Die Natursymbolik und die Städtebilder in „Ode Heidelberg" und „Elegie Stutgard" von J. C. Friedrich Hölderlin

Analyse und Vergleich


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

22 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Entstehungsgeschichte
a.) Der historische Kontext
b.) Der Bezug Hölderlins
c.) Die Ode und die Elegie

3. Die Ode Heidelberg
3.1. Die Eingangsstrophen
3.2. Die Bauwerke und die Natursymbolik
a.) Die Brücke
b.) Die Burg
c.) Der Strom/ Neckar
d.) Die Natursymbolik
3.3. Die Ausgangsstrophe

4. Die Elegie Stutgard
4.1. Die Eingangsstrophen
4.2. Das (Vater-) Land
a.) Das Leben des Dichters und die Landesgeschichte
b.) Naturdarstellungen
4.3. Ausgangsstrophen
a.) Stutgard
b.) Zukunftsausblick

5. Vergleich der Gedichte Heidelberg und Stutgard

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Große Städte waren schon im Altertum ein Aufsehen erregendes und befremdliches Phänomen, da die Menschen zu dieser Zeit oftmals Reichtum, Größe, Sündhaftigkeit und (Sitten-) Verderbnis mit der Stadt assoziierten. Friedrich Hölderlin verfasste nun um die Jahrhundertwende vom 17. zum 18. Jahrhundert zwei Gedichte, nämlich Heidelberg und Stutgard, die auf Grund ihrer Titel und ihrer Entstehungszeit auf eine Auseinandersetzung mit Städten oder auf bestimmte Städtebilder schließen lassen. Interessant erscheint daher unter anderem auch, welche epochalen Züge in den vorliegenden Werken erkennbar sind und welche eventuell überwiegen.

2. Die Entstehungsgeschichte

a.) Der historische Kontext

„Über einen längeren Zeitraum (seit 1798) hinweg entstanden die Fassungen der Ode Heidelberg[1], und im Sommer des Jahres 1800 vollendete Friedrich Hölderlin dann Heidelberg. Im Frühjahr 1801 fasste er den Plan für die Elegie Stuttgart. Zeitlich gesehen lassen sich diese beiden Gedichte also zwischen der deutschen Klassik und der Romantik einordnen.

Sicherlich ist das `Romantische´ einerseits ein direkter Gegenbegriff zum `Klassischen´, da es eher eine spezielle Sichtweise, die das Alltägliche überhöht, eröffnet. Vor allem phantastischen und märchenhaften Elementen, der Betonung des Gefühls, sowie der Einheit von Mensch und Natur kommen zur Zeit der Romantik eine große Bedeutung zu. Bei der Klassik handelt es sich dahingegen eher um eine Epoche, die sich die Kunst und Kultur der Antike zum Vorbild genommen hat. Allerdings kann man auf Grund der zeitlichen Überschneidung der beiden Epochen nicht nur von einer gegenseitigen Abgrenzung, sondern ganz bestimmt auch von einem Dialog sprechen.

Darüber hinaus ist allerdings auch bekannt, dass Hölderlin neben Kleist, Jean Paul und Hebel zu den großen Einzelgängern seiner Zeit zu zählen ist, da er sich nur sehr schwer in eine der zur Zeit der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert herrschenden literarischen Strömungen einordnen lässt. Auf der anderen Seite antwortet Hölderlins Werk in gewisser Weise aber auch auf die großen Umwälzungen in Frankreich durch die Französische Revolution und deren Folgen. Hölderlin stand dieser Revolution nämlich keineswegs mit so großer Ablehnung wie die Klassiker und Romantiker gegenüber.

