Die Beauftragung externer Unternehmen im Rahmen von Auftragsprojekten ist ein in der Praxis schon lange existierendes und weit verbreitetes Phänomen. Als erstes großes Auftragsprojekt gilt der 1989 geschlossene Vertrag zwischen Kodak und IBM, bei dem Kodak einen Großteil der eigenen Informationstechnologie an die Dienstleister IBM, Businessland und DEC ausgelagert hat. Diese Entwicklung begann aber schon mit ersten Projekten in den 50er Jahren, bei denen Aufgaben im Bereich der Wartung und Entwicklung von Informationssystemen an externe Dienstleister vergeben wurden. In aktuellen Studien wird damit gerechnet, dass sich das Volumen dieses Marktes in den kommenden Jahren noch weiter erhöhen wird. Allerdings werden die im Vorfeld definierten Erwartungen an Auftragsprojekte oft nicht erfüllt.
Das Ziel der Arbeit ist die Identifikation der in der Praxis auftretenden Einflussfaktoren der Kunden-Lieferanten-Beziehung auf den Erfolg von Auftragsprojekten in der Softwareentwicklung.
Die Arbeit selbst gliedert sich in sieben Kapitel. Kapitel 1 erläutert die wissenschaftlichen Grundlagen wie die Problemstellung, die Zielsetzung, die zu erwartenden Ergebnisse und die zentralen Begriffe der Arbeit. In Kapitel 2 wird die durchgeführte Literaturrecherche zu bisher in der wissenschaftlichen Literatur bekannten Einflussfaktoren der Kunden-Lieferanten-Beziehung auf den Erfolg von Auftragsprojekten in der Softwareentwicklung dargestellt. Kapitel 3 gibt einen Überblick über die Gestaltung der empirischen Untersuchung. Hierbei wird auf die Untersuchungsmethode und den genauen Untersuchungsablauf eingegangen. Kapitel 4 enthält grundlegende Informationen zu den Ergebnissen der empirischen Untersuchung. Dazu gehören Informationen zu den Untersuchungsteilnehmern, den untersuchten Auftragsprojekten sowie der Beschaffenheit der identifizierten Einflussfaktoren der Kunden-Lieferanten-Beziehung. Den Hauptteil der Arbeit stellt Kapitel 5 dar, in dem die verschiedenen identifizierten Einflussfaktoren kategorisiert und erläutert werden. Ebenfalls beinhaltet Kapitel 5 einen Vergleich zwischen den in der Untersuchung erhobenen Einflussfaktoren und den bisher in der wissenschaftlichen Literatur untersuchten Faktoren. Kapitel 6 stellt anschließend eine Bewertung der Ergebnisse aus den vorangegangenen Kapiteln dar. Kapitel 7 ist ein abschließendes Fazit der Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Vorgehensweise
1.4 Definition grundlegender Begriffe
2. Forschungsstand zu Einflussfaktoren der Kunden-Lieferanten-Beziehung
3. Konzeption der empirischen Untersuchung
3.1 Spezifizierung der Untersuchungsmethode
3.1.1 Hintergrund der Methode
3.1.2 Zusammenfassende Darstellung der Methode
3.1.3 Untersuchungsbezogene Gestaltung der Methode
3.2 Ablauf der Untersuchung
3.2.1 Auswahl der Untersuchungsteilnehmer
3.2.2 Durchführung der Interviews
4. Allgemeine Darstellung der Untersuchungsergebnisse
4.1 Charakterisierung der Untersuchungsteilnehmer und Organisationen
4.2 Charakterisierung der betrachteten Auftragsprojekte
4.3 Konsolidierung der erhobenen Einflussfaktoren
5. Darstellung der erhobenen Einflussfaktoren der Kunden-Lieferanten-Beziehung
5.1 Einflussfaktoren der Dimension „Art der beteiligten Parteien“
5.2 Einflussfaktoren der Dimension „Art und Menge der ausgetauschten Dinge“
5.3 Einflussfaktoren der Dimension „Vereinbarungen“
5.4 Einflussfaktoren der Dimension „Richtung des Austausches“
5.5 Sonstige Einflussfaktoren
5.5.1 Einflussfaktoren der Dimension „Organisatorische Gestaltung des Austausches“
5.5.2 Einflussfaktoren der Dimension „(zwischen-)menschliche Aspekte“
5.5.3 Einflussfaktoren der Dimension „Zeitlich bezogene Aspekte“
5.6 Vergleich der Ergebnisse mit der wissenschaftlichen Literatur
6. Kritische Reflexion
6.1 Beurteilung der Untersuchung
6.2 Relevanz der Ergebnisse
6.3 Vorschläge zur weiteren Verwendung der Ergebnisse
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Identifikation von in der Praxis auftretenden Einflussfaktoren der Kunden-Lieferanten-Beziehung auf den Erfolg von Auftragsprojekten in der Softwareentwicklung. Die Forschungsfrage untersucht, welche Faktoren dabei eine determinierende Rolle spielen und gleicht diese mit Erkenntnissen aus der bisherigen wissenschaftlichen Literatur ab, um das bestehende Verständnis zu erweitern.
