Eine Untersuchung jugendlichen Sprachverhaltens im Chat


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

29 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärungen
2.1 Jugendsprache
2.2 Chat
2.2.1 Arten von Chats
2.2.2 Nicknamen
2.2.3 Gesprächsstruktur im Chat
2.2.4 Kommunikative Funktion von Chats

3. Schriftlichkeit im Vergleich zu Mündlichkeit

4. Sprachliche Merkmale/ Konversationsanalyse
4.1 Graphostilistische Merkmale
4.2 Phonetische Merkmale
4.3 Grammatische Merkmale
4.3 Merkmale mit dem Hintergrund der Ökonomie
4.5 weitere Merkmale

Schlussbetrachtung

5. Literaturverzeichnis

Anlagen

1. Einleitung

Die elektronischen Medien spielen eine immer größer werdende Rolle in unserem Alltag, ein Leben ohne den Computer kann sich praktisch niemand mehr vorstellen. Durch die in den letzten Jahren stark angestiegene Verbreitung des Internets ist es möglich geworden, weltweit mit Menschen zu kommunizieren. Eine der wichtigsten Möglichkeiten dieser globalen Kommunikation ist der Chat.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Sprachverhalten Jugendlicher innerhalb dieser Chats.

Beginnen möchte ich mit einigen einführenden Begriffsklärungen, um dann auf das Verhältnis der Schriftlichkeit und Mündlichkeit in Beziehung zum Chat einzugehen. Daraufhin werden jugendsprachliche Besonderheiten im Chat untersucht. Korpus dieser Untersuchung ist ein Mitschnitt zweier Chats der Seite www.rtl.gzsz.de. Der Inhalt der Gespräche ist dabei bedeutungslos. Leider ist es im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich, restlos alle Merkmale der Jugendsprache im Chat abzudecken, dennoch denke ich, eine Auswahl der Wichtigsten getroffen zu haben.

2. Begriffsklärungen

2.1 Jugendsprache

Bevor man versucht, Jugendsprache zu definieren, was nie ganz möglich ist, ist es essentiell, zu wissen, was man genau unter dem Begriff „Jugend“ versteht. Eine von vielen Definitionen lautet:

„Jugend ist die Lebensphase zwischen Kindheit und Erwachsenenalter. Das Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) bestimmt in §7 zum Jugendlichen, wer 14 aber noch nicht 18 Jahre alt ist (Altersgrenze). Tatsächlich geht das Jugendalter aufgrund verlängerter Schul- und Ausbildungszeiten häufig deutlich über das 18. Lebensjahr hinaus.“ (http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/projekte/slex/seitendvd/ Konzepte/L52/L5218.htm)

Laut Henne ist Jugendsprache ein Gefüge zahlreicher Merkmale in welcher die Standardsprache kreativ und spielerisch von Jugendlichen verändert wird. Besonderheiten der Jugendsprache sind die speziellen Begrüßungen und Anreden, hyperbolische Ausdrücke, Lautveränderungen, graphostilistische Mittel oder Wortneubildungen, um nur einige der zahlreichen Merkmale zu nennen. (Vgl. Henne 1986, S. 208 ff.) Jugendsprache wird innerhalb der Peer Group verwendet und dient einer Abgrenzung gegenüber den Erwachsenen und auch zur Selbstidentifikation.

2.2 Chat

Das Wort „Chat“ stammt aus dem Englischen und bedeutet „plaudern“. Es bezeichnet hier die elektronische Kommunikation zweier oder mehrerer Menschen in Echtzeit in einem virtuellen Raum. „Wie beim Telefonieren (…) erfolgt die Interaktion also direkt, synchron und wechselseitig, aber eben nichtsprechsprachlich, sondern schriftsprachlich.“ (Runkehl u.a. 1998, S. 78)

2.2.1 Arten von Chats

a) Internet Relay Chat (IRC)

Das IRC wurde im Jahre 1988 von Jarkko Oikarinen, einem finnischen Studenten, erschaffen. Im IRC kann mit einer oder mehreren, aber auch mit Gruppen von Personen kommuniziert werden. Um teilnehmen zu können, bedarf es einer speziellen Software, dem IRC Client, oder das Protokoll muss über ein Java-Applet gesteuert werden. Im IRC gibt es zahlreiche Funktionen und viele Befehle (z.B. mit „/LIST“ werden alle vorhandenen Kanäle und auch Nicknamen aller Teilnehmer angezeigt), welche jedoch kompliziert sind und zunächst erlernt werden müssen. IRC arbeitet schnell und ist äußerst flexibel. (Vgl. http://www.lehrerfreund.de/ leitfaden/2_einsatzmoeglichkeiten/21_kommunikation/213_chat/213_ rahmenbedingungen.htm)

