Rechnungslegung nach IFRS bei mittelständischen Unternehmen

Eine ökonomische Analyse der Konsequenzen auf die Unternehmenssteuerung


Diplomarbeit, 2006

104 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Problemstellung

2 Terminologische Grundlagen
2.1 Zentrale Merkmale mittelständischer Unternehmen
2.2 Begriff der Unternehmenssteuerung
2.3 Effizienz und Effektivität als Grundlage einer ökonomischen Analyse

3 Zur Bedeutung der IFRS im Mittelstand
3.1 Empirischer Beleg zur Relevanz der IFRS in mittel-
ständischen Unternehmen
3.1.1 Stand der IFRS- Rechnungslegung
3.1.2 Erwartete Chancen und Risiken bei der Implementierung von IFRS
3.1.3 Tatsächlich beobachtete Nutzenpotenziale und Kosten einer Umstellung auf IFRS
3.2 Unternehmensinterne Voraussetzungen für eine vorteilhafte
Anwendung der IFRS in mittelständischen Unternehmen
3.3 NPAE-Projekt als Wegweiser für eine „IFRS für Alle“-Zukunft

4 Konsequenzen für die mittelständische Unternehmenssteuerung bei einer Rechnungslegung nach IFRS
4.1 Unternehmenssteuerung bei Anwendung des HGB als externes Rechnungslegungssystem
4.2 Chancen für die Unternehmenssteuerung durch eine Rechnungslegung nach IFRS
4.2.1 Harmonisierung von internem und externem Rechnungswesen
4.2.1.1 Möglichkeiten und Grenzen eines konvergenten Rechnungswesens
4.2.1.2 Anforderungen an eine steuerungsgerechte Ergebnisrechnung
4.2.1.3 Konzeptionelle Eignung der IFRS für Zwecke der Unternehmenssteuerung
4.2.2 Einheitliche Konzernrechnungslegung als Steuerungs- instrument in mittelständischen Konzernen
4.3 Risiken für die Unternehmenssteuerung durch eine Rechnungslegung nach IFRS
4.4 Effizienz und Effektivität der IFRS für Zwecke der Unternehmens-steuerung

5 Thesenförmige Zusammenfassung

Anhang

Literaturverzeichnis

Ehrenwörtliche Versicherung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Faktoren, die die Vorteilhaftigkeit der IFRS beeinflussen (verkürzte Darstellung)

Abbildung 2 Anforderungen an Kontroll- und Steuerungsrechnungen

Abbildung 3 Auswertung der erwarteten Vorteile durch die IFRS bzw. Gründe für eine Umstellung auf IFRS

Abbildung 4 Auswertung der erwarteten Nachteile durch die IFRS bzw. Gründe gegen eine Umstellung auf IFRS

Abbildung 5 Faktoren, die die Vorteilhaftigkeit der IFRS beeinflussen

Abbildung 6 Ermittlung der öffentlichen Rechenschaftspflicht

Abbildung 7 Vergleich Anforderungen an Kontroll- und Steuerungsrechnungen mit den IFRS-Rechnungslegungsgrundsätzen

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Stand der IFRS-Rechnungslegung im Mittelstand (verkürzte Darstellung)

Tabelle 2 Erwartete Vor- und Nachteile bzw. Gründe für oder gegen eine Umstellung auf IFRS (verkürzte Darstellung)

Tabelle 3 Abschließendes Urteil zur Verwendung der IFRS für Zwecke der Unternehmenssteuerung

Tabelle 4 Stand der IFRS-Rechnungslegung im Mittelstand

Tabelle 5 Auswertung zur Unternehmens-/Konzernstruktur mittelständischer IFRS Anwender und Umsteller

Tabelle 6 Genannte Vor- und Nachteile bzw. Gründe für oder gegen eine Umstellung auf IFRS der einzelnen Studien

Tabelle 7 Kategorisierung der aufgenommenen Vor- und Nachteile bzw. Gründe für oder gegen eine Umstellung auf IFRS

Tabelle 8 Auswertung der erwarteten Vor- und Nachteile der IFRS bzw. Gründe für oder gegen eine Umstellung auf IFRS

Tabelle 9 Tatsächliche Vor- und Nachteile durch die IFRS

Tabelle 10 Strukturanalyse der mittelständischen IFRS-Anwender und Umsteller der Studie des Bundesverbands der Deutschen Industrie e.V.

Tabelle 11 Vergleich der erwarteten Vor- und Nachteile der IFRS bzw. Gründen für oder gegen eine Umstellung mit den tatsächlichen Vor- und Nachteilen einer Umstellung auf IFRS

Tabelle 12 Für SMEs problematische oder von SMEs selten verwendete Ansatz- und Bewertungsfragen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Problemstellung

Der deutsche Gesetzgeber hat am 4.12.2004 mit dem Bilanzrechtsreformgesetz die EU-Verordnung EG/1606/2002 des Europäischen Parlaments und des Rats vom 19.07.2002 zur Anwendung der IAS umgesetzt. So sind gemäß § 315a HGB kapitalmarktorientierte Unternehmen bei der Erstellung eines Konzernabschlusses zur Anwendung der IFRS-Regelungen ab 2005 bzw. 2007 verpflichtet.[1] Für nicht kapitalmarktorientierte Unternehmen wurde ein Wahlrecht zur Aufstellung des Konzernabschlusses nach handelsrechtlichen Regelungen oder nach IFRS formuliert.

Der Mittelstand kann sich heute schon nicht mehr vollständig den IFRS-Regelungen entziehen. Die Regelungen der IFRS gelten seit der Modernisierungs-Richtlinie der Europäischen Union für die Auslegung des Handelsbilanzrechts von Einzelkaufleuten, Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften.[2] Bei näherer Betrachtung der Fair-Value-Richtlinie erkennt man, dass IFRS-Vorschriften auch zunehmend Einzug in die Regelungen des HGB halten. Ab dem Geschäftsjahr 2003 sind laut § 285 HGB umfangreiche Angaben zu Finanzinstrumenten zu machen. Dabei sind auch Angaben zum Fair Value zu machen, der nach den Regelungen der IFRS zu ermitteln ist.[3]

Die Verpflichtung zur Anwendung der IFRS wurde notwendig, um den Informationsanforderungen der Kapitalmärkte gerecht zu werden. HGB-Abschlüsse lieferten nur noch unzureichende Informationen. Auch im Mittelstand verlangen externe Adressaten zunehmend weitere Daten, die über die gesetzliche Basis des HGB hinausgehen.[4] So erwarten vermehrt Kapitalgeber, wichtige Lieferanten und Kunden oder sonstige externe Adressaten Informationen eines IFRS-Abschlusses.

