Weltabgewandtheit auf der einen Seite und Beziehungen zu Städten auf der anderen Seite sind ein nicht zu übersehender Widerspruch. Eben dieser Widerspruch soll in der vorliegenden Hausarbeit im Hinblick auf die Zisterzienser und ihre wirtschaftlichen sowie personalen Beziehungen zu mittelalterlichen Städten aufgezeigt und untersucht werden.
Hauptgegenstand dieser Hausarbeit ist die Untersuchung zisterziensischen Lebens in der Zeit zwischen 1100 bis 1400 bezüglich der Entstehung und Entwicklung zisterziensischen Lebens in mittelalterlichen Städten und im Hinblick auf die daraus resultierenden Verbindungen zwischen Städtern und Mönchen. Begleiterscheinung dieser Hausarbeit ist die schemenhafte Skizzierung der zisterziensischen Wirtschaft, da diese als Hintergrundwissen nötig ist.
Einleitend wird die Entstehung und Entwicklung der Zisterzienser skizziert, wobei auch schemenhaft auf die Arbeitsstruktur der Zisterzienser eingegangen wird, da die Arbeit bzw. Wirtschaft der Zisterzienser ausschlaggebend für den Kontakt zu den Städten und ihren Bewohnern war. Daraufhin werden, aufbauend auf den Informationen zur Wirtschaft der Zisterzienser, die personal-sozialen Kontaktebenen zwischen mittelalterlichen Zisterzen und Städten allgemein aufgezeigt. Das dabei entwickelte Bild vom Verhältnis der Zisterzienser zu den mittelalterlichen Städten soll als ein Ausschnitt aus dem Spannungsverhältnis zwischen Ideal und Wirklichkeit dieses Reformordens verstanden werden. Denn das von den Zisterziensern angestrebte Leben in Gebet und Arbeit, fern vom Getriebe der Welt, stand in Konflikt zu der Tatsache, dass viele Zisterzen im Verlauf ihrer Entwicklung aufgrund primär wirtschaftlicher Aspekte mit den Städten in Kontakt traten.
Im Anschluss daran werden die Intensität und Struktur dieser Berührungspunkte zwischen monastischer und städtischer Welt am Beispiel der Trierer Zisterze Himmerod verdeutlicht.
Abschließend erfolgt ein Resümee der aus dieser Arbeit resultierenden Ergebnisse.
Bezüglich der von mir verwendeten Literatur ist anzumerken, dass in erster Linie das Werk Immo Eberls sowie die Literatur Gerd Steinwaschers , Wolfgang Benders und Reinhard Schneiders zum Thema der Beziehungen zisterziensischer Mönche zu mittelalterlichen Städten ergiebig waren. Zwar wurden wissenschaftliche Arbeiten zu diesem Thema durch die Zisterzienserausstellung 1980 in Aachen inspiriert, allerdings halten sich die Ergebnisse vor allem zu bisher unberücksichtigten Klöstern in Grenzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Überblick - Entstehung und Entwicklung der Zisterzienser
2.1. Arbeit
2.2. Konversen
3. Entstehung zisterziensischen Lebens in mittelalterlichen Städten
3.1. Zisterziensische Wirtschaft als Ausgangspunkt der Beziehungen zu Bewohnern mittelalterlicher Städte
3.1.1. Die Grangien
3.1.2. Die Stadthöfe
3.2. Entwicklung zisterziensischen Lebens auf personal-sozialer Ebene
4. Veranschaulichung: Die Trierer Zisterze Himmerod
5. Die Ostkolonisation der Zisterzienser
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem monastischen Ideal der Weltabgewandtheit und der tatsächlichen wirtschaftlichen sowie personalen Verflechtung der Zisterzienser mit den mittelalterlichen Städten im Zeitraum von 1100 bis 1400. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie wirtschaftliche Notwendigkeiten und die Entwicklung städtischer Besitzungen, exemplarisch verdeutlicht an der Trierer Zisterze Himmerod, zu einer Intensivierung der Kontakte zwischen Mönchen und der städtischen Welt führten, die über das ursprünglich angestrebte Abgeschiedenheitsprinzip hinausgingen.
- Wirtschaftsstruktur und Eigenbetriebe (Grangien) der Zisterzienser
- Funktion und Bedeutung zisterziensischer Stadthöfe
- Personal-soziale Kontakte und Schenkgeberkreise
- Fallstudie: Das Kloster Himmerod und seine städtischen Aktivitäten
- Zisterziensische Mission und Kolonisation im Osten
Auszug aus dem Buch
3.1.2. Die Stadthöfe
Ebenso wie den Grangien besaßen die zisterziensischen Stadthöfen eine zentrale Funktion bezüglich ihrer Wirtschaft und den daraus resultierenden Kontakten zu den Bewohnern der Städte.
