Eigenschaften charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit zeichnet sich durch einen explorativen, praxisnahen Ansatz aus, der sowohl zivilgesellschaftliche als auch systemtheoretische Perspektiven integriert.

Welche Rolle spielt die Verwaltung in Mediationsverfahren laut Olaf Schulz?

Die Verwaltung ist als Stakeholder essenziell für die Umsetzung von Ergebnissen. Die Autorin betont, dass ihre Einbindung sowohl legitimatorisch wichtig ist als auch neue Wege der kooperativen Stadtteilentwicklung eröffnet.

Was bedeutet "Empowerment" im Kontext der Gemeinwesenmediation in der Arbeit?

Empowerment wird als Stärkung der Selbst- und Handlungskompetenz der Betroffenen verstanden, um Konflikte eigenverantwortlich und nachhaltig zu bearbeiten, ohne dabei strukturelle Machtungleichgewichte auszublenden.

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Details

Title
Gemeinwesenmediation als Methode partizipativer Gemeinwesenarbeit
Subtitle
Gestaltungsmöglichkeiten an der Schnittstelle zwischen privater und öffentlicher Konfliktregelung
College
University of Applied Sciences Potsdam
Grade
1,3
Author
Dipl. Sozialarbeiter/Sozialpädagoge Olaf Schulz (Author)
Publication Year
2004
Pages
185
Catalog Number
V85240
ISBN (eBook)
9783638052559
ISBN (Book)
9783638945714
Language
German
Tags
Gemeinwesenmediation Methode Gemeinwesenarbeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dipl. Sozialarbeiter/Sozialpädagoge Olaf Schulz (Author), 2004, Gemeinwesenmediation als Methode partizipativer Gemeinwesenarbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85240
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