Umstellungen auf IFRS in größeren börsennotierten Unternehmen wie der Bayer AG haben gezeigt, dass mit der Einführung der IFRS eine Harmonisierung des internen und externen Rechnungswesens und eine damit einhergehende Verbesserung der Unternehmenssteuerung möglich ist.[5] Das Nebeneinander zweier Rechenkreise in diesen Unternehmen führte auf Grund der differenten Ergebnisse von internem und externem Rechnungswesen häufig zu Interpretationsschwierigkeiten und Akzeptanzproblemen. In Großunternehmen ergeben sich allerdings durch eine Anwendung der IFRS als Steuerungsinstrument vielfach Probleme mit der Verhaltensbeeinflussung dezentraler Entscheidungsträger.[6]

Da nun auch für mittelständische nicht kapitalmarktorientierte Unternehmen ein Jahresabschluss nach IFRS möglich ist, stellt sich die Frage, ob die bei Großunternehmen beobachteten Vor- und Nachteile für die Unternehmenssteuerung durch die IFRS auch bei mittelständischen Unternehmen auftreten können. Es wird vermutet, dass andere Auswirkungen auftreten können, da sich die Organisation und Führung mittelständischer Unternehmen teilweise erheblich von der eines Großunternehmens unterscheidet.[7] Dementsprechend können Problembereiche durch eine Unternehmenssteuerung nach IFRS in Großunternehmen unter Umständen im Mittelstand gar nicht relevant sein, dafür treten andere Probleme auf. Zu beachten ist hierbei, dass verschiedene Führungsstile in mittelständischen Unternehmen verwendet werden, die entscheidend die Vorteilhaftigkeit der IFRS beeinflussen können. Eine Analyse der Konsequenzen der IFRS für die Unternehmenssteuerung mittelständischer Unternehmen soll anhand der Kriterien Effektivität und Effizienz erfolgen. Die Bedeutung des vorliegenden Themas soll durch eine Untersuchung der Relevanz der IFRS für mittelständische Unternehmen gezeigt werden. Hierbei wird weiter untersucht, ob es einen bestimmten Unternehmenstypus gibt, der IFRS anwendet. Anhand von Studienauswertungen soll untersucht werden, in wie weit die Unternehmenspraxis Vorteile für die Unternehmenssteuerung mittelständischer Unternehmen beurteilt. Die Arbeit wird mit einem Urteil abschließen, das die unterschiedlichen Führungsstile und die Organisation mittelständischer Unternehmen berücksichtigt.

In der Literatur sind bisher meist nur die Auswirkungen der IFRS auf die Unternehmenssteuerung in Großunternehmen untersucht worden. Die Besonderheiten des Mittelstands blieben hierbei meist unberücksichtigt. Diese Arbeit will versuchen, diese Lücke zu schließen.

2 Terminologische Grundlagen

2.1 Zentrale Merkmale mittelständischer Unternehmen

In diesem einleitenden Abschnitt soll der Begriff des mittelständischen Unternehmens näher beleuchtet werden. Der Begriff Mittelstand bezeichnete historisch die „ständische Mitte des freien städtischen Bürgertums“.[8] Der Mittelstand stellte einen Stand zwischen der unfreien Landbevölkerung und des Adels dar. Der heutige Begriff zielt auf einen bestimmten Unternehmenstypus ab, der jedoch von der Literatur nicht einheitlich definiert ist. Nahezu jeder Autor grenzt den Begriff anders ab, dabei wird der Begriff Mittelstand hauptsächlich nur im deutschsprachigen Raum verwendet.[9] Häufig wird der Begriff quantitativ und qualitativ abgegrenzt. Für diese Arbeit soll die Abgrenzung des Mittelstands nicht an quantitativen Grenzen festgemacht werden, denn zum einen sollen explizit auch die großen mittelständischen Unternehmen wie Merck untersucht werden und zum anderen wäre es äußerst schwierig, objektive Schwellenwerte für die Abgrenzung des Mittelstands zu bestimmen.[10] Es soll aber für den weiteren Verlauf der Arbeit zwischen kleineren und größeren mittelständischen Unternehmen unterschieden werden. Diese Unterscheidung erscheint zweckmäßig, da differente Konsequenzen auf die Unternehmenssteuerung durch die IFRS für kleinere und größere mittelständische Unternehmen vermutet werden.[11]

In der Literatur findet man eine Vielzahl von unterschiedlichen Kriterien für eine qualitative Abgrenzung des Mittelstands.[12] Das zentrale Merkmal aller mittelständischen Unternehmen stellt die Einheit von Eigentum und Leitung sowie die persön- liche Risikoübernahme durch den Unternehmer dar.[13] Die Eigentümer oder die Eigentümerfamilie sind an der Unternehmensführung beteiligt und halten mindestens 50% der Gesellschaftsanteile.[14] Durch diese Einheit erhält die Unternehmerpersönlichkeit eine zentrale Stellung im Unternehmen.[15] Der Unternehmer führt patriarchalisch, entscheidet selbst über alle unternehmenspolitisch relevanten Belange und ist stark in das operative Geschäft eingebunden.[16]

Folgende weitere Kriterien sollen nur für den typischen kleineren Mittelstand gelten.[17] Aus der zentralen Stellung des Unternehmers ergeben sich in der Regel eine sehr flache Hierarchie und eine persönliche Beziehung zwischen Mitarbeiter und Unternehmensführung. Die Vorteile einer flachen Hierarchie liegen im hohen Maß an Flexibilität, der näheren Kommunikation zwischen Unternehmensführung und den Mitarbeitern sowie den verhältnismäßig geringeren Führungskosten im Vergleich zu einer tiefen Hierarchie.[18] In kleineren Unternehmen finden kaum Abteilungsbildungen und Delegation von Entscheidungen statt.[19] Mittelständische Unternehmen verfügen in der Regel über eine sehr geringe Eigenkapitalquote, deswegen nimmt die Bank als Fremdkapitalgeber eine außerordentliche Rolle ein und verlangt häufig einen tiefen Einblick in das Unternehmen. Das mittelständische Familienunternehmen stellt einen Sonderfall dar, da diese Unternehmen in der Regel über eine sehr hohe Eigenkapitalquote verfügen.[20]

