Der Wissenschaftler Harold D. Laswell hat mit seiner Formel „Who says what in which channel to whom with what effect?“ bereits 1948 den Weg der Kommunikationsforschung vorgezeichnet und das Fachgebiet untergliedert.
Dem Gebiet der Medienwirkungsforschung wurde seit dem 19. Jahrhundert große Aufmerksamkeit gewidmet. Die Modellbildung war dabei schon immer ein beliebtes Mittel, um das Forschungsfeld zu strukturieren und zu veranschaulichen. Dabei fällt auf, dass einige Teilaspekte der Massenkommunikation in den Modellen oft und ausgiebig behandelt worden sind, während andere Teilaspekte nur selten Beachtung fanden.
Genau dies war für die „teachers of journalism“ Bruce H. Westley und Malcolm S. MacLean Jr. die Motivation, selbst ein Modell für die Medienwirkungsforschung zu entwickeln. Ihr Ziel war die vorhandenen Erkenntnisse einzuordnen, einzelne Aspekte zu modifizieren und einen Denkanstoß für die Forschung zu geben.
Vor der Entwicklung ihres Modells, fragten sich Westley und MacLean:
„Can a simple, parsimonious model be built capable of drawing together many of the exisiting approaches to mass communications without serious loss in utility?”
In der vorliegenden Arbeit soll das Modell im Hinblick auf diese Frage untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das ABX Modell von Newcomb
3 Das Modell von Westley/MacLean
3.1 Die Entwicklung des Modells
3.1.1 Erste Modifikation
3.2 Das Modell im Einzelnen
3.2.1 A – Advocacy Role
3.2.2 B – Behavioral Role
3.2.3 X – Ereignisse
3.2.4 C – Channel Role
3.2.5 fBA, fBC, fCA – Rückkoppelungsprozesse
3.2.6 Kommunikationskanäle, En- und Dekodierung
3.3 Anwendung des Modells an einem Beispiel
4 Kritische Würdigung des Modells
5 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das 1957 von Westley und MacLean entwickelte Kommunikationsmodell, welches als Weiterentwicklung des ABX-Modells von Newcomb konzipiert wurde, um die komplexen Prozesse der Massenkommunikation zu strukturieren und abzubilden.
- Grundlagen des ABX-Modells nach Newcomb
- Die Entwicklung des Westley/MacLean-Modells und seine Modifikationsschritte
- Detaillierte Analyse der Akteure (A, B, C) und Prozesse (Rückkopplung, Selektion)
- Anwendung des Modells auf ein konkretes Beispiel aus dem politischen Wahlkampf
- Kritische Reflexion über die Stärken und Grenzen der theoretischen Darstellung
Auszug aus dem Buch
3.2.4 C – Channel Role
Die Kanalrolle C bildet den Kern des Modells und symbolisiert beispielsweise Journalisten oder die Medien allgemein. Als Primärempfänger erhält C Botschaften von A (X’) und vermittelt diese gemeinsam mit selbst selektierten Nachrichten (X’’) an den Zielempfänger B weiter. C fungiert damit als Agent des Publikums, da die Nachrichtenauswahl „according to criteria of perceived relevance to audience interests and needs“ erfolgt. Dies ist entscheidend, denn, im Gegensatz zu A, erfolgt die Filterung absichtslos und nichtvorsätzlich. C möchte B nicht beeinflussen.
Das Modell impliziert somit, dass Journalisten die Realität so darstellen, wie sie tatsächlich ist. Diese unterstellte Objektivität und Neutralität des Elements C ist eines der Kritikpunkte an diesem Modell. Zwar ist es Aufgabe der Journalisten, über Ereignisse zu berichten, ohne persönliche Meinungen einfließen zu lassen, allerdings ist diese Aufgabenerfüllung kaum realistisch, denn der Journalist unterliegt zwangsläufig seinen eigenen Interessen, Werten und Normen.
