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Sexualisierte Gewalt als Herausforderung der Jugendhilfe

Zu Ursachen und Dynamiken sexueller Kindesmisshandlungen im Kontext von Familie und Ansätzen sozialpädagogischen Handelns in Jugendhilfe und Kinderschutz

Titel: Sexualisierte Gewalt als Herausforderung der Jugendhilfe

Diplomarbeit , 2007 , 115 Seiten , Note: 1,5

Autor:in: Diplom Pädagoge Matthias Schütze (Autor:in)

Soziale Arbeit / Sozialarbeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Sexualisierte Gewalt, sexueller Missbrauch und sexuelle Kindesmisshandlungen sind Schlagwörter, die der Jugendhilfe als Profession und Disziplin nicht fremd sind. Obwohl jene Begrifflichkeiten auf den ersten Blick eine gleiche oder zumindest ähnliche Problematik zu beschreiben versuchen, beherbergen sie doch zum Teil sehr unterschiedliche Denkansätze mit divergierenden Ursachenzuschreibungen und Interventionsstrategien.
In dieser Abhandlung werden jene Konzepte anfangs in einem übergreifenden, wissenschaftlichen Zusammenhang auch hinsichtlich der empirischen Erfassung kritisch erörtert. Hierbei wird offensichtlich, dass sich sowohl die gesamtgesellschaftliche als auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung auf Grund einer weitreichenden, historisch gewachsenen und sich nur langsam auflösenden Tabuisierung von Sexualität im Alltag von Erwachsenen und im Besonderen von Kindern äußerst schwierig gestaltet und in mehrerlei Hinsicht in Dilemmata verfangen ist. Konjunkturelle Bewegungen, die sich ausschließlich polarisierend und auf Skandalisierung zielend der angedeuteten Thematik annehmen, stehen oftmals einer reflektierenden, wissenschaftlichen Annäherung (behindernd) entgegen.
Der Autor diskutiert daher im Fortgang, mit welchen Begriffen und Interventionsstra-tegien - also letztlich mit welchem wissenschaftlichen Standpunkt - Jugendhilfe und Sozialpädagogik gerade im Spiegel ihres disziplin- und professionseigenen Dilemmas von Hilfe und Kontrolle Kindern und Jugendlichen ausreichend Schutz vor sexuellen Grenzverletzungen organisieren kann, ohne lediglich mit paternalistischen Konzepten aufzuwarten. Dies stellt insofern noch immer bzw. immer mehr eine Herausforderung für die Jugendhilfe dar, da ihre Entscheidungen und Interventionen weitreichende, manchmal tragische Konsequenzen haben. Eine kritische Reflexion ihres professionellen Handelns ist sie den mittel- und unmittelbar betroffenen Kindern, Jugendlichen und Familien deshalb schuldig.
Keineswegs kann die vorliegende Arbeit eine abschließende Antwort auf diese Frage geben. Sie ist viel mehr als Impuls gebender Beitrag zu verstehen, die bisherigen Perspektiven und daran ansetzenden Strategien neu zu gewichten und weiter zu entwickeln.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Problematisierungen und empirische Dimensionen

1. Begriffe und Diskurslinien

1.1 Missbrauch im juristischen Diskurs

1.2 Kulturhistorische Dimension von Sexualität und Kinderschändung

1.3 Zum feministischen Missbrauchsdiskurs und seiner Kritik

2. Zur Empirie sexuellen Missbrauchs

2.1 Betroffene

2.2 Täter

2.3 Anmerkungen zu den Folgen sexuellen Missbrauchs

3. Zusammenfassung

III. Sexualisierte Gewalt und Kindesmisshandlung

4. Sexualisierte Gewalt – eine kritische Begriffsbestimmung

4.1 Gewalt als physische Handlung

4.2 Sexualisierte Gewalt und Kindesmisshandlung

5. Sexuelle Kindesmisshandlung im familialen Kontext

5.1 Kindesmisshandlung und Familie – Erklärungsversuche

5.1.1 Psychopathologische Modelle

5.1.2 Soziologische Erklärungsmodelle

5.1.3 Sozial-situationale Bedingungen von Misshandlungen

5.2 Familie, Sexualisierung und sexuelle Kindesmisshandlung

5.2.1 Latente Inzestdynamiken

5.2.2 Reale Inzestdynamiken

6. Zusammenfassung

IV. Jugendhilfe und sexuelle Kindesmisshandlung

7. Sozialpädagogisches Handeln und sexuelle Kindesmisshandlung

7.1 Sozialpädagogik und sozialpädagogisches Handeln

7.1.1 Handeln zwischen Hilfe und Kontrolle

7.1.2 Subjektorientierung

7.2 Handlungsorientierung

7.2.1 Adressaten

7.2.2 Kindeswohl oder Kinderrechte

7.2.3 Parteilichkeit

7.3 Zusammenfassung

8. Familienorientierte Hilfen

8.1 Rahmenbedingungen – Hilfen zur Erziehung

8.2 Systemischer Ansatz – Was heißt das?

8.3 Zugänge durch Sozialpädagogische Familienhilfe

8.4 Zugänge durch Familienberatung

8.5 Inobhutnahme – am Beispiel „Kinderwohngruppe“

8.6 Kritische Würdigung familienorientierter Hilfeformen

8.7 Zusammenfassung

9. Parteiliche Beratungsstellen und Wohnprojekte

9.1 Parteiliche Mädchenprojekte und Jugendhilfe

9.2 Zugänge durch parteiliche Beratung

9.2.1 Mädchenberatung

9.2.2 Mütterberatung

9.2.3 Parteiliche Beratung als Zeuginnen- und Prozessbegleitung

9.3 Inobhutnahme – am Beispiel „Zufluchtswohnung“

9.4 Kritische Würdigung parteilicher Beratungsarbeit

9.5 Zusammenfassung

10. Gesamtzusammenfassung

V. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Problem sexueller Grenzverletzungen an Kindern, insbesondere im Kontext von Familie, und analysiert, wie diese Thematik sozialpädagogische Interventionsformen in der Jugendhilfe und im Kinderschutz herausfordert.

  • Kritische Auseinandersetzung mit den Begriffen "Missbrauch" und "sexuelle Gewalt".
  • Empirische Analyse der Dynamiken sexueller Kindesmisshandlung.
  • Erklärungsmodelle für familieninterne Misshandlungsstrukturen (psychopathologische, soziologische und sozial-situationale Ansätze).
  • Bewertung sozialpädagogischer Handlungsansätze in der Jugendhilfe (familienorientierte Hilfen vs. parteiliche Beratungsarbeit).
  • Reflexion des professionellen Handelns zwischen Hilfe, Kontrolle und Kinderschutz.

Auszug aus dem Buch

1.1 Missbrauch im juristischen Diskurs

Zur Annäherung an die Thematik, die sexuelles Interagieren zwischen Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen problematisiert, weil dieses in den Kontext von Gewalthandlungen gebracht wird, ist eine Beschäftigung mit der Rechtsstruktur und den sie umgebenden juristischen Diskursen unvermeidlich. Gerade weil das Recht gesellschaftliches Handeln normativ strukturieren will, indem das Monopol auf Gewaltausübung einzig den staatlichen Institutionen zugebilligt wird, stellt es sich als besonders interessant heraus, in welcher Weise intergenerative sexuelle Kontakte als erlaubt oder unerlaubt klassifiziert werden.

Das bundesdeutsche Strafgesetzbuch (StGB) regelt mit dem dreizehnten Abschnitt Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Das zu schützende Rechtsgut – die sexuelle Selbstbestimmung – wird als „die Freiheit der Person, über Ort, Zeit, Form und Partner sexueller Betätigung frei zu entscheiden“ (Tröndle/Fischer 2003, S. 1054) interpretiert. Der Gesetzgeber stellt daher unter dem maßgebenden Aspekt des Vorhandenseins sexueller Gewalt (vgl. Menzel/Peters 2003, S. 11ff.), in welcher Form auch immer (z.B. Zuhälterei, Menschenhandel, Nötigung, Vergewaltigung), unterschiedliche Arten des Einwirkens, die eine ungezwungene Selbstentscheidung erheblich erschweren, verhindern oder verunmöglichen, unter Strafe, weil überwiegend davon auszugehen ist, dass eine Grenzverletzung dieses persönlichen Freiheitsraumes einen Angriff auf die personale Würde darstellt, bei dem mit negativen Folgen zu rechnen ist (vgl. Tröndle/Fischer 2003, S. 1054).

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung skizziert das Problem sexueller Grenzverletzungen an Kindern im Kontext der Familie und verdeutlicht das theoretische Dilemma bei der Verwendung des Begriffs "sexualisierte Gewalt" im Hinblick auf sozialpädagogische Interventionen.

II. Problematisierungen und empirische Dimensionen: Dieser Abschnitt analysiert juristische, kulturhistorische und feministische Diskurslinien sowie empirische Befunde, um die Problematik der Begriffsbildung "Missbrauch" aufzuzeigen.

III. Sexualisierte Gewalt und Kindesmisshandlung: Kapitel vier und fünf setzen sich kritisch mit Gewaltbegriffen auseinander und untersuchen mittels psychopathologischer, soziologischer und sozial-situationaler Modelle, wie sexuelle Kindesmisshandlung im familialen Kontext entsteht.

IV. Jugendhilfe und sexuelle Kindesmisshandlung: Dieser Teil widmet sich dem sozialpädagogischen Handeln, differenziert zwischen familienorientierten Hilfen und parteilicher Beratung und reflektiert das Dilemma zwischen Hilfe und Kontrolle.

V. Resümee: Das Resümee fasst die Herausforderung für die Jugendhilfe zusammen, eine moderne Dienstleistung zu entwickeln, die Kinder nicht nur stellvertretend schützt, sondern mit ihnen in ihrem Interesse handelt.

Schlüsselwörter

Sexuelle Kindesmisshandlung, Sozialpädagogik, Jugendhilfe, Kinderschutz, Sexuelle Gewalt, Missbrauch, Familienorientierte Hilfe, Parteilichkeit, Subjektorientierung, Inzestdynamik, Systemische Beratung, Kindeswohl, Geschlechterverhältnis, Trauma, Pädagogische Professionalität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Problem sexueller Grenzverletzungen an Kindern, insbesondere im Kontext familialer Beziehungen, und analysiert die daraus resultierenden Anforderungen an sozialpädagogische Interventionsformen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die Schwerpunkte liegen auf der kritischen Reflexion der Begriffe "Missbrauch" und "sexuelle Gewalt", der Erforschung von Ursachen und Dynamiken (z.B. Inzest) sowie der Evaluation von Hilfsangeboten in der Jugendhilfe.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sexuelle Kindesmisshandlung als sozialpädagogisches Problem formuliert werden kann und welche professionellen Strategien – etwa familienorientierte oder parteiliche Ansätze – hierfür geeignet sind.

Welche wissenschaftlichen Methoden verwendet der Autor?

Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende Literatur- und Diskursanalyse, wertet empirische Studien und Kriminalstatistiken aus und integriert Konzepte der Sozialpädagogik, Psychoanalyse und Soziologie.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in drei inhaltliche Abschnitte: die theoretische Problematisierung der Begriffe, die soziologische/psychologische Erklärungsmodellierung der Misshandlung sowie die detaillierte Darstellung sozialpädagogischer Handlungskonzepte.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Zentrale Begriffe sind Kindesmisshandlung, Sozialpädagogik, Jugendhilfe, Kinderschutz, Subjektorientierung, Inzestdynamik und das Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle.

Warum kritisiert der Autor den Begriff "Missbrauch"?

Der Autor kritisiert, dass der strafrechtlich geprägte Missbrauchsbegriff oft undifferenziert und skandalisierend wirkt, was eine differenzierte sozialpädagogische Annäherung an die situativen Konfliktlagen in Familien erschwert.

Was versteht man unter "latenten Inzestdynamiken"?

Latente Inzestdynamiken bezeichnen keine direkten sexuellen Akte, sondern eine zugrundeliegende familiale Struktur, in der eine emotionale Vernachlässigung und eine problematische Rollenverteilung herrschen, die das Kind in eine belastende, pseudo-erwachsene Rolle zwingen.

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Details

Titel
Sexualisierte Gewalt als Herausforderung der Jugendhilfe
Untertitel
Zu Ursachen und Dynamiken sexueller Kindesmisshandlungen im Kontext von Familie und Ansätzen sozialpädagogischen Handelns in Jugendhilfe und Kinderschutz
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Pädagogik)
Note
1,5
Autor
Diplom Pädagoge Matthias Schütze (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
115
Katalognummer
V85416
ISBN (eBook)
9783638897471
ISBN (Buch)
9783638897556
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sexualisierte Gewalt Herausforderung Jugendhilfe
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Diplom Pädagoge Matthias Schütze (Autor:in), 2007, Sexualisierte Gewalt als Herausforderung der Jugendhilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85416
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  115  Seiten
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