Die subjektive Wahrnehmung unseres Körpers beruht zu einem sehr großen Teil auf der Funktionalität des somatoviszeralen sensorischen Systems. Dieses Sinnessystem umfasst die Wahrnehmungsfunktionen der Haut, der inneren Organe und des Bewegungsapparates. Störungen des Körperbildes bei Ausfällen (z.B. Phantomschmerzen nach Amputationen, Lähmung nach Schlaganfall) sollen in dieser Arbeit untersucht werden. Das menschliche Gehirn ist bei solchen Störungen zu massiver funktioneller Reorganisation fähig, welche in dieser Arbeit genauer betrachtet werden soll und als neuronale Plastizität bezeichnet wird. Untersuchungen hierzu zeigten, dass diese Plastizität eine grundlegende Eigenschaft des Nervensystems ist und auch Regionen des menschlichen Nervensystems betrifft, die früher als fest verdrahtet angesehen wurden
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Funktionell anatomische Übersicht des zentralen somatosensorischen Systems
1.2 Das Hinterstrangsystem
1.3 Das Vorderseitenstrangsystem
1.4 Somatotopie des somatosensorischen Kortex
1.5 Ausfälle bei Rückenmarkverletzungen.
2. Amputationen und Reorganisation
3. Prothesen und deren neuronale Ansteuerung
4. Hand Transplantationen
5. Beidseitige Handtransplantation
5.1 Reaktivierung des motorischen Kortex nach Transplantation
6. Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Hausarbeit untersucht die Phänomene der neuronalen Reorganisation und Plastizität im menschlichen Gehirn bei sensorischen Störungen, wie sie nach Amputationen oder Rückenmarkverletzungen auftreten, und analysiert, wie moderne Handprothesen sowie Handtransplantationen diese Prozesse beeinflussen können.
- Grundlagen des somatosensorischen Systems und der Somatotopie
- Mechanismen der kortikalen Reorganisation nach Deafferenzierung
- Technologische Ansätze der Prothesensteuerung und deren Auswirkung auf den Kortex
- Klinische Fallbeispiele erfolgreicher Handtransplantationen
- Die Rolle der Reaktivierung des motorischen Kortex für die Funktionswiederherstellung
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Die subjektive Wahrnehmung unseres Körpers beruht zu einem sehr großen Teil auf der Funktionalität des somatoviszeralen sensorischen Systems. Dieses Sinnessystem umfasst die Wahrnehmungsfunktionen der Haut, der inneren Organe und des Bewegungsapparates. Störungen des Körperbildes bei Ausfällen (z.B. Phantomschmerzen nach Amputationen, Lähmung nach Schlaganfall) sollen in dieser Arbeit untersucht werden [1]. Das menschliche Gehirn ist bei solchen Störungen zu massiver funktioneller Reorganisation fähig, welche in dieser Arbeit genauer betrachtet werden soll und als neuronale Plastizität bezeichnet wird. Untersuchungen hierzu zeigten, dass diese Plastizität eine grundlegende Eigenschaft des Nervensystems ist und auch Regionen des menschlichen Nervensystems betrifft, die früher als fest verdrahtet angesehen wurden [2].
Die zentrale Verarbeitung der Meldungen aus den peripheren Sensoren können funktionell in 3 Ebenen abgegrenzt werden: 1. afferente Systeme, 2. integrative Systeme, 3. efferente Systeme.
Die periphere Sinnesfläche, also die Gesamtheit der Sensoren, projiziert zum Thalamus und zum Kortex und man kann hier von einer geordneten Abbildung der Peripherie auf zentralnervöse Bereiche sprechen. Diese räumliche Zuordnung wird als Somatotopie bezeichnet. Die nachfolgenden Stationen zentralnervöser Verarbeitung sind die integrativen und efferenten Ebenen. Überwiegend integrative Funktionen haben das Assoziationssystem und das limbische System. Zu den wichtigsten Leistungen dieser Systeme gehört auch die Zusammenführung von Meldungen aus mehreren Sinnessystemen sowie von gespeicherter Information aus dem Gedächtnis.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das somatosensorische System ein und definiert die zentrale Fragestellung bezüglich der neuronalen Plastizität bei Körperbildstörungen.
1.1 Funktionell anatomische Übersicht des zentralen somatosensorischen Systems: Die zentrale Verarbeitung wird in afferente, integrative und efferente Ebenen unterteilt, wobei die Somatotopie als räumliche Abbildung erklärt wird.