Da es eine Vielzahl an Cs gibt (z.B. verschiedene Tageszeitungen), stehen diese in Konkurrenz zueinander. „Cs therefore survive as Cs to the extent that they satisfy needs for Bs.“ Dem Modell nach wählt der Rezipient B immer das Medium C aus, das seine Bedürfnisse am besten befriedigt, wodurch C einen An-reiz hat, Bs Interessen und nicht seine eigenen zu verfolgen. Dieser Ablauf gewährt den selbstregulierenden Charakter des Modells.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung verortet das Modell innerhalb der Kommunikationswissenschaft und definiert die Zielsetzung, durch Modellbildung das komplexe Feld der Massenkommunikation zu strukturieren.
2 Das ABX Modell von Newcomb: Dieses Kapitel erläutert das Balance-Modell von Newcomb, welches als interpersonale Grundlage für die späteren Überlegungen von Westley und MacLean dient.
3 Das Modell von Westley/MacLean: Dieser Hauptteil beschreibt die Herleitung des Modells, die einzelnen Akteure, die Rückkopplungsprozesse sowie die Anwendung anhand eines politischen Beispiels.
4 Kritische Würdigung des Modells: Hier werden die Pionierleistungen bei der Abbildung massenkommunikativer Prozesse sowie die Grenzen des Modells, insbesondere hinsichtlich Objektivität und gesellschaftlicher Zwänge, diskutiert.
5 Zusammenfassung und Ausblick: Das abschließende Kapitel resümiert die Bedeutung des Modells und reflektiert die Herausforderungen bei der Anwendung klassischer Modelle auf moderne, computervermittelte Kommunikationsformen.
Schlüsselwörter
Westley/MacLean-Modell, ABX-Modell, Massenkommunikation, Gatekeeper-Forschung, Kommunikationstheorie, Rückkopplung, Medienwirkungsforschung, Selektionsprozesse, Advocacy Role, Behavioral Role, Kanalrolle, Interpersonale Kommunikation, Modellbildung, Journalismus, Systemtheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert das 1957 von Bruce H. Westley und Malcolm S. MacLean Jr. entworfene Kommunikationsmodell, das eine Brücke von der interpersonalen Kommunikation zur komplexen Massenkommunikation schlägt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die Strukturierung von Kommunikationsprozessen, die Funktion der Gatekeeper in den Medien sowie das Zusammenspiel von Akteuren wie Kommunikatoren, Kanälen und Rezipienten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, das Westley/MacLean-Modell methodisch darzustellen, seine Komponenten detailliert zu erklären und seine Eignung zur Beschreibung moderner massenkommunikativer Prozesse kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturarbeit, die auf Basis bestehender Kommunikationsmodelle eine Analyse und kritische Würdigung der Modellkomponenten vornimmt.
Welche Inhalte stehen im Hauptteil der Arbeit im Vordergrund?
Der Hauptteil gliedert sich in die genetische Entwicklung des Modells, die Definition der Rollen (Advocacy, Behavioral, Channel), die Erläuterung der Feedbackschleifen und eine praktische Fallstudie zu einem politischen Wahlkampf.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Massenkommunikation, Gatekeeping, Rückkopplung (Feedback), Medienwahl und Kommunikationsmodellierung beschreiben.
Wie unterscheidet sich die Rolle des "C" (Channel) im Modell von der Rolle des "A"?
Während Akteur A (Advocacy) bewusst und zielgerichtet Nachrichten für seine Zwecke selektiert, fungiert Akteur C (Channel) als neutraler Vermittler oder Gatekeeper, der Nachrichten primär basierend auf der Relevanz für das Publikum auswählt.
Warum ist das Feedback-Element laut der Autorin für das Modell so essenziell?
Die Rückkopplung verleiht dem statischen Modell seinen dynamischen Prozesscharakter und ermöglicht es, das System als selbstregulierend darzustellen, da Akteure ihr Verhalten aufgrund des empfangenen Feedbacks anpassen können.
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- Diplom-Kauffrau Alexandra-Gwyn Paetz (Author), 2006, Das Prozessmodell von Westley/MacLean - Eine Weiterentwicklung des ABX-Modells, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85291