- Identifikation praxisrelevanter Einflussfaktoren der Kunden-Lieferanten-Beziehung.
- Einsatz der Repertory Grid-Methode zur Erhebung subjektiver Konstrukte.
- Relevanzüberprüfung der literaturbasierten Faktoren im Projektkontext.
- Erweiterung des theoretischen Modells nach Levine und White um neue Dimensionen.
- Ableitung von Empfehlungen zur Verbesserung der Erfolgschancen bei Auftragsprojekten.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Hintergrund der Methode
Als empirische Untersuchungsmethode wird die Repertory Grid-Methode angewendet. Diese hat ihren Ursprung in der Psychologie und stellt die methodische Erweiterung der Theorie der persönlichen Konstrukte nach Kelly dar. Die Grundlage der Theorie der persönlichen Konstrukte ist die Tatsache, dass jedes menschliche Individuum während seines Lebens, basierend auf seinen eigenen Erfahrungen, ein System von persönlichen Konstrukten erfindet. Dieses System wird von den Individuen dazu genutzt, ihre aktuelle Situation zu interpretieren und zukünftige Ereignisse zu antizipieren. Die Repertory Grid-Methode ist eine Interviewmethode zur Erforschung und Identifikation dieser persönlichen Konstrukte. Dabei wird versucht mit Hilfe von kognitiven Abbildungen die subjektive Sicht einer Person auf ein bestimmtes Phänomen der Welt darzustellen.
Im Rahmen von Untersuchungen in der Softwareentwicklung werden bspw. die persönlichen Konstrukte von Individuen im Bezug auf das Phänomen der Entwicklung und Steuerung von Software in Organisationen untersucht. Das Ziel dieser Arbeit ist, wie in Kapitel 1 beschrieben, die Identifikation von in der Praxis bekannten Einflussfaktoren der Kunden-Lieferanten-Beziehung auf den Erfolg von Auftragsprojekten in der Softwareentwicklung. Diese Einflussfaktoren spiegeln sich in den persönlichen Konstruktsystemen der Untersuchungsteilnehmer wieder. Mit Hilfe der Repertory Grid-Methode wird versucht, diese Faktoren zu identifizieren.
Die Methode wurde in früheren Untersuchungen zu verschiedenen Themenstellungen eingesetzt. Im Bereich der Softwareentwicklung fand die Methode unter anderem bei Moynihan und Hunter Anwendung. Die Güte der Ergebnisse dieser Arbeiten zeigt, dass die Repertory Grid-Methode im Untersuchungskontext Softwareentwicklung verwendet werden kann. Die bisherigen Arbeiten verfolgten das Ziel, möglichst viele, auch thematisch unabhängige Einflussfaktoren zu generieren. Die vorliegende Arbeit unterscheidet sich von den bisherigen Arbeiten durch den engeren Untersuchungsfokus. Durch die spezifische Ausgestaltung der Methode wird gezielt die Identifikation von Einflussfaktoren der Kunden-Lieferanten-Beziehung auf den Erfolg von Auftragsprojekten in der Softwareentwicklung gefördert. Weitere, thematisch unabhängige Einflussfaktoren auf den Erfolg von Auftragsprojekten werden nicht betrachtet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Problemstellung, Zielsetzung sowie die wissenschaftlichen Grundlagen und zentralen Begriffe der Untersuchung.
