Die Jugendzeitschrift BRAVO hat gerade im Zuge des in diesem Jahre zu feiernden 50-jährigen Jubiläums große Aufmerksamkeit gefunden. Die kommerzielle Zeitschrift BRAVO ist das am weitesten verbreitetste und am meisten verkaufte Printmedium für die Zielgruppe der Jugendlichen im Alter von 12-19 Jahren. Ihre Erfolgsgeschichte dauert nun schon mehr als 50 Jahre an, seitdem am 26. August 1956 die erste Ausgabe auf den Markt kam.
Das Deutsche Zeitungsmuseum in Wadgassen präsentiert eine Ausstellung, die die Geschichte der BRAVO in den Fokus stellt und neben zahlreichen Berichten in den Feuilletons gab die Jahresfeier auch den Anlass zu einigen sowohl wissenschaftlichen als auch an den normalen Leser gerichtete Publikationen. Besonders dem Thema Sexualität und Aufklärung und dessen nicht immer unumstrittene Darbietung in der BRAVO wird dabei verstärkt Aufmerksamkeit zuteil. Wie auch die BRAVO – Macher die selber angeben, dass sie mit ihrer Arbeit der „Spiegel der Jugend“ zu sein gedenken, wird die BRAVO allgemein als Zeugnis der Jugendkultur in Deutschland angesehen und herangezogen.
Ein wichtiger Teil, der Kultur ausmacht, ist die Sprache, nicht anders verhält es sich bei der Jugendkultur. Dabei ist unter jugendlich ein bestimmtes Stadium im Leben eines jeden Menschen zwischen Kindheit und Erwachsenenalter zu verstehen, das sich, neben vielen anderen Aspekten, auch auf die Sprache auswirkt und durch Sprache ausgedrückt wird, denn der Sprachgebrauch jugendlicher Menschen unterscheidet sich von dem anderer Altersgruppen und dient oftmals als Mittel der Abgrenzung gegenüber Anderen. So individuell wie die Jugendlichen selber ist auch ihr Sprachgebrauch, daher wird davon ausgegangen, dass es nicht die eine Jugendsprache gibt, sondern viele verschiedene ‚Sprachen’, die, würde man sie zusammenfassen, das Sprechen und den Sprachgebrauch Jugendlicher widerspiegeln.
Die Zeitschrift BRAVO ist überregional, sie wird von allen sozialen Schichten und Jungen und Mädchen unterschiedlichen Alters gleichermaßen gelesen und sie wird, was für unseren Zusammenhang von besonderer Bedeutung ist, nicht von Jugendlichen, sondern von Erwachsenen für Jugendliche geschrieben.
Inhaltsverzeichnis
1. Annäherung an die Sprache von Jugendlichen - Ein Forschungsüberblick
1.1 Die Anfänge der deutschen Jugendsprachforschung
1.2 Die Sondersprachforschung
1.3 Jugendsprachforschung in der Zeit von 1945 bis 1980
1.4 Die linguistische Jugendsprachforschung
1.4.1 Die 80er Jahre
1.4.2 Die 90er Jahre
1.4.3 Aktuelle Forschungen zur Jugendsprache
2. Die BRAVO
2.1 Beschreibung des Untersuchungsgegenstands
2.2 Die Stimmen der BRAVO
2.3 Der „Sonderfall“ – Die Dr. Sommer Sprechstunde
3. Analyse der sprachlichen Auffälligkeiten
3.1 Anglizismen
3.2 Orthographie
3.3 Interpunktion
3.4 Die Wortarten
3.4.1 Die Nomen
3.4.2 Die Adjektive
3.4.3 Die Konjugation der Verben
3.4.4 Die Steigerungsformen
3.4.5 Partikeln
3.5 Die Wortbildung
3.5.1 Komposita
3.5.2 Derivation
3.5.3 Zusammenrückungen
3.5.4 Kürzungen
3.6 Syntax
3.7 Hyperbolismen
3.8 Phraseologismen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Sprachgebrauch in der Jugendzeitschrift BRAVO, um zu klären, ob die dort verwendete Sprache authentisch den Sprachgebrauch Jugendlicher widerspiegelt oder eine durch Medien bedingte Stilisierung von Sprache darstellt.
