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Der Homo Oeconomicus und soziale Integration durch ehrenamtliches Engagement - ein Gegensatz?

Soziale Integration egoistischer Akteure durch freiwillige Mitwirkung an gemeinnützigen Institutionen

Title: Der Homo Oeconomicus und soziale Integration durch ehrenamtliches Engagement - ein Gegensatz?

Seminar Paper , 2007 , 21 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Marcus Guhlan (Author)

Sociology - Individual, Groups, Society
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Spätestens seit Thomas Hobbes wissen wir: der Mensch ist egoistisch, rational und verfolgt
nur sein eigenes Interesse (vgl. Hobbes 1986). Diese Beschreibung von natürlichen
Eigenschaften entwickelt sich in einer von materiellen Werten bestimmten kapitalistischen
Gesellschaft zu einer postmodernen Lehre, die als Grundlage verschiedenster Theorien dient.
Doch werden diese Eigenschaften oft missbraucht – mitunter auch von Hobbes selbst –, um
deren negative, also desintegrierende Folgen auf die Folie moderner Gesellschaften zu
projizieren.
Dass die Verfolgung des Eigeninteresses aber auch nicht intendierte positive Folgen haben
kann, erklärt uns beispielsweise Adam Smith, wenn er anführt, dass die Mehrung des eigenen
Wohlstands automatisch und gelenkt von einer unsichtbaren Hand zu einem „Wohlstand aller
Nationen“ führt (vgl. Smith 1999). Dieser Theorie zu Grunde liegt das Streben nach
materiellen Gütern.
Wie sich eigeninteressierte Individuen in eine Gesellschaft integrieren steht auch im
Mittelpunkt dieser Arbeit, wobei konkret folgender Frage nachgegangen wird: Wie
funktioniert die Integration rationaler Individuen durch wohltätiges Engagement? Denn
eigentlich sollte man doch annehmen, dass die Theorie vom rationalen Egoisten
ehrenamtlichen Engagements diametral gegenübersteht. Es soll der Versuch unternommen
werden, auf Grundlage eines gegebenen Selbstinteresses zu erklären, wie das Streben nach
sozialem Kapital in dergestalt handlungsleitend wirkt, dass freiwillige und gemeinnützige
Aktivitäten unternommen werden, um diese Ziele zu erreichen. Die Konzeption des sozialen
Kapitals steht hier analog zu anderen Kapitalkonzepten und wird dazu genutzt, den
Ressourcencharakter sozialer Beziehungen für das Individuum zu beschreiben und den daraus
entstehenden Nutzen bei der Zielerreichung zu verfolgen. Durch diese Ausrichtung des
Konzepts sozialen Kapitals können freiwillig Tätige als Träger und Nutznießer der
Kapitalform betrachtet werden. Freiwillige gelten also dann nicht mehr nur als
unerschöpfliches Arsenal, welches für die Gesellschaft oder bestimmte Teile von dieser
wohlbringend Gutes tut, sondern vielmehr auch als eigenständige Individuen, die mit ihrer
Tätigkeit egoistische Zielsetzungen, Motive und Absichten verbinden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. ÖKONOMISCHES HANDELN

2.1 METHODOLOGISCHER INDIVIDUALISMUS

2.2 ÖKONOMISCHES HANDELN IN EINEM SYSTEM

3. EHRENAMTLICHE TÄTIGKEIT ALS AUSTAUSCHMECHANISMUS

4. NUTZENMAXIMIERUNG DURCH EHRENAMTLICHE TÄTIGKEIT

5. INTEGRATION RATIONALER INDIVIDUEN AUF DER MAKROEBENE

6. SCHLUSS

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Integration rationaler, nutzenorientierter Akteure in die Gesellschaft durch ehrenamtliches Engagement. Die Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie der scheinbare Gegensatz zwischen dem egoistischen Modell des "Homo Oeconomicus" und altruistisch anmutendem, freiwilligem Handeln mittels der Konzeption des sozialen Kapitals aufgelöst werden kann.

  • Methodologischer Individualismus und Rational-Choice-Theorie
  • Soziale Integration als Aggregation individueller Entscheidungen
  • Ehrenamtliche Tätigkeit als komplexer Austauschmechanismus
  • Soziales Kapital als Ressource und Motivator für rationales Handeln
  • Zweckrationalität im Kontext von gemeinnützigem Engagement

Auszug aus dem Buch

3. Ehrenamtliche Tätigkeit als Austauschmechanismus

Im Folgenden soll knapp dargestellt werden, wie ehrenamtliche Tätigkeit als ein Tausch verstanden werden kann. Dies erscheint notwendig, um den Begriff Ehrenamt in das ökonomische Handlungsmodell einzubetten. Schließlich geht es nicht darum, die Übernahme als einen altruistischen oder moralischen Akt zu betrachten, denn dies würde der oben vorgenommenen Charakterisierung des homo oeconomicus völlig zuwider laufen und diese Arbeit wäre im Grunde irrelevant. Denn diese Arbeit stellt gerade darauf ab, gemeinnütziges Engagement in eine rationale Umwelt zu integrieren.

Ein Austausch setzt folgende Strukturbedingungen voraus: die Verteilung von Ressourcen sowie die Verteilung von Präferenzen (Kappelhoff 1993, S. 57). Auf dieser Basis kann ein Austausch zunächst einmal folgendermaßen definiert werden: „An individual who supplies rewarding services to another obligates him. To discharge this obligation, the second must furnish benefits to the first in turn“ (Blau 1996, S. 89). Zwei Punkte sind hierbei entscheidend. Zunächst also wird eine nicht unendlich zur Verfügung stehende Ressource getauscht, die jemand zur Verfügung stellen kann und ein anderer begehrt sie. Das handlungsleitende Prinzip, welches hier zu Grunde liegt, ist die Kontrolle über ein Gut zu erlangen, welches noch in Besitz eines anderen Akteurs ist, in dem man eine Ressource zur Verfügung stellt (vgl. Coleman 1991, S. 48). Um der Charakterisierung eines rationalen Individuums gerecht zu werden, muss eine Nutzenmaximierung stattfinden, d.h. beide Interaktionspartner – der zur Verfügung Stellende, wie auch der Konsumierende – müssen einen Gewinn aus diesem Austausch ziehen. Dieser Gewinn stellt sich rein formal zunächst dadurch dar, dass sich die Kontrollverhältnisse über das relevante Gut verschoben haben.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Einführung in das Thema und Definition der Fragestellung zur Integration rationaler Akteure durch ehrenamtliches Engagement.

2. ÖKONOMISCHES HANDELN: Darstellung des Paradigmas des Homo Oeconomicus, der Rational-Choice-Theorie sowie des methodologischen Individualismus.

3. EHRENAMTLICHE TÄTIGKEIT ALS AUSTAUSCHMECHANISMUS: Einbettung des Ehrenamts in den ökonomischen Tauschbegriff und Definition als soziales Austauschverhältnis.

4. NUTZENMAXIMIERUNG DURCH EHRENAMTLICHE TÄTIGKEIT: Analyse des Erwerbs von sozialem Kapital als rationaler Anreiz für ehrenamtliches Engagement.

5. INTEGRATION RATIONALER INDIVIDUEN AUF DER MAKROEBENE: Erörterung der Auswirkungen von sozialem Kapital auf die gesellschaftliche Ordnung und Integration.

6. SCHLUSS: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Auflösung des Widerspruchs zwischen Eigeninteresse und sozialem Nutzen.

Schlüsselwörter

Homo Oeconomicus, soziale Integration, ehrenamtliches Engagement, Rational-Choice-Theorie, methodologischer Individualismus, soziales Kapital, Nutzenmaximierung, Austauschmechanismus, Zweckrationalität, soziale Belohnung, Kollektivgut, soziale Ordnung, Akteur, Handlungstheorie, Gemeinnützigkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie sich rationale, eigeninteressierte Individuen in die Gesellschaft integrieren, indem sie sich ehrenamtlich engagieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die ökonomische Handlungstheorie, die Bedeutung des sozialen Kapitals und die Frage, wie ehrenamtliche Arbeit als zweckrationales Handeln verstanden werden kann.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit geht der Frage nach, ob ehrenamtliches Engagement und das Handeln eines rationalen Egoisten zwangsläufig einen Gegensatz bilden oder ob letzterer einen Nutzen im Engagement sehen kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf das ökonomische Handlungsmodell, insbesondere auf den methodologischen Individualismus und die Rational-Choice-Theorie.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert das ehrenamtliche Engagement als Tauschprozess, die Gewinnung von sozialem Kapital und dessen Wirkung auf die soziale Ordnung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Homo Oeconomicus, soziale Integration, soziales Kapital, Nutzenmaximierung und zweckrationales Handeln.

Wie definiert der Autor das Gefangenendilemma in diesem Kontext?

Das Gefangenendilemma dient als Beispiel, um die Ungewissheit und die Notwendigkeit von Kommunikation und sozialen Regeln für rationales Handeln in einer eingebetteten Umgebung zu verdeutlichen.

Warum spielt die Unterscheidung von Mikro- und Makroebene eine Rolle?

Sie ist entscheidend, um zu erklären, wie individuelle Handlungsentscheidungen (Mikro) auf der Systemebene (Makro) zu gesellschaftlicher Integration führen.

Inwieweit wird das Konzept des sozialen Kapitals nach Bourdieu und Coleman genutzt?

Es dient dazu, die "soziale Belohnung" zu ökonomisieren, sodass sie als handlungsleitende Ressource für rationale Akteure begriffen werden kann.

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Details

Title
Der Homo Oeconomicus und soziale Integration durch ehrenamtliches Engagement - ein Gegensatz?
Subtitle
Soziale Integration egoistischer Akteure durch freiwillige Mitwirkung an gemeinnützigen Institutionen
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Sozialwissenschaften)
Course
Theorien sozialer Integration
Grade
1,3
Author
Marcus Guhlan (Author)
Publication Year
2007
Pages
21
Catalog Number
V85578
ISBN (eBook)
9783638015691
Language
German
Tags
Homo Oeconomicus Integration Engagement Gegensatz Theorien Integration
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marcus Guhlan (Author), 2007, Der Homo Oeconomicus und soziale Integration durch ehrenamtliches Engagement - ein Gegensatz?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85578
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