2. Forschungsstand zu Einflussfaktoren der Kunden-Lieferanten-Beziehung: Es erfolgt eine Literaturrecherche, um bisher bekannte Einflussfaktoren auf den Erfolg von Software-Auftragsprojekten zu identifizieren.
3. Konzeption der empirischen Untersuchung: Das Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen, insbesondere den Einsatz der Repertory Grid-Methode, sowie den Ablauf der Datenerhebung.
4. Allgemeine Darstellung der Untersuchungsergebnisse: Hier werden die befragten Teilnehmer, die Organisationen und die untersuchten Auftragsprojekte charakterisiert sowie der Prozess der Faktorkonsolidierung beschrieben.
5. Darstellung der erhobenen Einflussfaktoren der Kunden-Lieferanten-Beziehung: Dieser Hauptteil kategorisiert die identifizierten Einflussfaktoren in verschiedene Dimensionen und gleicht sie mit der Literatur ab.
6. Kritische Reflexion: Das Kapitel beurteilt die gewählte Untersuchungsmethode, diskutiert die Relevanz der Ergebnisse und gibt Empfehlungen für zukünftige Forschungsarbeiten.
7. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und einer Reflektion darüber, wie die Zielsetzung erreicht wurde.
Schlüsselwörter
Auftragsprojekte, Softwareentwicklung, Kunden-Lieferanten-Beziehung, Einflussfaktoren, Projekterfolg, Repertory Grid-Methode, Outsourcing, Wissensmanagement, Projektmanagement, empirische Untersuchung, Vertragsgestaltung, Kooperation, Organisationsstruktur, Kommunikation, Konstrukte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Einflussfaktoren der Kunden-Lieferanten-Beziehung, die den Erfolg von Auftragsprojekten im Bereich der Softwareentwicklung determinieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die Definition und Steuerung von Kunden-Lieferanten-Beziehungen, die Identifikation von Erfolgsfaktoren durch empirische Forschung und der Vergleich dieser Faktoren mit wissenschaftlicher Literatur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Identifikation von in der Praxis auftretenden Einflussfaktoren der Kunden-Lieferanten-Beziehung, da bisher kein vollständiges Verzeichnis für den Erfolg von Auftragsprojekten in der Softwareentwicklung existiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die qualitative Repertory Grid-Methode, um subjektive Konstrukte der Befragten zu erheben und daraus praxisrelevante Einflussfaktoren abzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil (Kapitel 5) werden die erhobenen Faktoren in spezifische Dimensionen kategorisiert, erläutert und den bisher bekannten wissenschaftlichen Faktoren gegenübergestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Auftragsprojekte, Softwareentwicklung, Kunden-Lieferanten-Beziehung, Projekterfolg und Repertory Grid-Methode charakterisiert.
Warum wurde die Repertory Grid-Methode gewählt?
Diese Methode ist besonders geeignet, um idiographisch neue, bisher unbekannte Einflussfaktoren zu identifizieren, die durch standardisierte Fragebögen möglicherweise nicht erfasst worden wären.
Welche Rolle spielt die Definition von Levine und White?
Das Modell von Levine und White dient als Grundlage zur Kategorisierung der Faktoren, wobei die Ergebnisse der Arbeit eine Erweiterung um zusätzliche Dimensionen wie „organisatorische Gestaltung“ und „zwischenmenschliche Aspekte“ nahelegen.
Welche Einschränkungen weist die Untersuchung auf?
Die Untersuchung konzentriert sich primär auf die Perspektive von Lieferanten und weist aufgrund der begrenzten Probandenanzahl (10 Interviews) keinen Anspruch auf statistische Vollständigkeit auf.
- Quote paper
- Nikolaus Schmidt (Author), 2007, Erhebung von Einflussfaktoren der Kunden-Lieferanten-Beziehung auf den Erfolg von Auftragsprojekten in der Softwareentwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85275