Das Prozessmodell von Westley/MacLean - Eine Weiterentwicklung des ABX-Modells


Hausarbeit, 2006

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das ABX-Modell von Newcomb

3. Das Modell von Westley/MacLean
3.1. Die Entwicklung des Modells
3.1.1. Erste Modifikation
3.1.2. Zweite Modifikation.
3.2. Das Modell im Einzelnen
3.2.1. A – Advocacy Role.
3.2.2. B – Behavioral Role
3.2.3. X – Ereignisse
3.2.4. C – Channel Role
3.2.5. fBA, fBC, fCA – Rückkoppelungsprozesse
3.2.6. Kommunikationskanäle, En- und Dekodierung
3.3. Anwendung des Modells an einem Beispiel.

4. Kritische Würdigung des Modells

5. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Schematische Darstellung der ABX-Beziehungen

Abb. 2: Asymmetrie - Sympathie zw. A und B, unterschiedliche Meinung über X

Abb. 3: Symmetrie - Sympathie zw. A und B, gleiche Meinung über X

Abb. 4: Symmetrie - Antipathie zw. A und B, unterschiedliche Meinung über X

Abb. 5: Erste Modifikation des ABX-Modells

Abb. 6: Prozess-Modell von Westley/MacLean

Abb. 7: Kandidatin A gibt die Information X’ über das Thema X

Abb. 8: Journalist C erhält die Information X’ und xC und schreibt den Artikel X’’

Abb. 9: Wähler B liest den Artikel X’’ und recherchiert selbst

Abb.10: Abbildung des ganzen Prozesses im Beispiel

1. Einleitung

Die Kommunikationswissenschaft lässt sich in die Teilbereiche Kommunikator-, Aussagen-, Medien(wirkungs)-, Rezipienten- und Wirkungsforschung unterteilen.[1]

Diese Gliederung geht auf den Wissenschaftler Harold D. Lasswell zurück, der mit seiner Formel „Who says what in which channel to whom with what effect?“ bereits 1948 den Weg der Kommunikationsforschung vorzeichnete.

Dem Gebiet der Medienwirkungsforschung wurde seit jeher große Auf-merksamkeit gewidmet. Bereits Ende des 19.Jahrhunderts befassten sich die Sozialwissenschaften mit dem Einfluss der Presse auf die öffentliche Meinung in den Industrienationen.[2]

Die Modellbildung war dabei schon immer ein beliebtes Mittel, um das Forschungsfeld zu strukturieren und zu veranschaulichen. Dabei fällt auf, dass einige Teilaspekte der Massenkommunikation in den Modellen oft und ausgiebig behandelt worden sind, während andere Teilaspekte nur selten Beachtung fanden.[3]

Genau dies war für die „teachers of journalism“[4] Bruce H. Westley und Malcolm S. MacLean Jr. die Motivation, selbst ein Modell für die Medienwirkungsforschung zu entwickeln. Ihr Ziel war die vorhandenen Erkenntnisse einzuordnen, einzelne Aspekte zu modifizieren und einen Denkanstoß für die Forschung zu geben.

Vor der Entwicklung ihres Modells, fragten sich Westley und MacLean:

„Can a simple, parsimonious model be built capable of drawing together many of the exisiting approaches to mass communications without serious loss in utility?”[5]

In der vorliegenden Arbeit soll das Modell im Hinblick auf diese Frage untersucht werden. Zu Beginn wird das ABX-Modell von Newcomb dargestellt, das als Grundlage für die Entwicklung des Modells von Westley/MacLean diente, bevor das Modell der beiden Autoren betrachtet wird. Dabei werden die einzelnen Entwicklungsschritte beschrieben, bevor das Modell eingehend analysiert und an-schließend in einem Beispiel angewandt wird. Es folgt eine kritische Würdigung des Modells bevor abschließend die Arbeit mit einer Zusammenfassung und einem kleinen Ausblick endet.

2. Das ABX Modell von Newcomb

Das von Theodore M. Newcomb im Jahre 1953 vorgelegte Balance-Modell ist eine Erweiterung des Modells des Psychologen Fritz Heider aus dem Jahre 1946[6]. „Heider was mainly concerned with cognitive processes internal to [...] the participants and Newcomb’s model was to apply the theory to communication between two or more people.”[7]

Die Grundannahme des Modells besagt, dass Menschen nach Ausgewogenheit und Balance streben.[8] Um ein Gleichgewicht zu erreichen, ändern Personen entweder die Meinung über ein Objekt oder über eine andere Person.

In seiner einfachsten Form wird die interpersonale Kommunikation zwischen zwei Personen (A und B) und ein Objekt X in einem Dreieck dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Schematische Darstellung der ABX-Beziehungen.