- Historischer Forschungsüberblick der deutschen Jugendsprachforschung
- Analyse der BRAVO als Untersuchungsgegenstand und deren Leserinteraktion
- Untersuchung sprachlicher Auffälligkeiten (Anglizismen, Wortarten, Syntax)
- Differenzierung zwischen Standardsprache und jugendsprachlichen Elementen
- Betrachtung der „Dr. Sommer Sprechstunde“ als Sonderfall der sprachlichen Gestaltung
Auszug aus dem Buch
3.4.2 Die Adjektive
Besonders auffällig ist auch hier das Auftreten von Anglizismen, wobei englische Adjektive nach den Prinzipien der deutschen Flexion vor allem attributiv und prädikativ gebraucht werden.
Attributiv gebrauchte Adjektive
Die Adjektive stehen vor dem Nomen, sie werden flektiert, sie passen sich in Numerus, Kasus und Genus dem Nomen an, sind kongruent.
„Er befummelt seine Tänzerin, macht coole Moves.“ (22/2006, S.7)
„Sie sind einfach Killer! Sie sind die rockige Punk-Sensation aus Bayern!“ (23/2006, S.30)
„In ‚Still Dirty’ zum Beispiel geht es musikalisch und textlich gewohnt dancig zu Sache.“ (22/2006, S.14)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Annäherung an die Sprache von Jugendlichen - Ein Forschungsüberblick: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss über die Entwicklung der Jugendsprachforschung von den Anfängen der Studentensprache bis hin zu aktuellen linguistischen Ansätzen.
2. Die BRAVO: Hier wird der Untersuchungsgegenstand vorgestellt, wobei der Fokus auf der Leseransprache, der Interaktion durch Rubriken und der Rolle der „Dr. Sommer Sprechstunde“ liegt.
3. Analyse der sprachlichen Auffälligkeiten: In diesem Hauptteil werden spezifische sprachliche Merkmale wie Anglizismen, Wortbildung, Syntax und Hyperbolismen innerhalb der BRAVO detailliert untersucht und linguistisch eingeordnet.
Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Sprache der BRAVO eine stilisierte, konstruierte Form ist, die nicht direkt der gesprochenen Jugendsprache entspricht, sondern als medial geprägtes Abbild fungiert.
Schlüsselwörter
Jugendsprache, BRAVO, Jugendsprachforschung, Anglizismen, Sprachgebrauch, Medienlinguistik, Jugendkultur, Wortbildung, Dr. Sommer Sprechstunde, Syntax, Stilisierung, Jugendzeitschrift, Sprachanalyse, Authentizität, Jugend.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Sprache in der Jugendzeitschrift BRAVO verwendet wird und ob diese einen authentischen Eindruck des Sprachgebrauchs Jugendlicher vermittelt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verbindet die Forschungsgeschichte der Jugendsprache mit einer konkreten linguistischen Analyse der BRAVO, unterteilt in verschiedene Sprachkategorien.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob die BRAVO tatsächlich jugendlichen Sprachgebrauch abbildet oder ob es sich um eine stilisierte, mediale Form von Sprache handelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine linguistische Analyse ausgewählter Ausgaben der BRAVO aus dem Jahr 2006, um sprachliche Elemente wie Wortarten, Syntax und Wortbildung zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Anglizismen, Wortarten, Wortbildungen, Syntax sowie rhetorischen Mitteln wie Hyperbolismen und Phraseologismen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Jugendsprache, Anglizismen, Sprachstilisierung, Medienkommunikation und Jugendkultur.
Warum ist die „Dr. Sommer Sprechstunde“ ein Sonderfall in der Analyse?
Sie unterscheidet sich sprachlich vom Rest der Zeitschrift, da sie bewusster auf einfache Standardsprache setzt, um Seriosität und fachliche Kompetenz der Berater zu unterstreichen.
Welche Rolle spielen Anglizismen in der BRAVO?
Sie sind laut Analyse das dominierende Merkmal der sprachlichen Auffälligkeit und dienen vor allem dazu, modern zu wirken und Gruppenzugehörigkeit innerhalb der Jugendkultur zu signalisieren.
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- Stephanie Reuter (Author), 2006, Jugendsprache: Untersuchungen zum Sprachgebrauch in der Jugendzeitschrift BRAVO, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85266