In dieser Projektarbeit soll es vorwiegend um das Phänomen der Armut gehen. Um einen besseren Zugang und die nötige Sensibilität zu gewährleisten, ist es unumgänglich, sich vorerst mit dem Begriff der Armut auseinander zusetzen. Dazu werden bewusst verschiedene Quellen analysiert, um die Heterogenität des Begriffes zu verdeutlichen. Im Rahmen des Praktikums ist es besonders wichtig die südamerikanischen Länder zu betrachten. Ein Schwerpunkt hierbei wird Bolivien zukommen, einem Land, wo dem Agrarsektor und der Subsistenzwirtschaft noch eine enorme Bedeutung zukommt. Ein vorwiegendes Anliegen dieser Arbeit besteht in der Festlegung von Kriterien nach denen die Armut erkannt werden kann und welche Strukturen sie an-nimmt. Weiterhin soll es darum gehen, die Ausprägung der Armut aufzuzeigen und zu begründen. Aus diesem Grund werden hauptsächlich die Gründe der Armut beleuchtet. Dazu werden einige Indikatoren, welche unter dem Begriff der Armut zusammengefasst werden, näher betrachtet und diskutiert. Es sollen Lösungsansätze vorgestellt und gezeigt werden inwieweit dem Problem der Armut Einhalt geboten werden kann. Dabei wird auf die Arbeit von NGO oder auch staatlichen Institutionen eingegangen um mögliche Fortschritte aufzuzeigen, welche eventuell als Ansätze für die globale Bekämpfung der Armut angesehen werden können. Daran soll deut-lich werden, dass dieses Problem durchaus der Lösung bedarf, es aber aufgrund verschiedener Schwierigkeiten eine große Herausforderung der Menschheit darstellt. Abschließend werden Anstöße gegeben, um dieses weltweite Problem zu bearbeiten und eventuell zu mindern. Dabei wird der Frage nachzugehen sein, wie der "Teufelskreis der Armut" durchbrochen werden kann?
Gliederung
1. Vorbemerkung
2. Der Armutsbegriff
2.1. Definitionsproblem
2.2. Unterscheidungsmöglichkeiten der Armut
2.3. Messung der Armut
2.4. Statistische Grenzwerte und Indikatoren
2.5. Zusammenfassung
3. Analyse der Armut in Bolivien
3.1. Statistische Daten
3.2. Ursachen der Armutssituation
3.3. Probleme der Entwicklung
3.4. Sozio-demographische Kennzeichen der Armut
3.5. Zusammenfassung
4. Entwicklungszusammenarbeit
4.1. Theorien und Strategien
4.2. Armutsbekämpfung als Ziel der Wirtschaftspolitik
4.3. Akteure armutsorientierter Wirtschaftspolitik
4.4. Zusammenfassung
5. Armutsorientierte Entwicklungspolitik in Bolivien
5.1. Ansätze zur Armutsbekämpfung
5.2. Inter- bzw. multinationale Maßnahmen zur Armutsbekämpfung
6. Schlussbetrachtung und Perspektiven
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das vielschichtige Phänomen der Armut in Bolivien, analysiert deren sozio-ökonomische Ursachen und bewertet die Wirksamkeit nationaler sowie internationaler Entwicklungsmaßnahmen, um Wege aus dem Teufelskreis der Armut aufzuzeigen.
- Historische und strukturelle Ursachen der Armut in Bolivien
- Theoretische Grundlagen und Messproblematiken von Armut
- Sozio-demographische Analysen von Armutsbetroffenen
- Rolle staatlicher Institutionen und NGOs in der Entwicklungspolitik
- Einfluss von Wirtschaftsreformen und externen Hilfsmaßnahmen
Auszug aus dem Buch
2.1. Definitionsproblem
Es scheint interessant zu sein, sich mit den Gründen für das Entstehen bzw. für die Ausbreitung der Armut auseinanderzusetzen. In allen Ländern der Erde treffen wir auf Bevölkerungsgruppen, welche als „arm“ bezeichnet werden. Hierbei gibt es wiederum Unterschiede im Grad der Armut, denn global gesehen variiert die Grenze zur Armut in den verschiedenen Erdteilen. Daher kann nicht von einer allgemein gültigen Armut gesprochen werden, denn abhängig von verschiedenen Faktoren, werden arme Bevölkerungsschichten der Industrieländer in den Entwicklungsländern als durchaus reich angesehen. Es hängt also vom Entwicklungsstand der Gesellschaften ab, wie die Armut von der Bevölkerung definiert wird.
