Die Welt- und Jenseitsvorstellungen in Dantes Divina Commedia


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001
24 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Weltbild

3. Inferno

4. Purgatorio

5. Paradiso

6. Schlußwort

Bibliographie

Anhang

1. Einleitung

Die Divina Commedia von Dante Alighieri (1265 – 1321) beschreibt die fiktive Wanderung des Ich-Erzählers Dante durch die drei Jenseitsreiche Hölle (Inferno), Läuterungsberg (Purgatorio) und Paradies (Paradiso). Die vorliegende Arbeit behandelt das Weltbild und die Jenseitsvorstellungen des Autors, von denen das Werk geprägt ist. Dazu wird zunächst kurz das zur Zeit Dantes vorherrschende Weltbild dargestellt. Danach folgt eine Untersuchung der Darstellung von Hölle, Läuterungsberg und Paradies mit Schwerpunkt auf dem Aufbau der einzelnen Reiche und der Einteilung der Seelen in die verschiedenen Kategorien. Außerdem soll gezeigt werden, inwieweit die in der Divina Commedia zum Ausdruck gebrachten Jenseitsvorstellungen vom damaligen Weltbild beeinflußt wurden.

Aufgrund des großen Umfangs der Commedia können die zitierten Beispiele die erarbeiteten Ergebnisse nur exemplarisch verdeutlichen. Eine detaillierte Darstellung mit dem Anspruch auf Vollständigkeit würde den Rahmen dieser Arbeit weit übersteigen.

2. Weltbild

Der Divina Commedia liegt das Weltbild des griechischen Astronomen, Mathematikers und Geographen Ptolemäus (100 – 160 n. Chr.) zugrunde, nach dessen Vorstellung die Erde den unbewegten Mittelpunkt des Universums bildet, um den alle übrigen Planeten auf konzentrischen Bahnen kreisen.1 Das geozentrische System war bis ins 16. Jahrhundert, als Kopernikus seine bis heute gültige Theorie vom heliozentrischen System mit der Sonne als Mittelpunkt des Planetensystems aufstellte, anerkannt und verbreitet.

Nach damaliger Meinung wurde nur die nördliche Hälfte der Erdkugel von Menschen bewohnt, während die südliche mit Wasser bedeckt war. Im Zentrum der bewohnten Hemisphäre liegt Jerusalem, und zwar genau an der Stelle, an der sich zuvor das irdische Paradies befunden haben soll.2 Dantes Beschreibung weicht hier von der weit verbreiteten Vorstellung ab, wie bei der Untersuchung des Läuterungsberges zu zeigen sein wird.

Es herrschte die Auffassung, daß um die Erde herum in wachsender Entfernung sieben Himmelssphären angeordnet sind, in denen sich die Planeten Mond, Merkur, Venus, Sonne, Mars, Jupiter und Saturn auf Kreisbahnen um den Mittelpunkt der Welt bewegen. An den Saturnhimmel schließen sich als achte und neunte Sphäre der Fixsternhimmel und der sternlose Kristallhimmel an. Dieser auch Primum Mobile genannte Himmel wird durch die Nähe Gottes bewegt und gibt diese Bewegung weiter an die anderen Planetensphären.3 In der Commedia wird das Universum schließlich begrenzt durch das unbewegte Empyreum, den Sitz Gottes und der Seligen.4

3. Inferno

Die Hölle5 der Divina Commedia ist ein tiefer Trichter unter der bewohnten, nördlichen Hemisphäre, der sich vom Erdmittelpunkt bis kurz unter die Erdoberfläche erstreckt. Das Inferno ist unterteilt in neun Kreise, die sich auf Terrassen im Innern des Trichters befinden. In diesen Kreisen, die teilweise weiter unterteilt sind, erleiden die verschiedenen Sünderklassen ihre Strafen.6 Für die Entstehung des Höllentrichters gibt es zwei verschiedene Erklärungen: er wurde zusammen mit der Erde geschaffen7 oder er entstand beim Sturz Luzifers und seiner Engel, die nach einer Revolte gegen Gott von diesem aus dem Himmel geschleudert wurden. Dabei bohrten sie sich tief in die Erde, und durch die Verdrängung der Erdmasse entstand der Trichter.8 Im tiefsten Punkt des Trichters, und damit in der größtmöglichen Entfernung zu Gott, ist Luzifer, der Herrscher des Höllenreiches, im Eissee des Kozytus eingefroren.9

