Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Orientalism / Sinology - Japanology

Die Nationswerdung der Ainu

Title: Die Nationswerdung der Ainu

Term Paper , 2006 , 29 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Alex Knauer (Author)

Orientalism / Sinology - Japanology
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Dieser Aufsatz beschäftigt sich mit der Schaffung der ethnischen Identität der Ainu und der Entwicklung ihres Bewusstseins eine „Nation“ zu sein. Er untersucht, inwieweit die „Nationswerdung“ der Ainu auf das theoretische Konstrukt von Benedict Anderson übertragbar ist. In seinem Buch „Die Erfindung der Nation“ begründet Anderson die Entstehung einer Nation damit, dass sie unter Einfluss bestimmter Faktoren erfunden, bzw. vorgestellt („imagined“ im englischen Original) wird. Sehr deutlich kann dies vor Augen geführt werden, wenn man sich mit der Geschichte der Ainu, beginnend mit der Meiji-Restauration und fortdauernd bis zum heutigen Tag, beschäftigt. Dabei wird den Ainu-Bewegungen und dem Widerstand gegen die Diskriminierung sehr viel Wert beigemessen. Auch das Aufkommen des japanischen Nationalbewusstseins, oder treffender formuliert: die Erfindung der japanischen Nation während der Meji-Restauration hängt sehr stark mit der Selbstfindung der Ainu zusammen. Zwangsassimilierung und immer noch andauernde Diskriminierung der Ainu seitens der homogen vorgestellten Gesellschaft sind weitere entscheidende Aspekte, die einen Beitrag zur Formierung des Ainu-Nationalbewusstseins leisten. Auch den Folgen der japanischen Industrialisierung und der Modernisierung seit der Meji-Restauration, wie der Verbesserung der Kommunikationswege, den Printmedien und der rasanten Entwicklung anderer Kommunikationsmedien nach dem Zweiten Weltkrieg wird eine enorme Bedeutung für die Nationswerdung der Ainu zuerkannt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition der ethnischen Gruppe

3. Definition der Nation

4. Entwicklung des Nationalbewusstseins der Ainu

4.1. Japanischer Nationalismus während der Meiji-Restauration

4.2. Die Ainu – eine „sterbende Rasse“

4.3. Ainu-Bewegungen vor dem Zweiten Weltkrieg

4.3.1. Iboshi Hokuto und andere intellektuelle Ainu

4.3.2. Ainu Kyôkai – Die Ainu-Gesellschaft von Hokkaido

4.4. Ainu-Bewegungen in den 60er und 70er Jahren

4.5. Das Erwachen des Ureinwohner-Bewusstseins

4.6. Ainu in den achtziger Jahren und heute

4.6.1. Ainu Shinpô

4.6.2. Der Nibutani-Damm-Prozess

4.6.3. Ainu-Gesetz von 1997

4.6.4. Ainu heute

5. Schlussbemerkungen

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstruktion der ethnischen Identität der Ainu und deren Entwicklung hin zu einem Nationalbewusstsein. Dabei wird analysiert, inwieweit das theoretische Konzept der "vorgestellten Gemeinschaft" von Benedict Anderson auf die historische und politische Entwicklung der Ainu in Japan übertragbar ist.

  • Theoretische Grundlagen von Ethnizität und Nationswerdung
  • Der japanische Nationalismus während der Meiji-Restauration
  • Historische Ainu-Bewegungen und deren Zielsetzungen
  • Politische Anerkennungsprozesse und das Ainu-Gesetz von 1997
  • Identitätsfindung im Spannungsfeld zwischen Assimilierung und Bewahrung

Auszug aus dem Buch

4.2. Die Ainu – eine „sterbende Rasse“

Japanische Reisen in die USA und europäische Kolonien, wie z.B. die „Iwakura-Mission“ 1871, leisteten als Begegnungen mit verschiedenartigen Rassismen einen entscheidenden Beitrag zur Verbreitung des Sozialdarwinismus in Japan. Bestätigt durch den Sozialdarwinismus sah man in den Ainu eine sterbende Rasse, die einem langsamen aber unausweichlichen Tode geweiht sei.

Die angebliche Rückständigkeit der Ainu-Kultur wurde der Öffentlichkeit in Form von Museumsaustellungen, Reiseberichten, wissenschaftlichen Studien und Schulbüchern präsentiert. Als das Eisenbahnnetz auch Hokkaido zu erreichen anfing, entstanden die ersten Ainu-Dörfer als Touristenattraktionen, in denen man die für einen niedrigen Lohn arbeitenden Ainu in traditionellen Kleidern tanzen sehen konnte. Auch ein Medium wie die Fotografie oder die allgemeinen Druckmedien, welche die Ainu immer als stark behaart und in traditioneller Kleidung darstellte und sie beispielsweise den Fotografien der westlich, mithin zivilisierter gekleideten Wajin gegenüberstellte, war ein mächtiges Manipulationsmittel für die Verbreitung der gemeinsamen sozialen Werte [Vgl. Cheung (1996), S. 266].

Um die Idee eines homogenen Familienstaates zu stützen, sah die Meiji-Regierung es als eine wichtige Aufgabe die Ainu zu assimilieren und der sterbenden Rasse auf diese Weise Sterbehilfe zu leisten. Eine solche Familie-Nation musste notwendigerweise ethnisch homogen sein, was eine Integration der Minderheiten in die homogene Familie bedeutete. Die Bemühung Ainu und andere Nicht-Japaner zu assimilieren, war gleichzeitig ein Versuch dahingehend umzudenken, dass die Anderen im Wesentlichen immer Japaner waren [Vgl. Howell (2004), S. 18]. Die Ainu waren somit auch Untertanen und Kinder des Kaisers, die nach einiger Zeit mit dem Familienstaat verschmelzen würden. Die Regierungspolitik implizierte die Annahme, dass einst die Ainu zu vollkommenen nützlichen Bürgern werden, sie aus den Statistiken verschwinden und als eine getrennte ethnische Gruppe zu existieren aufhören würden [Vgl. ebd., S. 6].

