Kapital und Macht in Luhmanns sozialen Systemen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

0. Einleitung

1. Begriffe

2. Kapital & Macht

3. Soziale Systeme unter Einwirkung von Kapital & Macht
a) Quantitative Auswirkungen
b) Qualitative Auswirkungen
c) Kapital ist nicht Macht!

4. Zusammenfassung

5. Quellen

0. Einleitung

Niklas Luhmann versucht in seiner Systemtheorie die gesamte Welt in unterschiedliche Systeme einzuteilen und dadurch den Überblick darüber zu vereinfachen. Natürlich sind seine Theorien nicht unumstritten, jedoch bieten sie seit den 70-er und 80-er Jahren die bisher logischsten und modernsten Versuche die Welt zu erklären (wenn man sich denn der funktionalistisch-systematischen Betrachtungsweise zuwendet).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In der folgenden Arbeit soll nach einem Zusammenhang zwischen Kapital, Macht und sozialen Systemen (insbesondere Organisationen) gesucht werden. Wie wirkt Kapital innerhalb sozialer Systeme? Wie in Organisationen? Welchen Einfluss hat Macht auf das soziale System, in dem sie wirkt? Welche Arten von Kapital & Macht gibt es und welche davon sind relevant? Gibt es Parallelen zwischen Kapital und Macht? Kann man die Auswirkungen von Kapital & Macht innerhalb und zwischen den sozialen Systemen benennen und bewerten?

Solche oder ähnliche Fragen sollen die „Leitfragen“ dieser Arbeit sein. Eine ausführliche Auseinandersetzung mit Luhmanns Systemtheorie soll nicht erfolgen, da an den nötigen Stellen die Einzelheiten erläutert werden sollen.

Die Hauptthese soll die sein,

dass Kapital & Macht soziale Systeme gegen zeitliche Auflösungserscheinungen stabilisieren.

Dieser Behauptung gilt es hauptsächlich nachzugehen.

1. Begriffe

Bevor jedoch der Leitfrage nachgegangen wird, sollen die verwendeten Begriffe geklärt werden. Da hier die Rede von sozialen Systemen ist, sollen diese zuerst definiert werden.

Soziale Systeme setzen sich aus mindestens zwei Interaktionspartnern (Elemente) zusammen, wobei das Interaktionsverhältnis (Relationen) zu einer Organisation oder zu einer Gesellschaft erweitert werden kann (durch Erhöhung der Anzahl der Interaktionspartner). Dies ist jedoch nur die quantitative Einteilung (siehe obere Grafik).

Die qualitative Betrachtung von sozialen Systemen ergibt eine Einteilung in Systeme und Umwelt, wobei eine bildliche Vorstellung davon ergeben würde, dass Systeme von der Umwelt umgeben sind. Man kann Systeme (also auch soziale Systeme) intern in verschiedene Teilsysteme differenzieren, wobei das System-Umwelt-Verhältnis innerhalb des Systems wiederholt wird, indem die Teilsysteme vom sie beinhaltenden System umgeben werden (LUHMANN 1985, S. 20 ff). Gleichfalls kann man Systeme von einer anderen Seite betrachten, wobei herauskommt, dass Systeme aus Elementen bestehen, zwischen welchen Relationen bestehen. Um mit Luhmanns Worten zu sprechen, könnte man zum Vergleich ein Haus nehmen, wobei im ersten Fall von den verschiedenen Zimmern die Rede ist, im zweiten Fall betrachtet man dagegen die Balken, Nägel, Stromleitungen usw. (LUHMANN, 1984, S. 41).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Da jeder soziale Kontakt beziehungsweise Kommunikation als soziales System begriffen wird, ist Geschlossenheit von komplexeren sozialen Systemen nahezu unerreichbar (KNEER/NASSEHI, 2000, S. 33). Man muss also davon ausgehen, dass diese immer offene Systeme sind, welche der Wechselwirkung mit der Umwelt unterliegen. Diese Wechselwirkung findet gleichzeitig mit der systeminternen Autopoesis, Selbstreproduktion und Selbstorganisation statt (soziale Systeme sind unstatisch, sodass sie sich ständig neuorganisieren, reparieren und erhalten müssen).

Die Systemgrenze zwischen System und Umwelt wird durch den Grad der Unwahrscheinlichkeit markiert, die Wahrscheinlichkeit, das Systemziel, den „Sinn“ zu erreichen, ist innerhalb des Systems höher als außerhalb des Systems. Das System ist dadurch weniger Komplex als die Umwelt (LUHMANN, 1985, S. 249).

Bezüglich des „Sinnes“ (Systemidee) arbeiten soziale Systeme nach einem binären Code, welcher innerhalb des Systems eine Wahrheitsfiltrierung vornimmt, beziehungsweise ermöglicht. Dabei bestimmt das System nicht, was filtriert wird, sondern nur, dass filtriert wird (LUHMANN, 1984, S. 57). Dabei kann das zu filtrierende Sinnangebot aus der Umwelt aber auch aus dem System kommen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(nach KUCHLER, 2003, S. 30 f)

Entsprechend dem systemspezifischen Sinn entstehen binäre Codes, welche die jeweilige systemabhängige Wahrheit in die Binärität wahr/nicht wahr einteilen. Wobei es sich hier nicht um die Wahrheit und das Gegenteil davon handelt, sondern um systemspezifische Wahrheit und deren Nicht-Entsprechung. Die Wahrheit kann, je nach sozialem System, durch Geld, Wirtschaftlichkeit, Macht, Wissen, Sympathie usw. definiert werden, das bestimmt das soziale System selbst. Hierbei bringt der binäre Code lediglich die Nicht-Entsprechung des Positiven Codeteils hervor, und es entstehen keine dritten Elemente, welche in die Möglichkeiten der Auswahl einfließen könnten (LUHMANN, 1992, S. 199). Diese Filtration folgt dem Prinzip, dass die Codierung dem Wahrheitsgehalt eine Kommunikation/eines Elements feststellbar macht, was zu einer Bewertung führt, um anschließend mit/ohne die festgestellte Kommunikation/festgestelltes Element zu arbeiten. Es entsteht eine Wahrheitsscala.

Unter Kommunikation kann sämtliches Austauschen von Befehlen/Informationen/Rückmeldungen verstanden werden, welches zwischen Systemen, Subsystemen, Systemteilen und der Umwelt wechselseitig stattfindet. Dabei finden keine Nicht-Kommunikationen statt, denn auch hier wird alles nach dem binären Code gewertet.

2. Kapital & Macht

Um Macht zu definieren, muss man (wie auch Luhmann selbst) auf das Szenario zwischen Ego und Alter zurückgreifen. Hierbei hat Alter mehrere Entscheidungsmöglichkeiten und befindet sich in Entscheidungszwang. Die Macht Egos würde sich nun beweisen, wenn er Alter zu einer Wahl veranlasst, ohne ihn dazu in irgendeiner Art zu zwingen: Alter trifft diese Entscheidung „Ego zuliebe“, sodass die restlichen Alternativen bewusst nicht in Frage kommen (LUHMANN, 2003, S. 11 f).

Ego hat die Macht, Alter seine eigene Entscheidung, seinen Willen aufzuzwingen, Alter hat keine andere in Frage kommende Wahl, solange er sich im Machtbereich von Ego befindet. Er hat diese Macht jedoch nur, wenn Alter bezüglich seiner Wahl der Alternativen unsicher ist, Ego muss Alter dazu bringen, eine Entscheidung zu treffen, die in beiderlei Interesse ist. Ego muss hierfür seine eigene Entscheidungsalternative für Alter interessant machen, es muss daraus für Alter ein (wenn auch nur kleiner, kurzfristiger, oder sogar nur scheinbarer) Vorteil entstehen.

Für LUHMANN sind Liebe und Wahrheit genauso potenzielle Macht, wie Kapital oder Gewalt machtgebende Elemente sind (EBENDA, S. 8).

Wie bei Luhmanns Betrachtungen zur Macht schon völlig richtig festgestellt, ist Macht nicht einfach beim Machthaber vorhanden, sie wird erst durch machtgebende Elemente, also Kapital, ermöglicht. Die unterschiedlichen Kapitalarten, wie Wissen, materielles Vermögen (Geld, Sachen, Immobilien), Begabung, Sozialkompetenz, Charisma usw., ziehen unterschiedliche Machtbereiche (qualitativ und quantitativ) nach sich. So haben beispielsweise Machtelemente wie Geld & Vermögen eine sehr geringe Relevanz im sozialen System „Freundeskreis“, und Mitfühlvermögen spielt im sozialen System „Kreditinstitut“ eine eher untergeordnete Rolle.

(Luhmann spricht hier von der Konvertibilität von Besitz, Geld und Wissen zu Macht (LUHMANN, 2003, S. 101 ff).)

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Kapital und Macht in Luhmanns sozialen Systemen
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Hauptseminar: Theorien sozialer Differenzierung
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
15
Katalognummer
V85679
ISBN (eBook)
9783638014632
ISBN (Buch)
9783638917636
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kapital, Macht, Luhmanns, Systemen, Hauptseminar, Theorien, Differenzierung
Arbeit zitieren
Anton Reumann (Autor), 2005, Kapital und Macht in Luhmanns sozialen Systemen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85679

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