Dantes Inferno ist unterteilt in zwei große Bereiche: die äußere und die innere Hölle. Letztere ist identisch ist mit der Höllenstadt Dis, durch deren Stadtmauer die beiden Bereiche klar voneinander abgegrenzt werden.10 Die äußere Hölle, die die fünf Kreise der Heiden, der Wollüstigen, der Schlemmer, der Habgierigen und Verschwender und der Zornigen umfaßt, ist der Strafort der Verdammten der incontinentia, die aus Schwäche gesündigt und ihre Triebe nicht beherrscht haben, während in den vier Kreisen der inneren Hölle diejenigen bestraft werden, die aus Bosheit oder Niedertracht (malitia) handelten. Insbesondere sind dies die Ketzer, die Gewalttätigen, die Betrüger und die Verräter. Diese Einteilung, die zum Teil weiter untergliedert ist, geht auf Aristoteles zurück.11

Das Strafsystem des Inferno folgt dem Prinzip des contrappasso, der angemessenen Strafe, d.h. die Strafe steht in engem Zusammenhang mit der Sünde. Dante verwendet dabei zwei verschiedene Methoden: den analogen und den antithetischen contrappasso. Die Seelen in der Hölle sind also dazu verdammt, entweder das zu tun, was sie zu Lebzeiten taten, nur daß sie sich jetzt selbst damit quälen (analog) oder sie tun das genaue Gegenteil ihrer irdischen Vergehen (antithetisch).12 Generell werden leichtere Sünden bei Dante weiter oben im Höllentrichter, und damit in größerer Nähe zu Gott, bestraft als schwerere Sünden. Diese Anordnung ist allegorisch zu verstehen, da sich die Menschen durch schwere Vergehen weiter von Gott entfernen als durch leichtere.13 Die Höllenstrafen sind nicht zeitig, sondern ewig, so daß die Verdammten keine Hoffnung auf Erlösung von ihren Qualen haben können.14 Damit die eigentlich körperlosen Seelen die Strafen spüren können, hat Dante ihnen eine Art Schattenleib gegeben.15 Erst beim jüngsten Gericht werden sie ihre Körper zurückbekommen.16

Beim Eintritt ins Inferno durch das Höllentor gelangen der Wanderer Dante und sein Führer Vergil zuerst in eine Art Vorraum, in dem sich die Lauen aufhalten, die zu Lebzeiten weder gut noch böse waren. Sie erleiden keine eigentliche Strafe, sondern werden ohne Hoffnung auf Einlaß in die Hölle, geschweige denn ins Paradies, in der Dunkelheit dieses Zwischenreiches rastlos umhergetrieben und von allen verachtet.17

Dieser Vorraum ist von der eigentlichen Hölle durch den Totenfluß Acheron abgegrenzt, über den der Fährmann Charon die Verdammten übersetzt.18 Am anderen Ufer beginnt dann der Abstieg in den Höllentrichter.19 Der erste Kreis wird Limbus patrum genannt und ist der Aufenthaltsort der ungetauft gestorbenen Kinder und der guten Heiden. Dieser Ort kam auch in der Lehre der Kirche vor.20 Die einzige Schuld der Seelen besteht darin, daß sie keine Christen waren und daher kein Anrecht auf das Paradies haben. Sie erleiden keine Qualen und werden lediglich dadurch gestraft, daß sie Gott nicht schauen dürfen.21 Obwohl der Limbus zur Hölle gehört, ist es im Gegensatz zu den übrigen Kreisen ein heller, fast idyllischer Ort mit grünen Wiesen und einem Bach.22 Dante macht ihn zum Aufenthaltsort vieler antiker Dichter, Weisen und Helden wie Homer, Ovid, Äneas, Cäsar, Sokrates und Plato, wodurch er seine Bewunderung für die Antike ausdrückt.23 Wie in der gesamten Commedia erscheinen auch hier sowohl Menschen, die wirklich gelebt haben, als auch Sagengestalten und Figuren aus der Literatur als Beispiel für die verschiedenen Kategorien der Seelen.