2.2 Begriff der Unternehmenssteuerung

Der Begriff der Unternehmenssteuerung ist in der Literatur ebenfalls nicht einheitlich definiert.[21] Die Bezeichnung Steuerung stammt ursprünglich aus dem naturwissenschaftlichtechnischen Bereich und versteht einen reaktiven Impuls in ein System.[22] Betriebswirtschaftlich soll in der Unternehmenssteuerung das Unternehmen auf ein Ziel hin ausgerichtet werden, anschließend erfolgt die Zielerfüllung und im Falle von Zielabweichungen werden Gegenmaßnahmen zur Zielerreichung eingeleitet.[23] Der Unternehmenssteuerungsprozess lässt sich in verschiedene Phasen gliedern. Zunächst erfolgt die Phase der Planung und der Zielsetzung, da eine Steuerung nur auf ein bestimmtes Ziel hin möglich ist. Planung kann definiert werden als „ein geordneter, informationensverarbeitender Prozess zum Erstellen eines Entwurfs, welcher Maßnahmen für das Erreichen von Zielen vorausschauend festlegt“.[24] In dieser Phase werden Soll-Größen von der Unternehmensleitung vorgegeben, die Erfolgs- und Liquiditätsziele berücksichtigen und sowohl quantifizierbar als auch realistisch sein sollten.[25] Für die Quantifizierung der Erfolgsziele sollten finanzielle Überschussgrößen bestimmt werden. Ein wichtiges steuerungsrelevantes Merkmal mittelständischer Unternehmen ist die Einheit von Eigentum und Leitung, weswegen die Sicherung der Liquidität ein wichtiges Nebenziel darstellt.[26] Weiter sollte in der Zieldefinierung ein zeitlicher Horizont und das Zielausmaß festgelegt werden.[27] In größeren Unternehmen findet man häufig eine tiefere Hierarchiestruktur oder eine Dezentralisierung von Entscheidungsbefugnissen. Dort, und im Falle eines mittelständischen Konzerns, ist es erforderlich, den Plan in Teilpläne für die einzelnen Unternehmenseinheiten zu zerlegen.[28] Eine ausführliche Planung sollte die Aufstellung einer Planerfolgsrechnung, Finanzplanrechnung und einer Planbilanz umfassen.[29]

Nach der Planfestlegung erfolgt die Planrealisation.[30] Entscheidungen können von der Unternehmensleitung durch die Mittel Zwang, Anreiz und Appell durchgesetzt werden.[31] Bestimmte Entscheidungen können durch Androhung von Sanktionen erzwungen werden oder es wird versucht, Entscheidungen durch Anbieten von Vorteilen ökonomischer oder gesellschaftlicher Art zu lenken. Beim Appell sollen Entscheidungen durch Argumentation beeinflusst werden. Die Planrealisation muss in größeren mittelständischen Unternehmen mit dezentralen Strukturen eine Koordination der Entscheidungen mit einbeziehen, damit gegensätzliche oder redundante Entscheidungen vermieden werden.[32]

Der Grad der Zielerreichung wird durch die Phase Kontrolle gemessen. Hier erfolgt ein Soll-Ist-Vergleich zwischen Plandaten und Ist-Daten.[33] Das Rechnungswesen liefert hierbei die Vergleichsdaten. Die Kontrolle erhält durch die Unsicherheit der Planung eine besondere Bedeutung. Auch können subjektive Zielvorstellungen von Entscheidungsträgern zu Planabweichungen führen.[34] In kleineren mittelständischen Unternehmen erfolgt typischerweise die Eigenkontrolle, bei der die Unternehmensleitung selbst den Soll-Ist-Vergleich durchführt.[35] In größeren mittelständischen Unternehmen mit tieferer Hierarchie und Dezentralisierung ist aufgrund von Informationsasymmetrien und vermutetem opportunistischen Verhalten der Entscheidungsträger eine Fremdkontrolle durch eine übergeordnete Einheit nötig.[36] Die Kontrolle dient in Unternehmen mit dezentraler Entscheidungsgewalt somit auch als Mittel zur Verhaltensbeeinflussung, da bereits die Durchführung von Kontrollen zu einem zielkonformen Handeln bewegen kann.[37]

Sollten die Ist-Daten von den Zielvorgaben abweichen, so müssen Gegensteuerungsmaßnahmen getroffen werden, um die Zielerreichung dennoch sicher zu stellen. Dazu müssen zunächst die Abweichungsursachen genau untersucht werden.[38] In der Abweichungsanalyse werden die Stärke der Abweichung und die Ursache der Differenz ermittelt.[39] Abweichungen können nur festgestellt werden, wenn die Ist-Daten und die Plan-Daten aufeinander abgestimmt sind.[40] Dazu müssen die jeweiligen zu Grunde gelegten Rechensysteme einen einheitlichen technischen Aufbau aufweisen und die Periodisierung von Ist-Rechnung und Plan-Rechnung muss identisch sein. Weiter sollten Kosten homogen erfasst werden und gleiche Bewertungsmaßstäbe verwendet werden. Man kann kontrollierbare und nicht kontrollierbare Abweichungen unterscheiden.[41] Abweichungsursachen können Planungsfehler, Realisationsfehler oder Auswertungsfehler sein. Im Falle von Planungsfehlern sollte die Planung eventuell angepasst werden. Beabsichtige Realisationsfehler lassen auf Probleme in der Verhaltenssteuerung schließen. Hier sollte vielleicht eine Anpassung oder Änderung der Steuerungsmittel erfolgen. Auswertungsfehler beruhen auf Messfehler bei der Ist-Größenermittlung und sollten bei einem gut organisierten Rechnungswesen nicht auftreten. Bei einer Übererfüllung des Ziels sollten auch Ursachen hierfür gesucht werden, um dann die Planung entsprechend anpassen zu können.[42]

Im Rahmen der Unternehmenssteuerung fallen Steuerungskosten an. Gründe hierfür sind Präferenz- und Informationsasymmetrien sowie Zeitinkonsistenzen. Arrow hat bereits 1951 gezeigt, dass sich individuelle Präferenzen nicht ohne weiteres in eine kollektive Präferenz einbauen lassen.[43] Wenn also die Individualpräferenz von der Unternehmenspräferenz abweicht, entstehen wahrscheinlich „motivationsbedingte Steuerungskosten“.[44] Informationsasymmetrien verursachen Steuerungskosten, wenn sich die dezentralen Entscheidungsträger opportunistisch verhalten. Der besser informierte Entscheidungsträger setzt seinen Informationsvorsprung für eigene Zwecke strategisch ein. Nur durch eine Anreizbelohnung, die höher als der für den Entscheidungsträger erwartete Nutzenzuwachs ist, kann der Entscheidungsträger zum zielkonformen Handeln bewegt werden. Zeitinkonsistenzen treten auf, wenn sich Präferenzen im Zeitablauf zu Lasten der Steuerungsadressaten verändern.[45]

