Jugendsprache: Untersuchungen zum Sprachgebrauch in der Jugendzeitschrift BRAVO


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
36 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Annäherung an die Sprache von Jugendlichen - Ein Forschungsüberblick
1.1 Die Anfänge der deutschen Jugendsprachforschung
1.2 Die Sondersprachforschung
1.3 Jugendsprachforschung in der Zeit von 1945 bis 1980
1.4 Die linguistische Jugendsprachforschung
1.4.1 Die 80er Jahre
1.4.2 Die 90er Jahre
1.4.3 Aktuelle Forschungen zur Jugendsprache

2. Die BRAVO
2.1 Beschreibung des Untersuchungsgegenstands
2.2 Die Stimmen der BRAVO
2.3 Der „Sonderfall“ – Die Dr. Sommer Sprechstunde

3. Analyse der sprachlichen Auffälligkeiten
3.1 Anglizismen
3.2 Orthographie
3.3 Interpunktion
3.4 Die Wortarten
3.4.1 Die Nomen
3.4.2 Die Adjektive
3.4.3 Die Konjugation der Verben
3.4.4 Die Steigerungsformen
3.4.5 Partikeln
3.5 Die Wortbildung
3.5.1 Komposita
3.5.2 Derivation
3.5.3 Zusammenrückungen
3.5.4 Kürzungen
3.6 Syntax
3.7 Hyperbolismen
3.8 Phraseologismen

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Jugendzeitschrift BRAVO hat gerade im Zuge des in diesem Jahre zu feiernden 50-jährigen Jubiläums große Aufmerksamkeit gefunden. Die kommerzielle Zeitschrift BRAVO ist das am weitesten verbreitetste und am meisten verkaufte Printmedium für die Zielgruppe der Jugendlichen im Alter von 12-19 Jahren.[1] Ihre Erfolgsgeschichte dauert nun schon mehr als 50 Jahre an, seitdem am 26. August 1956 die erste Ausgabe auf den Markt kam.

Das Deutsche Zeitungsmuseum in Wadgassen präsentiert eine Ausstellung, die die Geschichte der BRAVO in den Fokus stellt[2] und neben zahlreichen Berichten in den Feuilletons gab die Jahresfeier auch den Anlass zu einigen sowohl wissenschaftlichen als auch an den normalen Leser gerichtete Publikationen. Besonders dem Thema Sexualität und Aufklärung und dessen nicht immer unumstrittene Darbietung in der BRAVO wird dabei verstärkt Aufmerksamkeit zuteil. Wie auch die BRAVO – Macher die selber angeben, dass sie mit ihrer Arbeit der „Spiegel der Jugend“[3] zu sein gedenken, wird die BRAVO allgemein als Zeugnis der Jugendkultur in Deutschland angesehen und herangezogen.[4]

Ein wichtiger Teil, der Kultur ausmacht, ist die Sprache, nicht anders verhält es sich bei der Jugendkultur. Dabei ist unter jugendlich ein bestimmtes Stadium im Leben eines jeden Menschen zwischen Kindheit und Erwachsenenalter zu verstehen, das sich, neben vielen anderen Aspekten, auch auf die Sprache auswirkt und durch Sprache ausgedrückt wird, denn der Sprachgebrauch jugendlicher Menschen unterscheidet sich von dem anderer Altersgruppen und dient oftmals als Mittel der Abgrenzung gegenüber Anderen. So individuell wie die Jugendlichen selber ist auch ihr Sprachgebrauch, daher wird davon ausgegangen, dass es nicht die eine Jugendsprache gibt, sondern viele verschiedene ‚Sprachen’, die, würde man sie zusammenfassen, das Sprechen und den Sprachgebrauch Jugendlicher widerspiegeln.

Die Zeitschrift BRAVO ist überregional, sie wird von allen sozialen Schichten und Jungen und Mädchen unterschiedlichen Alters gleichermaßen gelesen und sie wird, was für unseren Zusammenhang von besonderer Bedeutung ist, nicht von Jugendlichen, sondern von Erwachsenen für Jugendliche geschrieben.

