... Frauen und Fußball; was lange Zeit als zwei sich einander kategorisch ausschließende Dinge galt, scheint sich sukzessiv zusammenzufinden. Nichtsdestotrotz gilt der Fußball in Europa und einigen lateinamerikanischen Ländern als klare Männerdomäne. Das ist unumstritten. Genauso unumstritten ist jedoch die Tatsache, dass der Fußball (zumindest in Deutschland) immer mehr weibliche Anhänger findet – als Fans ihrer (Männer-) Vereine. Auch der von Frauen gespielte Fußball ist in den letzten Jahren beliebter geworden, obwohl er in der Popularität keineswegs mit dem der Männer zu vergleichen ist. Aber auch hier ist ein größerer Zulauf erkennbar. Frauen und Fußball, das passte nicht immer zusammen. Das durfte zeitweilig gar nicht sein. Es gehörte sich einfach nicht. Als Fans zwar mehr oder minder akzeptiert, das Praktizieren jedoch gänzlich unerwünscht.
Es stellt sich hiermit die Frage, warum der Fußballsport (u. a. hierzulande) als Männerdomäne gilt. Was macht ihn überhaupt unweiblich, wie die weitläufige Meinung noch heute ist? Diese fundamentale Frage soll in dieser Arbeit fokussiert werden, die automatisch auch den Aspekt der öffentlichen Wahrnehmung von Frauen in Verbindung mit dem Fußball und die gegenwärtige Situation des weiblichen Publikumanteils beinhaltet.
Zunächst soll jedoch etwas allgemeiner an diese Fragestellung herangeführt werden. Dazu müssen die Begriffe Geschlecht und Identität kurz erläutert werden, um zu klären, was mit Männlichkeit bzw. Weiblichkeit überhaupt verbunden wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Eingrenzung des Themas
2. Geschlecht und Identität
3. Männerdomäne Fußball
3.1 Frauen, Fußball und die ewigen Klischees
3.2 Gegenwärtige Situation des weiblichen Publikumanteils
4. Schlussbetrachtung
5. Literatur- und Quellenangaben
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die soziologische Verknüpfung von Geschlechterrollen und der Sportkultur Fußball, um die Gründe für die hartnäckige Wahrnehmung des Fußballs als Männerdomäne zu analysieren und der Frage nachzugehen, wie sich das Bild des weiblichen Fußballfans zwischen Klischee und Realität verändert hat.
- Konstruktive Feststellung von Geschlecht und Identität.
- Theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff des "Männerbundes" im Fußball.
- Analyse gängiger Klischees gegenüber weiblichen Fans.
- Untersuchung der gestiegenen Attraktivität und des Wandels in der Stadionkultur.
- Soziologische Einordnung der Geschlechterrollen im modernen Sport.
Auszug aus dem Buch
3.1 Frauen, Fußball und die ewigen Klischees
Mit Einfallsreichtum und Kreativität wurde vielerorts versucht, Frauen auf die Fußball – WM in Deutschland vorzubereiten, damit sie gut gerüstet und diese vier Wochen einigermaßen erträglich und „unbeschadet“ überstehen konnten. So wurden Buch-Ratgeber mit Titeln wie „Kleines Fußball ABC für Frauen“ oder „Ersatzbankknigge. Der Fußball - Survivalführer für Frauen“ für diejenigen Frauen herausgegeben, die mit Fußball eigentlich nichts oder nur wenig am Hut haben. Das Bild in der Öffentlichkeit ist meist diese, dass der größte Teil der Frauen dazugehört. Und so kommt es, dass Frauen schlichtweg in ihrer Gesamtheit zu inkompetenten Wesen in Bezug auf den Fußball degradiert werden. Es soll im Folgenden das dargestellt werden, was seit vielen Jahrzehnten einerseits amüsant, andererseits als große Verärgerung betrachtet wird – den Vorurteilen bzw. Klischees über die Beziehung der Frauen zum Fußball. Die Existenz diverser Klischees kann nicht geleugnet werden. Es soll hier aber keine Bewertung darüber stattfinden, sondern vielmehr auf die Ursache passend zur eingangs gestellten Frage eingegangen werden.
