Die Kultur des ausgehenden 20. und des beginnenden 21. Jahrhunderts wird als
"visuelle Kultur" bezeichnet. Somit sollten photographische und nicht gemalte Bilder im Zentrum politikwissenschaftlichen Erkenntnisinteresses stehen.
Ein Ansatz, der erklären kann, warum Bilder nicht im Zentrum stehen, möchte ich in
meiner Arbeit untersuchen: In Anbetracht der Vielzahl sozialwissenschaftlicher
Methoden ist deshalb noch kein einheitliches Analyseschema in den Sozialwissenschaften entwickelt worden, weil der Erkenntniszuwachs begrenzt ist.
Die bildlich transportierten Informationen sind durch sozialwissenschaftliche Forschung bereits vorhanden.
Exemplarisch soll diese These anhand des berühmten und in einer breiten
Öffentlichkeit wahrgenommenen Kniefalls des damaligen Bundeskanzler Willy Brandt
in Warschau verworfen oder vorläufig bestätigt werden.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung: Pictorial Turn
- 2. Methodische Reflexion
- 3. Bildauswahl / Medienanalyse
- 4. Methodische Zugriffe
- 4.1 Sender / Produzentenebene
- 4.2 Empfänger / Rezipientenebene
- 4.3 Bildsysteme
- 4.4 Das Bild als Mythos, Ritual, Symbol
- 4.4.1 Mythos
- 4.4.2 Ritual
- 4.4.3 Symbol / symbolische Politik
- 4.5 Objektive Hermeneutik
- 5 Technische Zugriffe
- 6.Schlussfolgerung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit zielt darauf ab, die Grenzen und Möglichkeiten der Bildinterpretation in der Politikwissenschaft zu untersuchen. Sie analysiert, wie Bilder im Kontext der "visuellen Kultur" des 21. Jahrhunderts politisch interpretiert werden können und welche Erkenntnisse sich aus dieser Interpretation gewinnen lassen.
- Der "pictorial turn" in den Sozialwissenschaften
- Die Eignung von Bildern als Analyseeinheit in der Politikwissenschaft
- Methodische Zugriffe auf die Bildinterpretation
- Die Rolle von photographischen Bildern in der heutigen Gesellschaft
- Der Einfluss von Bildern auf politische Prozesse und die öffentliche Meinung
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung beleuchtet den "pictorial turn" und dessen Bedeutung für die Politikwissenschaft. Kapitel 2 reflektiert die methodischen Herausforderungen der Bildanalyse und thematisiert das Fehlen eines einheitlichen Analyseschemas. Kapitel 3 erläutert die Bildauswahl und die mediale Resonanz des Kniefalls von Willy Brandt in Warschau. Kapitel 4 stellt verschiedene methodische Zugriffe vor, einschließlich des Ansatzes von Elder / Cobb (1983) für die Bildanalyse. Kapitel 5 befasst sich mit der technischen Seite des Bildes.
Schlüsselwörter
Die zentralen Schlüsselwörter und Themenschwerpunkte der Arbeit sind: "pictorial turn", visuelle Kultur, Bildanalyse, Politikwissenschaft, Bildinterpretation, Medienanalyse, Willy Brandt, Kniefall in Warschau, photographische Bilder, methodische Zugriffe, symbolische Politik, Objektive Hermeneutik.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet der "Pictorial Turn" in der Politikwissenschaft?
Er beschreibt die Wende hin zur visuellen Kultur, in der Bilder als eigenständige Quellen und Akteure politischer Kommunikation anerkannt werden.
Warum wird der Kniefall von Willy Brandt als Beispiel genutzt?
Der Kniefall in Warschau ist ein Paradebeispiel für symbolische Politik, bei der ein Bild mehr Informationen transportiert als Worte allein.
Was ist Objektive Hermeneutik in der Bildanalyse?
Es ist ein methodischer Zugriff, um die latenten Sinnstrukturen und die objektive Bedeutung eines Bildes jenseits der Intention des Fotografen zu entschlüsseln.
Können Bilder politische Prozesse beeinflussen?
Ja, Bilder wirken als Mythen, Rituale oder Symbole und können die öffentliche Meinung sowie diplomatische Beziehungen massiv prägen.
Welche Grenzen hat die Bildinterpretation?
Grenzen liegen oft im Fehlen eines einheitlichen Analyseschemas und darin, dass visuelle Informationen oft bereits durch andere Quellen bekannt sind.
- Citation du texte
- Dipl. Verw. Wiss. Ralph Wenzl (Auteur), 2006, Grenzen und Möglichkeiten der Bildinterpretation in der Politikwissenschaft - ein Erklärungsversuch anhand Willy Brandts Kniefall in Warschau, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85271