Daher wirft sich die Frage auf, ob die in der BRAVO verwendete Sprache spezifisch für den Sprachgebrauch Jugendlicher ist, anders gefragt: Ist es einer Zeitschrift wie der BRAVO, die sich selbst als „Spiegel der Jugend“[5] und Zeugnis der Jugendkultur bezeichnet, überhaupt möglich, einen authentischen Eindruck vom Sprachgebrauch der Jugendlichen zu geben oder handelt es sich vielmehr um eine (durch die Medien bedingte) Stilisierung von Sprache, die den Anschein von Jugendlichkeit und Modernität nur erwecken soll?

Dieser Frage soll im Rahmen der vorliegenden Hausarbeit nachgegangen werden.

Allerdings muss an dieser Stelle gleich eingeräumt werden, dass keine allgemein gültigen Aussagen über den Sprachgebrauch Jugendlicher gemacht werden können, da solch einer Aussage eine empirische Untersuchung zugrunde liegen müsste. Ob sich, die in der BRAVO verwendete Sprache mit dem aktuellen Sprachgebrauch Jugendlicher tatsächlich deckt, kann im Rahmen dieser Arbeit nur tendenziell untersucht werden, da hierzu empirische Untersuchungen über den Sprachgebrauch Jugendlicher benötigt würden und dies den Umfang der Arbeit sprengen würde. Wohl aber können und sollen Tendenzen und sprachliche Auffälligkeiten aufgezeigt und herausgestellt werden.

Um einen Eindruck von der Sprache Jugendlicher und dem Sprachgebrauch jugendlicher Menschen zu bekommen, ist es hilfreich, die Forschungsgeschichte heranzuziehen, denn schon seit langer Zeit sind die Sprache und der Sprachgebrauch jugendlicher Menschen Gegenstand der Forschung gewesen.

Daher soll zunächst, vor der Untersuchung des Sprachgebrauchs in der Jugendzeitschrift BRAVO, im ersten Teil dieser Hausarbeit ein kurzer Überblick über die Forschungsgeschichte und den aktuellen Stand der Forschung gegeben werden. Im Anschluss daran soll der eigentliche Untersuchungsgegenstand, die BRAVO, vorgestellt und untersucht werden. Als Untersuchungsgegenstand werden die Zeitschriftenausgaben 19 – 24 sowie 43 und 44 des Jahres 2006 herangezogen.

Zunächst wird dargestellt werden, wie Sprache in der BRAVO verwendet wird und welche sprachlichen Elemente bzw. Auffälligkeiten auftreten. Dabei soll besonders berücksichtigt werden, wo diese Auffälligkeiten auftreten und verwendet und wie sie eingesetzt werden. Im Anschluss daran wird anhand ausgewählter Beispiele eine Untersuchung der Wortarten, der Wortbildungen sowie der Syntax vorgenommen werden.

1. Annäherung an die Sprache von Jugendlichen - Ein Forschungsüberblick

1.1 Die Anfänge der deutschen Jugendsprachforschung

Das Forschungsfeld der deutschen `Jugendsprache´ ist zweifelsfrei nicht erst vor kurzer Zeit entstanden oder gar eine Modeerscheinung unseres Jahrhunderts, vielmehr handelt sich es hierbei um ein historisches Phänomen. Nachdem im Jahre 1687 „das Deutsche [...] von Thomasius in die Hörsäle eingeführt“[6] worden ist, kann auch seit etwa dieser Zeit von den Anfängen einer deutschen Studentensprache gesprochen werden. Bereits im 16. Jahrhundert ist die Jugendsprache „in Form des damaligen Studentenjargons empirisch belegt“[7] und auch aus dem 18. Jahrhundert lassen sich Untersuchungen zur deutschen Studentensprache finden. Bei diesen Forschungen handelt es sich vor allem um reine Wörterbuchverzeichnisse, welche die gebräuchlichen Wörter des Sprachgebrauchs der Jugendlichen (hier Studenten) dokumentieren. Das Handlexikon der unter den Herren Purschen auf Universitäten gebräuchlichsten Kunstwörter von Robert Salmasius aus dem Jahre 1749 gilt beispielsweise als eines der ersten dieser Wörterbuchverzeichnisse[8]. Nach diesem Vorbild sind dann etliche weitere Wörterbücher erschienen, so zum Beispiel im Jahre 1781 Kindlebens Studentenlexicon oder Augustins Idiotikon der Burschensprache aus dem Jahre 1795. Selbstverständlich muss bei all diesen Werken immerzu bedacht werden, dass die Studentenschaft zu dieser Zeit lediglich aus männlichen Studierenden bestand und die Wörterbuchverzeichnisse daher auch nur den damaligen Wortbestand der männlichen, akademischen Jugendlichen offenbaren. Somit beschreibt und dokumentiert die historische Studentensprache des 18. und 19. Jahrhunderts also lediglich einen Teil der damaligen Jugend, da die Sprechweisen weniger privilegierter Schichten keine Beachtung gefunden haben.