Und damit sind wir schon bei einem ganz grundlegenden Klischee: Frauen, die etwas mit Fußball zu tun haben, sind unweiblich. Was bedeutet das denn im Umkehrschluss? Das bedeutet, dass Fußball männlich ist. Fußball kann in Deutschland erst ab den 50er Jahren als Massensportart angesehen werden. Mit dieser Wandlung zum Massensport wurde der Fußball mehr und mehr ein Ort männlicher Selbstdarstellung. Und der Fußball blieb eine stark männerbündische Sportart. In der Sozial- und Kulturwissenschaft wird der Begriff >>Männerbund<< als eine Gruppierung oder Gemeinschaft von Männern, die sich in männlichen Verhaltensmustern auszeichnen definiert und deren Aufgabe sie in der Erziehung zu Aggression und Gewalt sowie der Einübung des geschlechtsspezifischen Rollenverhaltens sehen. Und vor allem dienen sie der Demonstration männlicher Dominanz und der Durchsetzung der Vormachtstellung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Eingrenzung des Themas: Die Einleitung beleuchtet das gestiegene öffentliche Interesse an Fußball rund um die WM 2006 und hinterfragt die traditionelle Sichtweise, dass Fußball eine reine Männerdomäne sei.
2. Geschlecht und Identität: Dieses Kapitel erläutert die soziologischen Grundlagen von Geschlechtsidentität, einschließlich der Unterscheidung zwischen biologischem (Sex) und sozialem Geschlecht (Gender).
3. Männerdomäne Fußball: Das Kapitel analysiert tiefgehend die Strukturen, die Fußball als männlich geprägtes Terrain definieren, sowie die spezifischen Vorurteile und die moderne Entwicklung des Publikums.
4. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert den Wandel der Fankultur hin zu einer familienfreundlicheren Arena-Atmosphäre, hält aber fest, dass die strukturelle Männerdomäne im praktischen Sport fortbesteht.
5. Literatur- und Quellenangaben: Verzeichnis der in der Arbeit zitierten wissenschaftlichen Quellen und Literatur.
Schlüsselwörter
Fußball, Geschlechterrollen, Männerdomäne, Identität, Fan-Kultur, Soziologie, Weiblichkeit, Männlichkeit, Gender, Sex-Gender-Trennung, Stadion, Klischees, WM 2006, Fanmeile, Gesellschaftsfähigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die soziologische Verbindung zwischen dem Fußballsport und der Konstruktion von Geschlechteridentitäten, insbesondere im Hinblick auf Frauen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen Geschlechterforschung, die Geschichte des Frauenfußballs, die soziologische Definition von Männerbünden und die veränderte Demografie in Bundesligastadien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Gründe für die hartnäckige Wahrnehmung des Fußballs als Männerdomäne aufzudecken und zu klären, welche Mechanismen das Bild des "unweiblichen" Fußballfans prägen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse soziologischer Begriffe und einem Vergleich gesellschaftlicher Wahrnehmungen von Geschlechterrollen in verschiedenen kulturellen Kontexten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretische Unterscheidung von Sex und Gender, das Phänomen des "Männerbundes" im Fußball sowie eine Bestandsaufnahme des weiblichen Publikumsanteils.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Fußball, Männerdomäne, Identität, Geschlechterrollen, Gender und Fan-Kultur.
Wie bewertet der Autor den Einfluss der WM 2006?
Die WM 2006 wird als Katalysator für einen Imagewandel des Fußballs hin zu einer familienfreundlicheren und gesellschaftsfähigeren Sportart gesehen.
Warum wird im Text der Vergleich zu den USA gezogen?
Der Vergleich dient dazu zu illustrieren, dass die Wahrnehmung eines Sports als "männlich" oder "weiblich" ein historisch-gesellschaftliches Produkt ist, das in verschiedenen Ländern stark variieren kann.
Welche Rolle spielen neue Stadionkonzepte für weibliche Fans?
Moderne Stadionkonzepte verbessern durch sanitäre Anlagen und ein effektives Sicherheitskonzept den Komfort und das Sicherheitsgefühl, was den Anstieg des weiblichen Publikums maßgeblich fördert.
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- Michael Schmidt (Author), 2007, Klischees vom weiblichen Fußballfan - Realität und Fiktion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86108