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Vorstellung des Themas und der Forschungsfrage im Kontext von Benedict Andersons Theorie der Nationswerdung.

2. Definition der ethnischen Gruppe: Erörterung des Begriffs Ethnizität als politisches Konstrukt und subjektives Identitätsmerkmal.

3. Definition der Nation: Analyse der Nation als vorgestellte, begrenzte und souveräne politische Gemeinschaft.

4. Entwicklung des Nationalbewusstseins der Ainu: Detaillierte Darstellung der historischen Etappen von der Meiji-Restauration bis zur heutigen Situation.

4.1. Japanischer Nationalismus während der Meiji-Restauration: Untersuchung der Konstruktion einer japanischen Identität und deren Ausgrenzungsmechanismen.

4.2. Die Ainu – eine „sterbende Rasse“: Darstellung der staatlich geförderten Assimilierungspolitik und der Ideologisierung der Ainu als minderwertig.

4.3. Ainu-Bewegungen vor dem Zweiten Weltkrieg: Analyse der frühen intellektuellen Ainu-Bewegungen und ihrer Bestrebungen zur Verbesserung der Lebensbedingungen.

4.3.1. Iboshi Hokuto und andere intellektuelle Ainu: Porträt der frühen Vordenker der Ainu-Kultur und ihre Rolle bei der Identitätsstiftung.

4.3.2. Ainu Kyôkai – Die Ainu-Gesellschaft von Hokkaido: Bewertung der ersten organisierten Ainu-Interessenvertretung.

4.4. Ainu-Bewegungen in den 60er und 70er Jahren: Untersuchung des Wiederauflebens politischer Forderungen und der Inspiration durch globale indigene Bewegungen.

4.5. Das Erwachen des Ureinwohner-Bewusstseins: Beschreibung der kulturellen Wiederbelebung und der Neuentdeckung bzw. Erfindung von Traditionen.

4.6. Ainu in den achtziger Jahren und heute: Analyse der modernen Entwicklungen, inkl. UN-Anerkennung und Ainu-Gesetz.

4.6.1. Ainu Shinpô: Diskussion des Gesetzesentwurfs zur Förderung von Ainu-Rechten.

4.6.2. Der Nibutani-Damm-Prozess: Würdigung des Prozesses als ersten bedeutenden juristischen Erfolg für die Anerkennung der Ainu.

4.6.3. Ainu-Gesetz von 1997: Kritische Auseinandersetzung mit dem Gesetz und dessen begrenzter politischer Wirkung.

4.6.4. Ainu heute: Ausblick auf die aktuelle Situation der Ainu-Identität und das Phänomen der Metroethnizität.

5. Schlussbemerkungen: Zusammenführende Betrachtung der Nationswerdung der Ainu und des Ausblicks auf ihre zukünftige politische Rolle.

Schlüsselwörter

Ainu, Nationswerdung, ethnische Identität, Benedict Anderson, Assimilierung, Meiji-Restauration, Ureinwohner, Ainu Shinpô, Nibutani-Damm-Prozess, Nihonjinron, Selbstbestimmung, indigene Völker, Kulturförderung, Metroethnizität, Japan.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Schaffung einer ethnischen Identität der Ainu und der Frage, wie sich diese Gruppe als "Nation" im modernen Japan neu erfunden hat.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die historische Diskriminierung, die Rolle von Sozialdarwinismus und Nationalismus, sowie der Prozess der kulturellen und politischen Selbstbehauptung der Ainu.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Analyse der Nationswerdung der Ainu auf Basis des theoretischen Konstrukts von Benedict Anderson zur Entstehung von Nationen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich primär auf die Analyse historischer Entwicklungen, politischer Diskurse und die Auswertung theoretischer Konzepte zur Identitätsbildung.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der japanischen Assimilierungspolitik, die frühen Ainu-Bewegungen bis hin zum modernen Kampf um Anerkennung, inkl. Gesetzen und Gerichtsprozessen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind u.a. Ainu, Nationswerdung, indigene Rechte, Assimilierung und kulturelle Identität.

Welche Rolle spielte der Nibutani-Damm-Prozess für die Ainu?

Er gilt als ein Wendepunkt, da erstmals juristisch die Existenz der Ainu als indigene Minderheit anerkannt wurde, auch wenn die politischen Rechte auf Land und Selbstbestimmung ausblieben.

Was ist die "Metroethnizität" im Kontext der Ainu?

Es beschreibt einen modernen Trend, bei dem Ainu-Herkunft und -Kultur eher als ästhetisches oder modisches Element im Lebensstil genutzt werden, statt als strenges politisches oder loyales Bekenntnis zum Volk.

Excerpt out of 29 pages  - scroll top

Details

Title
Die Nationswerdung der Ainu
College
University of Duisburg-Essen  (Institut für Ostasienwissenschaften)
Course
Sprachtod und bedrohte Sprachen in Japan
Grade
1,0
Author
Alex Knauer (Author)
Publication Year
2006
Pages
29
Catalog Number
V85713
ISBN (eBook)
9783638006828
ISBN (Book)
9783638913751
Language
German
Tags
Nationswerdung Ainu Sprachtod Sprachen Japan
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alex Knauer (Author), 2006, Die Nationswerdung der Ainu, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85713
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  29  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint