Viktor Kaplan, geb. am 27. November 1876 als Sohn eines Eisenbahnbeamten in Mürzzuschlag in der Steiermark, gestorben am 23.08.1934 im 58. Lebensjahr in Unterach am Attersee, hat die dritte der heute im Einsatz stehenden Hauptturbinenarten für die Nutzung der Wasserkraft, die Propellerturbine mit verdrehbaren Schaufeln - die Kaplanturbine - erfunden. Die Umsetzung seiner Erfindung in die praktische Anwendung war jedoch das Ergebnis des glücklichen Zusammenwirkens von mehreren "Erfolgsfaktoren", zu denen neben dem Erfinder seine Freunde und Helfer - vor allem die Maschinenbaufirma Storek in Brünn, sein Assistent Jaroslav Slavik und sein Freund Dr. Alfred Lechner - gehörten. Im Festvortrag wurde überblicksartig das Leben und das Lebenswerk Kaplans behandelt, wobei auch auf die Geschichte der Nutzung der Wasserkraft, auf Kaplans Patente und Patentstreitigkeiten, sowie auch auf die Probleme mit der Kavitation eingegangen wurde. Die Person Kaplans aus verschiedenen Blickwinkeln, Anekdoten und ein Hinweis auf Erinnerungsorte runden die Darstellung ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vom Wasserrad zu den ersten Turbinen
3. Stand der Wasserkraft-Technik zu Beginn des 20. Jahrhunderts
4. Viktor Kaplans Lebenslauf
5. Ein kurzer Überblick zu den Patentstreitigkeiten
6. Die erste Kaplanturbine im Einsatz
7. Rückschläge und endgültiger Durchbruch
8. Ehrungen und Ruhestand
9. Meine sehr geehrte Damen und Herren, bekanntlich ranken sich um jede große Persönlichkeit besondere Erinnerungen und Anekdoten, so auch um Kaplan; eine kleine Auslese:
Der Bewerbungstest
Der wackelige Suppenteller
Hoher Besuch in Unterach
Das blaue Bild vom Opa
Die Affengeschichte
10. Nun ein anderer Blickwinkel: Kaplan als Wohltäter seiner Mitmenschen
11. Viktor und Margarete Kaplan als großzügige Gastgeber
12. „Erinnerungsorte“
13. Ich komme nun zum Schluss:
Zielsetzung & Themen
Der vorliegende Festvortrag befasst sich mit dem Leben und dem wissenschaftlichen Wirken von Viktor Kaplan, wobei ein besonderer Fokus auf der Entwicklung und den Herausforderungen bei der Etablierung der nach ihm benannten Kaplanturbine liegt.
- Biografischer Überblick zu Leben und Werdegang Viktor Kaplans.
- Historische Einordnung der Entwicklung von Wasserrädern zur modernen Turbine.
- Detaillierte Analyse der patentrechtlichen Konflikte und technischer Hürden (Kavitation).
- Darstellung der sozialen Aspekte und des privaten Umfelds des Erfinders.
- Diskussion über das Spannungsfeld zwischen technologischer Innovation und ökologischer Verantwortung.
Auszug aus dem Buch
4. Viktor Kaplans Lebenslauf
Kaplans Leben währte nur 58 Jahre, von 1876 bis 1934. Die Hälfte davon verbrachte er in der mährischen Hauptstadt Brünn. Viktor Kaplan kam am 27. November 1876 im Bahnhofsgebäude von Mürzzuschlag in der Steiermark (heute ein Städtchen mit rund 7000 Einwohnern) als Sohn des Bahnbeamten Karl Viktor Kaplan und dessen Frau Johanna, geb. Wust zur Welt. Der Vater war vorher schon an sieben anderen Stationierungsorten der k.k. Südbahn im Einsatz, darunter auch Agram (dem heutigen Zagreb), wo Viktor Kaplans Bruder Karl 1871 geboren wurde, und Lekenik in Kroatien, im Gebiet der ehemaligen k.k. Militärgrenze, wo seine Schwester Anna Luise 1873 das Licht der Welt erblickte, aber schon 4 Wochen nach der Geburt verstarb. Bei der Eisenbahn gab es keine besondere Bezeichnung für Kinder, die an den verschiedenen Stationierungsorten des Vaters geboren wurden, beim Militär dagegen wurden sie Tornisterkinder genannt.
Kaplans Vater und Großvater stammten aus Wiener Neustadt, Mutter Johanna, geb. Wust, aus Pettau in der Untersteiermark, dem heutigen Ptuj in Slowenien. Der Großvater Kaplans mütterlicherseits, Franz Wust, stammte aus Josefstadt in Böhmen (heute ein Stadtteil von Jaromer an der Elbe, nordöstlich von Prag) und war zuletzt, bis zur Revolution 1848/49, Oberpostverwalter in Temesvar im Banat in Südungarn (Siedlungsgebiet der Donauschwaben), heute als Timisoara in Rumänien gelegen.
Man sieht, manche Orte des ehemaligen alten Österreich sind weit herumgekommen, obwohl sie immer am selben Platz geblieben sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Der Autor dankt dem Vorstand der BRUNA für den erhaltenen Kulturpreis und erläutert seine Motivation, ein abgerundetes Bild des Erfinders Viktor Kaplan zu zeichnen.