1.2 Das Hinterstrangsystem: Es wird die anatomische Basis der taktilen Sensibilität und Propriozeption beschrieben, die für die Unterscheidung räumlicher Reizdetails entscheidend ist.
1.3 Das Vorderseitenstrangsystem: Dieses Kapitel erläutert die anatomische Grundlage für Schmerz- und Temperaturwahrnehmung, die sich durch eine geringere somatotopische Ausprägung auszeichnet.
1.4 Somatotopie des somatosensorischen Kortex: Hier wird der somatosensorische Homunkulus als verzerrtes Abbild der Peripherie dargestellt, wobei die plastische Überlappung der kortikalen Areale betont wird.
1.5 Ausfälle bei Rückenmarkverletzungen.: Die neurologischen Konsequenzen einer halbseitigen Rückenmarkdurchtrennung, das Brown-Séquard-Syndrom, werden analysiert.
2. Amputationen und Reorganisation: Es wird untersucht, wie nach Amputationen kortikale Strukturen reorganisieren und Phantomschmerzen entstehen.
3. Prothesen und deren neuronale Ansteuerung: Dieses Kapitel beleuchtet den technologischen Stand von Armprothesen und die Möglichkeiten der Steuerung durch Muskelimpulse.
4. Hand Transplantationen: Anhand des Falls Clint Hallam werden die medizinischen und psychologischen Herausforderungen von Handtransplantationen diskutiert.
5. Beidseitige Handtransplantation: Die erste beidseitige Handtransplantation von Denis Chatelier wird vorgestellt.
5.1 Reaktivierung des motorischen Kortex nach Transplantation: Mittels fMRT wird nachgewiesen, wie sich kortikale Repräsentanzen nach erfolgreicher Transplantation zurückbilden und reaktivieren.
6. Ausblick: Abschließend wird die Frage erörtert, ob eine Reorganisation auch bei angeborenen Defekten möglich ist und ob eine sensible Phase existiert.
Schlüsselwörter
Neuronale Plastizität, Somatotopie, somatosensorischer Kortex, Hinterstrangsystem, Vorderseitenstrangsystem, Phantomschmerz, Reorganisation, Handtransplantation, Prothetik, Myoelektrische Steuerung, Homunkulus, Deafferenzierung, fMRT, Motorik, Funktionserholung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Fähigkeit des menschlichen Gehirns zur neuronalen Reorganisation, bekannt als neuronale Plastizität, insbesondere im Kontext von Amputationen, Rückenmarkverletzungen und der medizinischen Rehabilitation durch Prothesen oder Transplantationen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die funktionelle Anatomie des somatosensorischen Systems, die kortikale Repräsentation des Körpers (Somatotopie), die Entstehung von Phantomwahrnehmungen und die wissenschaftliche Dokumentation von Funktionsrückgewinnung nach Handtransplantationen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu untersuchen, wie massiv die funktionelle Reorganisation des Gehirns nach sensorischen Ausfällen ist und inwieweit diese durch gezielte Stimulation oder technologische Interventionen (Prothesen/Transplantationen) beeinflusst oder rückgängig gemacht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine Literaturanalyse neurophysiologischer Grundlagen sowie auf die Auswertung klinischer Fallstudien und bildgebender Verfahren wie der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die physiologischen Grundlagen der Reizverarbeitung, die neurologischen Folgen von Läsionen, die Mechanismen der kortikalen Veränderung nach Amputation und die Analyse von Behandlungserfolgen bei modernen Handtransplantationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Neuronale Plastizität, Somatotopie, Phantomschmerz, kortikale Reorganisation, Handtransplantation und somatosensorischer Kortex.
Wie wirkt sich der Gebrauch von Prothesen auf Phantomschmerzen aus?
Der Gebrauch von myoelektrischen Prothesen stimuliert die Nervenenden im Stumpf und führt zu einer geordneten Impulsverarbeitung im kortikalen Areal, wodurch die Ausdehnung benachbarter Areale unterdrückt und das Schmerzempfinden reduziert werden kann.
Warum ist das Ergebnis der Reaktivierung nach der Transplantation von Denis Chatelier so bedeutend?
Die fMRT-Aufnahmen zeigten, dass nach der Transplantation die Handregion im motorischen Kortex wieder aktiviert wurde, was beweist, dass die kortikale Repräsentanz trotz vorheriger Reorganisation wieder hergestellt werden kann.
- Citar trabajo
- Diana von Kopp (Autor), 2004, Neuronale Reorganisation, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86029