b.) Der Bezug Hölderlins

Vor dem Sommer 1800, dem Zeitpunkt der Fertigstellung der Ode Heidelberg, hat Friedrich Hölderlin die Stadt Heidelberg nachweislich mindestens dreimal berührt. Im Juni 1788 sah der damals 18- jährige Hölderlin auf einer Reise mit Verwandten von Maulbronn in die Pfalz zum ersten Mal die Stadt am Neckar. Die zweite Berührung ereignete sich im Juni des Jahres 1795 auf der Rückreise von Jena, wobei Hölderlin dann in Heidelberg auf Dr. Johann Gottfried Ebel traf, der ihm eine Stelle als Hofmeister bei der Familie Gontard anbot. Auf seiner Rückreise nach Frankfurt, etwa zum Jahresende desselben Jahres, passierte der Dichter dann zum dritten Male Heidelberg. Nachdem Hölderlin 1788 zum ersten Mal selber Heidelberg sah, berichtete er daraufhin seiner Mutter: „Die Stadt gefiel mir außerordentlich wohl. Die Lage ist so schön, als man sich je eine denken kann. Auf beiden Seiten und am Rüken der Stadt steigen steile waldichte Berge empor, und auf diesen steht das alte, ehrwürdige Schloß- [...] Merkwürdig ist auch die neue Brüke daselbst“[2]. An dieser Aussage lässt sich recht deutlich erkennen, wie beeindruckt der junge Hölderlin schon bei seiner ersten Begegnung mit Heidelberg gewesen sein musste. Zudem lassen sich auch hier schon einige Motive finden, die seine spätere Ode Heidelberg prägen werden. Der Hinweis auf die schöne Lage Heidelbergs könnte zudem auch in Zusammenhang mit dem Fluss Neckar gesehen werden, da dieser Hölderlin bei wichtigen Stationen seines Lebens `begleitet´ hat. So liegen nämlich seine Geburtsstadt Lauffen und somit auch der Ort seiner Kindheit und auch seine Studienorte Tübingen und Nürtingen alle am Neckar.

Bevor Friedrich Hölderlin im Jahre 1801 den Plan für seine Elegie Stutgard fasste, war er bereits mehrfach in der Stadt Stuttgart gewesen. So legte er beispielsweise am 06. Dezember 1793 sein Theologisches Konsistorialexamen in Stuttgart ab, wodurch sein verhasstes Theologiestudium endlich sein Ende fand. Darüber hinaus schloss sich 1795 ein Besuch der heutigen Landeshauptstadt Baden- Württembergs an, so dass Hölderlin den Sommer und Herbst des Jahres 1800 im Kreise der Freunde in Stuttgart verbrachte. Seine positiven Eindrücke über seinen Aufenthalt in Stuttgart sind an Hand diverser Briefe an die Mutter dokumentiert: „Mein Logis und die Aufnahme in meines Freundes Hauße fand ich ganz nach meinem Wunsche. Überhaupt haben mich meine alten Bekannten so gutmüthig empfangen, dass ich wohl hoffen darf, hier eine Zeit im Frieden zu leben, und ungestörter, als bisher, mein Tagewerk thun zu können“[3]. So begann dann auch in Stuttgart die produktive Schaffensphase für Hölderlins unzähliger Oden und Elegien.

c.) Die Ode und die Elegie

Laut Lexikon handelt es sich bei einer Ode um eine strophisch gegliederte Gedichtform, die unter anderem charakterisiert ist durch Feierlichkeit, Ergriffenheit und Gefühlsausdruck, jedoch alles im Rahmen fester formaler Schemata. „Der heutige Begriff der O.[de] als eines path. hohen Gedichts ist stark durch Klopstock geprägt“[4], jedoch sorgte auch Friedrich Hölderlin für einen Höhepunkt der Ode, da er sowohl das alkäische, als auch das asklepiadeische Odenmaß nachahmte. Bei den asklepiadeischen Strophen handelt es sich um fünf von Horaz teils aus der griechischen Lyrik übernommene, teils aber auch um neugeschaffene Odenmaße. Grundelement hierbei ist der kleine oder große Asklepiadeus ( minor oder maior). Nach diesem Vorbilde Horaz´ wurden diese Odenmaße auch in der deutschen Sprache nachgeahmt, und so eben auch bei Hölderlin. So besteht dann auch Hölderlins Ode Heidelberg aus asklepiadeischen Strophen, also aus vier großen Asklepiadeen.

Bei einer Elegie handelt es sich nun weniger um ein feierliches Gedicht, sondern seiner inhaltlichen Bestimmung nach eher um ein „Gedicht im Tone verhaltener Klage und wehmüt. Resignation“[5], oftmals auch als rückwärtsgewandte Sehnsucht verstanden. Formal gesehen ist eine Elegie ein Gedicht aus elegischen Distichen (also aus Verspaaren, die aus einem Hexameter und einem Pentameter bestehen), das eigentlich jeden Inhalt ausdrücken kann. Unter anderem bildet sicherlich auch Hölderlins Stutgard einen der Höhepunkte der deutschen klassischen Elegien. Es handelt sich dann hierbei um die Erinnerung an ein goldenes Zeitalter, natürlich verbunden mit der Hoffnung auf die Wiederkehr desselben.