Die Darstellung zeigt schematisch folgende Wechselbeziehungen/Orientierungen:

- „A’s orientation toward X [...]
- A’s orientation toward B [...]
- B’s orientation toward X [...]
- B’s orientation toward A [...]“[9]

Die beiden Individuen A und B haben jeweils eine bestimmte Auffassung über das Objekt X. Sind diese Auffassungen unterschiedlich (z.B. bei Sympathie für-einander, denkt A positiv über X und B negativ), führt dies zu einer Diskrepanz und einem Ungleichgewicht in der Beziehung zwischen A und B.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Asymmetrie – Sympathie zwischen A und B, unterschiedliche Meinung über X

Durch Kommunikation wird versucht diese Diskrepanz aufzulösen, um eine Balance im Dreiecks-System wieder herzustellen (z.B. A versucht B von der eigenen Meinung zu überzeugen). „[...] thus [...] we are likely to find ‚more’ communication activity [...] under conditions of uncertainty and disequilibrium.”[10]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Symmetrie – Sympathie zwischen A und B, gleiche Meinung über X

Ist Kommunikation wirkungslos und A und B verharren in ihrer jeweiligen Meinung über das Objekt X, so wird die Einstellung gegenüber der anderen Person ver-ändert, um zumindest so ein ausgeglichenes Dreiecks-System herzustellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Symmetrie – Antipathie zwischen A und B, unterschiedliche Meinung über X

Der Hang zur Symmetrie und die „Ko-Orientierung“[11] der beiden Personen zueinander wird hier sehr deutlich.

Newcomb erklärte 1959, dass der Kommunikationsprozess nicht unbedingt bei jeder Diskrepanz in Gang gesetzt werde, sondern nur wenn A und B eine starke Anziehung füreinander verspürten, das Objekt X mindestens für A oder B wichtig und für beide aber relevant sei.[12]

Kritisch zu bemerken ist, dass das Modell ein „Funktionieren des Kommunikations-prozesses“[13] voraussetzt und allein im Ungleichgewicht einen Grund für Kommunikation sieht. Des Weiteren ist es nicht möglich in diesem Dreiecks-System Kommunikation ganzer Gesellschaften abzubilden.

3. Das Modell von Westley/MacLean

1957 entwickelten Westley und MacLean ein Kommunikationsmodell mit dem Ziel „to develop a single communications model, which may help to order existing findings.“[14] Es sollte keine neue Theorie, sondern eine Strukturierung vorhandener Konzepte und Forschungsrichtungen geschaffen werden.

Als Grundlage diente das ABX-Modell, was nicht überrascht, wenn man Folgendes weiß: „Westley had been infuenced by the Newcomb model while a student of Newcob at Michigan.“[15]

„Während das ABX-Modell von Newcomb auf interpersonale Kommunikation bezogen ist, leistet das Westely und MacLean Modell die Übertragung auf den Massenkommunikationsprozess.“[16] Da die Massenkommunikation ein mehr-stufiger Informationsprozess ist, nur eingeschränkte Feedback-Möglichkeiten bietet und eine größere Anzahl an Personen und Objekten umfasst, war diese Übertragung nötig.

Dieses Modell gehört zur Kategorie der Prozessmodelle, die den massen-kommunikativen Prozess vom Kommunikator zum Rezipienten, die einzelnen Prozesspositionen und die verschiedenen Beziehungen zwischen den Prozessfaktoren abbilden.[17]

3.1. Die Entwicklung des Modells

3.1.1. Erste Modifikation

Zur Darstellung der ersten Änderungen dient Abb. 5, in der das Dreickes-Schema abgeändert wurde.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Erste Modifikation des ABX-Modells

Das Modell zeigt, dass Person A aus einer Menge von Ereignissen x1 – x3, Nachrichten auswählt und diese dann in Form von X’ an Person B kommuniziert. B kann darüber hinaus aus auch direkt Nachrichten empfangen (x1B). Durch den Feedback-Prozess von B nach A (fBA), kann A Aufschluss darüber erlangen, ob und wie B die Nachrichten empfangen hat.

3.1.2 Zweite Modifikation

In einem zweiten Schritt wird das Herzstück des Modells hinzugefügt, die Kanalrolle C, „[...] which stands for the mass communicator.“[18] Nun ist auch die Abbildung von Massenkommunikation möglich. Des Weiteren werden die Rückkoppelungsmöglichkeiten entsprechend erweitert. Das endgültige Modell zeigt Abb. 6.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Prozess-Modell von Westley/MacLean

Das Modell zeigt, dass A weiterhin Nachrichten in Form von X’ kommuniziert, aber diesmal an C, der als Gatekeeper (=Torwächter), wiederum auswählt, welche Nachrichten endgültig an B vermittelt werden sollen (X’’). C kann neben den ver-mittelten Nachrichten X’ auch direkt Ereignisse (x1, x4) beobachten und diese dann kommunizieren. Die Wahrnehmungen des Rezipienten B führt durch die Übernahme vorselektierter Wahrnehmungen zu einer Ausdehnung der von ihm be-greifbaren Umwelt.[19] Durch die Feedback-Prozesse fBA und fBC erhalten A und C jeweils Aufschluss darüber, ob und wie B die Nachricht empfangen hat. Des Weiteren kann A durch das Feedback von C (fCA) erfahren, welche Art von Nach-richten zukünftig vermittelt werden sollen.