Steuerungskosten sind in ex ante und ex post zu unterscheiden. Ex-ante Steuerungskosten sind auf eine mangelnde Entscheidungsfindung zurückzuführen. „Diese Kosten gehen dabei zu Lasten der Effektivität von Unternehmenssteuerung und rufen typischerweise nach der Entscheidung in der Implementierungsphase weitere ökonomische Kosten hervor, die auf die mangelnde Entscheidungsbildung zurückzuführen sind.“[46] Ex-post fallen Kosten bei einer unzureichenden Durchsetzung der Steuerung an.[47]

Zur Unterstützung der Unternehmenssteuerung wird in größeren Unternehmen häufig eine Controllingabteilung implementiert. In kleineren mittelständischen Unternehmen erfolgt die Steuerung oft intuitiv oder auf Basis der Daten der externen Rechnungslegung.[48] So hat Oehler in einer Umfrage eine hohe Bedeutung des Jahresabschlusses für das mittelständische Management festgestellt.[49] Er schließt daraus, dass der Jahresabschluss eine „bedeutende Entscheidungsgrundlage für die Unternehmensführung darstellt.“[50] Eine Unternehmenssteuerung im Mittelstand erfolgt meistens in Richtung der Unternehmensziele Kundenzufriedenheit und Unternehmenswertsteigerung.[51] Das Unternehmensziel Kundenzufriedenheit impliziert eine kundenorientierte Unternehmensführung mit dem Ziel, langfristig stabile und ökonomisch vorteilhafte Kundenbeziehungen zu sichern.[52] Mit dem Ziel der Unternehmenswertsteigerung sollen Entscheidungen durchgesetzt werden, die den Unternehmenswert steigern. Gesteuert wird in der Regel anhand von Größen, die aus der externen Rechnungslegung abzuleiten sind, wie z.B. der Umsatzrendite, dem EBT oder dem EBITDA.[53]

2.3 Effizienz und Effektivität als Grundlage einer ökonomischen Analyse

Eine ökonomische Analyse der Konsequenzen der IFRS auf die Unternehmenssteuerung in mittelständischen Unternehmen soll ein wesentlicher Schwerpunkt dieser Arbeit darstellen. Unter einer ökonomischen Analyse wird eine Untersuchung mittels ökonomischer Kriterien, Modelle oder Theorien verstanden. Die Analyse soll anhand der Kriterien Effektivität und Effizienz erfolgen. Für die Untersuchung der Konsequenzen für die Unternehmenssteuerung sind die Annahmen der begrenzten Rationalität und des opportunistischen Verhaltens zu treffen.[54] Der Ansatz der begrenzten Rationalität wird der Realität eher gerecht, da hier unterstellt wird, dass Entscheidungen zwar „intentional rational“ getroffen werden, aber aufgrund kognitiver Grenzen einer vollständigen Informationssaufnahme und –verarbeitung werden „objektiv-rationale“ Entscheidungen verhindert.[55] Dies ist gerade für die Unternehmenssteuerung in mittelständischen Unternehmen von Bedeutung, da hier viele Entscheidungen intuitiv getroffen werden.[56] Es werden gerade nicht objektiv-rationale, sondern nur rational erscheinende Entscheidungen getroffen, wenn der Entscheidungsträger nicht über vollständige Informationen verfügt. Opportunistisches Verhalten unterstellt, dass Entscheidungsträger eigennützlich entscheiden.[57]

Effektivität soll als Maßgröße der Zielerreichung dienen.[58] Die Unternehmenssteuerung auf Basis der IFRS ist dann effektiver, wenn Unternehmensentscheidungen zielkonformer getroffen werden, die Umsetzung der Entscheidungen mit geringerem Aufwand erfolgt und die einzelnen Phasen der Steuerung besser als gegenwärtig erfüllt werden können. Es sind drei Ausgangssituationen zu untersuchen. So kann eine Unternehmenssteuerung in mittelständischen Unternehmen anhand eines internen Rechenwerks erfolgen, oder die Steuerung erfolgt, wie in kleineren mittelständischen Unternehmen typisch, intuitiv oder auf Basis der externen HGB-Rechnungslegung.

Eine effektivere Planung kann vermutet werden, wenn mehr oder aussagekräftigere Plandaten bereitgestellt werden. In mittelständischen Unternehmen mit dezentralen Entscheidungsstrukturen und/oder einer Mehrzahl unterschiedlicher Geschäftsfelder ist die Zerlegbarkeit des Gesamtplans in Teilpläne ein wichtiges Kriterium für eine effektive Planung, denn nur dann ist sichergestellt, dass knappe Ressourcen zielkonform verbraucht werden. Die Zielsetzung wird erleichtert, wenn Erfolgs- und Liquiditätsziele genauer definiert werden können, dass heißt, für die Setzung von Erfolgszielen sollten steuerungsgerechte finanzielle Überschussgrößen geliefert werden, die konzeptionell als Soll- und Ist-Größe verwendet werden können.[59] Die Verfolgung von Liquiditätszielen bedingt umfassende Kenntnisse über die aktuelle und zukünftige Finanzlage des Unternehmens, so kann die zukünftige Finanzlage beispielsweise in Form einer Finanzplanung beschrieben werden. Die IFRS würden Vorteile mit sich bringen, wenn sie die reale Finanzlage wiedergeben und dadurch die Erstellung einer Finanzplanung ermöglichen. Die Planrealisation läuft effektiver ab, wenn Entscheidungen zielkonformer getroffen oder durchgesetzt werden können. Die Entscheidungsdurchsetzung wird erleichtert, wenn Entscheidungen und der Erfolg einzelner Entscheidungsträger separat vom Gesamtunternehmen darstellbar sind und die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen der Entscheidungen abgebildet werden. Die Entscheidungsfindung wird leichter, wenn alle entscheidungsrelevanten Informationen bereitgestellt werden. Bei größeren Unternehmen muss auch die Koordinationsfähigkeit von Entscheidungen durch die IFRS untersucht werden. Die Analyse muss auch die Erfüllung der Entscheidungsfunktion und der Verhaltenssteuerungsfunktion durch die IFRS umfassen. Effektivitätsvorteile in der Kontrolle sind möglich, wenn eindeutige Ergebniszahlen ermittelt werden und diese das betriebswirtschaftliche Ergebnis realer wiedergeben. Die Länge der Kontrollperiode sollte bei einer effektiven Unternehmenssteuerung entweder einen Monat oder ein Quartal betragen, wobei eine quartalsweise Kontrolle aufgrund von Kosten-Nutzen-Überlegungen für mittelständische Unternehmen eher geeignet zu sein scheint.[60] Eine bessere Abweichungsanalyse ist gegeben, wenn Abweichungsursachen einfacher festgestellt und analysiert werden können. Die IFRS wären bei einer höheren Durchsetzungskraft von Gegensteuerungsmaßnahmen effektiver.

