Diese Arbeit entsteht im Rahmen eines Men’s Studies-Seminars und hat die Figuration
des Ritters zum Gegenstand. Der Ritter in seiner Männlichkeit soll am Beispiel von
Hartmanns von Aue Erec1 betrachtet werden. Seine Entwicklung vom einfachen Mann, der
sich er noch bewähren muss, zum Krieger bis hin zum Landesherrscher, soll untersucht
werden.
Eine große Rolle innerhalb dieser Entwicklung spielt Erecs Frau Enite, die ihm
zunächst auch zum Verhängnis wird. Sein verligen wird zu einer immensen Krise und Erec ist
der Spagat zwischen Rittertum und Minne nicht gelungen. Um die Spannung, der Erec
ausgesetzt ist, verstehen zu können, werden zunächst die Grundlagen des Rittertums und der
Artusepik gegeben. Ausgehend von der These, dass Erec ohne seine Frau kein guter
Artusritter hätte werden können, sollen einzelne, prägnante Szenen betrachtet und analysiert
werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Figuration des Ritters im Mittelalter
3. Die Artusepik
4. Aventiure und Minne – eine Begriffserläuterung
5. Männlichkeit zwischen Aventiure und Minne: Erec
6. Fazit
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Figuration des Ritters sowie die Konstruktion von Männlichkeit im Artusroman „Erec“ von Hartmann von Aue, wobei der Fokus auf dem Spannungsfeld zwischen ritterlichen Pflichten (Aventiure) und der Minne liegt.
- Analyse der mittelalterlichen Ritterfigur und deren Wandel
- Grundlagen der Artusepik und Gattungsmerkmale
- Definition und Funktion der Begriffe Aventiure und Minne
- Untersuchung der Entwicklung des Protagonisten Erec vom jungen Mann zum Krieger und Herrscher
- Die Rolle von Enite als Antriebskraft für die Männlichkeitswerdung des Protagonisten
Auszug aus dem Buch
5. Männlichkeit zwischen Aventiure und Minne: Erec
Da diese Arbeit im Rahmen eines Gender Studies-Seminars entsteht, sollen zunächst kurz die Grundlagen erläutert werden. Im Englischen gibt es zwei verschiedene Begriffe für ‘Geschlecht’. Mit ‘sex’ ist das biologische Geschlecht gemeint, ‘gender’ enthält stets gesellschaftlich bedingte Aspekte. Ruth B. Bottigheimer sagt völlig zu Recht: „Sex entstammt der Natur, der Biologie; Gender der Gesellschaft. […] Sex ist am Körper sichtbar, Gender aber erst durch ein höchst elaboriertes semiotisches System erkennbar. Gender wird […] konstruiert.“39 Das Geschlecht im Sinne des Gender ist darüber hinaus auch von ökonomischen und politischen Einflüssen geprägt.40 In der heutigen Zeit haben wir klare geschlechtsspezifische Rollen; die Frau ist weiblich, der Mann männlich. Dass das im Mittelalter noch ganz anders war, zeigt vor allem Thomas Laqueur auf. Bis ins 18. Jahrhundert gilt das Eingeschlechtsmodell, bei dem die weiblichen Geschlechtsorgane von dem Menschen als nach innen gerichteter Penis aufgefasst werden. Die Charaktere der Geschlechter werden erst nach 1800 allmählich konträr zueinander definiert.41 Die Welt des Mittelalters ist vor allem auf Repräsentation und Öffentlichkeit bedacht und wurde zum annähernd vollständigen Teil von Männern repräsentiert. Der Mann ist in der Hauptsache „maskulin, potent, ehrbar oder im Besitz von Macht.“42 Jedoch ist festzuhalten, dass dies eine Idealisierung des männlichen Genders ist. In Wirklichkeit existierten Frauen, die den Männern in diesen Kategorien überlegen waren.43
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Problemstellung und der These, dass der Protagonist Erec ohne seine Frau Enite kein vollwertiger Artusritter hätte werden können.
2. Die Figuration des Ritters im Mittelalter: Historischer Überblick über die Entwicklung des Rittertums vom lateinischen „miles“ zum „ministerialis“ und die Verknüpfung ritterlicher Tugenden mit christlichen Werten.
3. Die Artusepik: Betrachtung der Tradition des Artusstoffes in der europäischen Literatur und die Etablierung des höfischen Ideals in den Romanen.
4. Aventiure und Minne – eine Begriffserläuterung: Analyse der semantischen Bedeutungswandlungen von Aventiure und Minne sowie deren Funktion für das ritterliche Leben.
5. Männlichkeit zwischen Aventiure und Minne: Erec: Zentrale Untersuchung des Romans, in der die Mannwerdung Erecs und die Wechselwirkung von geschlechtsspezifischen Rollenbildern analysiert werden.
6. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung, dass hinter dem erfolgreichen Ritter Erec eine starke Frau steht, ohne deren Kraft und Treue die ritterliche Bewährung unmöglich gewesen wäre.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur zur Unterstützung der wissenschaftlichen Argumentation.
Schlüsselwörter
Hartmann von Aue, Erec, Enite, Rittertum, Mittelalter, Artusroman, Männlichkeit, Gender, Aventiure, Minne, höfische Liebe, Mannwerdung, Tugenden, Literaturwissenschaft, Artusepik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Figuration des Ritters am Beispiel von Hartmanns von Aue „Erec“ und untersucht, wie Männlichkeit im Spannungsfeld zwischen ritterlichen Abenteuern und der Minne konstruiert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die historische Entwicklung des Rittertums, die Bedeutung der Artusepik, die gattungsspezifischen Begriffe Aventiure und Minne sowie die geschlechtsspezifische Rollenverteilung im Mittelalter.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, dass der Protagonist Erec seinen Status als ritterlicher Held und seine Mannwerdung nur durch die Unterstützung und Treue seiner Frau Enite erreichen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text des Romans in den Kontext von Gender Studies und historischer Begriffsgeschichte stellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den Grundlagen des Rittertums, der Artusepik, der Begriffsgeschichte von Minne und Aventiure sowie einer detaillierten szenischen Analyse des Romans „Erec“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Erec, Enite, Männlichkeit, Rittertum, Artusroman, Gender, Minne und Aventiure.
Welche Rolle spielt der Zwerg in der Handlung für Erec?
Die Beleidigung durch den Zwerg markiert einen Tiefpunkt für Erec, der ihm den Mangel an ritterlicher Identität und die Notwendigkeit seiner Entwicklung zum Mann verdeutlicht.
Warum ist die Joie de la curt-Episode so bedeutend?
Diese Episode stellt den Höhepunkt der persönlichen Entwicklung Erecs dar, in der er seine ritterlichen Ideale und die Liebe zu Enite als motivierende Kraft erfolgreich in Einklang bringt.
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- Katharina Milde (Author), 2007, Die Figuration des Ritters. Männlichkeit zwischen Aventiure und Minne in Harmanns "von Aue Erec", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85396