Um sich allerdings näher mit dem Problem der Armut zu beschäftigen, ist es zuerst einmal notwendig eine Definition aufzustellen. Hier stellt sich allerdings die Frage, von welchem Standpunkt wir ausgehen. Eine statistische Abgrenzung scheint schwierig, da - wie bereits erwähnt – verschiedene Entwicklungsstände der Gesellschaften zu variierenden Ansichten führen würden. Die Bundesregierung hat im 9. Bericht zur Entwicklung (1992) Armut als ein Zustand definiert, in dem kein menschenwürdiges Leben möglich ist. Allein hierbei wird ein großer Interpretationsspielraum sichtbar. Um dem entgegenzuwirken, konkretisierte sie die Armut mit folgenden Aspekten. „Armut heißt: Nicht genug zum Essen haben, hohe Kindersterblichkeit, geringe Lebenserwartung, geringe Bildungschancen, schlechtes Trinkwasser, fehlende Gesundheitsversorgung, unzumutbare Unterkünfte [und] fehlende aktive Beteiligung an Entscheidungsprozessen.“ (vgl. Schubert 1994:13) Allerdings weisen auch diese Aspekte gewisse Interpretationsspielräume auf, denn wie werden z.B. Unterernährung oder schlechte Bildungschancen definiert? Wo liegen die Grenzen zu einer unzureichenden Gesundheitsversorgung oder Partizipation? Bei genauerer Betrachtung weisen die Aussagen zur Armut von der Bundesregierung noch immer Schwächen auf.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorbemerkung: Die Einleitung legt den Fokus auf die historische Entstehung von Disparitäten und definiert das Ziel, Kriterien für Armut in Bolivien zu erarbeiten und Hilfsansätze kritisch zu beleuchten.
2. Der Armutsbegriff: Dieses Kapitel erläutert die Schwierigkeiten bei der Definition von Armut, vergleicht absolute und relative Armutskonzepte und erörtert verschiedene Messmethoden sowie statistische Indikatoren.
3. Analyse der Armut in Bolivien: Hier werden die spezifischen statistischen Daten und sozio-ökonomischen Ursachen der Armutssituation in Bolivien untersucht, wobei insbesondere die Auswirkungen historischer Entwicklungen und struktureller Probleme beleuchtet werden.
4. Entwicklungszusammenarbeit: Dieses Kapitel widmet sich den theoretischen Ansätzen der Entwicklungszusammenarbeit und analysiert die Rollen verschiedener Akteure, wie Regierungen, NGOs und internationale Organisationen bei der Umsetzung von Armutsbekämpfungsstrategien.
5. Armutsorientierte Entwicklungspolitik in Bolivien: Es werden konkrete bolivianische Programme (wie der FSE und FIS) sowie die Arbeit internationaler Organisationen bewertet, wobei institutionelle Schwächen und die Konzentration auf urbane Räume kritisch diskutiert werden.
6. Schlussbetrachtung und Perspektiven: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer nachhaltigen, partizipativen Entwicklungsstrategie, die den ländlichen Raum stärker einbezieht, um den Armutskreislauf zu durchbrechen.
Schlüsselwörter
Armut, Bolivien, Entwicklungszusammenarbeit, Armutsbekämpfung, Grundbedürfnisstrategie, Sozio-ökonomische Faktoren, Indigene Bevölkerung, Wirtschaftspolitik, Landwirtschaft, Informeller Sektor, Ressourcenverteilung, Strukturanpassung, Infrastruktur, Soziale Disparitäten, Humankapital.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Strukturen der Armut im ländlichen Raum Boliviens, die Ursachen für die prekäre Lage der Bevölkerung und die Wirksamkeit von (inter-)nationalen Hilfsmaßnahmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Im Fokus stehen die Definition und Messung von Armut, die Analyse der bolivianischen Wirtschafts- und Sozialstruktur sowie die Rolle verschiedener Akteure in der Entwicklungszusammenarbeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, Kriterien zur Erkennung von Armut in Bolivien festzulegen, die Ausprägung der Armut zu begründen und Lösungsansätze zu bewerten, um den Teufelskreis der Armut zu durchbrechen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Analyse vorhandener Fachliteratur, Berichte internationaler Organisationen (wie Weltbank/UNDP) und statistischer Daten, um ein differenziertes Bild der bolivianischen Armutssituation zu zeichnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Armutsbegriffs, eine detaillierte Analyse der bolivianischen Gegebenheiten sowie eine Untersuchung und Bewertung der verschiedenen Ansätze und Akteure in der Entwicklungszusammenarbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Armut, Bolivien, Entwicklungszusammenarbeit, Armutsbekämpfung, Indigene Bevölkerung und strukturelle Disparitäten.
Welche Rolle spielt die ethnische Zugehörigkeit bei der Armutsverteilung in Bolivien?
Die Studie belegt, dass indigene Bevölkerungsgruppen überproportional stark von Armut betroffen sind, was auf historische Unterdrückung, mangelnden Bildungszugang und Sprachbarrieren zurückzuführen ist.
Warum ist laut Autor die Konzentration der NGOs auf urbane Zentren kritisch zu sehen?
Diese Konzentration vernachlässigt den ländlichen Raum, der für die Entwicklung Boliviens essentiell ist, und verstärkt die infrastrukturelle Ungleichheit, was dem Ziel einer flächendeckenden Armutsbekämpfung entgegensteht.
- Citar trabajo
- Daniel Hampicke (Autor), 2004, Strukturen der Armut in Bolivien und deren Erfassung im Ländlichen Raum mit Hilfe ausgewählter Faktoren, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85750