Bei nahezu allen dieser Wörterbücher zur Studentensprache können insbesondere vier Herkunftsbereiche rekonstruiert werden:

a. Die klassischen Sprachen der Antike, denn da die lateinische Sprache in der gelehrten Welt, somit also gerade auch bei den Studenten, ein sehr wichtiges Verständigungsmedium gewesen (und dies bis heute) ist, manifestierten sich daher auch sehr viele lateinische Begriffe in der Studentensprache.
b. Der biblisch-theologische Bereich, denn da die Theologie bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein sehr hohes wissenschaftliches Ansehen genossen hat, bot sich somit für die Studenten die Gelegenheit gerade Begriffe aus dem theologischen Bereich zu parodieren und karikieren, um auf diese Art und Weise Aufsehen zu erregen.
c. Der Sprachgebrauch der Gauner, denn gerade auch Studenten sind sehr viel auf Landstraßen gereist, auf denen sie dann wiederum mit Vagabunden und ähnlichen Personenkreisen in Kontakt gekommen sind. So haben sich dann manche Studenten das ein oder andere Wort aus den verschiedenen Sprachen der Gauner und Landstreicher angeeignet und haben es dann teilweise sogar in ihren eigenen Sprachgebrauch integriert.
d. Zoologische Elemente, denn da viele Tierarten mit bestimmten Eigenschaften gleichgesetzt werden, braucht es keiner großen Erklärung mehr, wenn man bestimmte Personen mit Tiernamen bezeichnet (z. B. junge „knusprige“ Mädchen= Backfisch)[9].

1.2 Die Sondersprachforschung

Die Studenten- und die Schülersprache sind nun auch im ausgehenden 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts Forschungsgegenstände der Sondersprachforschung des Deutschen gewesen. Es lassen sich daher auch aus diesem Zeitraum sehr viele Wörterbuchverzeichnisse finden, die den damals typischen Wortschatz der Studenten erfasst haben. Auffällig ist hierbei, dass viele Wörterbücher auf regionale Aspekte der Studentensprache beschränkt sind. Allerdings kann sicherlich davon ausgegangen werden, dass Wörterbücher, die lediglich die Studentensprache einer ganz bestimmten Region dokumentieren, bereits aussagekräftiger sind als ältere Wörterbücher, die noch von `der einen Studentensprache´ ausgehen, beziehungsweise sprechen.

In Analogie zu der Studentensprache hat es nun aber auch etliche Wörterbuchverzeichnisse zur Schüler- oder Pennälersprache gegeben, so etwa von Schladebach (1904), Steinhäuser (1906) oder Wocke (1918). Hierbei ist ebenfalls wie bei der Erforschung der Studentensprache festgestellt worden, dass es auch in der Pennälersprache große regionale Unterschiede gibt. Einige Forscher gehen sogar soweit, dass sie behaupten, die Pennälersprache sei lediglich „das ziemlich getreue Abbild der Studentensprache“[10].

Melzers Untersuchungen zur Breslauer Schülersprache von 1928 gehen nun erstmals über reine Wörterbuchverzeichnisse hinaus. Das heißt, Melzer stellt „mit den spezifischen Ausdrucksweisen das zeitlich und örtlich gebundene Schülerleben“[11] dar, wodurch zumindest ansatzweise eine sprachbiographische Perspektive eingenommen wird. Es geht hierbei also darum die Sprache und das Leben der Schüler und Studenten, kurz der Jugendlichen, in eine Beziehung zu setzen. Laut Melzers Untersuchungen tritt die Schülersprache vor allem in den Themenbereichen Schule, Sport und Spiel sowie Mitmenschen auf. Diverse Forscher sprechen in diesem Zusammenhang von der bis zu dieser Zeit „theoretisch und methodisch fortgeschrittenste[n] Arbeit“[12]. Außer der kurzzeitigen Beschäftigung mit den so genannten Schülergeheimsprachen hat „die sondersprachliche Erforschung der Studenten- und Schülersprache seitdem [erst einmal] keine nennenswerte Fortsetzung mehr“[13] gefunden.

Das damalige Verständnis von `Schülersprache´ hat nun so ausgesehen, dass man von einer Homogenität der Sprachbenutzer und des Sprachgebrauchs ausgegangen ist. Zudem hat man einen themengebundenen Sonderwortschatz konstatiert und es ist zu „einem Verzicht auf übergreifende theoretische Beschreibungs- und Erklärungszusammenhänge“[14] gekommen. Bei den bisherigen Forschungsergebnissen der Jugendsprachforschung können somit oftmals methodische Mängel festgestellt werden, da die meisten Ergebnisse auf Grund der Auswertung von Fragebögen oder Interviews zustande gekommen sind. Authentische Gespräche mit Jugendlichen finden dahingegen bei diesen Untersuchungen kaum Berücksichtigung. Daraus resultierend kann vermutet werden, dass durch (Erhebungs-)Methoden wie beispielsweise Fragebögen lediglich das herausgefunden werden kann, was von vorneherein vermutet und erwartet wird. Raum für völlig neue und unerwartete Ergebnisse gibt es hierbei allerdings nicht, und „[z]udem fehlt in den meisten Untersuchungen die Einbeziehung des situativen Kontextes des Sprechens“[15].

1.3 Jugendsprachforschung in der Zeit von 1945 bis 1980

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat die Sondersprachforschung erst wieder gegen Ende der 50er Jahre eingesetzt. Hierbei ist es in erster Linie erneut um das Sammeln und Registrieren von `typisch jugendsprachlichen Ausdrücken´ gegangen. Bei den meisten Arbeiten zur Jugendsprache ist es zu einem recht negativen Werturteil gekommen, da zu dieser Zeit beispielsweise sehr viele Ausdrücke des jugendlichen Sprachgebrauchs aus der Gaunersprache stammten. Hans Marcus hat im Jahre 1962 mit seinem Buch Twen-Deutsch die bis dahin positivste Bewertung der Jugendsprache geliefert, da er darin auch „einige Prinzipien der jugendlichen Wortschatzbildungen (unter anderem `Metaphern´, `Anglizismen´, `Neologismen´) erläutert“[16] und den Jugendlichen somit eine gewisse sprachliche Kreativität zubilligt. Bei fast allen Untersuchungen dieser Zeit ist jedoch zu bemängeln, dass die genauen Angaben der Quellennachweise schlichtweg fehlen. Nichtsdestotrotz kann sicherlich als positiver Wert dieser Arbeiten festgehalten werden, dass viele der schon damals dokumentierten Begriffe des jugendlichen Sprachgebrauchs auch heute noch gebräuchliche Ausdrücke für viele Jugendliche darstellen.

In den 60er und 70er Jahren ist es dann jedoch durch Küpper zu einer Wiederaufnahme der Forschungen zur Schülersprache gekommen, da er sehr viele und umfangreiche Untersuchungen und Umfragen in Schulen, Kasernen, Hochschulen et cetera durchgeführt hat. Bereits im Vorwort seines kleinen Lexikons Schülerdeutsch weist Küpper daraufhin, dass es ihm darum geht, „auf sprachlichem Weg das Verständnis für die heutige Jugend“[17] zu vertiefen. Im Gegensatz zu Melzer teilt Küpper den Schülerwortschatz in den Erfahrungsbereich der Schule und in außerschulische Bereiche, wie Ferien und Freizeit (zum Beispiel Partys), die Gruppe und Englisches Schülerdeutsch (stress, homework) ein. Der Erfahrungsbereich der Schule wird dann selber noch einmal in die Unterbereiche Schule und Lehre, Lernen (pauken, fuschen) und Autorität eingeteilt. Im direkten Vergleich sieht man bereits hieran, dass die Einteilungen Küppers schon differenzierter als beispielsweise noch die von Melzer aus dem Jahre 1928 sind. Die Wörterbuchverzeichnisse Küppers sind wesentlich wissenschaftlicher als die seiner Vorgänger, da direkt auffällt, „daß hier keine oberflächliche Arbeit geleistet, sondern erstmals Literaturbelege, Etymologienachweise und andere Quellen angeführt wurden“[18].

1.4 Die linguistische Jugendsprachforschung

1.4.1 Die 80er Jahre

Ab dem Beginn der 80er Jahre ist es dann zu Innovationen durch die linguistische Jugendsprachforschung gekommen. Hierzu gibt es nun etliche Untersuchungen aus dieser Zeit, da die Forscher ganz unterschiedliche Ziele mit ihren Forschungen verfolgt haben. Henne ist es beispielsweise um den pragmatischen Anspruch gegangen, wohingegen Heinemann die lexikographischen Traditionen weitergeführt und Januschek sich für die Phraseologien innerhalb der Jugendsprache(n) interessiert hat. Neben dieser großen Vielfalt an theoretischen Zugängen hat sich dann allerdings auch das Methodenspektrum der Jugendsprachforschung erweitert. So werden von nun an neben den bisher üblichen Fragebögen und Interviews auch vermehrt teilnehmende Beobachtungen und Interaktionsanalysen zur Jugendsprachforschung eingesetzt.[19]

Wie bereits zuvor erwähnt, hat bei den Forschern zur Jugendsprache lange Zeit lediglich die Lexik im Vordergrund beziehungsweise im Mittelpunkt des Interesses gestanden. Morphologische, syntaktische oder linguistische Auffälligkeiten im Sprachgebrauch der Jugendlichen haben dahingegen so gut wie keinerlei Berücksichtigung gefunden. Erst im Jahre 1986 ist es mit Helmut Hennes Werk Jugend und ihre Sprache zu der ersten (tatsächlich wissenschaftlichen) Veröffentlichung zum Thema Jugendsprache gekommen, „die neben lexikalischen auch syntaktische, morphologische und phonologische Gesichtspunkte der Jugendsprache“[20] zu Grunde gelegt hat. So findet Henne beispielsweise heraus, dass ganz bestimmte studentische Ausdrucksweisen zwar in diversen Studentenwörterbüchern verzeichnet sind, es im Laufe der Jahre jedoch zu teilweise recht unterschiedlichen Bedeutungen und Aussageabsichten dieser Worte gekommen ist[21]. Des Weiteren hat sich Henne in diesem Buch bereits auch schon mit dem Thema `Jugendsprache in den Medien´ beschäftigt, was bis zu dieser Zeit noch ganz eindeutig als Forschungsdesiderat angesehen werden konnte. Von dieser Zeit an kann dann jedoch regelrecht von einer Vermarktung der Jugendsprache in den Medien gesprochen werden, da es zu dieser Zeit diverse Bücher und Fernsehsendungen gegeben hat, die das Thema Jugendsprache thematisieren. Schlobinski et al. weisen in diesem Zusammenhang jedoch deutlich darauf hin, dass es sich hierbei nicht um „Jugendsprache, sondern eine Stilisierung von Jugendsprache“[22], also eine durch die Medien geschaffene Fiktion von Jugendsprache, handelt. Dies wirft somit zugleich auch die Frage auf, ob sich das, was die Medien als Jugendsprache darstellen, tatsächlich mit dem Sprachgebrauch der Jugendlichen deckt. In Hinblick auf diverse Untersuchungen diesbezüglich kann wohl davon ausgegangen werden, dass viele Begriffe, die in den Medien als jugendsprachlich ausgegeben werden, tatsächlich von Jugendlichen verwendet werden. In den Medien kommt es allerdings zu einer übermäßigen Häufung dieser Begriffe und darüber hinaus erscheint der Einsatz von jugendsprachlichen Ausdrücken oder Floskeln in den Medien viel unreflektierter als bei den Jugendlichen selber.

[...]