Stadthöfe waren Besitzungen der Abteien in Städten, die zentralörtliche Funktionen sowohl auf politischer als auch auf wirtschaftlicher und kultureller Ebene für die sie umgebenen Städte hatten. Sie dienten als lokale Wirtschaftszentren der Klöster und als Herbergen für Gäste. Zu den Stadthöfen gehörten Lager, Scheunen und Verkaufsräume sowie Unterkünfte für Gäste und die den Stadthof bewirtschaftenden Klostermitglieder. Sie boten die Möglichkeit, die Überschussproduktion abzusetzen, die städtische Nachfrage nach klösterlichen Erzeugnissen zu befriedigen und Handelsgeschäfte mit den Städtern abzuschließen. Vor allem vor dem Hintergrund der teilweise sehr umfangreichen Zollprivilegien erwiesen sich die Stadthöfe als sehr lukrativ. Als bedeutsamste Steuerbefreiung sieht Roth die generelle Befreiung des Grundbesitzes vom Kirchenzehnten und ähnlichen Steuern, die Papst Innozenz II. einräumte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Spannungsfeld zwischen monastischer Weltabgewandtheit und der tatsächlichen wirtschaftlichen Einbindung der Zisterzienser in mittelalterliche Städte ein.
2. Überblick - Entstehung und Entwicklung der Zisterzienser: Das Kapitel skizziert den Ursprung des Ordens aus der cluniazensischen Reform und beleuchtet die Bedeutung von Handarbeit und das Konverseninstitut für das zisterziensische Wirtschaftsleben.
3. Entstehung zisterziensischen Lebens in mittelalterlichen Städten: Hier werden die wirtschaftlichen Entwicklungen, insbesondere Grangien und Stadthöfe, als Ursprung der Kontakte zu den Städten sowie die personal-soziale Ebene dieser Beziehungen analysiert.
4. Veranschaulichung: Die Trierer Zisterze Himmerod: Dieses Kapitel veranschaulicht die theoretischen Erkenntnisse anhand der konkreten Fallstudie des Klosters Himmerod und seiner weit verzweigten städtischen Aktivitäten in Trier.
5. Die Ostkolonisation der Zisterzienser: Der Abschnitt behandelt schemenhaft die Rolle des Ordens bei der Besiedlung und Missionierung der östlich von Elbe und Oder gelegenen Gebiete.
6. Schluss: Das Resümee stellt fest, dass sich die Zisterzienser aufgrund wirtschaftlicher Realitäten von ihren anfänglichen Idealen entfernen mussten und fordert eine intensivere Forschung zu den personal-sozialen Beziehungen.
Schlüsselwörter
Zisterzienser, Mittelalter, Stadt, Wirtschaft, Himmerod, Grangien, Stadthöfe, Konversen, Weltabgewandtheit, Schenkungen, Rentengeschäfte, Ostkolonisation, Benediktsregel, Trier, Klöster.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das widersprüchliche Verhältnis der Zisterzienser zur mittelalterlichen Stadt und wie ihre wirtschaftliche Tätigkeit ihre Ideale der Weltabgewandtheit beeinflusste.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die Zisterzienserwirtschaft, das Konverseninstitut, die Funktion von Stadthöfen und Grangien sowie die personalen Beziehungen zwischen Klöstern und Stadtbewohnern.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, den Widerspruch zwischen dem monastischen Ideal der Abgeschiedenheit und der faktischen Verflechtung der Zisterzienser mit dem städtischen Markt und Bürgertum aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literatur- und Quellenanalyse, wobei sie wirtschaftsgeschichtliche Daten und Schenkungsurkunden, exemplarisch dargestellt am Kloster Himmerod, untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung und Entwicklung des Ordens, die Strukturen der Grangien und Stadthöfe sowie die sozialen Kontakte, die durch Immobilien- und Rentengeschäfte entstanden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Zisterzienser, Weltabgewandtheit, Stadthöfe, Wirtschaftsmacht, Kloster Himmerod und städtische Verflechtungen.
Wie unterscheidet sich die Situation des Klosters Himmerod von anderen Zisterzen?
Himmerod dient als detailliertes Fallbeispiel, das die Diskrepanz zwischen Ordensstatuten und der wirtschaftlichen Praxis in Trier durch eine besonders gute Quellenlage und umfangreiche Stadthofbesitzungen veranschaulicht.
Welchen Einfluss hatte die Ostkolonisation auf die Zisterzienser?
Die Ostkolonisation zwang den Orden zu einer weiteren Öffnung nach außen, da der Abt als Grundherr weit reichende administrative und soziale Verpflichtungen gegenüber den Siedlern und Städten übernehmen musste.
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- Philipp Schubert (Author), 2007, Entstehung und Entwicklung zisterziensischen Lebens in mittelalterlichen Städten am Beispiel der Stadt Trier, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85774