Gegenstand der Arbeit ist die Frage, ob Freihandel und ökonomische Integration zu einem Ausgleich oder zu einer Polarisierung bestehender Unterschiede zwischen Entwicklungsniveaus zweier Ökonomien führen.
Zur Beantwortung dieser Frage wird zunächst auf die beiden theoretischen Grundpositionen, das (neo)klassische Modell (2.) und das Polarisationsmodell (3.), sowie die jeweiligen fundamentalen Kritiken zu beiden Großmodellen eingegangen. Der empirische Exkurs zur asymmetrischen Integration in den Europäischen Gemeinschaften macht das theoretische Gerüst in bezug auf die Eingangsfragestellung anschaulich (4.). Zusammenfassung und Fazit beschließen die Arbeit (5.).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Gegenstand und Überblick
2. (Neo)Klassik
2.1. Grundzüge des theoretischen Modells
2.2. Kritik des theoretischen Modells
3. Polarisation
3.1. Grundzüge der theoretischen Modelle
3.2. Kritik des theoretischen Modells
4. Empirischer Exkurs: Süderweiterung der EG
5. Zusammenfassung und Fazit
6. Materialanhang
Zielsetzung und Themenfelder
Die Arbeit untersucht die theoretische und empirische Fragestellung, ob Freihandel und ökonomische Integration zwischen unterschiedlich entwickelten Volkswirtschaften zu einem Nivellierungsausgleich oder zu einer weiteren Polarisierung der regionalen Entwicklungsunterschiede führen.
- Vergleich neoklassischer Integrationsansätze mit Polarisationstheorien
- Analyse der Prämissen und Kritikpunkte beider theoretischer Großmodelle
- Empirische Fallstudie zur Süderweiterung der Europäischen Gemeinschaft
- Diskussion über Wettbewerbsdruck, Kapitalströme und Modernisierungsprozesse
- Bewertung von kurzfristigen Polarisierungseffekten gegenüber langfristigen Ausgleichstendenzen
Auszug aus dem Buch
Grundzüge des theoretischen Modells
Der neoklassische Integrationsansatz knüpft an die klassischen liberalen Freihandelstheorien an und kommt zum Ergebnis eines Ausgleichs des Entwicklungsstandes auf höherem Niveau. In der Prämissensetzung geht die Neoklassik dabei vom vollkommenen Markt aus. Es gebe vollkommenen Wettbewerb auf den Güter- und Faktormärkten. Daneben existierten regional einheitliche Produktionsfunktionen mit konstanten Skalenerträgen. Eine uneingeschränkte Mobilität der Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital wird ebenso unterstellt wie deren Wanderung in die Regionen mit der höchsten Faktorvergütung. Die Entlohnung der Produktionsfaktoren erfolge in Abhängigkeit vom jeweiligen Wertgrenzprodukt.
Gemäß dem Gesetz der komparativen Kostenvorteile erfolge die Faktorallokation deshalb jeweils am kostenoptimalen Standort - unabhängig von nationalen oder anderen Grenzziehungen. Auf der Grundlage dieser Prämissen löse die räumliche Verdichtung ökonomischer Prozesse auf den Faktormärkten eine Kette diverser Anpassungsreaktionen aus.
Erstens: die angesprochene "Verdichtung ökonomischer Prozesse" induziert eine verstärkte Investitionstätigkeit in den Verdichtungsräumen. Der Faktor Kapital wird also im Verhältnis zu den Faktoren Arbeit und Boden reichlicher angeboten. Sein Wertgrenzprodukt sinkt, daraufhin verbilligt sich das Kapital. Zweitens: infolge dessen wandert das Kapital in weniger entwickelte Regionen ab, da es dort knapper vorhanden ist und dementsprechend höher verzinst wird. Parallel hierzu wandert der Faktor Arbeit in entgegengesetzter Richtung, denn in den Verdichtungsräumen ist er relativ knapper und wird dementsprechend höher entlohnt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Gegenstand und Überblick: Einführung in die Forschungsfrage hinsichtlich des Ausgleichs oder der Polarisierung regionaler Unterschiede durch wirtschaftliche Integration.
2. (Neo)Klassik: Darstellung des neoklassischen Modells, das auf vollkommenem Wettbewerb basiert und durch Faktorwanderungen eine Nivellierung der Entwicklungsniveaus prognostiziert.
3. Polarisation: Erläuterung der Polarisationstheorien, die von zirkulären Prozessen ausgehen und eine Vertiefung der Entwicklungsunterschiede durch wirtschaftliche Integration betonen.
4. Empirischer Exkurs: Süderweiterung der EG: Überprüfung der theoretischen Annahmen anhand der konkreten Erfahrungen bei der Integration von Griechenland, Spanien und Portugal in die EG.
5. Zusammenfassung und Fazit: Synthese der Ergebnisse, wobei kurzfristig Polarisierungseffekte dominieren, während mittel- bis langfristig Ausgleichstendenzen erwartet werden.
6. Materialanhang: Bereitstellung von Tabellen und Daten zur empirischen Untermauerung der Analyse.
Schlüsselwörter
Freihandel, Ökonomische Integration, Neoklassik, Polarisationstheorie, Süderweiterung, Europäische Gemeinschaft, Produktionsfaktoren, Kapitalmobilität, Skalenerträge, Entwicklungsunterschiede, Marktintegration, Wettbewerbsfähigkeit, Strukturwandel, Handelsbilanz, Transferzahlungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die theoretischen Erklärungsmodelle zur Wirkung von Freihandel und wirtschaftlicher Integration auf das Wohlstandsgefälle zwischen unterschiedlich entwickelten Ökonomien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Zentrum stehen die neoklassische Theorie des Marktausgleichs und die Gegenposition der Polarisationstheorien, ergänzt durch eine empirische Untersuchung der EG-Süderweiterung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob wirtschaftliche Integration zu einer Angleichung der Entwicklungsniveaus führt oder bestehende Disparitäten durch Polarisierung verschärft.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-deduktive Analyse der Integrationsansätze, die durch eine empirische Fallstudie anhand historischer Daten zur EG-Integration validiert wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet die Prämissen und kritischen Einwände gegen die Neoklassik und die Polarisationstheorien sowie deren Anwendung auf das Beispiel der Süderweiterung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Freihandel, Integration, Nivellierung, Polarisation, Süderweiterung und komparative Kostenvorteile.
Warum wird die neoklassische Theorie im Text kritisiert?
Die Kritik richtet sich primär gegen die restriktiven Prämissen wie den "vollkommenen Markt", die Annahme konstanter Skalenerträge und die Vernachlässigung externer Effekte.
Was besagt die Polarisationsthese in Bezug auf das Wirtschaftswachstum?
Die Polarisationsthese postuliert, dass ökonomische Prozesse zu einer zirkulären Verursachung führen, die dazu beiträgt, dass Zentren durch Skalenerträge wachsen, während die Peripherie wirtschaftlich zurückbleibt.
Welche Rolle spielt die Süderweiterung der EG für das Fazit?
Die Süderweiterung dient als empirisches Testfeld, welches verdeutlicht, dass kurzfristig massive Anpassungsdrucke und Polarisierung auftreten können, die jedoch langfristig durch Wettbewerb und Transferleistungen abgefedert werden können.
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- Malte Priesmeyer (Author), 1998, Neoklassik vs. Polarisation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8562