Verfolgt ein Unternehmen das Ziel der Kundenzufriedenheit, so ist die die Unternehmenssteuerung kundenorientiert auszurichten. Ein Rechnungslegungssystem würde Effektivitätsvorteile mit sich bringen, wenn dadurch Kundenwerte korrekt ermittelt werden und Kundenstrukturanalysen ermöglicht werden.[61]

Effizienz stellt in dieser ökonomischen Analyse eine Nebenbedingung der Effektivität dar. Die IFRS sind in Bezug auf die Unternehmenssteuerung dann effizienter, wenn bei gleichem Effektivitätsniveau der Ressourceneinsatz geringer ist oder die Effektivität nach IFRS besser ist bei verhältnismäßig gleichem Ressourcenverbrauch.[62] Der Verbrauch fällt in Form von Steuerungskosten an.

Die Untersuchung der Effektivität und Effizienz der IFRS für Zwecke der Unternehmenssteuerung wird von einigen Problemen begleitet. Die Ausgestaltung des Rechnungslegungssystems ist nicht die einzige Determinante für den Erfolg der Unternehmenssteuerung.[63] Die Unternehmenssteuerung wird auch wesentlich durch den Führungsstil des jeweiligen Unternehmers geprägt. So wird ein intuitiv steuernder Unternehmer wahrscheinlich auch dann nicht auf Rechnungslegungsdaten zurückgreifen, wenn sie zu einer Verbesserung der Unternehmenssteuerung führen würden. Auch ergeben sich Zeitprobleme bei der Analyse der Effektivität und Effizienz.[64] Die Rechnungslegungsnormen der IFRS und die Art der Unternehmenssteuerung unterliegen einem ständigen Wandel. So kann eine Unternehmenssteuerung auf Basis der IFRS gegenwärtig für effektiv oder effizient erklärt werden, jedoch können z.B. künftige Änderungen der Standards zu möglichen Einschränkungen der in dieser Arbeit getroffenen Aussagen führen. Hier könnte insbesondere das NPAE-Projekt des IASB eine wichtige Rolle für die künftige Effektivität und Effizienz der Unternehmenssteuerung nach IFRS in mittelständischen Unternehmen spielen. Das abschließende Urteil bezüglich Effektivität und Effizienz soll deswegen nur für den aktuellen Stand der IFRS-Regelungen gelten.

3 Zur Bedeutung der IFRS im Mittelstand

3.1 Empirischer Beleg zur Relevanz der IFRS in mittelständischen Unternehmen

3.1.1 Stand der IFRS- Rechnungslegung

In diesem Abschnitt soll untersucht werden, inwieweit die IFRS für den Mittelstand relevant sind und angewendet werden. Dies erscheint nötig, um die Bedeutung der Analyse der Konsequenzen der IFRS für die Unternehmenssteuerung zu untersuchen.[65] Da es keine offiziellen Verlautbarungen deutscher Institutionen zum Stand der Anwendung der IFRS in den Unternehmen gibt, kann eine Bestandsaufnahme nur mittels einer Auswertung von themenbezogenen Studien erfolgen. Die in die Studien einbezogenen Studien eignen sich für diese Untersuchung, weil sie genaue Aussagen zum Stand der Anwendung der IFRS in mittelständischen Unternehmen zulassen. Studien wurden nicht einbezogen, wenn sie entweder keine klaren Daten über den Stand der angewandten externen Rechnungslegung liefern oder aus sonstigen Gründen nicht aussagekräftig sind. Tabelle 4 im Anhang gibt einen Überblick über die einbezogenen Studien und zeigt die aktuelle Relevanz der IFRS. Diese können nur unter Vorbehalt und bestimmten Annahmen für Zwecke dieser Arbeit verwendet werden.

In nahezu allen Studien wurden keine qualitativen Abgrenzungen vorgenommen. Nur Mandler grenzt für seine Studien den Mittelstand qualitativ ab.[66] Er betont auch die Einheit von Eigentum und Leitung und definiert den Mittelstand allerdings noch enger, indem er annimmt, dass mittelständische Unternehmen nicht kapitalmarktorientiert sind. Die Studien der KPMG/Fachhochschule Münster, der PwC/DIHK und von Weber/Sommer/Pfanzelt legen im Gegensatz dazu überhaupt keine Definition des Begriffs Mittelstand zu Grunde.[67] Oehler und der Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. betrachten aus der Menge der mittelständischen Unternehmen lediglich die KMU und grenzen diese quantitativ ab.[68] Damit die in den Studien beobachteten mittelständischen Unternehmen deckungsgleich mit den in dieser Arbeit zu Grunde gelegten Mittelständlern sind, soll angenommen werden, dass die in 2.1 genannten Merkmale für alle in den Studien untersuchten Unternehmen, die als mittelständisch oder KMU deklariert wurden, erfüllt sind. Den befragten Unternehmen wird weiter unterstellt, dass diese wahrheitsgemäß geantwortet haben. Die Zahlen aus den Auswertungen können teilweise zu positiv sein, da die Möglichkeit der Mehrfachzählung von Unternehmen in zwei oder mehr Studien besteht. Besonders in den Studien von Oehler und der KPMG/Fachhochschule Münster können Überschneidungen auftreten, da beide die Hoppenstedt-Firmendatenbank für die Unternehmensauswahl herangezogen haben.[69] Zur Studienauswertung waren teilweise Umrechnungen von Prozentangaben in Anzahl der antwortenden Unternehmen nötig, um Vergleichbarkeit zu schaffen. Hier wurde bei der Umrechnung gerundet. Es ist möglich, dass deswegen im Rahmen der Auswertung „Rundungsfehler“ auftauchen, so dass z.B. die Anzahl der antwortenden Unternehmen größer ist als die Anzahl der befragten Unternehmen. „Rundungsfehler“ wurden bewusst fortgesetzt, um vom Autor willkürliche Änderungen zu vermeiden.

Die Auswertungen basieren auf insgesamt 3313 verwertbaren, von mittelständischen Unternehmen ausgefüllten Fragebögen aus 6 Studien. Die Studien wurden in der Zeit von 2002 bis 2005 durchgeführt. Dabei wurden 182 Unternehmen ermittelt, die zum Zeitpunkt der Befragung eine Umstellung auf IFRS planen oder bereits an der Umstellung arbeiten.[70] Dies entspricht bei 1458 Antworten bezüglich einer geplanten Umstellung einem Prozentsatz von 12,48 %.[71] Der Anteil der IFRS-Anwender beträgt mit 538 von 3313 befragten Unternehmen 16,24 %.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Stand der IFRS-Rechnungslegung im Mittelstand (verkürzte Darstellung)

Im Wesentlichen haben die mittelständischen IFRS-Anwender und Umsteller vier Gemeinsamkeiten. In jeder Studie ist zu erkennen, dass viele dieser Unternehmen international ausgerichtet sind.[73] Die Befragungen von Oehler, KPMG/Fachhochschule Münster, PwC/DIHK und von Weber/Sommer/Pfanzelt zeigen einen hohen Anteil an Unternehmen, die einem Konzernverbund angehören.[74] Alle Untersuchungen, bis auf die von Weber/Sommer/Pfanzelt belegen einen hohen Anteil von Kapitalgesellschaften unter den Anwendern und Umstellern.[75] Die Erhebungen lassen den Schluss zu, dass mit zunehmenden Umsätzen der Anteil der IFRS-Anwender und Umsteller an den gesamten befragten Unternehmen tendenziell steigt.

Der „typische“ mittelständische IFRS-Anwender oder Umsteller ist also eine international tätige Kapitalgesellschaft, die zu einem Konzernverbund gehört und relativ hohe Umsätze erzielt. Aus dem gegenwärtigen Stand der Analyse lässt sich aber nicht schlussfolgern, dass für diesen Typus eine IFRS-Anwendung auch wirklich von Vorteil ist. Im Zeitvergleich zeigen die Studien keine zunehmende Relevanz der IFRS im Mittelstand. Dies ist auch damit zu begründen, dass in den Studien jeweils unterschiedliche Unternehmenstypen befragt wurden. Je mehr der oben genannten „typischen“ mittelständischen Unternehmen in den Studien befragt wurden, desto höher war der Anteil der IFRS-Anwender und Umsteller. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass sich die vier Merkmale im Zeitablauf von 2002 bis 2005 in ihrer Bedeutung nicht geändert haben.

3.1.2 Erwartete Chancen und Risiken bei der Implementierung von IFRS

Eine Umstellung der Rechnungslegung auf IFRS kann gewisse Vor- und Nachteile für das Unternehmen mit sich bringen. Im Folgenden werden anhand von Studienauswertungen erwartete Vor- und Nachteile beziehungsweise Gründe für oder gegen eine Umstellung der Rechnungslegung auf IFRS in mittelständischen Unternehmen genannt. Vorweg sind für die Verwendung der Studien folgende Annahmen zu treffen. Die befragten Unternehmen sollen das Kriterium der Einheit von Eigentum und Leitung erfüllen, obwohl dieses Merkmal nicht explizit in den Studien genannt wird.[76] Auch bei dieser Auswertung besteht die Gefahr der Mehrfachnennung, deswegen sind die genannten Prozentzahlen tendenziell eher zu hoch als zu niedrig. Die meisten Untersuchungen unterscheiden in ihren Analysen nicht zwischen erwarteten und tatsächlich beobachteten Vor- und Nachteilen.[77] In solchen Fällen wird für alle Antworten angenommen, dass es sich um Erwartungen handelt. Diese Annahme wird durch die Vermutung gestützt, dass für eine Beobachtung tatsächlicher Umstellungseffekte der Zeithorizont derjenigen Mittelständler, die bereits nach IFRS bilanzieren, zu gering ist, um aussagekräftige Analysen zu ermöglichen.

Da nicht alle Studien die gleichen Untersuchungsziele haben, waren Normierungen nötig, damit die Erhebungen insgesamt eine einheitliche Aussage ermöglichen. Die Auswertung soll auf dem Grad der Zustimmung zu den erwarteten Vor- und Nachteilen bzw. Gründen für oder gegen eine Umstellung basieren.

In der Umfrage von Oehler sollten vorgegebene Motive ihrer Bedeutung nach beurteilt werden.[78] Es wird angenommen, dass nur die Antworten mit einer „hohen Bedeutung“ einer Zustimmung gleich zu stellen sind, deswegen wurden nur die Prozentangaben der Antwortmöglichkeit „hohe Bedeutung“ für den Grad der Zustimmung verwendet. Die von der KPMG und der Fachhochschule Münster befragten Unternehmen sollten die Bedeutung gegebener Vorteile allgemein und auf das eigene Unternehmen bezogen mit gering, mittel oder hoch bewerten.[79] Bei einer mittleren Zustimmung wird für Auswertungszwecke ein Zustimmungsgrad von 50 % unterstellt. Die Erhebungen vom Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. und der PwC/DIHK konnten direkt ohne Normierung für die Analyse genutzt werden, da hier nur die Antwortmöglichkeiten Zustimmung oder Ablehnung bestanden.[80] Marten/Schlereth/Crampton/Köhler untersuchten 2002 nur die Nutzeneffekte aus einer Umstellung auf IFRS.[81] Dazu sollten 1200 Mitglieder der DVFA Nutzeneffekte für Unternehmen aus Sicht potenzieller Investoren beurteilen. 153 Mitglieder haben zwischen den Antwortmöglichkeiten „trifft immer zu“ bis „trifft nie zu“ gewählt oder keine Beurteilung abgeben. Nur die Antworten „trifft immer zu“ und „trifft häufig zu“ werden als Zustimmung gewertet. Der Grad der Zustimmung ergibt sich als Summe dieser beiden Möglichkeiten.[82] Köhler/Marten/Schlereth/Crampton führten im Jahr 2003 eine Untersuchung zu Umstellungseffekten bei im Prime Standard an der Frankfurter Wertpapierbörse notierten Unternehmen durch. Diese Unternehmen sollten auch die Relevanz der genannten Motive für eine Umstellung in nicht börsennotierten Unternehmen, wie beispielsweise mittelständische Unternehmen, beurteilen.[83] Unter der Annahme, dass die gegebenen Antworten für den Mittelstand repräsentativ sind, kann aufgrund einer Ja/Nein-Antwortmöglichkeit direkt auf den Grad der Zustimmung geschlossen werden. Mandler hat neben mittelständischen Unternehmen auch Professoren deutscher Fach- und Gesamthochschulen zu Argumenten für oder gegen eine Umstellung auf IFRS befragt. Es konnte zwischen voller bis gar keiner Zustimmung gewählt werden. Dabei wird angenommen, dass volle Zustimmung einem Grad von 100 % entspricht. In der Auswertung wurde der Durchschnitt der Antworten von mittelständischen Unternehmen und den Professoren gebildet, weil ein breites Meinungsbild erstellt werden sollte.[84]

Nach Normierung des Bewertungskriteriums erfolgte eine Standardisierung durch Kategorisierung der genannten Vor- und Nachteile bzw. Gründe für oder gegen eine Umstellung auf IFRS. Als Hauptkategorien der Vorteile bzw. Gründe für eine Umstellung wurden Finanzierung, Internationalisierung, Unternehmenssteuerung, Informationsgehalt, Konzernrechnungslegung und Sonstiges festgelegt und als Nachteile wurden Kosten, Transparenz, Anwendungsprobleme und Veranlassung ermittelt. Die Zuordnung der in den Studien aufgelisteten Vor- und Nachteile zu den Kategorien und die jeweiligen Unterkategorien sind den Auswertungen in Tabelle 7 zu entnehmen. Für Zwecke einer ordentlichen Analyse wurden Durchschnittswerte für den Grad der Zustimmung in den jeweiligen Kategorien gebildet. Da nicht in allen Umfragen die gleichen Motive genannt wurden, besitzen einige Durchschnittswerte eine höhere Aussagekraft als andere.

[...]


[1] Vgl. Knorr/Zeimes (2005), S. 20.

[2] Vgl. Böcking (2006), S. 22.

[3] Gemäß den IFRS ist der Fair Value als der Betrag zu verstehen, zudem „ein Vermögenswert zwischen sachverständigen, vertragswilligen und voneinander unabhängigen Geschäftspartnern getauscht werden könnte.“ IAS 16.6.

[4] Vgl. Müller/Ordemann/Pampel (2005), S. 2119.

[5] Vgl. Wenning (2001), S. 42-43.

[6] Vor- und Nachteilen der IFRS für Zwecke der Unternehmenssteuerung in Großunternehmen werden ausführlich dargestellt in Kahle (2003), Wussow (2004) oder Franz/Winkler (2006).

[7] Für große mittelständische Unternehmen mit dezentralen Entscheidungsstrukturen werden aber ähnliche Auswirkungen der IFRS auf die Unternehmenssteuerung wie in Großunternehmen vermutet.

[8] Hamer (1990), S. 19.

[9] Vgl. Hoch (1989), S. 5. Hoch verweist in 1989 bereits auf über 200 in der Literatur nachgewiesene Definitionen vom Mittelstand.

[10] Vgl. Pfohl (1997), S. 3.

[11] Die Vermutung soll an späterer Stelle im Abschnitt 2.2 nochmals begründet werden.

[12] Vgl. Pfohl (1997), S. 19-21. Der Autor nennt eine Reihe von qualitativen Abgrenzungskriterien.

[13] Vgl. Jordan (2001), S. 17. Die Einheit von Eigentum und Leitung stellt einen wichtigen Erfolgsfaktor für den Mittelstand dar. Studien haben gezeigt, dass solche Unternehmen eine verhältnismäßig bessere Performance erzielen. Einen kurzen Überblick über die Studien liefert Vilaseca. Vgl. Vilaseca (2002), S. 302-304.

[14] Vgl. Wolter/Hauser (2001). S. 33.

[15] Vgl. Weber (1995), S. 5.

[16] Studien haben gezeigt, dass Unternehmer mehr mit operativen Tätigkeiten als mit Führungsaufgaben beschäftigt sind. Vgl. hierzu Kayser (1995), S. 1302.

[17] Es sei angemerkt, dass die Unterscheidung in kleinere und größere Unternehmen eher auf den Unternehmenstypus bezogen ist als auf die Unternehmensgröße.

[18] Vgl. Steinmann/ Schreyögg (2005), S. 459-461.

[19] Vgl. Pfohl (1997), S. 20.

[20] So haben laut einer Umfrage von 1995 von 592 befragten Familienunternehmen 465 Unternehmen einen Anteil von 100 % genannt. Vgl. Klein (2004), S. 106-107.

[21] Vgl. Klein (1999), S. 12.

[22] Vgl. Kiefel (2003), S. 18-19.

[23] Vgl. Franz/Winkler (2006), S. 3.

[24] Schweitzer (2001), S. 18.

[25] Vgl. Franz/Winkler (2006), S. 3 und vgl. Lanz (1992), S. 44.

[26] Vgl. Kiefel (2003), S. 203-204.

[27] Man kann kurzfristige und langfristige Ziele unterscheiden und das Zielausmaß kann extrem, fixiert oder begrenzt sein. Vgl. hierzu Bea (2004), S. 316.

[28] Die Unterteilung erscheint notwendig, damit knappe Ressourcen zielkonform und nur von der Division verwendet werden, die die Ressourcen am effektivsten und effizientesten einsetzt.

[29] Vgl. Egger (2000), S. 432.

[30] Vgl. Schweitzer (2001), S. 20.

[31] Vgl. Kiefel (2003), S. 23.

[32] Vgl. Schweitzer/Küpper (1995), S. 4.

[33] Für einen Vergleich könnten statt Plan-Daten aber auch branchenübliche Werte als Maßstab für eine Kontrolle dienen. Vgl hierzu Küting/Lorson (1998a), S. 2252.

[34] Vgl. Schweitzer (2001), S. 72.

[35] Vgl. Treutz/Creutzburg (2002), S. 402.

[36] Vgl. Franz/Winkler (2006), S. 5.

[37] Vgl. Schweitzer/Küpper (1995), S. 45.

[38] Vgl. Ewert/Wagenhofer (2005), S. 317.

[39] Vgl. Küpper (1995), S. 181.

[40] Vgl. Egger (2000), S. 438.

[41] Vgl. Ewert/Wagenhofer (2005), S. 317-318.

[42] Vgl. Franz/Winkler (2006), S. 5.

[43] Vgl. Arrow (1951), S. 61-64.

[44] Kiefel (2003), S. 6.

[45] Vgl. Kiefel (2003), S. 7 und S. 151-152.