Am Eingang zum zweiten Höllenkreis steht der Wächter Minos, der die Funktion des Richters ausübt und den ankommenden Seelen je nach ihrer Sünde einen Platz im Inferno zuweist.24 Entgegen der Einteilung des Aristoteles ist für Dante die läßlichste Sünde die Wollust. Daher wird sie ganz oben im Höllentrichter im zweiten Kreis bestraft. Dort ist es sehr dunkel und laut. Die Seelen fliegen wie Stare im Wirbelsturm umher – eine Allegorie der Leidenschaft, die sie zu Lebzeiten umtrieb.25 Es liegt also ein analoger contrappasso vor. Nach der kirchlichen Lehre muß Dante die Wollüstigen in der Hölle bestrafen, auch wenn er Mitleid mit ihnen hat, wie sich im Gespräch mit einem der Liebespaare und besonders durch seine Ohnmacht nach diesem Gespräch im fünften Gesang des Inferno zeigt.

[...]


1 vgl. Hatzfeld, Seiten 21 - 22

2 vgl. Hatzfeld, Seiten 22 - 23

3 vgl. Auerbach, Seite 128

4 vgl. Hatzfeld, Seiten 21 – 22; vgl. Schirnding

5 vgl. Abbildung 1 im Anhang

6 vgl. Hatzfeld, Seite 111

7 vgl. Gmelin, Kommentar Band 1, Seite 13

8 vgl. Prill, Seite 131; Auerbach, Seite 126

9 vgl. Gmelin, KommentarBand 1, Seite 482; Dante, Inferno XXXIII, 28 - 29

10 vgl. Hatzfeld, Seite 112

11 vgl. Gmelin, Kommentar Band 1, Seite 13; Rüegg, Seite 16

12 vgl. Prill, Seite 137, Gmelin, Kommentar Band 1, Seite 15

13 vgl. Hatzfeld, Seiten 111 - 112

14 vgl. Prill, Seite 134

15 vgl. Auerbach, Seiten 109 – 110; Hatzfeld, Seite 132; Gmelin, Kommentar Band 2, Seite 397

16 vgl. Hatzfeld, Seite 122

17 vgl. Rüegg, Seite 16; Dante, Inferno III, 22 - 54

18 vgl. Dante, Inferno III, 70 - 87

19 vgl. Dante, Inferno IV, 7 - 13

20 vgl. Hatzfeld, Seite 111

21 vgl. Auerbach, Seite 135

22 vgl. Dante, Inferno IV, 104 - 109

23 vgl. Dante, Inferno IV

24 vgl. Dante, Inferno V, 40 - 43

25 vgl. Gmelin, Kommentar Band 1, Seite 109

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Welt- und Jenseitsvorstellungen in Dantes Divina Commedia
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Romanistik, Abteilung für Französisch und Italienisch)
Veranstaltung
Dante - Leben und Werk
Note
1,7
Autor
Jahr
2001
Seiten
24
Katalognummer
V8606
ISBN (eBook)
9783638155366
Dateigröße
5797 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dante, Jenseitsvorstellungen, Divina Commedia, Göttliche Kommödie
Arbeit zitieren
Daniela Rollmann (Autor), 2001, Die Welt- und Jenseitsvorstellungen in Dantes Divina Commedia, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8606

Kommentare

  • Gast am 10.10.2005

    inhaltsangabe, nichts neues.

    nicht viel mehr als eine detaillierte inhaltsangabe der "göttlichen komödie". so gut wie keine eigenen interpretationen oder ideen.

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