2. Vom Wasserrad zu den ersten Turbinen: Es wird die technologische Evolution von der Nutzung antiker Wasserräder bis hin zur Entwicklung der ersten Turbinen durch Pioniere wie Fourneyron dargestellt.
3. Stand der Wasserkraft-Technik zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Die Situation um das Jahr 1900 wird beschrieben, in der bestehende Turbinentypen wie die Francis- oder Pelton-Turbine für bestimmte Anforderungen nicht ausreichten.
4. Viktor Kaplans Lebenslauf: Dieses Kapitel zeichnet den persönlichen Werdegang Kaplans von seiner Geburt in Mürzzuschlag bis zu seiner wissenschaftlichen Tätigkeit in Brünn nach.
5. Ein kurzer Überblick zu den Patentstreitigkeiten: Die langjährigen Auseinandersetzungen mit Industrievereinigungen und konkurrierenden Erfindern um die Patentrechte der Kaplanturbine werden beleuchtet.
6. Die erste Kaplanturbine im Einsatz: Die erfolgreiche Inbetriebnahme der ersten industriellen Kaplanturbine im Jahr 1919 wird dokumentiert.
7. Rückschläge und endgültiger Durchbruch: Probleme durch Kavitation gefährdeten den Erfolg, konnten aber durch systematische Forschung und die Zusammenarbeit mit Experten wie Oplusstil gelöst werden.
8. Ehrungen und Ruhestand: Kaplan zieht sich in seinen späteren Jahren auf sein Landgut in Unterach zurück, nachdem er bereits zahlreiche akademische Ehrungen erfahren hat.
9. Meine sehr geehrte Damen und Herren, bekanntlich ranken sich um jede große Persönlichkeit besondere Erinnerungen und Anekdoten, so auch um Kaplan; eine kleine Auslese:: Eine Sammlung von Anekdoten über den Bewerbungstest, Kaplans Humor und Episoden aus seinem Privatleben wird präsentiert.
10. Nun ein anderer Blickwinkel: Kaplan als Wohltäter seiner Mitmenschen: Der soziale Aspekt von Kaplans Persönlichkeit wird durch seine Großzügigkeit und Unterstützung für Bedürftige hervorgehoben.
11. Viktor und Margarete Kaplan als großzügige Gastgeber: Das Landgut in Unterach wird als kultureller Treffpunkt für namhafte Persönlichkeiten beschrieben.
12. „Erinnerungsorte“: Eine Übersicht über die vielfältige Erinnerungskultur an Viktor Kaplan durch Denkmäler, Straßennamen und Gedenkveranstaltungen.
13. Ich komme nun zum Schluss:: Der Autor zieht ein Resümee über die Innovation Kaplans und mahnt einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur bei der Energiegewinnung an.
Schlüsselwörter
Viktor Kaplan, Kaplanturbine, Wasserkraft, Erfinder, Patentstreitigkeiten, Brünn, Innovation, Energiegewinnung, Kavitation, Technikgeschichte, Wasserrad, Technisches Denkmal, Industriegeschichte, Natur und Technik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit behandelt das Leben, das Wirken und die bedeutende Erfindung der Kaplanturbine durch den Maschinenbauingenieur Viktor Kaplan.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Themen umfassen die Biografie Kaplans, die technische Entwicklung von Turbinen, patentrechtliche Kämpfe und den sozialen sowie privaten Kontext des Erfinders.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, ein umfassendes und abgerundetes Bild des Erfinders Viktor Kaplan zu zeichnen und die Bedeutung seiner Innovation für die Wasserkraftnutzung zu würdigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf der Auswertung zahlreicher historischer Quellen, Recherchen und der persönlichen Aufarbeitung technischer Dokumente.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die technologische Geschichte, den Lebenslauf Kaplans, die detaillierte Schilderung der Patentstreitigkeiten sowie die erfolgreiche Lösung des Kavitationsproblems.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Viktor Kaplan, Kaplanturbine, Wasserkraft, Erfinder, Patentstreitigkeiten und Technikgeschichte.
Welche Rolle spielte die Firma Storek für Kaplan?
Die Firma Storek ermöglichte die praktische Umsetzung der Kaplanturbine durch die Bereitstellung eines Versuchslaboratoriums und übernahm das finanzielle Risiko während der schwierigen Entwicklungsphase.
Warum wird die Kavitation als Wendepunkt genannt?
Die Kavitation verursachte schwere Schäden an frühen Turbinen und nutzte den Kritikern als Argument gegen Kaplans Erfindung; ihre Lösung durch Gustav Oplusstil und weitere Versuche war jedoch entscheidend für den weltweiten Erfolg der Turbine.
Wie ging Kaplan mit seinen Kritikern um?
Kaplan musste sich in zahlreichen Prozessen gegen Nichtigkeitsklagen und ehrenrührige Behauptungen verteidigen, wobei er durch Unterstützer und sein Team fachlich obsiegte, dies jedoch gesundheitlich schwer belastete.
- Citation du texte
- Martin Gschwandtner (Auteur), 2007, Festvortrag: Viktor Kaplans Leben und Lebenswerk, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85910