2.) Instant Messenger

ICQ war 1997 der erste Anbieter eines Instant Messengers. Instant Messengers laufen nebenher, während der Benutzer andere Dinge am Computer macht. Meistens können auch Dateien zwischen den Teilnehmern ausgetauscht werden. Die Teilnehmer kennen sich in aller Regel aus dem „normalen Leben“. Auf einen Blick ist ersichtlich, welche Freunde gerade ebenfalls online sind.

Auf die Frage, warum Jugendliche so viel Zeit speziell im Instant Messenger verbringen, fand Christa Dürscheid folgende Antworten:

Viele haben heutzutage eine Flatrate für das Internet, somit ist die Kommunikation über einen Messenger für die Jugendlichen günstiger als beispielsweise mit dem eigenen Handy. Oft steht auch eine Flatrate für die Telefonanlage zur Verfügung, doch hier sind die Jugendlichen oft nicht ungestört. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die größere Intimität, welche im Chat oftmals entsteht und in keinem anderen Medium eine so große Rolle spielt. So ist das Tippen einer SMS aufwändiger und auch wieder teurer. Wenn man eine Email schreibt, kann man nicht sicher sein, dass der andere sie gerade liest und gleich antwortet. All dies lässt sich auf den regulären Chat übertragen, hier muss nur der Unterschied beachtet werden, dass in Chats in der Regel mit Fremden kommuniziert wird. (Vgl. Dürscheidt 2006, S. 122f.)

Laut einer Umfrage der JIM- Studie des Medienpädagogischen Verbundes Südwest benutzen 58 Prozent der Internet-Nutzer mehrmals pro Woche Instant Messengers. Hier fällt auf, dass männliche Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren, welche eine höhere Bildung haben, die größte Nutzungsfrequenz aufweisen. (Vgl http://www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf06/JIM-Studie_2006.pdf S.43)

Am Beliebtesten ist bei Jugendlichen das Instant Messenger Programm „ICQ“, welche 82% nutzen. (Vgl http://www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf06/JIM-Studie_2006.pdf S.46)

c) Web- Chat

Web- Chats sind in der Regel auf die jeweilige Homepage des Anbieters begrenzt. Es genügt hier, sich mittels eines Benutzernamens und eines Passworts anzumelden. Web- Chats haben meist mehrere Räume (beispielsweise #Flirt 15- 20; #München; #Techno) (Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Chat)

2.2.2 Nicknamen

Jeder Teilnehmer innerhalb des Chats hat einen Nicknamen, sozusagen einen Spitznamen, unter welchem er den anderen Teilnehmern erscheint. Diese Namen sind oft sehr lang. Sie geben Auskunft über den Charakter, Vorlieben, Hobbies, Gefühlszustand oder Aussehen der Person.

2.2.3 Gesprächsstruktur im Chat

Die Gesprächsteilnehmer sind zwar räumlich voneinander getrennt, befinden sich jedoch gleichzeitig im selben virtuellen Raum. Dies erzeugt im Übrigen ein künstliches Gefühl der Nähe. Die Nachrichten, welche die Gesprächsteilnehmer über die Tastatur eingeben, erscheinen in zeitlicher Abfolge untereinander auf dem Bildschirm, was, wenn viele mitschreiben, leicht zu Konfusion führen kann. Daher gibt es meist die Möglichkeit, ein „Separée“ zu eröffnen, damit zwei Teilnehmer ungestört kommunizieren können. Aus ähnlichen Gründen gibt es auch die Funktion des „Flüsterns“, durch die zwei Teilnehmer zwar weiterhin im Gespräch des jeweiligen Channels teilhaben können, jedoch diverse Informationen nur unter zwei Nutzern ausgetauscht werden, welche für andere dann nicht sichtbar sind.

2.2.4 Kommunikative Funktion von Chats

Der Medienpädagogische Verbund Südwest führt seit dem Jahre 1998 Studien zum Umgang Jugendlicher mit Medien durch.

2006 wurden die Jugendlichen zu den Motiven für das Chatten befragt: heraus kam, dass 27% der Jugendlichen chatten, um neue Bekanntschaften zu machen, und 40 % um ältere Bekanntschaften zu treffen. Auffallend ist, dass vor allem männliche Nutzer über 18 Jahre nach neuen Kontakten Ausschau halten. (Vgl. http://www.mpfs.de/index.php?id=86)

Viele Jugendliche chatten auch mit ihren Freunden aus dem realen Leben, dies erfolgt meist im Instant Messenger und ersetzt somit teilweise das Telefonieren.

3. Schriftlichkeit im Vergleich zu Mündlichkeit

Sprache wird entweder in Mündlichkeit oder Schriftlichkeit realisiert. (Die Sonderfälle Gebärdensprache und Parasprache ist für diese Arbeit nicht wichtig und werden daher nicht behandelt). Der Kommunikationsweg der Mündlichkeit ist die gesprochene Sprache, also alle Äußerungen, die mittels des menschlichen Sprechapparats gemacht werden (Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Gesprochene _Sprache)

Schriftlichkeit umfasst die Sprache in Form von Schrift. (Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Geschriebene_Sprache)

Nun kann man weiter differenzieren in mediale und konzeptionelle Mündlich- und Schriftlichkeit:

Von konzeptioneller Mündlichkeit spricht man, wenn der Text von Nähe jeglicher Form geprägt ist. Ist ein Text eher distanziert, spricht man von konzeptioneller Schriftlichkeit. Was jeweils vorliegt, hängt nicht von einem bestimmten Medium ab, sondern ergibt sich aus dem Kontext. (Vgl. http://cornelia.siteware.ch/ linguistik/muendlschriftl.html)

Beispiele für mediale Mündlichkeit wären das Telefongespräch, Vorträge oder Konferenzen, alles Phonische, um es kurz zu fassen; für mediale Schriftlichkeit dagegen alles graphische, so wäre beispielsweise der Vortrag in abgedruckter Form ein Beispiel, oder auch Bücher und Briefe. (Vgl. http://www.uni-giessen.de/~g91063/html/irc/node11.html)

Medial gesehen ist ein Chat also geschriebene Sprache. Aus konzeptioneller oder auch kommunikativer Sicht dagegen gehört er vor allem wegen der kommunikativen Nähe zur Mündlichkeit. Man kann ein Chatgespräch, begründet durch verschiedene Merkmale, wie dem Grad der Vertrautheit der Gesprächsteilnehmer, Spontaneität und dialogischen Charakter wie gesprochene Sprache behandeln. (Vgl. http://www.uni-giessen.de/lernwiki/chatfors/321.htm) Laut Caja Thimm sehen viele „im Computer ein Medium, mit dem frühere Mündlichkeitskulturen technisch wiederherstellen (…)“ (Vgl. Thimm 2000, s. 10) Allein der Name „Chat“ deutet bereits auf die Mündlichkeit hin.

4. Sprachliche Merkmale/ Konversationsanalyse

Der folgende Abschnitt behandelt die wichtigsten sprachlichen Merkmale, welche innerhalb eines Chats auffallen. Es werden Beispiele aus dem Web- Chat der Seite www.gzsz.rtl.de gegeben, welche im Anhang einsehbar sind,

An dieser Stelle muss angemerkt werden, dass sich aufgrund der Anonymität, welche in Chats herrscht, nicht mit hundertprozentiger Sicherheit Auskunft über das Alter der Gesprächsteilnehmer geben lässt. Dadurch ergeben sich Probleme im Bezug auf die Zuverlässigkeit der Aussagen über das Sprachverhalten Jugendlicher innerhalb Chats. Jedoch ist mit hoher Wahrscheinlichkeit die Mehrzahl der Personen zwischen zwölf und 22 Jahren alt, wie sich in vielen Fällen aus den Nicknamen schließen lässt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Eine Untersuchung jugendlichen Sprachverhaltens im Chat
Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau
Note
1,5
Autor
Jahr
2007
Seiten
29
Katalognummer
V85614
ISBN (eBook)
9783638020336
ISBN (Buch)
9783638949828
Dateigröße
668 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
20 Einträge im Literaturverzeichnis, davon 14 Internet-Quellen.
Schlagworte
Eine, Untersuchung, Sprachverhaltens, Chat
Arbeit zitieren
Katja Renkert (Autor), 2007, Eine Untersuchung jugendlichen Sprachverhaltens im Chat, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85614

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