[1] Jedes Heft wird 2-3mal umgeschlagen und die Auflagenhöhe liegt bei 521 615 Exemplaren. Quelle: http://www.bauermedia.com/jugend.0.html. (Datum 01.11.2006, 21:15h)

[2] siehe dazu das Online-Angebot unter: http://www.deutscheszeitungsmuseum.de/main.php?nav=178&lang=1 (Datum: 01.11.06, 21:00h)

[3] Stollberg, J.: Wie tickt die Jugend 2000? Wie BRAVO ihre „Kids“ erreicht, in: Knoll, J., Monssen- Engberding, E. (Hrsg.), BRAVO, Sex und Zärtlichkeit. Medienwissenschaftler und Medienmacher über ein Stück Jugendkultur. Forum Verlag Godesberg, Mönchengladbach 2000, S. 36- 41, hier: S. 38. [künfitg zitiert als: Stollberg, J.: Wie tickt die Jugend 2000?]

[4] Das Archiv der Jugendkulturen hat so den Band 50 Jahre Bravo herausgegeben. 50 Jahre Bravo (Hrsg.) Archiv der Jugendkulturen e.V. Tilsner, Bad Tölz 2006. [künftig zitiert als Bravo wird 50.]

[5] Stollberg, J.: Wie tickt die Jugend 2000?, S. 38.

[6] Neuland, E.: Jugendsprache- Jugendliteratur- Jugendkultur. Interdisziplinäre Beiträge zu sprachkul-

turellen Ausdrucksformen Jugendlicher. Frankfurt a. M. : Peter Lang 2003. S. 92.

[7] Ehmann, H.: Jugendsprache und Dialekt. Regionalismen im Sprachgebrauch von Jugendlichen.

Opladen: Westdeutscher Verlag 1992. S. 9. [künftig zitiert als: Ehmann, H.: Jugendsprache und

Dialekt. 1992.]

[8] Vgl. Neuland, E. (Hrsg.): Jugendsprachen. Spiegel der Zeit. Frankfurt a. M.: Peter Lang 2003. S. 10.

[künftig zitiert als: Neuland, E. (Hrsg.): Jugendsprachen. 2003.]

[9] Vgl. Ehmann, H.: Jugendsprache und Dialekt. 1992. S. 36-39.

[10] Ehmann, H.: Jugendsprache und Dialekt. 1992. S. 43.

[11] Dürscheid, Ch.: Perspektiven der Jugendsprachforschung. Frankfurt a.M.: Lang 2006. S. 52. [künftig

zitiert als: Dürscheid, Ch.: Perspektiven der Jugendsprachforschung. 2006.]

[12] Henne, H.: Jugend und ihre Sprache. Berlin: de Gruyter 1986. S. 13. [künftig zitiert als: Henne, H.:

Jugend und ihre Sprache. 1986.]

[13] Dürscheid, Ch.: Perspektiven der Jugendsprachforschung. 2006. S. 53.

[14] Ebd. S. 54.

[15] Augenstein, S.: Funktionen von Jugendsprache. Studien zu verschiedenen Gesprächstypen des

Dialogs Jugendlicher mit Erwachsenen. Tübingen. Niemeyer 1998. S. 2. [künftig zitiert als: Augen-

stein, S.: Funktionen von Jugendsprache. 1998.]

[16] Ehmann, H.: Jugendsprache und Dialekt. 1992. S. 44.

[17] Küpper, H. u. M.: Lexikon. Schülerdeutsch. Hamburg: Claassen 1972.

[18] Ehmann, H.: Jugendsprache und Dialekt. 1992. S. 46.

[19] Vgl. Neuland, E. (Hrsg.): Jugendsprachen. S. 13.

[20] Ehmann, H.: Jugendsprache und Dialekt. 1992. S. 32.

[21] Vgl. Henne, H.: Jugend und ihre Sprache. 1986. S. 2-5.

[22] Schlobinski, P./ Kohl, G./ Ludewigt, I.: Jugendsprache. Fiktion und Wirklichkeit. Opladen: West-

deutscher Verlag 1993. S. 11.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Jugendsprache: Untersuchungen zum Sprachgebrauch in der Jugendzeitschrift BRAVO
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
36
Katalognummer
V85266
ISBN (eBook)
9783638010832
ISBN (Buch)
9783638915519
Dateigröße
657 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugendsprache, Untersuchungen, Sprachgebrauch, Jugendzeitschrift, BRAVO
Arbeit zitieren
Stephanie Reuter (Autor), 2006, Jugendsprache: Untersuchungen zum Sprachgebrauch in der Jugendzeitschrift BRAVO, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85266

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