3. Die Ode Heidelberg

3.1. Die Eingangsstrophen

Auffällig ist zuerst einmal, dass die ersten beiden Strophen Heidelbergs im Präsens verfasst wurden. Es entsteht dementsprechend der Eindruck, als ob die ersten vier Verse eine gegenwärtige Tatsache darstellen würden, nämlich eine Danksagung und eine daraus resultierende Lobpreisung der Stadt Heidelberg. Folglich fungieren die Strophen 1 und 2 als eine Art Einleitung, woraufhin im weiteren Verlauf dieser Ode die Beweggründe für diese positive Haltung der Stadt am Neckar gegenüber, beschrieben werden. Da dies dann in präteritaler Form geschieht, kann davon ausgegangen werden, dass diese Beweggründe mit Ereignissen oder Erlebnissen aus vergangenen Tagen zu tun haben müssen.

Schon die ersten beiden Verse Heidelbergs, „Lange lieb´ ich dich schon, möchte dich, mir zur Lust / Mutter nennen, [...]“ machen in Zusammenhang mit dem Titel deutlich, dass diese Ode von einer gewissen Vertrautheit zwischen dem Erzählenden- Ich und der Stadt Heidelberg geprägt sein muss. Zudem ist die Beschreibung Du, der Vaterlandsstädte / Ländlichschönste (vgl. V. 3- 4)[6] ein weiteres Indiz dafür, dass an dieser Stelle ganz klar von heimatlichen Gefühlen die Rede ist. Auch wenn die dargestellte Stadt vielleicht nicht mit einer Mutter als Nährerin und Bildnerin gleichgesetzt werden kann, vermittelt sie hier eine Art Sicherheit des Seins, und des weiteren kann man in ihr eine Geborgenheit des Daseins finden, wodurch die Betitelung Mutter eindeutig zu ihrer Berechtigung kommt. Durch die getrennte Verbundenheit der Wörter Vaterlandsstädte und Ländlichschönste eröffnet sich allerdings eine Gegensätzlichkeit von „Stadt und Land, [...] dem Geiste des Vaterlandes und der natürlichen Schönheit, dem Bereich des Vaters und den darin zu findenden Orten der Mutter[7]. Die Übereinstimmung dieser Gegensätze, so scheint es, macht nun (oder soll) die Heimat des Erzählenden- Ichs aus. Bei dieser Dichtung geht es demnach auch darum, einen Entwurf zu kreieren, die eigene Herkunft zu gewinnen.

3.2. Die Bauwerke und die Natursymbolik

Dadurch, dass Hölderlin 1788 selber Heidelberg besuchte, und in dieser Ode die Wahrzeichen Heidelbergs, nämlich der Neckar, das alte Schloss/ die Burg und die Brücke erwähnt werden, vermittelt dies somit einen sehr realistischen Eindruck der Stadt. Daher sollen im Folgenden unter anderem diese drei Wahrzeichen Heidelbergs etwas näher betrachtet werden.

[...]


[1] Vgl. Kreuzer, J. (Hrsg.): Hölderlin- Handbuch. Leben- Werk- Wirkung. Stuttgart: Metzler 2002. S. 315.

[2] [zitiert nach:] Buhr, G.: Zu Hölderlins Ode „Heidelberg“. In: Manger, K./ vom Hofe, G.: Heidelberg im

poetischen Augenblick. Heidelberg: Deckers 1987. S. 83.

[3] [zitiert nach:] Martens, Gunter: Friedrich Hölderlin. Reinbek: Rowohlt 2003. S. 110.

[4] Vgl. Schweikle, Günther und Irmgard (Hrsg.): Metzler Literatur Lexikon. Stuttgart: Metzler 1990. S.

331.

[5] Vgl. Schweikle, Günther und Irmgard (Hrsg.): Metzler Literatur Lexikon. Stuttgart: Metzler 1990. S.

118.

[6] Vgl. - Beissner, F. (Hrsg.): Hölderlin- Sämtliche Werke. Band 2. Gedichte nach 1800. Stuttgart:

Kohlhammer 1951. S. 14- 15.

[7] Vgl. Buhr, G.: Zu Hölderlins Ode „Heidelberg“. In: Manger, K./ vom Hofe, G.: Heidelberg im

poetischen Augenblick. Heidelberg: Deckers 1987. S. 86.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Natursymbolik und die Städtebilder in „Ode Heidelberg" und „Elegie Stutgard" von J. C. Friedrich Hölderlin
Untertitel
Analyse und Vergleich
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
22
Katalognummer
V85264
ISBN (eBook)
9783638010825
ISBN (Buch)
9783638915502
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse, Heidelberg, Elegie, Stutgard, Friedrich, Hölderlin, Hinblick, Natursymbolik, Städtebilder, Vergleich, Gedichte
Arbeit zitieren
Stephanie Reuter (Autor), 2005, Die Natursymbolik und die Städtebilder in „Ode Heidelberg" und „Elegie Stutgard" von J. C. Friedrich Hölderlin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85264

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