3.2. Das Modell im Einzelnen

Mit diesem Grundverständnis für den Kommunikationsprozess im eben ent-wickelten Modell, können wir die einzelnen Akteure und Prozesse einer genaueren Betrachtung unterziehen.

3.2.1. A – Advocacy Role

Im Modell werden die Kommunikatoren durch A symbolisiert. Sie können sowohl einzelne Personen, als auch soziale Systeme sein. „A repräsentiert in diesem Schema die Vermittlerrolle (‚advocacy roles’); d.h. das bewusste Auswählen und Übermitteln von Nachrichten seitens eines Kommunikators, der B’s Wahrnehmung eines Dinges X verändern möchte.“[20]

Wichtig ist festzuhalten, dass A als Anwalt fremder Interessen fungiert, da er vor-sätzlich nur einige Nachrichten aus einem Universum von Ereignissen selektiert (z.B. x2 und x3), um diese zielorientiert an C zu transportieren (X’). Somit handelt A als Meinungsgeber.

Solche A-Rollen können beispielsweise von Politikern, Werbetreibenden und PR-Agenturen eingenommen werden.

3.2.2 B – Behavioral Role

„Gewöhnlich als Rezipienten oder Publikum gefasst“[21], kann B durch ein Individuum oder eine Personengruppe repräsentiert werden. Wörtlich übersetzt stellt die B-Rolle, das Verhaltenssystem dar, das Informationen zur Bedürfnis-befriedigung, Problemlösung oder Orientierung in der komplexen Umwelt braucht und mithilfe der Kommunikation sucht.

Wie im oberen Abschnitt beschrieben, werden Ereignisse von A „purposively“[22] vorselektiert, bevor diese weitervermittelt werden. Im Umkehrschluss bedeutet dies im Modell auch, dass B Nachrichten empfängt (X’’), die nicht mit den von A wahrgenommenen Ereignissen (x1, x2,...) genau übereinstimmen müssen.

Ist B ein Individuum, könnte es als Arbeitnehmer an neuen Steuergesetzen interessiert sein. Ist B ein soziales System, könnte es als Staat an Sicherheits-informationen interessiert sein.

[...]


[1] Vgl. Pürer, H.: Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Konstanz 2003, S. 21.

[2] Vgl. Schenk, M.: Medienwirkungsforschung, 2.Auflage, Tübingen 2002,S.3ff.

[3] Vgl. Maletzke, G.: Massenkommunikationstheorien, Serie B - Band 7, Tübingen 1988, S.57.

[4] Westley, B./MacLean, M.: A Conceptual Model for Communications Research, in: Journalism Quarterly, Ausgabe 34, Jg. 1957, S.31.

[5] Westley, B./MacLean, M. (1957) S.31.

[6] Vgl. McQuail, D./Windahl, S.: Communication Models for the Study of Mass Communication, 2.Auflage, New York 1993, S. 27-29.

[7] Mc Quail, D./Windahl, S. (1993) S.27.

[8] Vgl. Severin, W./Tankard, J.: Communication Theories, 3.Auflage, New York 1992, S.134.

[9] Newcomb, T.: An Approach to the Study of Communicative Acts, in: Psychological Review 60, 1953, S.393-394.

[10] McQuail, D./Windahl, S. (1993) S.27-28.

[11] Merten, K.: Kommunikation, Opladen 1977, S.20.

[12] Vgl. McQuail, D./ Windahl, S. (1993) S.27.

[13] Merten, K. (1977) S.20.

[14] Westley, B./MacLean, M. (1957) S.31.

[15] Severin, W./Tankard, J. (1992) S.49.

[16] Schenk, M. (2002) S.16.

[17] Vgl. Pürer, H. (2003) S. 86.

[18] McQuail, D./Windahl, S. (1993) S.39.

[19] Merten, K. (1977) S. 19.

[20] Badura, B./Gloy, K.: Soziologie der Kommunikation, Stuttgart 1972, S.15.

[21] Maletzke, G. (1988) S.59.

[22] Westley, B./MacLean M. (1957) S. 38.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Das Prozessmodell von Westley/MacLean - Eine Weiterentwicklung des ABX-Modells
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Kommunikationswissenschaft)
Veranstaltung
Theorien und Modelle der KW
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
21
Katalognummer
V85291
ISBN (eBook)
9783638010849
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Prozessmodell, Westley/MacLean, Eine, Weiterentwicklung, ABX-Modells, Theorien, Modelle
Arbeit zitieren
Diplom-Kauffrau Alexandra-Gwyn Paetz (Autor), 2006, Das Prozessmodell von Westley/MacLean - Eine Weiterentwicklung des ABX-Modells, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85291

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