[46] Kiefel (2003), S. 143.

[47] Vgl. Kiefel (2003), S.150.

[48] Bei einer intuitiven Steuerung wird angenommen, dass Entscheidungen „aus dem Bauch heraus“ getroffen werden ohne umfangreiche Rechnungen. Weiter wird vermnutet, dass der Unternehmer den Mitarbeitern sehr vertraut und deswegen weitestgehend auf eine Kontrolle der Mitarbeiter verzichtet. Vgl. Weber (1995), S. 5.

[49] Vgl. Oehler (2006), S. 24.

[50] Oehler (2006), S. 24.

[51] Diese beiden Unternehmensziele wurden als die Hauptziele in mittelständischen Unternehmen im Rahmen der Studie von Weber/Sommer/Pfanzelt identifiziert. Vgl. hierzu Weber/Sommer/Pfanzelt (2005), S. 33.

[52] Vgl. Bruhn (2002), S. 37.

[53] Vgl. Weber/Sommer/Pfanzelt (2005), S. 36.

[54] Vgl. Kiefel (2003), S. 11.

[55] Kiefel (2003), S. 10.

[56] Vgl. Weber (1995), S. 5.

[57] Vgl. Kiefel (2003), S. 11.

[58] Vgl. Scholz (1992), S. 533.

[59] Vgl. Egger (2000), S. 430.

[60] Vgl. Egger (2000), S. 435.

[61] Vgl. Bruhn (2002), S. 38 und S. 52-53.

[62] Vgl. Bramsemann/Heineke (2004), S. 62.

[63] Vgl. Scholz (1992), S. 546

[64] Vgl. Scholz (1992), S. 547.

[65] Eine Analyse ist nur sinnvoll, wenn die IFRS für den Mittelstand eine gewisse Relevanz aufweisen.

[66] Vgl. Mandler (2004), S. 14-16.

[67] Vgl. KPMG/Fachhochschule Münster (2004), S. 4, vgl. PwC/DIHK (2005), S. 30, und vgl. Weber/Sommer/Pfanzelt (2005), S. 10.

[68] Oehler versteht unter KMU Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern und einem Umsatz von weniger als 50 Millionen €, vgl. hierzu Oehler (2006), S. 20. Der Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. definiert KMU als Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern, einem Umsatz von weniger als 32 Millionen € und einer Bilanzsumme von weniger als 16 Millionen €. Vgl. hierzu Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (2005), S. 21.

[69] Vgl. Oehler (2006), S. 21, und vgl. KPMG/Fachhochschule Münster (2004), S. 3. Allerdings wird die Schnittmenge durch die unterschiedlichen Schwerpunkte bei der Unternehmensauswahl relativiert. Oehler betrachtet Unternehmen mit einem Umsatz bis zu 50 Millionen € und die KPMG/ Fachhochschule Münster hat Unternehmen erst mit einem Umsatz ab 20 Millionen € ausgewählt.

[70] Im Folgenden sollen Unternehmen, die eine Umstellung planen oder die bereits umstellen, als Umsteller bezeichnet werden.

[71] Die Studie von Weber/Sommer/Pfanzelt macht keine Angaben zur Anzahl von geplanten Umstellungen oder bereits laufenden Umstellungen. Deswegen beträgt die Grundgesamtheit hier nur 3313 – 1855 = 1458 Unternehmen. Vgl. hierzu Weber/Sommer/Pfanzelt (2005), S. 31-32.

[72] Zur Ermittlung des gewichteten Durchschnitts siehe Tabelle 4 im Anhang.

[73] Ein Unternehmen ist international ausgerichtet, wenn es einen Teil der Umsätze im Ausland erzielt, ausländische Lieferanten in Anspruch nimmt oder Teile des zugehörigen Konzerns international niedergelassen sind.

[74] Konzernverbundenheit ist gegeben, wenn ein Unternehmen als Mutterunternehmen oder Tochterunternehmen zu einem Konzern gehört.

[75] Die Studie von Weber/Sommer/Pfanzelt macht keine Angaben zur Rechtsform der befragten Unternehmen.

[76] Eine Ausnahme bildet hier wieder die Studie von Mandler. Hier wird die Einheit von Eigentum und Leitung für die befragten Unternehmen gefordert. Vgl. hierzu Mandler (2004), S. 14-16.

[77] Einzig die Studie vom Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. gliedert die Vor- und Nachteile nach Anwender und Umsteller. Vgl. hierzu Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (2005), S. 29-30.

[78] Die Motive konnten mit einer hohen, mittleren oder keiner Bedeutung bewertet werden. Vgl. hierzu Oehler (2006) S. 26-27.

[79] Vgl. KPMG/Fachhochschule Münster (2004), S. 11-15. Die unternehmensbezogenen Antworten wurden nicht berücksichtigt, um eine Verzerrung zu vermeiden, da andere Unternehmen nur allgemein geantwortet haben.

[80] Vgl. Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (2005), S. 50-51, und vgl. PwC/DIHK (2005), S. 43-44.

[81] Vgl. Marten/Schlereth/Crampton/Köhler (2002).

[82] Durch diese Addition scheinen die Vorteile überdurchschnittlich bedeutend zu sein. Dies liegt dar-an, dass manche Unternehmen bei einer strikten Ja/Nein –Möglichkeit bei Unentschlossenheit wahrscheinlich eher zu Nein tendieren. Wenn aber nun eine abgeschwächte Zustimmung möglich ist, dann werden einige der Unternehmen, die nicht vollkommen überzeugt sind, eher ein schwaches Ja wählen.

[83] Vgl. Köhler/Marten/Schlereth/Crampton (2003), S. 2617.

[84] Die Antworten der Professoren werden einbezogen, da diese allgemeine Antworten liefern und nicht unternehmensspezifische. Somit passen die Antworten in das Gesamtfeld der Antworten.

Ende der Leseprobe aus 104 Seiten

Details

Titel
Rechnungslegung nach IFRS bei mittelständischen Unternehmen
Untertitel
Eine ökonomische Analyse der Konsequenzen auf die Unternehmenssteuerung
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
104
Katalognummer
V86079
ISBN (eBook)
9783638906661
Dateigröße
1149 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit wurde November 2007 mit dem Förderpreis für herausragende Diplomarbeiten der Stephan Schmidt Stiftung ausgezeichnet.
Schlagworte
Rechnungslegung, IFRS, Unternehmen
Arbeit zitieren
Stefan Kaufmann (Autor:in), 2006, Rechnungslegung nach IFRS bei mittelständischen Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86079

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